Vorwort
Preface
Den durstigen Erdkreis stillen
Quenching A Parched World
Es war ein zu schöner Tag, um schon in unser Gebäude hineinzugehen, also saßen meine Mutter und ich gemeinsam auf der Ziegelmauer, die den blühenden Garten unserer Nachbarn umgab. Wir wohnten in Borough Park, Brooklyn (New York City), wo über 90 % der Nachbarschaft aus chassidischen Juden bestehen, die ihrem Judentum ebenso verbunden schienen wie wir unserem Islam. Das muss zu den Sorgen beigetragen haben, die damals meine Gedanken bestürmten, zusammen mit der verbreiteten Stimmung, der ich überall begegnete und die eine andere Sicht auf die Religion vertrat: dass sie belanglos sei. Seit diesem Moment sind über zwanzig Jahre vergangen, doch ich habe mein Gefühl der Beklommenheit nicht vergessen, als ich dort saß und all meinen Mut zusammennahm, um meine Mutter mit der gewagten Frage zu konfrontieren.
It was too beautiful a day to go inside our building just yet, so my mother and I sat together on the brick ledge surrounding our neighbor’s blooming garden. We lived in Borough Park, Brooklyn (New York City), where over 90% of the neighborhood is comprised of Hasidic Jews, who seemed as committed to their Judaism as we were to our Islam. That must have contributed to the concerns that crowded my thoughts back then, along with the popular sentiment I encountered everywhere that offered another take on religion: that it is irrelevant. It has been over twenty years since that moment, but I have yet to forget my sense of anxiousness as I sat there, gathering the courage to confront my mother with the audacious question.
Aber mein Durst nach einer Antwort und mein Vertrauen in das Meer der Zuneigung, das neben mir saß, ließen die Worte aus meinem Mund schnellen: „Mama, woher wissen wir, dass der Islam richtig ist?“ Sie lächelte und sah mir direkt in die Augen. Ich fuhr fort: „Denk darüber nach. Jeder Elternteil sagt seinem Kind: ‚Das ist die wahre Religion‘, also woher wissen wir so sicher, dass wir diejenigen sind, die tatsächlich recht haben?“ Was sie als Nächstes sagte, war so etwas wie „Glaub einfach daran.“ Genau das hatte ich befürchtet zu hören, besonders als neugieriger Dreizehnjähriger in der postmodernen Welt, ganz zu schweigen von einem Muslim in New York City, der bald islamfeindlichen Stimmungen ausgesetzt sein würde, die durch die Anschläge vom 11. September nur wenige Meilen entfernt weiter angeheizt wurden.
But my thirst for an answer, and my confidence in the ocean of affection that sat beside me, catapulted the words from my mouth: “Mama, how do we know Islam is right?” She smiled and locked eyes with me. I proceeded to say, “Think about it. Every parent tells their child, ‘This is the true religion,’ so what makes us so sure that we are the ones who are actually right?” What she said next was something along the lines of “just have faith.” It was the very thing I was afraid to hear, especially as an inquisitive thirteen-year-old in the postmodern world, let alone a Muslim in New York City who would soon experience Islamophobic sentiments being ramped up by the 9/11 attacks that would occur a few short miles away.
Doch im Nachhinein war genau das das, was ich brauchte, um meinen eigenen Glaubensweg zu beginnen und die kommende Welle der Feindseligkeit gegenüber dem Islam und den Muslimen zu ertragen. Letztlich hat es dieses Buch hervorgebracht, das Sie gerade in den Händen halten – eine Hilfe, die ich mir gewünscht hätte, als ich mich zum ersten Mal mit den großen Weltreligionen beschäftigte, in der Annahme, sie alle seien ausnahmslos blind angenommen, mit einem kritischen Denken unvereinbar und daher nicht wert, festgehalten zu werden, wenn es gesellschaftlich unbequem wird.
But in hindsight, it was exactly what I needed to embark on my own faith journey and endure that coming wave of animosity toward Islam and Muslims. Ultimately, it generated this very book you hold, a resource I wish was available when I first explored the world’s major religions, assuming they were all without exception taken on blind faith, irreconcilable with a critically thinking mind, and subsequently unworthy of being held onto when socially inconvenient.
Ich bete, dass diese Ergänzung der englischen Bibliothek die Waldbrände lindern kann, die heute in vielen unserer Herzen und Häuser lodern.
I pray this addition to the English library can mitigate the wildfires that are ablaze in many of our hearts and homes today.
Möge es einige der Wunden der Moderne mit der Kühle der Überzeugung heilen und jene Ungewissheit stillen, die unser Leben nach Sicherheit, Erfüllung und ausgewogener Ausrichtung dürsten lässt.
May it heal some of modernity’s wounds with the coolness of conviction, and quench some of the uncertainty that leaves our lives parched for security, fulfillment, and balanced direction.
Gott weiß, dass das Verfassen eines Buches für mich aus unzähligen Gründen ein unbequemes Terrain ist. Doch wie kann ein Mensch untätig bleiben, wenn die edlen Merkmale der Menschlichkeit zunehmend unter den Füßen der Religionslosigkeit zertreten werden und wenn die Begierden unserer eingesperrten Seelen uns immer wieder versengen? Ich bete, dass dieses Buch denen Hilfe bietet, die mit ihrem eigenen Glauben oder dem ihrer Angehörigen ringen – jenen, denen ich fast täglich in meiner Gemeindearbeit oder online begegne, und den vielen weiteren, von denen ich höre und die ich nicht persönlich erreichen kann. In diesem Sinne fühlte ich mich berufen, mich auf die unbekannten Meere des Schreibens zu wagen, und ich bitte Allah, mir zu vergeben, wo ich unterwegs gefehlt haben mag.
God knows that for a myriad of reasons, authorship is uncomfortable territory for me, but how can a person sit idle when the virtuous hallmarks of humanity are increasingly trampled beneath the feet of nonreligion, and when the cravings of our caged spirits continue to scorch us at every turn? I pray this book offers some assistance to those who struggle with their own faith or that of their loved ones, those of whom I meet almost daily in my community work or online, and the many more I hear about and cannot reach individually. It is in this vein that I felt called to brave the unfamiliar seas of authorship, and I ask Allah to forgive where I may have erred en route.
Dieses Buch möchte das unvergängliche Bedürfnis der Menschheit nach Prophetentum herausstellen sowie die zahlreichen überzeugenden Begründungen für das Prophetentum Muhammads ﷺ im Besonderen. Dadurch beabsichtigt es in der Folge, einen in sich schlüssigen Vorschlag zum wahren Sinn des Lebens zu unterbreiten, der zu einem uneinnehmbaren inneren Frieden führt, welcher nur dadurch möglich ist, dass man den Sonnenaufgang der Gewissheit aus eigener Anschauung erlebt.
This book seeks to highlight humanity’s undying need for prophethood, and the many compelling justifications for the prophethood of Muhammad 2 صلى الله عليه وسلم in particular. By doing so, it subsequently aims to offer a coherent proposition on the true purpose of life that leads to an impregnable inner peace which is only possible through beholding the sunrise of certitude firsthand.
Unabhängige Werke zum Thema dalā’il al-nubuwwah (die Beweise der Prophetie) sind seit dem achten oder neunten Jahrhundert ein fester Bestandteil der muslimischen intellektuellen Tradition. Dass diese Literatur ein tragender Pfeiler der islamischen Gelehrsamkeit ist, zeugt eindrucksvoll von ihrem Bestreben, die Grundlagen ihrer Wahrheitsansprüche mit Strenge zu begründen. Abū Manṣūr al-Baghdādī (gest. 1037) berichtet, dass Imam al-Shāfi‘ī (gest.
Independent works written on the topic of dalā’il al-nubuwwah (the proofs of prophethood) have always been part of the Muslim intellectual tradition, from as early as the eighth or ninth century. That this literature has been a mainstay of Islamic scholarship is a powerful testament to its commitment to rigorously establishing the bases of its truth claims. Abū Manṣūr al-Baghdādī (d. 1037) reports that Imam al-Shāfi‘ī (d.
820) war der Erste, der ein Buch über die Beweise verfasste, welche die Prophetenschaft Muhammads ﷺ belegen, da die Brahmanen die Möglichkeit von Prophetentum und göttlicher Offenbarung abgelehnt hatten.3 Von dieser Gattung sind bis heute über neunzig Werke bekannt, das berühmteste davon ist Dalā’il al-Nubuwwah von Imam al-Bayhaqī (gest. 1066). Das Ziel dieser Autoren war es, den Glauben der Gläubigen zu stärken, Zweifel an der Echtheit Muhammads ﷺ auszuräumen und diese Belege an einem leicht zugänglichen Ort zu bündeln, sodass jeder, der nach der Wahrheit seiner Prophetenschaft fragt, sie finden kann.
820) was the first to compile a book on the proofs establishing the prophethood of Muhammad, as the Brahmins had rejected the possibility of prophecy or divine revelation.3 There are over ninety works from this canon whose titles are known until today, the most famous of them being Dalā’il al-Nubuwwah by Imam al-Bayhaqī (d. 1066). The aim of these authors was to increase the believers in their conviction, dispel doubts regarding Muhammad’s صلى الله عليه وسلم authenticity, and consolidate these evidences in a readily accessible location for anyone inquiring about the truth of his prophethood.
Der Beweis in uns
The Proof Within Us
Der primäre Beweis für die Prophetenschaft ist Gott selbst, denn Er ist es, der uns instinktiv dazu leitet, nach Ihm zu suchen, und in der Folge die Beanspruchenden der Prophetenschaft zu untersuchen, um eine Gelegenheit zu finden, uns besser mit Ihm zu verbinden. Alle Menschen sind instinktiv dazu getrieben, an die Existenz Gottes zu glauben, und besitzen einen angeborenen Drang, diese höhere Macht zu entdecken, die sie so stark empfinden. Zwar war nicht jede menschliche Zivilisation dazu angetrieben, Handwerkskunst oder formale Bildung zu entwickeln, doch hat sich jede einer Form religiöser Praxis verschrieben. Die Menschen haben dies während der gesamten aufgezeichneten Geschichte getan, und so haben Anthropologen bis heute keine indigene Gesellschaft von Atheisten gefunden; manche Wissenschaftler argumentieren heute sogar, dass der Glaube an Gott oder eine höhere Macht in unseren Genen verankert sei.4 Selbst Kommunisten, die der Religion abschworen, vergöttlichten Lenin, indem sie seine Statue überall aufstellten und seine Werke rezitierten, als wären sie Heilige Schriften. Ebenso zeigen moderne Atheisten ein beständiges Muster quasi-religiösen Verhaltens und suchen häufig nach alternativen Formen der Spiritualität. So bezeichnen sich beispielsweise nur etwa eine Million erwachsene US-Amerikaner als Heiden oder Wicca-Anhänger, doch 60 % der Amerikaner hängen mindestens einem „New-Age“-Glauben an, etwa dem Glauben an Astrologie und/oder Hellseher oder der Vorstellung, Gegenstände wie Kristalle enthielten spirituelle Energie.5 Letztlich ist diese metaphysische Sehnsucht, die wir alle erfahren, eine mächtige, universelle Kraft, die Gott in uns erschaffen hat und die uns antreibt, die Propheten aufzusuchen, die Er erwählt hat, um uns zu Ihm zu führen. Ihre Botschaft über Gott, Seine Größe, Seine Rechtleitung sowie die Wirklichkeit dieses Lebens und des Jenseits hallt so tief in uns wider, dass wir uns zum Glauben gedrängt fühlen.
The primary proof of prophethood is God Himself, for it is He who guides us to intuitively seek Him out, and subsequently investigate the claimants to prophethood for an opportunity to better connect with Him. All people are instinctually driven to believe in the existence of God and have an innate impulse to discover this higher power which they sense so strongly. While not every human civilization was driven to develop craftsmanship or formal education, each one committed itself to some form of religious practice. People have done this throughout recorded history, and thus anthropologists have yet to find an indigenous society of atheists, and some scientists today argue that belief in God or a higher power is hardwired into our genes.4 Even communists who disavowed religion still deified Lenin by putting his statue everywhere and reciting his works as if they were scripture. Similarly, modern atheists exhibit a consistent pattern of quasi-religious behavior and are often found seeking alternate forms of spirituality. For instance, only about one million US adults identify as pagan or Wiccan, yet a staggering 60% of Americans ascribe to at least one “New Age” belief such as belief in astrology and/or psychics, or the belief that objects like crystals contain spiritual energy.5 Ultimately, this metaphysical yearning we all experience is a powerful, universal force, created within us by God, that drives us to seek out the prophets He elected to guide us to Him. Their message regarding God, His greatness, His guidance, and the reality of this life and the next resonates so deeply within us that we find ourselves compelled to faith.
Die Fülle der Beweise
The Multitude Of Proofs
Es ist aus der Barmherzigkeit Gottes, dass Er mit jedem Propheten und Gesandten Zeichen sandte, die seinem jeweiligen Umfeld entsprachen, und dass Er Muhammad ﷺ mit einer Vielzahl von Beweisen umgab, denn er war Gottes „Barmherzigkeit für die Welten“,9 und musste daher nicht nur für alle seiner Zeit, sondern auch für alle kommenden Zeiten von Bedeutung sein. Die Vielfalt der Beweise macht sie für jede Epoche, Kultur und Denkweise nachvollziehbar. Zu Lebzeiten des Propheten Muhammad ﷺ nahmen manche seine Sendung schon nach einem einzigen Blick auf sein Gesicht an. ‘Abdullāh ibn Salām10 sagte: „Ich wusste sofort, dass dies nicht das Gesicht eines Lügners ist.“11 Ein anderer wurde nach dem Hören weniger kurzer Aussagen, welche die Werte des Islams darlegten, zu fester Überzeugung gebracht. Ṭufayl ibn ‘Amr sagte: „Ich habe nie etwas Vortrefflicheres oder Ausgewogeneres als dies gehört.“12 Andere bestätigten seine Prophetenschaft aufgrund seines Rufs, wahrhaftig zu sein. Die Führung der Quraisch sagte, nachdem sie vierzig Jahre mit ihm gelebt hatten: „Wir haben von dir nichts als Ehrlichkeit erfahren.“13 Wieder andere glaubten, nachdem sie Wundern beigewohnt hatten, da sie verstanden, dass nichts Gewöhnliches diese erstaunlichen Geschehnisse erklären konnte.
It is from God’s mercy that He sent with each prophet and messenger signs that were relevant to his context, and He surrounded Muhammad صلى الله عليه وسلم with a multitude of proofs, for he was God’s “mercy to the worlds,”9 and hence had to be relevant not only to all at his time but also for all time to come. The variety of proofs are what make them relatable to every era, culture, and mindset. During the Prophet Muhammad’s صلى الله عليه وسلم lifetime, some accepted his ministry after one glance at his face. ‘Abdullāh ibn Salām 10 said, “I immediately knew that this was not the face of a liar.”11 Another was brought to firm conviction after hearing a few short statements espousing the values of Islam. Ṭufayl ibn ‘Amr said, “I have never heard anything superior or more balanced than this.”12 Others confirmed his prophethood based on his reputation for being truthful. The leadership of Quraysh said after living forty years with him, “We have experienced nothing but honesty from you.”13 Others believed after witnessing miracles, understanding that nothing ordinary could have explained these astonishing occurrences.
Durch diese Vielfalt kann ein nomadischer Hirte im Himalaya ebenso viele Wege zur Gewissheit beschreiten wie der Philosoph im Elfenbeinturm, wie die geschäftigen Massen unter den Wolkenkratzern von New York City, wie die Bananenarbeiter in Ecuador.
By this variety, a nomadic shepherd in the Himalayas can follow any number of pathways to certainty, as can the ivory tower philosopher, as can the buzzing hordes under the skyscrapers of New York City, as can the banana workers in Ecuador.
Ein üblicher Ehrentitel, der in arabischer Kalligrafie ṣallAllāhu ‘alayi wa sallam geschrieben wird, was übersetzt lautet: Möge Gott ihn weiter ehren und ihm Frieden schenken.
2 A customary honorific which says ṣallAllāhu ‘alayi wa sallam in Arabic calligraphy, which translates as: may God further honor him and grant him peace.
3 Fakhr al-Dīn al-Rāzī, Manāqib al-Imām al-Shāfiʻī, al-Kitāb al-Musammá Irshād al-Ṭālibīn ilá al-Manhaj al-Qawīm (Beirut: Dār al-Kutub al-ʻIlmīyah, 2015), 85.
3 Fakhr al-Dīn al-Rāzī, Manāqib al-Imām al-Shāfiʻī, al-Kitāb al-Musammá Irshād al-Ṭālibīn ilá al-Manhaj al-Qawīm (Beirut: Dār al-Kutub al-ʻIlmīyah, 2015), 85.
4 Dean H. Hamer, The God Gene: How Faith Is Hardwired into Our Genes. (New York: Doubleday, 2004), 6.
4 Dean H. Hamer, The God Gene: How Faith Is Hardwired into Our Genes. (New York: Doubleday, 2004), 6.
5 Claire Gecewicz, „„‚New Age‘-Glaubensvorstellungen sind unter religiösen wie nichtreligiösen Amerikanern weit verbreitet“, Pew Research Center, 1. Oktober 2018.
5 Claire Gecewicz, “‘New Age’ Beliefs Common Among Both Religious and Nonreligious Americans,” Pew Research Center, October 1st, 2018.
6 René Descartes, Elizabeth S. Haldane und G. R. T. Ross. Philosophical Works:
6 René Descartes, Elizabeth S. Haldane, and G R. T. Ross. Philosophical Works:
Übersetzt ins Englische (Cambridge: University Press, 1911), 191-192.
Rendered into English (Cambridge: University Press, 1911), 191-192.
7 Der Koran 24:25.
7 The Qur’an 24:25.
8 Siehe: Nazir Khan, „Atheismus und radikaler Skeptizismus: Ibn Taymiyyahs erkenntnistheoretische Kritik“, Yaqeen Institute for Islamic Research, 7. Juli 2020.
8 See: Nazir Khan, “Atheism and Radical Skepticism: Ibn Taymiyyah’s Epistemic Critique,” Yaqeen Institute for Islamic Research, July 7th, 2020.