Einige Kritiker argumentieren, dass der Koran zwar ein literarisches Meisterwerk sei, dies aber nicht bedeute, dass er übernatürlich sei. Sie behaupten, jede Zivilisation habe ihre unübertroffenen literarischen Werke, etwa Shakespeares Sonette auf Englisch und Homers Ilias auf Griechisch, und der Koran sei darin nicht anders. Diese Sicht übersieht jedoch eine Vielzahl wesentlicher Unterschiede zwischen dem Propheten Muhammad ﷺ und Shakespeare:416
Some critics argue that while the Qur’an is a literary masterpiece, this does not mean that it is supernatural. They claim that every civilization has its unequaled works of literature, such as Shakespeare’s Sonnets in English and Homer’s Iliad in Greek, and the Qur’an is no different. However, this view ignores a myriad of major differences between the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم and Shakespeare:416
Anders als der Prophet Muhammad ﷺ wurde Shakespeare sowohl in Griechisch als auch in Latein unterrichtet und hatte neben seinen Lehrern Zugang zu Bibliotheken mit Büchern, auf denen er für seine eigenen Werke aufbaute.
Unlike the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, Shakespeare was educated in both Greek and Latin and had, alongside his mentors, access to libraries of books that he built on for his own writings.
1. Shakespeare verdiente seinen Lebensunterhalt als professioneller Dramatiker und verfeinerte sein Handwerk mit jeder Theaterproduktion, während vom Propheten ﷺ nie überliefert wurde, dass er im Laufe seines ganzen Lebens auch nur einen einzigen vollständigen Verspaar gesprochen hätte,417 und es war ihm auch nicht möglich, ein einziges Wort des Qur'an zur Qualitätskontrolle zurückzunehmen, sobald es zu seinem großen muslimischen und nichtmuslimischen Publikum gesprochen war.
1. Shakespeare earned a living as a professional playwright and continued refining his craft with each dramatic production, while the Prophet صلى الله عليه وسلم was never reported to utter a single full couplet of poetry in his entire life,417 nor was it possible for him to retract any word of the Qur’an for quality control once it was spoken to his vast Muslim and non-Muslim audiences.
2. Sonette waren über Jahrhunderte vor Shakespeare bekannt und wurden verfasst, während der Koran eine einzigartige Kompositionsstruktur besaß, die sich von jedem Schreib- oder Sprachmuster unterschied, das die großen Dichter Arabiens verwendeten.418
2. Sonnets were known and produced for centuries before Shakespeare, while the Qur’an had a unique compositional structure that differed from every pattern of writing or speech used by Arabia’s master poets.418
3. Anders als bei Shakespeare, dessen unverwechselbarer Stil und Wortschatz alle seine Werke durchdringen, brachte der Prophet Muhammad ﷺ der Welt einen Koran, dessen Stil sich von der Überlieferung der Hadithe unterscheidet – den alltäglichen Aussagen Muhammads ﷺ. Dies fiel bereits seinen Zeitgenossen auf, doch seitdem wurden mehr als ein Dutzend Experimente durchgeführt, um dies objektiv festzustellen. Die Stilometrie ist die statistische Analyse von Unterschieden im literarischen Stil, um einen Schriftsteller von einem anderen zu unterscheiden.
3. Unlike Shakespeare, whose hallmark style and vocabulary permeate all his writings, the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم brought the world a Qur’an whose style differs from the Hadith tradition—the everyday statements of Muhammad صلى الله عليه وسلم. While this was noticed by his contemporaries, more than a dozen experiments have since been conducted to establish this objectively. Stylometry is the statistical analysis of variations in literary style to discriminate between one writer and another.
Es wurde verwendet, um zwischen den echten und den pseudonymen Briefen des Paulus im Neuen Testament zu unterscheiden, und um zu beweisen, dass der Hadith und der Koran zwei verschiedene Verfasser haben müssen. Die Forscher Letzterer sahen sich gezwungen zuzugeben, dass es für keinen Menschen möglich wäre, eine solch umfassende Selbstkontrolle seiner Sprache ein Leben lang aufrechtzuerhalten.
It has been utilized to distinguish between the authentic and pseudonymous letters of Paul in the New Testament, and to prove that the Hadith and the Qur’an must have had two different authors. Researchers of the latter were forced to accept that it would be impossible for any human being to employ such extensive self-policing of their language for a lifetime.
Zum Beispiel stellten sie fest, dass 62 % der Wörter aus Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, einer umfangreichen Sammlung von Ḥadīthen, nicht im Qur’an vorkommen, und 83 % der qur’anischen Begriffe nicht in den Ḥadīthen vorhanden sind.419
For instance, they found that 62% of the words from Ṣaḥīḥ al- Bukhārī, a voluminous collection of Hadith, do not appear in the Qur’an, and 83% of Qur’anic terms do not exist in Hadith.419
4. Shakespeares Sonette waren nicht durchgehend eloquent, sondern wiesen Passagen von auffallender Brillanz auf. Demgegenüber standen die Araber, die auf ihren Naqd (literarische Kritik) großen Stolz empfanden,
4. Shakespeare’s sonnets were not uniformly eloquent, but instead had segments of distinct brilliance. In contrast, the Arabs who took great pride in their naqd (literary critique)
Tradition, eine Gattung, in der sie die Gedichte einander gnadenlos prüften, um suboptimale Wortwahlen aufzuspüren, fand nie eine einzige Stelle im Qur'an, die hätte verbessert werden können.420
tradition, a genre in which they brutally scrutinized each other’s poetry to identify suboptimal word choices, never identified a single passage in the Qur’an that could be improved.420
5. Shakespeare und seine Zeitgenossen hielten sein Werk nie für unerreichbar für menschliches Bemühen; es war, für manche, lediglich der Sieger in einer Arena würdiger Konkurrenten. Tatsächlich stufte Professor Hugh Craig von der Newcastle University Shakespeare als siebtgrößten englischsprachigen Dramatiker ein, hinter Webster, Dekker, Peele, Marlowe, Jonson und Greene.421 Dagegen beschämte der Qur'an seine Leugner und forderte sie bei jeder Gelegenheit heraus, etwas hervorzubringen, das ihm auch nur ähnlich wäre;422 und diese Herausforderung ist nie beantwortet worden. Wie Allah sagt: {Und wenn ihr im Zweifel darüber seid, was Wir auf Unseren Diener [Muhammad] herabgesandt haben, dann bringt eine Sure hervor, die ihm gleicht, und ruft eure Zeugen außer Allah an, wenn ihr wahrhaftig seid. Wenn ihr es aber nicht tut – und ihr werdet es niemals können –, so fürchtet das Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, bereitet für die Ungläubigen.}423
5. Shakespeare and his peers never considered his work beyond the reach of human effort; it was but the champion—to some—in an arena of worthy competitors. In fact, Professor Hugh Craig of Newcastle University ranked Shakespeare as the seventh-greatest English-speaking playwright, behind Webster, Dekker, Peele, Marlowe, Jonson, and Greene.421 In contrast, the Qur’an shamed its deniers and challenged them at every turn to try to create anything that merely resembled it;422 and this challenge has never been met. As Allah says, And if you are in doubt about what We have sent down upon Our servant [Muhammad], then produce a sūrah the like thereof and call upon your witnesses other than Allah, if you should be truthful. But if you do not—and you will never be able to—then fear the Fire, whose fuel is men and stones, prepared for the disbelievers.423
6. Shakespeare genoss die kreativen Freiheiten des fiktionalen Erzählens. Der Koran hingegen hat die Unterhaltung nicht zum Ziel.
6. Shakespeare enjoyed the creative liberties of fictional storytelling. As for the Qur’an, entertainment is not its goal.
Es behandelt Theologie, Philosophie, Geschichte und Recht – steife, fachliche Erörterungen, die gewöhnlich keine breite Anziehungskraft besitzen.
It addresses theology, philosophy, history, and law—stiff technical discussions that do not ordinarily have mass appeal.
Der Koran stellte komplexe existenzielle Wahrheiten fest und lehrte eine nuancierte Moral mit bemerkenswerter Präzision und anmutiger Eleganz. Er entlarvte weit verbreitete Missstände, die zur Norm geworden waren, und deckte die Heuchelei darin auf – alles unbequeme Erzählungen, von denen man nicht erwarten würde, dass sie breite Zustimmung finden. Der Koran wiederholt zudem seine Themen recht häufig (um sein Wertesystem einzuprägen und zu festigen), eine Technik, die geschickte Autoren im Allgemeinen zu vermeiden suchen. Doch mit einer solch künstlerischen Variation bei jeder Wiederholung bleibt sein rhetorischer Reichtum ungetrübt.
The Qur’an asserted complex existential truths and taught a nuanced morality with a remarkable blend of precision and graceful elegance. It deconstructed prevalent wrongs that had become normalized and revealed the hypocrisy within—all uncomfortable narratives that would not be expected to garner widespread embrace. The Qur’an also repeats its themes quite often (to inculcate and reinforce its value system), a technique that skilled authors generally try to avoid, but with such artistic variation each time that leaves its rhetorical richness unblemished.
7. Anders als die Unterhaltung, die auf einer Bühne im London des siebzehnten Jahrhunderts angemessen war, musste der Koran als religiöser Text bei Jungen und Alten, beim vormodernen und postmodernen Denken, bei der östlichen und westlichen Persönlichkeit sowie bei den spirituell und den intellektuell Veranlagten Anklang finden. Betrachtet man die Wirkung des Korans auf das weite Spektrum von Herzen und Geistern über den Globus und über Generationen hinweg, so hat kein anderer Text der Menschheitsgeschichte eine so breite Vielfalt von Menschen in seinen Bann gezogen.
7. Unlike the entertainment suitable for a stage in London in the seventeenth century, the Qur’an as a religious text had to resonate with the young and the old, the premodern and postmodern mind, the eastern and western personality, and the spiritually versus intellectually inclined. When analyzing the effect of the Qur’an on the vast spectrum of hearts and minds, across the globe and across generations, no other text in human history has fascinated such a wide range of people.
In Amerika zum Beispiel wird ein Wettbewerb im Rezitieren des Qur'an von allen Schichten der muslimischen Gemeinschaft besucht. Dagegen wird ein englisches Theaterstück von Shakespeare beim einfachen Volk kaum Anklang finden und nur die akademisch gebildete Mittel- bis Oberschicht anziehen.
In America today, for instance, a Qur’an recitation competition will be attended by all segments of the Muslim community. On the other hand, an English play by Shakespeare will find almost no appreciation among the common man and only attract the college-educated middle-to-upper class elite.
8. Shakespeare hatte Jahrzehnte Zeit, um zu entscheiden, was er in seine Werke aufnahm und was er wegließ. Demgegenüber steht der Prophet Muhammad ﷺ, der Verse aus dem Qur'an überbrachte, als Antwort auf ungeplante Fragen der Menschen. Ein Beispiel dafür sind dreizehn Stellen im Qur'an, die mit „Und sie fragen dich [o Prophet] nach ...“ beginnen und mit „Sprich ...“ fortfahren.424 Außerdem empfing er ﷺ neue Offenbarungen des Qur'an unter den belastendsten Umständen, mitunter während er nach einem Angriff blutete oder um seine verstorbenen Angehörigen trauerte, und zwar gerade in Bezug auf Ereignisse, die sich eben zugetragen hatten. Müsste nicht gerade bei solchen spontanen „Hervorbringungen“ des Qur'an ein Unterschied in der Beredsamkeit gegenüber jenen Texten bestehen, die bei ruhigem Kerzenlicht entstanden, nachdem die Ereignisse vorüber waren und die seelische Aufruhr sich gelegt hatte?
8. Shakespeare had decades of deliberation to decide what to include and omit from his works. Contrast this with the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, who would convey verses from the Qur’an in response to people’s unscripted inquiries. For instance, there are thirteen passages in the Qur’an that begin with “And they ask you [O Prophet] about… Say…”424 Furthermore, he صلى الله عليه وسلم would receive fresh Qur’anic revelations in the most stressful conditions, at times while bleeding after an attack or mourning his deceased relatives, specifically pertaining to events that had just taken place. Should not such spontaneous “productions” of the Qur’an necessitate a disparity in eloquence between them and those written under serene candlelight, after the events have unfolded and the emotional turbulence has quieted?
9. Shakespeare muss seine Werke auf lineare Weise verfasst haben, Schritt für Schritt vom Grundgerüst aus aufbauend, so wie es jeder Autor tut, und er war frei, von vornherein zu bestimmen, wie jedes Drama beginnen und enden sollte. Der Qur’an hingegen wurde über dreiundzwanzig Jahre hinweg wie ein Puzzle zusammengesetzt. Die heutige Ordnung des Qur’an spiegelt nicht die chronologische Reihenfolge seiner Offenbarung wider, sondern vielmehr den später festgelegten Platz jedes Abschnitts innerhalb seiner jeweiligen Sure. Das bedeutet, dass der Qur’an nicht nur eine faszinierende Geschlossenheit in seiner Struktur aufweist, obwohl er gesprochen und nicht geschrieben wurde, sondern dass er irgendwie so gestaltet ist, dass immer wieder Einschübe unterschiedlicher Themen und Längen hinzukamen, von denen viele spontan auf unvorhersehbare äußere Ereignisse eingingen, und dennoch wurde dadurch nie das nahtlose Gewebe gestört.
9. Shakespeare must have written his works in a linear fashion, building from the ground up, just as any author would, and was free to decide from the onset how each drama would begin and end. The Qur’an, however, was assembled like a jigsaw puzzle over twenty-three years. The order of the Qur’an today does not reflect the chronology of its revelation, but rather the later designated location for each passage within its respective chapter. This means that the Qur’an did not just exhibit fascinating consistency in its structure,425 despite being spoken not written, but was somehow designed with interspersed additions, of various themes and lengths, many of which addressed unpredictable external events impromptu, and yet all this never disrupted its seamless tapestry.
Auch wenn es vielen Menschen schwerfallen mag zu begreifen, wie ein sprachliches Werk wunderbar sein kann, al-Bāqillānī (gest. 1013)
While it may be difficult for many people to grasp how any work of language can be miraculous, al-Bāqillānī (d. 1013)
... argumentiert in seinem Buch I'jāz al-Qur'ān (Die Unnachahmlichkeit des Qur'an), dass es genüge, die Reaktion des ersten Publikums des Qur'an zu betrachten. Anstatt den Mann ohne Schriftkenntnis in dem zu übertreffen, was ihre stärkste Seite war, und damit seine Religion in ihrem Anfangsstadium zu beenden, indem sie einfach auf seine Herausforderung reagierten, etwas dem Qur'an Ähnliches hervorzubringen, verschwendeten sie Vermögen darauf, seinen Namen in den Schmutz zu ziehen, und arbeiteten unermüdlich daran, dass auch nicht ein einziger Vers des Qur'an die Ohren und Herzen der Besucher Mekkas erreichte.
argues in his book, I‘jāz al-Qurʾān (The Inimitability of the Qur’an), that it suffices to consider the reaction of the Qur’an’s first audience. Instead of outperforming the unlettered man in what was their strongest suit, thereby ending his religion in its infancy by “simply” responding to his challenge of producing something like the Qur’an, they spent fortunes trying to smear his name and worked tirelessly to prevent a single Qur’anic verse from reaching the ears and hearts of visitors to Mecca.
Sie verleugneten ihre Ehrenkodizes und ihre Stammesehre – für frühe Araber ein gewaltiges Unterfangen –, um seine Anhänger auszuhungern, seine Unterstützer zu foltern und schließlich Krieg gegen ihre eigenen Stammesgenossen zu führen.426 Da ihre Worte versagt hatten, sahen sie sich gezwungen, zu den Schwertern zu greifen. Es lag nicht nur daran, dass ihre größten Dichter, wie Labīd ibn Rabīʿah, nun zum Islam übertraten und sich von der Dichtkunst zurückzogen, sondern auch daran, dass sie im Verborgenen untereinander einräumten, dass es unmöglich sei, mit dem Qur’an zu wetteifern. Als al-Walīd ibn al-Mughīrah – ein erbitterter Feind des Islam bis zu seinem Tod – gebeten wurde, den Qur’an zu beurteilen, antwortete er: „Und was kann ich schon sagen? Unter euch gibt es keinen Mann, der in Prosa oder Dichtung bewanderter wäre als ich, oder auch in den Gedichten der Dschinn. Bei Gott, was er sagt, gleicht keinem dieser Dinge. Bei Gott, seine Rede hat eine Süße an sich, und ein Zauber liegt über ihr. Ihre oberen Teile (die oberflächlichen Bedeutungen) sind fruchtbar, und ihre Tiefen sprudeln endlos hervor. Sie beherrscht und kann nicht beherrscht werden, und sie wird gewiss alles zermalmen, was unter ihr liegt.“427
They disavowed their codes of chivalry and tribal honor—a massive undertaking for early Arabs—to starve his followers, torture his supporters, and ultimately wage wars against their fellow clansmen.426 Failed by their words, they felt compelled to reach for their swords. It was not just because their great-est poets like Labīd ibn Rabīʿah were now converting to Islam and retiring from poetry, but due to them echoing in private that rivaling the Qur’an was impossible. When al-Walīd ibn al-Mughīrah—a staunch enemy of Islam until his death—was asked to critique the Qur’an, he responded, And what can I possibly say? There is not a single man among you who is more versed in prose or poetry than I, or in the poems of even the jinn. By God, what he says bears no resemblance to any of these things. By God, his statement which he utters has a sweetness to it, and a charm hovers over it. Its highest parts (surface meanings) are fruitful and its depths gush forth without end. It dominates and cannot be dominated, and it will certainly crush all that is beneath it.427