8.2 Belege für Ijtihad aus dem Ijma' as-Sahabah
8.2 Evidences For Ijtihad From Ijma As-sahabah
Nach dem Gesandten (ﷺ) gab es zur Zeit der Sahaba zahlreiche und ausführliche Ijtihad-Bemühungen. Selbst unter den breiten Massen war der Ijtihad verbreitet, und das galt nicht als seltsam, denn sie waren die ursprünglichen Araber, die reines Arabisch sprachen. Einmal, während er eine Khutbah hielt, versuchte Umar b. Khattab, die Brautgabe (Mahr) zu begrenzen, doch eine Frau antwortete aus den hinteren Reihen, indem sie den Vers zitierte:
After the Messenger (saw) there are numerous and elaborate Ijtihads in the time of the Sahabah. Even amongst the general masses Ijtihad was widespread and that was not considered strange because they were the original Arabs who spoke pure Arabic. Once while giving a Khutbah Umar b. Khattab tried to limit the dowry (Mahr) but a women responded from behind the lines by quoting the Ayah:
„Wenn ihr aber beabsichtigt, eine Frau gegen eine andere auszutauschen, und ihr einer von ihnen einen Kintar (Gold, d. h. eine große Menge) als Brautgabe gegeben habt, so nehmt nicht das Geringste davon zurück.“ (TMQ An-Nisa: 20)
“But if you intend to replace a wife by another and you have given one of them a Qintar (of gold i.e. a great amount) as Mahr, take not the least bit of it back..” (TMQ An-Nisa: 20)
Sie sagte ihm aus ihrem Verständnis des Wortes Qintar, das eine große Menge ohne Begrenzung bezeichnet, dass es ihm nicht erlaubt sei, die Brautgabe zu begrenzen. Er (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Die Frau hat recht, und Umar irrt.“ Die Übereinstimmung (Ijma') der Sahaba hat bezüglich der Frage stattgefunden, nach einer Meinung zu urteilen, die aus dem Schar'i-Beleg abgeleitet wurde, d. h. sie stimmten darin überein, den Ijtihad bei allen Vorfällen anzuwenden, für die kein (eindeutiger) Text gefunden worden war. Dies ist uns in aufeinanderfolgenden Berichten überliefert, an deren Richtigkeit kein Zweifel besteht. Ein solcher Bericht ist das Wort Abu Bakrs (ra), als er nach der Kalala gefragt wurde. Er sagte: „Ich werde darüber nach meiner Meinung sprechen. Wenn sie richtig ist, so ist sie von Allah. Wenn sie falsch ist, so ist sie von mir und von Shaytan, und Allah hat damit nichts zu tun. Kalala ist derjenige, der keine Kinder und keine Eltern hinterlässt.“36
She told him from her understanding of the word Qintar which denotes many without restriction that it is not allowed for him to restrict the doweries. He (may Allah be pleased with him) said: “The woman is right and Umar is wrong.” An Ijma (consensus) of the Sahabah has taken place on the question of judging by an opinion which has been deduced from the Shar‟ai evidence i.e. they agreed on the use of Ijtihad for any incidents that took place for which no (clear) text had been found. This is what reached us in successive reports in which there is no doubt. One such report is the saying of Abu Bakr (ra) when he was asked about the Kalala. He said: “I will speak about it according to my opinion. If it is correct then it is from Allah. If it is a mistake then it is from me and from Shaytan and Allah has nothing to do with it. Kalala is the one who has no children or parents left.”36
Seine Aussage „Ich werde dazu nach meiner Meinung sprechen“ bedeutet nicht, dass diese Meinung von ihm stammt. Vielmehr meinte er, dass Abu Bakr seine Ansicht entsprechend dem äußern würde, was er aus dem Ausdruck „Kalala“ im Vers des Qur'an verstanden hatte:
His statement, “I will speak about it according to my opinion” does not mean this opinion is from him. Rather it meant Abu Bakr would express his opinion according to what he understood from the expression 'Kalala' in the verse of the Qur‟an:
„Wenn ein Mann oder eine Frau, dessen bzw. deren Erbe in Frage steht, weder Aszendenten noch Deszendenten hinterlassen hat …“ (TMQ An-Nisa:12)
“If the man or woman whose inheritance is in question has left neither ascendants nor descendants…” (TMQ An-Nisa:12)
Kalala bezeichnet im Arabischen drei Personengruppen: denjenigen, der kein Kind und keinen Elternteil hinterlassen hat, denjenigen, der weder Kind noch Elternteil hat (im Hinblick auf die Hinterbliebenen), sowie die Verwandten, die weder Kinder noch Vater sind. Abu Bakr (ra) hat ijtihad betrieben, um zu bestimmen, welche Bedeutung hier gemeint ist.
Kalala in the Arabic language applies to three people; the one who did not leave a child or parent, the one who has neither a child or parent (in terms of the left people), and the relatives from other than the child or father. Abu Bakr (ra) made Ijtihad as to which meaning is referred to here.
Ein weiteres Beispiel für Ijtihad ist, dass Abu Bakr (ra) der Großmutter mütterlicherseits einen Anteil am Erbe gab, nicht aber der Großmutter väterlicherseits. Einige der Ansar sagten zu ihm: „Du gibst einer Frau aus dem Erbe einer verstorbenen Frau, die von ihr nicht erben würde, wenn sie selbst stürbe. Doch du hast eine Frau übergangen, die, wenn sie gestorben wäre, alles geerbt hätte, was sie hinterlassen hat.“ Daraufhin gab Abu Bakr (ra) beiden Großmüttern einen gleichen Anteil am Erbe.
Another example of Ijtihad is that Abu Bakr (ra) gave a share of the inheritance to the mother‟s mother and not the father‟s mother. Some of the Ansar said to him: “You give inheritance to a woman from a deceased woman who would not inherit from her if she died. Yet you ignored a woman, who if she had died, would have inherited everything she left behind.” So Abu Bakr (ra) gave both grandmothers equal share in the inheritance.
Ein berühmtes Beispiel für Ijtihad ist das, was Ali (ra) hinsichtlich der Strafe (Hadd) für das Verbrechen des Alkoholtrinkens sagte. Er sagte: „Wer ihn trinkt, wird Unsinn reden, und wer dies tut, würde Lügen erfinden; daher halte ich dafür, dass er wie der Erfinder von Lügen bestraft werden muss.“ Ali (ra) stellte eine Analogie zwischen dem Trinken und dem Erfinden von Lügen her, weil er aus der Schari'a verstand, dass das, was wahrscheinlich geschieht, als dasselbe betrachtet werden kann wie das, was tatsächlich geschieht.
A famous example of Ijtihad is what Ali (ra) said regarding punishment (Hadd) for the crime of drinking alcohol. He said: “Whoever drinks it will speak nonsense, and who did so would fabricate lies, so I see that he must be punished like the fabricator of lies.” Ali (ra) made an analogy between drinking and fabrication because he understood from Shar‟a that it could be considered that which is likely to happen to be the same as that which actually happens.
Dies sind alles Beispiele für Ijtihad aus der Zeit der Gefährten und für die Ijma' as-Sahaba zum Thema Ijtihad. Dass die Gefährten in Ermangelung eines Textes auf Ijtihad zurückgriffen, ist durch fortlaufende Überlieferung (Tawatur) belegt.37
All these are examples of Ijtihad from the time of the Sahabah and Ijma as-Sahabah on the issue of Ijtihad. The fact that the Companions resorted to Ijtihad in the absence of a text is established by continuous testimony (Tawatur).37
Al-Qurtubi sagt in seinem Tafsir: „Die Sahaba waren weiterhin uneinig über die Regeln der Vorfälle, obwohl sie in Eintracht blieben.“ Al-Baghdadi überlieferte in seinem Buch „Al-Faqeeh wal Mutafaqqih“ folgende Aussage von Umar b. „Abdul-„Azeez: „Ich wäre nicht zufrieden gewesen, wenn die Ashab (Gefährten) Muhammads ﷺ nicht uneinig gewesen wären, denn wenn sie nicht uneinig gewesen wären, hätte es keine Erlaubnis (für uns, uneinig zu sein) gegeben.“
Al-Qurtubi says in his Tafseer: “The Sahabah still continued to differ regarding the rules of the incidents, though they remained in harmony.” Al-Baghdadi reported the following saying of Umar b. „Abdul-‟Azeez in his book „Al-Faqeeh wal Mutafaqqih‟: “I would have not been pleased if the Ashab (companions) of Muhammad did not differ, because if they did not differ, there would not have been a permission (for us to differ).”