1.4 Die Methode der Tafsir
1.4 The Method Of Tafseer
Der Qur'aan ist das letzte Buch göttlicher Offenbarung, das zu den Menschen gesandt wurde, und Allah hat versprochen, es vor jeder Verfälschung oder jedem Verlust zu bewahren. Er sagte im Qur'aan:
The Qur’aan is the last book of divine revelation sent to man, and Allaah has promised to protect it from any distortion or loss. He said in the Qur’aan:
„Wahrlich, Ich habe die Ermahnung (den Qur’aan) herabgesandt, und wahrlich, Ich werde sie bewahren.“ 65
“Verily, I have revealed the Reminder (Qur’aan) and verily I will preserve it.” 65
Seine geschriebene und rezitierte Form ist seit über vierzehnhundert Jahren ohne auch nur die geringste Veränderung erhalten geblieben, wie in früheren Kapiteln erwähnt wurde. Das kann nicht von dem Evangelium des Propheten Jesus (a) gesagt werden, nicht von den Büchern des Alten Testaments, die früheren Propheten zugeschrieben werden, und auch nicht von irgendeiner anderen Schrift, die Allah offenbart hat. Allahs Schutz des Qur'an beschränkte sich jedoch nicht darauf; Er bewahrte auch seine ursprüngliche Bedeutung. Wäre der Schutz der Bedeutung des Qur'an nicht erfolgt, hätten Abweichler das Buch Allahs in ein Durcheinander aus Symbolen, Rätseln und Codes verwandelt, die einer Vielzahl von Auslegungen offenstehen, und seine ursprüngliche Bedeutung wäre verloren gegangen. Allah bewahrte die Bedeutung des Qur'an, indem Er einige seiner allgemeinen Aussagen im Qur'an selbst erklärte und die Auslegung des übrigen Seinem Gesandten Muhammad ibn Abdillah (ﷺ) (570-632 n. Chr.) anvertraute.
Its written and recited forms have been preserved without even the slightest change for over fourteen hundred years, as has been mentioned in previous chapters. This cannot be said about the Gospel of Prophet Jesus (r), nor the books of the Old Testament attributed to earlier prophets, nor any other scripture revealed by Allaah. However, Allaah’s protection of the Qur’aan did not stop there; He also safeguarded the original meaning. If the protection of the Qur’aan’s meaning had not taken place, deviants would have turned the Book of Allaah into a jumble of symbols, riddles and codes open to a multiplicity of interpretations, and its original meaning would have been lost. Allaah preserved the meaning of the Qur’aan by explaining some of its generalities within the Qur’aan itself and by entrusting the tafseer of the remainder to His Messenger, Muhammad ibn Abdillaah (r) (570-632 CE).
Die Gefährten (Sahaabah) wurden darin unterwiesen, ihr Verständnis des Qur'ān zunächst aus dem Qur'ān selbst zu schöpfen, dann aus den Erläuterungen und der praktischen Anwendung des Propheten ﷺ und schließlich aus ihrem eigenen tiefen Verständnis der Sprache des Qur'ān. Nach dem Tod des Propheten ﷺ stützten sich diejenigen, die als neue Konvertiten zum Islam kamen, zunächst darauf, dass der Qur'ān sich selbst erklärt, und danach darauf, dass die Gefährten ihnen den Qur'ān erklärten. Die Gefährten unterrichteten ihre Schüler unter den Tābi'ūn über die Umstände, unter denen die Verse offenbart wurden, über die Auslegung durch die Aussagen und Handlungen des Propheten ﷺ, und schließlich erklärten sie die Bedeutung einiger Wörter, die möglicherweise nicht geläufig waren oder außerhalb der Arabischen Halbinsel eine andere Bedeutung hatten. Mit dem Ende der Epoche der Gefährten lastete die schwere Verantwortung, die ursprünglichen Bedeutungen des Qur'ān genau so, wie sie empfangen worden waren, an die nächste Generation von Muslimen weiterzugeben, auf den Gelehrten unter den Tābi'ūn. Es war die dritte Generation nach dem Propheten ﷺ, die damit begann, die verschiedenen Überlieferungen der Tafsīr von den Tābi'ūn zu sammeln und niederzuschreiben.
The sahaabah (companions) were taught to seek their understanding of the Qur’aan first from the Qur’aan itself, then from the explanations and applications of the Prophet (r) and from their own intimate understanding of the language of the Qur’aan. After the Prophet’s death, those who entered Islaam as new converts depended first upon the Qur’aan to explain itself, then they depended on the sahaabah to explain the Qur’aan to them. The sahaabah would inform their students among the taabi‘oon of the circumstances in which the verses were revealed, the interpretation given by the Prophet’s statements and his actions, and finally they would explain the meanings of some words which may not have been familiar or which may have had a different meaning to Arabs outside of the Arabian Peninsula. With the passing of the era of the sahaabah, the scholars among the taabi‘oon shouldered the grave respon-sibility of conveying the original meanings of the Qur’aan to the next generation of Muslims exactly as they had received them. It was the third generation after the Prophet (r) which began the process of gathering and recording the various narrations of tafseer from the taabi‘oon.
Aus der oben genannten Methodik des Propheten ﷺ und seiner Gefährten sowie der frühen Generationen muslimischer Gelehrter, die ihnen folgten, haben die rechtgläubigen Gelehrten die folgenden Schritte als notwendige Voraussetzungen für die korrekte Auslegung (Tafsir) des Qur'an abgeleitet:
From the above-mentioned methodology of the Prophet (r) and his companions and that of the early generations of Muslim scholars which followed them, the following steps have been deduced by orthodox scholars as being the necessary conditions for making correct tafseer of the Qur’aan:
1. Tafsir des Qur'an durch den Qur'an
1. Tafseer of Qur’aan by Qur’aan
Im Qur'an finden sich viele Stellen, an denen Fragen gestellt werden, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln, und die anschließend beantwortet werden, um die Wirkung des jeweiligen Gedankens zu verstärken. An anderen Stellen werden allgemeine Aussagen getroffen, die später erklärt werden, um die Darstellungsweise abwechslungsreich zu gestalten und Leser und Zuhörer zu ermutigen, stärker nachzudenken. Dieser sich selbst erklärende Prozess wird von den Gelehrten als Tafsir des Qur'an durch den Qur'an bezeichnet. Allah entschied sich, das zu verdeutlichen, was Er beabsichtigte, indem Er andere erklärende Verse offenbarte. Zum Beispiel fragt Allah:
There are many places in the Qur’aan where questions are asked in order to catch the mind of the reader and subsequently answered to increase the impact of the concept in question. In other places, general statements are made and then later explained in order to vary the modes of presentation and encourage readers and listeners to reflect more. This self-explanatory process is referred to as tafseer of the Qur’aan by Qur’aan. Allaah chose to clarify what He intended by revealing other explanatory verses. For example, Allaah asks,
„Bei dem Himmel und bei at-Taariq (dem Klopfenden oder dem nächtlich Erscheinenden) – und was lässt dich wissen, was at-Taariq ist?“
“By the heaven, and by at-Taariq (the Knocker or Night Approacher)—and what will make you understand what at-Taariq is?”
Er beantwortet dann Seine Frage im nächsten Vers:
He then answers His question in the next verse:
„Es ist der durchdringende Stern.“ 66
“It is the piercing star.” 66
Allah sagt auch im Qur'an:
Allaah also states in the Qur’aan:
„O ihr, die ihr glaubt! … Vieh, das weidet, ist euch erlaubt, außer dem, was euch verlesen wird.“ 67
“O you who believe...beasts which are herded have been made halaal for you except what will be recited to you.” 67
Zwei Verse später legt Er die Ausnahmen von der allgemeinen Regel dar:
Two verses later He details the exceptions to the general rule:
„Verboten sind euch: Tiere, die verendet sind, ohne geschlachtet worden zu sein, Blut, Schweinefleisch, Tiere, die für andere als Allah geopfert wurden, Tiere, die erdrosselt wurden, durch einen Schlag oder durch einen Sturz aus der Höhe getötet wurden, durch Hörnerstoß getötet wurden oder von wilden Tieren teilweise angefressen wurden.“ 68
“Animals that died without being slaughtered, blood, pork, animals sacrificed for other than Allaah, animals strangled to death, killed by a blow or by falling from a height, killed by goring, or partially eaten by wild animals are forbidden to you.” 68
Ein weiteres Beispiel findet sich in dem Vers, in dem Allah sich selbst beschreibt und spricht:
Another example can be seen in the verse in which Allaah describes Himself, saying:
„Die Blicke erfassen Ihn nicht.“ 69
“Sight cannot encompass Him.” 69
Dieser Vers deutet darauf hin, dass Allah weder in dieser Welt noch im Jenseits gesehen werden wird.
This verse implies that Allaah will not be seen in either this world or the next.
Allah beschreibt die Gläubigen im Jenseits jedoch später folgendermaßen:
However, Allaah later describes the believers in the next life as:
„Auf ihren Herrn blickend“, 70
“Gazing at their Lord,” 70
und er sagt über die Ungläubigen:
and he says about the disbelievers:
„Gewiss, an jenem Tag werden sie von ihrem Herrn verhüllt sein.“ 71
“Verily, they will be veiled from their Lord on that day.” 71
Daher muss man sich, bevor man eine Erklärung oder Auslegung anderswo sucht, zunächst auf den Qur'an selbst verlassen, damit er sich selbst erklärt, denn Allah weiß am besten, was Er beabsichtigt hat.
Therefore, before seeking an explanation or interpretation elsewhere, the Qur’aan must be relied upon to explain itself, for Allaah knows best what He intended.
2. Tafsir des Qur'an durch die Sunnah
2. Tafseer of Qur’aan by the Sunnah
Bei vielen Gelegenheiten hat der Prophet ﷺ den verschiedenen Versen des Qur'an weitere Erläuterungen hinzugefügt. Allah hatte dem Propheten ﷺ die Aufgabe anvertraut, den Qur'an zu erklären. Dieses Vertrauen wurde im Qur'an unmissverständlich zum Ausdruck gebracht,
On many occasions, the Prophet (r) added further clarification to various verses of the Qur’aan. Allaah had entrusted the job of explaining the Qur’aan to the Prophet (r). This trust was expressed in the Qur’aan in no uncertain terms,
„Und Wir haben dir die Ermahnung (den Qur’an) herabgesandt, damit du den Menschen erklärst, was zu ihnen herabgesandt wurde.“ 72
“I have revealed the Reminder (Qur’aan) to you (O Muhammad) so that you may explain to the people what has been revealed to them.” 72
„Wir haben dir das Buch nur deshalb herabgesandt, damit du ihnen klarmachst, worüber sie uneins sind.“ 73
“I have only revealed the Book to you (O Muhammad) in order that you clarify for them the things about which they differ.” 73
Die Gefährten (Sahaba) verstanden dies klar und wandten sich stets an den Propheten ﷺ um Klärung, wann immer sie hinsichtlich der Bedeutung einer Passage des Qur'an im Zweifel waren. Tatsächlich wurden die meisten feinen Einzelheiten des Salah, Zakah, Sawm, Hadsch, der Erbschaftsgesetze usw. entweder durch die Aussagen des Propheten ﷺ oder durch praktische Vorführungen und Anwendungen (die Sunnah) erklärt. So wird die Erklärung der Qur'an-Passagen durch den Propheten ﷺ als Tafsir des Qur'an durch die Sunnah bezeichnet. Zum Beispiel erklärte der Prophet ﷺ in Surat al-Fatiha, dass „al-maghdubi ‘alayhim“ (diejenigen, auf denen der Zorn Allahs ruht) die Juden sind, und „ad-dallin“ (die Irregegangenen) die Christen sind.74 Bei einer Gelegenheit rezitierte er den Vers:
The sahaabah understood this clearly and always turned to the Prophet (r) for clarification whenever they were in doubt about the meaning of any of the Qur’aanic passages. In fact, most of the fine details of salaah, zakaah, sawm, hajj, inheritance laws, etc. were explained either by the Prophet’s statements or practical demonstrations and applications (the Sunnah). Thus, the Prophet’s explanations of Qur’aanic passages are referred to as the tafseer of the Qur’aan by the Sunnah. For example, in Soorah al-Faatihah, the Prophet (r) explained that “al-maghdoobi ‘alayhim” (those on whom is Allaah’s anger) are the Jews, and “ad-daalleen” (those astray) are the Christians.74 On one occasion he recited the verse:
„Bereitet gegen sie auf, was ihr an Streitmacht aufbringen könnt.“ 75
“Prepare for them whatever force you are able to.” 75
Dann sagte er:
He then said,
„Wahrlich, das Schießen ist Kraft.“ Er wiederholte es dreimal.76
“Verily force is shooting.” He repeated it three times.76
In einer anderen Überlieferung erklärte er den Vers:
In another narration, he explained that the verse:
„Wahrlich, Wir haben dir al-Kawthar gegeben.“ 77
“Verily, I have given you al-Kawthar,” 77
bezog sich auf einen Fluss im Paradies, den Allah ihm gegeben hat.78
referred to a river in Paradise which Allaah has given him.78
Da die Sunnah auf der Rechtleitung durch Allah beruhte, stellt sie den zweiten Teil von Gottes Versprechen dar, den Qur'an zu erklären.
Because the Sunnah was based on guidance from Allaah, it represents the second part of God’s promise to explain the Qur’aan:
„Dann, wahrlich, liegt es an Mir, es zu erklären.“ 79
“Then, verily, it is for Me to explain it.” 79
Ibn ʿAbbās erklärte, dass die Aussage „Dann obliegt es Mir, sie zu erklären“ bedeutet: „auf deiner Zunge [o Muhammad]“. 80 Folglich kann keiner anderen menschlichen Auslegung der Vorrang vor der des Propheten (ﷺ) eingeräumt werden.
Ibn ’Abbaas explained that the statement, “Then it is for Me to explain it,” means, “upon your tongue [O Muhammad].” 80 Consequently, no other human interpretation can be given precedence over that of the Prophet (ﷺ).
3. Tafsir des Qur'an durch Atharât
3. Tafseer of Qur’aan by Aathaar
Wann immer die Sahaabah die Auslegung (Tafseer) einer Stelle im Qur'an oder in der Sunnah nicht finden konnten, verwendeten sie ihr eigenes Urteilsvermögen, das sich auf ihre Kenntnis der Kontexte der Verse und die Feinheiten der arabischen Sprache stützte, in der der Qur'an offenbart wurde. Daher schrieb einer der größten Qur'an-Kommentatoren, Ibn Katheer, in der Einleitung seines Tafseer: „Wenn wir im Qur'an oder in der Sunnah keine passende Auslegung finden, greifen wir auf die Meinungen der Sahaabah zurück. Denn sie kannten den Qur'an besser als jeder andere, aufgrund ihres Wissens um die Umstände seiner Offenbarung, ihres vollständigen und genauen Verständnisses davon und ihrer rechtschaffenen Taten.“ Diese Erklärungen der Sahaabah werden als Tafseer bil-Aathaar (Auslegung durch die Überlieferungen der Sahaabah) bezeichnet. Als Ibn 'Abbaas beispielsweise nach dem Vers gefragt wurde:
Whenever the sahaabah could not find the tafseer of a passage in the Qur’aan itself or in the Sunnah, they would use their own reasoning based on their knowledge of the contexts of the verses and the intricacies of the Arabic language in which the Qur’aan was revealed. Consequently, one of the greatest commentators of the Qur’aan, Ibn Katheer, wrote in the preface of his tafseer, “If we are unable to find a suitable tafseer in the Qur’aan or in the Sunnah, we go to the opinions of the sahaabah. For verily, they knew the Qur’aan better than anyone else due to their knowledge of the circumstances of its revelation, their complete and accurate understanding of it, and their righteous deeds.” These explanations of the sahaabah are known as tafseer by aathaar (the sayings of the sahaabah). For example, when Ibn ‘Abbaas was questioned about the verse:
„Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken, ihre Keuschheit bewahren und nur das von ihrem Schmuck zeigen, was (gewöhnlich) sichtbar ist.“ 81
“And tell the believing women to lower their gaze and guard their chastity and to only reveal from their adornment that which (normally) appears,” 81
Er antwortete: „Es bezieht sich auf das Gesicht und die Hände.“ 82 Bei einer anderen Gelegenheit, nachdem er den Vers rezitiert hatte,
he replied, “It refers to the face and hands.” 82 On another occasion, after reciting the verse,
„Und wer nicht nach dem urteilt, was Allah herabgesandt hat, ist ein Kāfir (Ungläubiger).“ 83
“And whoever does not judge by what Allaah has revealed, is a kaafir (disbeliever).” 83
Ibn ʿAbbās sagte: „Es ist eine Form des Kufr (Unglaubens), die geringer ist als der eigentliche Kufr.“ 84
Ibn ‘Abbaas said, “It is a form of kufr (disbelief) less than real kufr.” 84
Die Tafsir, die vom Propheten ﷺ und den Gefährten überliefert wurde, erstreckte sich jedoch nicht auf alle Verse des Qur'an. Der Prophet ﷺ erläuterte nur das, was den Gefährten unklar war, und sie wiederum erläuterten nur das, was den Tabi'un unklar war. Doch mit jeder folgenden Generation wurden durch die Entwicklung der Sprache weitere Bereiche unklar. Daher mussten die Tabi'un nach dem Ende der Zeit der Gefährten weitere Erklärungen geben. Diese Erklärungen gelten im Sinne der Überlieferungen (Aathaar) als Teil der Tafsir und sind den persönlichen Meinungen vorzuziehen, sofern unter ihnen Einigkeit besteht. Wo sie voneinander abwichen, wird keine ihrer Meinungen vor den anderen bevorzugt, es sei denn, sie wird durch die Sprache gestützt.
However, the tafseer transmitted from the Prophet (r) and the sahaabah did not cover all of the verses of the Qur’aan. The Prophet (r) explained only what was unclear to the sahaabah, and they, in turn, only explained what was unclear to the taabi‘oon. But with each succeeding generation, more areas became unclear due to the evolution of the language. Hence, the taabi‘oon had to make further explanations after the passing of the sahaabah’s era. These explanations are considered a part of tafseer by aathaar and should be given precedence over personal opinions where there is unanimity among them. Where they differed, none of their opinions is given preference over the others unless it is supported by the language.
Während der Zeit der Tābi‘ūn sind viele Christen und Juden zum Islam übergetreten.
During the era of the taabi‘oon, many Christians and Jews became Muslim.
Infolgedessen haben einige der Tabi'un in ihren Auslegungen des Qur'an Erzählungen aus jüdischen und christlichen Quellen überliefert. Solche Berichte wurden als Israʼiliyyat bekannt. In späteren Generationen waren die Tafsir-Werke voll von solchen Überlieferungen, von denen sich viele auf keine verlässliche Quelle zurückführen ließen.
As a result, some of the taabi‘oon narrated tales from Jewish and Christian sources in their explanations of the Qur’aan. Such narrations became known as Israa’eeleeyaat. In later generations, the books of tafseer became filled with such narrations, many of which could not be traced to any reliable source.
4. Tafsir des Qur’an nach der Sprache
4. Tafseer of Qur’aan by Language
Mit dem Lauf der Zeit nahmen Wörter neue Bedeutungen an, alte Bedeutungen gerieten in Vergessenheit, fremde Wörter drangen in die Sprache ein, und große Teile des Wortschatzes gerieten außer Gebrauch. Dieser natürliche Prozess machte es notwendig, einige der Wörter des Qur'ān gemäß ihrer wörtlichen und grammatikalischen Bedeutung zu erklären.
With the passage of time, words took on new meanings and old meanings became lost, foreign words entered into the language, and vast sections of vocabulary fell into disuse. This natural process necessitated the explanation of some of the Qur’aanic words according to their literal and grammatical meanings.
Folglich erlebte diese Periode das Entstehen von Wörterbüchern, die eigens dafür verfasst wurden, den Wortschatz und die Philologie der Arabischen Sprache des Qur'an zu behandeln. In Fällen, in denen Wörter mehr als eine Bedeutung hatten, führte dieser Schritt zu Meinungsverschiedenheiten, die nur gelöst werden konnten, indem man eine Stütze in der Sunnah fand. Zum Beispiel bedeutet „lams“ wörtlich berühren, im übertragenen Sinne jedoch den Geschlechtsverkehr.
Consequently, this period witnessed the appearance of dictionaries written specifically to deal with Qur’aanic Arabic vocabulary and philology. In cases where words had more than one meaning, this step created differences of opinion which could only be solved by finding some support in the Sunnah. For example, “lams” literally means to touch, but figuratively it means sexual intercourse.
So waren die späteren Gelehrten in Bezug auf den folgenden Vers in zwei grundlegende Meinungen gespalten:
Thus, the later scholars were of two basic opinions concerning the following verse,
„...oder ihr (lāmastum) die Frauen berührt habt und kein Wasser findet, dann vollzieht Tayammum (rituelle Reinigung mit Staub).“ 85
“...or you (laamastum) women and cannot find water, then make tayammum (ritual purification with dust).” 85
Die Imame ash-Schafi'i und Malik vertraten die Auffassung, dass damit die Berührung mit der Hand gemeint sei, wobei jeder der beiden Imame bestimmte Bedingungen dafür hinzufügte. Imam Abu Hanifa hingegen entschied, dass damit der Geschlechtsverkehr gemeint sei. Die Ehefrauen des Propheten ﷺ berichteten jedoch, dass er sie vor dem Gebet geküsst habe, was darauf hinweist, dass mit diesem Vers nicht die Berührung gemeint war.86
Imaams ash-Shaafi‘ee and Maalik held that it meant the touch of the hand, though each imaam added certain stipulations to it. On the other hand, Imaam Aboo Haneefah ruled that it meant sexual intercourse. However, the Prophet’s wives reported that he kissed them before performing salaah, which indicated that touching was not intended by this verse.86
Die vier oben genannten Methoden fallen unter den allgemeinen Begriff Tafsir bir-riwaayah oder Tafsir bil-ma'thoor (Auslegung auf Grundlage der Überlieferung) und lassen daher wenig Raum für Streit. Obwohl der vierte Schritt häufig auf Überlieferungen aus früheren Generationen beruht, kann er zuweilen stark meinungsgeprägt und umstritten sein. So übersetzt Yusuf Ali das im 85. Surah verwendete Wort „burooj“ mit „the Zodiacal signs“ (die Tierkreiszeichen), während Pickthall es mit „Mansions of the Stars“ (Sternenhäuser) wiedergibt, in seiner Einführung zur Surah aber sagt, es „wird auf die Zeichen des Tierkreises angewandt“. Demnach schwört Allah also bei den Tierkreiszeichen. Einige englischsprachige Muslime haben dies als indirekte Unterstützung für die Astrologie verstanden. „Burooj“ bedeutete jedoch ursprünglich nur „Sternkonstellation“, und erst später wurde es für die imaginären Figuren des Tierkreises verwendet, die die heidnischen Babylonier und Griechen auf sie projizierten. Die Astrologie wurde vom Propheten ﷺ in unmissverständlicher Weise verboten, da sie unter das allgemeine Verbot fällt, Wahrsager aufzusuchen. Der Prophet ﷺ sagte:
The four above-mentioned methods come under the general title of tafseer bir-riwaayah or tafseer bil-ma’thoor (tafseer based on narration) and, as such, leave little room for argument. Although the fourth step is oftentimes based on narrations from earlier generations, at other times it can be highly opinionated and controversial. For example, Yusuf Ali translates the word “burooj” used in the 85th soorah as “the Zodiacal signs,” while Pickthall translates it as “Mansions of the Stars,” but says in his introduction to the soorah that it “is applied to the signs of the zodiac.” Thus, according to them, Allaah is making an oath by the zodiacal signs. Some English-speaking Muslims have taken this to be indirect support for astrology. However, “burooj” originally only meant “star con-figuration,” and it was not until later times that it was used to refer to the imaginary figures of the zodiac that pagan Babylonians and Greeks superimposed on them. Astrology has been forbidden by the Prophet (r) in no uncertain terms, as it falls under the general prohibition on visiting fortunetellers. The Prophet (ﷺ) said,
„Wer … einen Wahrsager aufsucht [und an das glaubt, was er sagt] 87, der hat an dem ungläubig gehandelt, was auf Muhammad ﷺ herabgesandt wurde.“ 88
“Whoever...visits a fortuneteller [and believes in what he says] 87 has disbelieved in what was revealed to Muhammad.” 88
5. Tafsir des Qur'an durch Meinung
5. Tafseer of Qur’aan by Opinion
Meinungen, die auf einer sorgfältigen Untersuchung der ersten vier Schritte beruhen, können als gültig betrachtet werden, solange sie keinem dieser Schritte widersprechen. Ebenso ist es erlaubt, die offensichtlichen Bedeutungen des Qur'an auf bestehende Situationen anzuwenden und Schlussfolgerungen aufgrund ihrer Ähnlichkeiten zu ziehen, sofern solche Auslegungen nicht im Widerspruch zu authentischen klassischen Erklärungen stehen. Freie Auslegungen, die auf philosophischen, wissenschaftlichen oder sektiererischen Ideen beruhen, sind jedoch völlig verboten. Der Prophet ﷺ soll gesagt haben:
Opinions based on a careful study of the first four steps can be considered valid as long as they do not contradict any of those steps. Likewise, the application of obvious meanings of the Qur’aan to existing situations and the formation of conclusions based on their similarities are also allowed, as long as such interpretations do not clash with authentic classical explanations. But, free interpretation based on philosophical, scientific, or sectarian ideas is totally forbidden. The Prophet (r) was reported to have said,
„Eine meinungsbasierte Argumentation über den Qur'an ist Kufr." Er wiederholte dies dreimal und sagte dann: „Was du davon weißt, danach handle; und was du nicht weißt, überlasse einem, der es weiß." 89
“Opinion-based argument about the Qur’aan is kufr.” He repeated it three times, then said, “What you know of it, act upon; and what you are ignorant of, refer it to one who knows.” 89
Wir können dem oben genannten Hadith entnehmen, dass der Prophet ﷺ seine Gefährten und die nachfolgenden Generationen von Muslimen streng vor Auslegungen des Qur'ān warnte, die auf Mutmaßungen und unbegründeten Meinungen beruhen. Der Grund dafür ist, dass der Qur'ān das Fundament des Islām ist und daher rein und unverfälscht bleiben musste. Würde jedem und jedermann freier Raum gegeben, den Qur'ān nach eigenem Gutdünken auszulegen, so wäre sein Wert vollständig zerstört und der Islām selbst würde von seiner Grundlage her untergraben. Daher ist die einzig annehmbare Tafsīr diejenige, die der folgenden Reihenfolge entspricht: die Tafsīr des Qur'ān durch den Qur'ān, dann durch die Sunnah, dann durch die Aussagen der Sahāba, dann durch die Sprache und schließlich durch die Meinung, sofern sie auf den vorangegangenen vier Methoden beruht und keiner von ihnen widerspricht.
We can see from the above-mentioned hadeeth that the Prophet (r) sternly warned his companions and later generations of Muslims about interpretations of the Qur’aan based on speculation and unsubstantiated opinions. The reason is that the Qur’aan is the foundation of Islaam and, as such, it had to remain pure and untampered with. If free rein was given to any and everyone to interpret the Qur’aan as they wished, its value would be totally destroyed, and Islaam itself would be undermined from its base. Thus, the only acceptable tafseer is that which adheres to the following sequence: tafseer of Qur’aan by the Qur’aan, then by the Sunnah, then by the sayings of the sahaabah, then by language, and finally by opinion, as long as it is based on the preceding four methods and does not contradict any of them.
65 Sure al-Hidschr (15):9. 66 Sure at-Tariq (86):1-3.
65 Soorah al-Hijr (15):9. 66 Soorah at-Taariq (86):1-3.
67 Sure al-Mā'ida (5):1. 68 Sure al-Mā'ida (5):3.
67 Soorah al-Maa’idah (5):1. 68 Soorah al-Maa’idah (5):3.
Sure‘at al-An‘ām (6):103
69 Soorah al-An‘aam (6):103.
70 Sure al-Qiyāma (75):23. 71 Sure al-Mutaffifīn (83):15.
70 Soorah al-Qiyaamah (75):23. 71 Soorah al-Mutaffifeen (83):15.
Sure-e an-Nahl (16):44 — hmm, the user's text is just the reference "72 Soorah an-Nahl (16):44." I translate it faithfully: 72 Sure an-Nahl (16):44.
72 Soorah an-Nahl (16):44.
Sure'at an-Nahl (16):64.
73 Soorah an-Nahl (16):64.
74 Überliefert von ʿAdī ibn Hātim und gesammelt von at-Tirmidhī und Aḥmad. Von al-Albānī in Ṣaḥīḥ Sunan at-Tirmidhī, Bd. 3, S. 19-20, Nr. 2353 als ḥasan bewertet.
74 Reported by ‘Adee ibn Haatim and collected by at-Tirmithee and Ahmad. Rated hasan by alAlbaanee in Saheeh Sunan at-Tirmithee, vol. 3, pp. 19-20, no. 2353.
Sure 8:60 — Sure al-Anfal (8):60
75 Soorah al-Anfaal (8):60.
Überliefert von ʿUqba ibn ʿĀmir und von Muslim gesammelt (Sahih Muslim, Bd. 3, S. 1060, Nr.
76 Reported by ‘Uqbah ibn ‘Aamir and collected by Muslim (Sahih Muslim, vol. 3, p. 1060, no.
4711). Das im Hadith verwendete Wort ist ramy, was das Abschießen eines Pfeils oder das Werfen eines Speers bedeuten könnte. Es kann auch auf das Abfeuern eines Gewehrs oder einer Rakete angewendet werden.
4711). The word used in the hadeeth is ramy, which could mean shooting an arrow or throwing a spear. It can also be applied to firing a gun or a rocket.
Sure al-Kawthar (108):1.
77 Soorah al-Kawthar (108):1.
Überliefert von Anas und gesammelt von Muslim (Sahih Muslim, Bd. 1, S. 220, Nr. 790) und Ahmad.
78 Reported by Anas and collected by Muslim (Sahih Muslim, vol. 1, p. 220, no. 790) and Ahmad.
Sure al-Qiyāmah (75):19
79 Soorah al-Qiyaamah (75):19
Sahih al-Bukhari, Bd. 6, S. 422, Nr. 450.
80 Sahih Al-Bukhari, vol. 6, p. 422, no. 450.
81 Sūrat an-Nūr (24): 31.
81 Soorah an-Noor (24): 31.
82 Überliefert von Ibn Abī Schaibah in al-Muṣannaf, Band 4, S. 283, und al-Bayhaqī in as-Sunan al-Kubrā. Al-Albānī urteilte in Jilbāb al-Mar’ah al-Muslimah, S. 59-60, dass die Überliefererkette dieser Aussage ṣaḥīḥ sei.
82 Collected by Ibn Abee Shaybah in al-Musannaf, vol. 4, p. 283, and al-Bayhaqee in as-Sunan alKubraa. Al-Albaanee ruled in Jilbaab al-Mar’ah al-Muslimah, pp. 59-60, that the isnaad of this statement is saheeh.
83 Sūrat al-Mā'ida (5):44.
83 Soorah al-Maa’idah (5):44.
84 Überliefert von al-Hākim, Bd. 2, S. 313. Eine ähnliche Aussage wurde von Ibn Jarīr in seinem Tafsīr überliefert, Bd. 4, S. 597, Nr. 12068. Diese Frage gehört zu den heftig umstrittenen Themen unserer Zeit, nämlich: Gilt die Aussage Ibn ʿAbbās’ auch für die Herrscher unserer Zeit, die nach einer Mischung aus Scharīʿa-Recht und menschengemachtem Recht regieren? Die Position der meisten Gelehrten scheint zu sein: Glaubt der Herrscher, dass menschengemachte Gesetze besser sind als die Scharīʿa oder ebenso gut, oder hält er sie zwar für weniger gut als die Scharīʿa, aber dennoch für zulässig, nach ihnen zu regieren, so ist er ein Ungläubiger (kāfir), der den Islam verlassen hat. Wendet er jedoch menschengemachte Gesetze an, während er glaubt, damit zu sündigen, so ist sein Kufr ein Kufr der Taten, der ihn zu einem schweren Sünder macht, ihn aber nicht aus dem Islam hinausführt. Siehe at-Tahdhīr min Fitnat at-Takfīr von Scheich al-Albānī, der aus den Aussagen klassischer und moderner salafītischer Gelehrter reichlich Belege zur Unterstützung seiner Position anführt.
84 Collected by al-Haakim, vol. 2, p. 313. A similar statement was collected by Ibn Jareeer in his Tafseer, vol. 4, p. 597, no. 12068. This issue is one of the raging controversies of our time, the question being: Does Ibn ‘Abbaas’s statement apply to rulers in our time, who rule by mixtures of Sharee‘ah law and man-made law? The position of most scholars seems to be that when the ruler believes that man-made laws are better than or as good as the Sharee‘ah, or that even though they aren’t as good as the Sharee‘ah, it is permissible to rule by them, then he is a kaafir who has left Islaam. If, however, he applies man-made laws while believing that he is sinful in doing so, his kufr is kufr of actions, which makes him a major sinner, but doesn’t place him out of the fold of Islaam. See at-Tah-theer min Fitnah at-Takfeer by Shaykh al-Albaanee, who provides copious documentation from the statements of classical and modern salafee scholars to support his position.
Sure ‒ Sura an-Nisaa' (4):43. Hmm, wait: the user's message is a label/reference, and per the instructions I should translate it, not reply. Translating it faithfully gives: Sure an-Nisā' (4):43
85 Soorah an-Nisaa’ (4):43.
Das Hadith wird von ʿĀ'ishah überliefert und von Abū Dāwūd gesammelt (Sunan Abu Dawud, Bd.
86 The hadeeth is reported by ‘Aa’ishah and collected by Aboo Daawood (Sunan Abu Dawud, vol.
1, S. 43, Nr. 179), at-Tirmidhī, Ibn Mādscha und Aḥmad. Al-Albānī hat es in Ṣaḥīḥ Sunan Abī Dāwūd, Bd. 1, S. 36, Nr. 165, als authentisch bewertet.
1, p. 43, no. 179), at-Tirmithee, Ibn Maajah and Ahmad. Al-Albaanee authenticated it in Saheeh Sunan Abee Daawood, vol. 1, p. 36, no. 165.
87 Der Zusatz stammt aus der Version von Abū Dāwūd.
87 The addition is from the version of Aboo Daawood.
Überliefert von at-Tirmidhī und Ibn Mādscha. Ein ähnlicher Hadith wurde von Abū Dāwūd überliefert (Sunan Abī Dāwūd, Bd. 3, S. 1095, Nr. 3895) und von al-Albānī in Saḥīḥ Sunan Abī Dāwūd, Bd. 2, S. 739, Nr. 3304, als authentisch bewertet.
88 Collected by at-Tirmithee and Ibn Maajah. A similar hadeeth was collected by Aboo Daawood (Sunan Abu Dawud, vol. 3, p. 1095, no. 3895) and authenticated by al-Albaanee in Saheeh Sunan Abee Daawood, vol. 2, p 739, no. 3304.
89 Überliefert von Abū Hurairah und gesammelt von Ahmad, Ibn Dscharīr in seinem Tafsīr und Abū Ya‘lā. Von al-Albānī in Silsilat al-Aḥādīth as-Ṣaḥīḥah, Bd. 4, S. 26–28 als authentisch beurteilt.
89 Reported by Aboo Hurayrah and collected by Ahmad, Ibn Jareer in his Tafseer and Aboo Ya‘laa. Authenticated by al-Albaanee in Silsilah al Ahaadeeth as-Saheehah, vol. 4. pp. 26-8.