8.1 Die uthmanische Schrift
8.1 The ‘uthmaanee Script
Es ist nichts vom Propheten (r) überliefert, das darauf hindeutet, dass die Schreibweise, in der der Koran zur Zeit des Kalifen ʿUthmān kopiert wurde, festgelegt war. Kalif ʿUthmān wies die Schreiber an, ihn gemäß dem qurayschitischen Dialekt zu schreiben, falls sich bei der Schreibweise ein Unterschied ergab. Als sich daher Zaid ibn Thābit mit den drei anderen qurayschitischen Schreibern über das Wort taabūt uneinig war und Zaid es als تابوة (tābūh) schreiben wollte, sagte ʿUthmān: „Schreibt es تابوت (tābūt), denn wahrlich, der Koran wurde gemäß dem qurayschitischen Dialekt offenbart.“ 11
There is nothing recorded from the Prophet (r) to indicate that the script used to copy the Qur’aan during Caliph ‘Uthmaan’s era was fixed. Caliph ‘Uthmaan told the scribes to write it according to the Qurayshee dialect if any difference arose in spelling. Hence, when Zayd ibn Thaabit differed with the other three Qurayshee scribes over the word taaboot, and Zayd wanted to write it تابوة (taabooh), ‘Uthmaan said, “Write it تابوت) taaboot), for verily, the Qur’aan was revealed according to the Qurayshee dialect.” 11
Die Mehrheit der Gelehrten hielt es jedoch für vorzuziehen, die ursprüngliche Schreibweise beizubehalten, um den Qur'an vor Veränderungen zu schützen, die sich aus der Entwicklung der Schreibregeln im Laufe der Zeit ergeben könnten. Diese Regeln unterscheiden sich außerdem von Land zu Land, was zu Uneinigkeit und Zwietracht über den Wortlaut des Qur'an hätte führen können. Als Imam Malik daher gefragt wurde, ob der Qur'an nach den Diktierregeln seiner Zeit geschrieben werden dürfe, antwortete er: „Nein, er soll nur so geschrieben werden, wie er ursprünglich geschrieben wurde.“12
However, the majority of scholars considered it preferable that the original spelling be maintained in order to protect the Qur’aan from changes which might result from the evolution of writing rules with the passage of time. These rules also vary from country to country, which could have led to disunity and discord over the very text of the Qur’aan. Hence, when Imaam Maalik was asked whether the Qur’aan could be written according to the dictation rules of his time, he replied, “No, it should only be written according to the way that it was originally written.”12
Andere Gelehrte, etwa Qaadee al-Baaqillaanee (gest. 1013 n. Chr./403 n. H.) und Ibn Khaldoon (gest. 1405 n. Chr./808 n. H.), hielten es für zulässig, den Qur’aan nach den Regeln des klassischen Arabisch zu schreiben, von denen der ‘Uthmaanee-Mus-haf geringfügig abweicht. Al-Baaqillaanee führte an, dass jemand, der darauf besteht, den Qur’aan nach einem bestimmten Satz schriftlicher Zeichen zu schreiben, einen Beweis aus dem Qur’aan und der Sunnah benötigt, und einen solchen Beweis gibt es nicht. Er erwähnte außerdem, dass einige der angesehenen Sahaabah Mus-hafs besaßen, die sich vom Schriftsystem des ‘Uthmaanee-Mus-hafs unterschieden.13 Ibn Khaldoon (gest. 1406 n. Chr./808 n. H.) argumentierte, dass die Sahaabah den ‘Uthmaanee-Mus-haf zu einer Zeit niederschrieben, als die Regeln der arabischen Schrift noch nicht vereinheitlicht waren; daher bestehe kein Anlass, an ihrer Schreibweise festzuhalten, wo sie von dem abweicht, was später zur anerkannten Norm wurde. Al-‘Izz ibn ‘Abdis-Salaam (gest. 1282 n. Chr./660 n. H.) vertrat die Auffassung, es sei verpflichtend, den Mus-haf, den einfache Leute lesen, nach dem klassischen Arabisch zu schreiben, um die Unwissenden davor zu bewahren, in Fehler der Rezitation zu verfallen, die die Bedeutung verändern. Diejenigen, die diese Änderung für zulässig halten, weisen darauf hin, dass das, was die Menschen heute lesen und als ‘Uthmaanee-Mus-haf bezeichnen, sich tatsächlich recht deutlich von der ursprünglichen Gestalt des ‘Uthmaanee-Mus-hafs unterscheidet. Alle Änderungen wurden zu einem einzigen Zweck vorgenommen: dem durchschnittlichen Muslim das leichte und korrekte Rezitieren des Qur’aans zu erleichtern.14 Die Verteidiger des ‘Uthmaanee-Mus-hafs weisen darauf hin, dass die Sahaabah ihn so niederschrieben, dass er die größte Zahl authentischer Lesarten aufnehmen konnte, und dass eine Niederschrift nach dem heutigen Standard-Arabisch einige der Lesarten mit der Schrift unvereinbar machen würde.
Other scholars, such as Qaadee al-Baaqillaanee (died 1013 CE/403 AH) and Ibn Khaldoon (died 1405 CE/808 AH), considered it permissible to write the Qur’aan according to the rules of standard Arabic, from which the ‘Uthmaanee Mus-haf differs slightly. Al-Baaqillaanee argued that for someone to insist upon writing the Qur’aan according to a specific set of written symbols requires a proof from the Qur’aan and Sunnah, and there is no such proof. He also mentioned that some of the prominent sahaabah had mus-hafs which differed from the writing system employed in the ‘Uthmaanee Mus-haf.13 Ibn Khaldoon (died 1406 CE/808 AH) argued that the sahaabah wrote the ‘Uthmaanee Mus-haf at a time when the rules of Arabic writing had not yet been standardized, therefore there is no need to stick to their writing where it differs from what became the accepted norm. Al- ‘Izz ibn ‘Abdis-Salaam (died 1282 CE/660 AH) held the position that it was obligatory to write the mus-haf which ordinary people read according to standard Arabic in order to protect the ignorant from falling into errors of recitation that change the meaning. Those who see the permissibility of this change point out that what people are reading today and calling the ‘Uthmaanee Mus-haf is really quite different from the way the ‘Uthmaanee Mus-haf originally looked. The changes were all made for one purpose: to make it easier for the average Muslim to recite the Qur’aan easily and correctly.14 The defenders of the ‘Uthmaanee Mus-haf point out that the sahaabah wrote it in such a way as to accomodate the greatest number of variant authentic recitations, and that writing it according to modern standard Arabic would make some of the variants impossible to reconcile with the script.
Die Koranverse aus der Zeit des ʿUthmān wurden ohne Vokalzeichen (tashkīl, d. h. Fatḥa, Kasra und Ḍamma) zur Kennzeichnung der Vokale geschrieben und ohne Punkte (nuqaṭ), um ähnlich aussehende Buchstaben voneinander zu unterscheiden (z. B. Sīn und Schīn, Ṣād und Ḍād usw.). Die Verse waren nicht nummeriert, und es gab auch keine Satzzeichen, die Pausen oder gar das Ende von Versen anzeigten. Das Folgende ist ein Beispiel einiger Koranverse, die in jener Zeit geschrieben wurden:
The Qur’aanic texts of ‘Uthmaan’s era were written without dashes (tashkeel, i.e. fat-hah, kasrah and dammah) to indicate the vowels and without dots (nuqat) to distinguish between look-alike letters (e.g. Seen and Sheen, Saad and Daad, etc.) The verses were not numbered, nor were there any punctuation signs to indicate pauses or even the ending of verses. The following is an example of some Qur’aanic verses written during that era:
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Alle gebildeten arabischen Muslime jener Zeit besaßen ein natürliches Sprachgefühl, das es ihnen ermöglichte, Texte in dieser einfachen Schreibweise ohne jede Schwierigkeit zu lesen. Als jedoch Nicht-Araber begannen, den Islam anzunehmen und Arabisch zu lernen, traten aufgrund ihrer mangelnden Vertrautheit mit der Sprache Fehler bei der Rezitation des Qur’aan auf. Dies fiel besonders in der Provinz Irak auf. Tatsächlich wird überliefert, dass der Grammatiker Abul-Aswad ad-Du’alee (gest. 638 n. Chr.) einmal hörte, wie jemand in dem folgenden Vers die Wendung „rasooluh“ als „rasoolih“ rezitierte.
All the literate Arab Muslims of those days possessed a natural grasp of the language which enabled them to read texts written in this simple form without any difficulty. However, when non-Arabs began to accept Islaam and learn Arabic, errors in the recitation of the Qur’aan began to appear, due to their unfamiliarity with the language. This became especially noticeable in the province of Iraq. In fact, it is reported that once the grammarian, Abul-Aswad ad-Du’alee (d. 638 CE), heard someone recite the phrase “rasooluh” in the following verse as “rasoolih.”
„Annal-laaha baree-um minal-mushrikeena wa rasooluh“ Dies ist ein arabischer Satz (Qur'an-Vers, Sura at-Tauba 9:3), der auf Deutsch so wiedergegeben wird: „Allah und Sein Gesandter sind frei von den Götzendienern.“
“Annal-laaha baree-um minal-mushrikeena wa rasooluh”
„Wahrlich, Allah und Sein Gesandter sind von (jeder Verpflichtung) gegenüber den Götzendienern frei.“ 15
“Verily, Allaah and His Messenger are free from (any obligation) to the idolaters.” 15
Diese minimale Änderung in der Rezitation, nämlich ein Kasra statt eines Damma, das im geschriebenen Text nicht unterschieden werden konnte, führte dazu, dass der Vers stattdessen bedeutete: „Gewiss, Allah ist losgesprochen (von jeder Verpflichtung) gegenüber den Götzendienern und Seinem Gesandten.“ Ziyād, der Statthalter von al-Basrah, hatte zuvor ad-Du'alī gebeten, einige Zeichen zu entwickeln, mit denen die Menge den Qur'an leichter lesen könne. Ad-Du'alī hatte es jedoch aus Furcht vor einer unislamischen Neuerung hinausgezögert, auf die Bitte des Statthalters zu antworten. Dieser Lesefehler erschütterte ihn jedoch so sehr, dass er kurz nach diesem Vorfall die erste Reihe von Zeichen entwickelte, um die Vokalisierung des arabischen Textes anzuzeigen.16 Die Fatha (der kurze Vokal „a“) wurde durch einen Punkt über dem Anfang des Buchstabens angezeigt, die Kasra (der kurze Vokal „i“) durch einen Punkt unter dem Anfang des Buchstabens und die Damma (der kurze Vokal „u“) durch einen Punkt am Ende des Buchstabens, zwischen ihm und dem folgenden Buchstaben, falls diese verbunden waren. Das Sukūn (das das Ende einer Silbe auf einem Konsonanten anzeigt) wurde durch zwei Punkte dargestellt.17 Ein Beispiel eines Textes aus jener Zeit folgt:
This minute change in recitation of a kasrah instead of a dammah, which could not be distinguished in the written text caused the verse to mean instead: “Verily Allaah is free from (any obligation) to the idolaters and His messenger.” Ziyaad, the governor of al-Basrah, had previously requested ad-Du’alee to develop some signs by which the masses could more easily read the Qur’aan. Ad-Du’alee had delayed responding to the governor’s request for fear of introducing an un-Islamic innovation. However, this recitational error shook him to such a degree that shortly after that incident, he developed the first set of marks to indicate the vowelling of the Arabic text.16 The fat-hah (the short vowel “a”) was indicated by a dot above the beginning of the letter, kasrah (the short vowel “i”) was indicated by a dot below the beginning of the letter, and dammah (the short vowel “u”) was indicated by a dot at the end of the letter, between it and the following letter if they were joined. Sukoon (indicating the end of a syllable on a consonant) was represented by two dots.17 An example of a text from that period follows:
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Später wurden Punkte hinzugefügt, um einander ähnlich aussehende Buchstaben voneinander zu unterscheiden, und die Vokalzeichen entwickelten sich aus den mit ihnen verwandten Buchstaben. So entwickelte sich die Fatha aus dem Alif und wurde zu einem geraden Strich über dem Buchstaben; die Kasra entwickelte sich aus dem Yā’ und wurde zu einem Strich unter dem Buchstaben; und die Ḍamma entwickelte sich aus dem Wāw und wurde zu einem winzigen Wāw, das nahe am Ende des Buchstabens geschrieben wird.
Later on, dots were added to distinguish between look-alike letters, and vowel signs evolved from the letters related to them. For example, fat-hah evolved from the alif and became a straight line above the letter; the kasrah evolved from the yaa’ and became a line below the letter; and dammah evolved from the waaw and became a tiny waaw written near the end of the letter.
11 Überliefert von at-Tirmidhī und von al-Albānī in Saḥīḥ Sunan at-Tirmidhī authentifiziert, Bd.
11 Collected by at-Tirmithee and authenticated by al-Albaanee in Saheeh Sunan at-Tirmithee, vol.
3, S. 60, Nr. 2480.
3, pp. 60, no. 2480.
12 Überliefert von Ash-hab und gesammelt von Abu ‘Amr ad-Daanee in Al-Muqni‘. Zitiert von as-Suyoutee in al-Itqaan, Bd. 4, S. 146.
12 Reported by Ash-hab and collected by Abu ‘Amr ad-Daanee in Al-Muqni‘. Quoted by asSuyootee in al-Itqaan, vol. 4, p. 146.
13 Lamahaat fee ʿUloom al-Qur'aan, S. 133–134.
13 Lamahaat fee ‘Uloom al-Qur’aan, pp. 133-4.
14 Lamahaat fee ‘Uloom al-Qur’aan, S. 135.
14 Lamahaat fee ‘Uloom al-Qur’aan, p. 135.