15.6 Mantūq (ausdrücklich Ausgesprochene) und Mafhūm (implizierte) Bedeutungen
15.6 Mantooq (stated) And Mafhoom (implied) Meanings
Wörter und Ausdrücke können Bedeutungen entweder durch ihre ausdrückliche Form oder durch ihre Implikation vermitteln. Die Bedeutung, die sich aus dem ausdrücklichen Gehalt von Wörtern oder Ausdrücken ergibt, wird als Mantooq bezeichnet, während diejenige, die sich aus ihren Implikationen ergibt, Mafhoom genannt wird.
Words and expressions may convey ideas either by their explicit constructions or by implication. Meaning derived from the explicit aspect of words or expressions are referred to as mantooq, while those derived from their implications are called mafhoom.
Die ausdrückliche (mantūq) Bedeutung kann je nach Art der arabischen grammatikalischen Konstruktion auf fünf verschiedene Weisen abgeleitet werden.
Mantooq (explicit) meanings may be derived in five different ways, depending on the type of Arabic grammatical construction used.
1. Nass (ausdrücklich):
1. Nass (explicit):
Diese Methode, die mantūq-Bedeutung abzuleiten, bezieht sich auf jeden Ausdruck, der eine Vorstellung klar angibt und keinen Raum für andere Auslegungen lässt; zum Beispiel befiehlt der folgende Vers denjenigen, die den Hadsch at-Tamattu‘ beabsichtigen, aber nicht in der Lage sind, ein Tier zu schlachten:
This method of deriving the mantooq meaning refers to any expression which clearly indicates an idea, leaving no room for other interpretations; for example, the following verse orders those who intend hajj tamattu‘, but are unable to slaughter an animal:
„Ihr sollt drei Tage während des Hadsch fasten und sieben Tage, wenn ihr zurückkehrt (nach Hause); das ergibt zusammen vollständige (kāmilah) zehn (Tage).“ 111
“You should fast three days during hajj and seven days when you return (home); those make a complete (kaamilah) ten (days).” 111
Das Adjektiv (sifah) „vollständig“ beseitigt jeden Zweifel daran, dass mit „zehn“ nach dem bildlichen Sprachgebrauch etwa zehn gemeint war.
The adjective (sifah) “complete” removes any doubt that ten meant approximately ten, according to figurative usage.
2. Thaahir (offensichtlich):
2. Thaahir (obvious):
Dieser Begriff bezeichnet die naheliegendste und wahrscheinlichste Bedeutung eines Ausdrucks, der auch eine andere, jedoch weniger wahrscheinliche Bedeutung haben könnte. Ein Beispiel für das ẓāhir findet sich in dem Vers über den Verzehr verbotenen Fleisches:
This term refers to the most obvious and likely meaning of a given expression which could indicate another, though less likely, meaning. An example of the thaahir can be found in the verse referring to the consumption of forbidden meats:
„Wer jedoch gezwungen wird, davon zu essen, ohne absichtlich ungehorsam zu sein (bāghin) oder die Grenzen zu überschreiten, dem ist keine Sünde auf."
“But whoever is forced to eat it without willful disobedience (baaghin) or transgressing the limits has no sin on him.” 112
Der Begriff „baaghin“ könnte auch „unwissend“ bedeuten, doch in diesem Zusammenhang passt die Bedeutung „absichtlich ungehorsam“ offensichtlicher. Ein weiteres Beispiel für diese Art des Ausdrucks ist der Vers über den Geschlechtsverkehr mit menstruierenden Frauen.
The term “baaghin” could also mean “ignorant,” but in this context the meaning “willfully disobedient” is more obviously suited. Another example of this type of expression is the verse concerning sexual relations with menstruating women:
„Und nähert euch ihnen nicht, bis sie rein geworden sind (yat-hurna).“ 113
“And do not come near them (menstruating women) until they have become pure (yat-hurna).” 113
„Yat-hurna“ könnte entweder das Ende der Menstruation bedeuten, wodurch das Wudu’ 114
“Yat-hurna” could mean either the end of the menstrual cycle, making wudoo’ 114
oder das Ghusl (die rituelle Ganzkörperwaschung). 115 Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass damit ein Ghusl gemeint ist, größer als bei den anderen möglichen Bedeutungen.
or taking a ghusl. 115 However, the likelihood of it meaning a ghusl is greater than the other possible meanings.
3. Mu'awwal (erklärt):
3. Mu’awwal (explained):
In diesem Fall wird die naheliegende Bedeutung eines Ausdrucks aufgrund ihrer Unangemessenheit vermieden. Das heißt, die weniger naheliegende Bedeutung des Ausdrucks wird bevorzugt, aufgrund eines oder mehrerer Faktoren, die die naheliegende Bedeutung ausschließen. Zum Beispiel gebietet Allah uns im Umgang mit den Eltern Folgendes:
In this case, the obvious meaning of an expression is avoided due to its inappropriateness. That is, the less obvious meaning of the expression is favored due to some factor(s) which disallow the obvious meaning. For example, Allaah commands us in our relations with parents as follows:
„Senke den Flügel (janaah) der Demut aus Barmherzigkeit gegenüber ihnen.“ 116
“Lower the wing (janaah) of humility out of mercy to them.” 116
Die Wendung „Flügel der Demut“ wird so verstanden, dass sie Unterwürfigkeit, Gehorsam gegenüber den Eltern und gute Behandlung der Eltern meint, da es für Menschen unmöglich ist, Flügel zu haben.
The phrase “wing of humility” is taken to mean submissiveness, obedience to parents, and good treatment of parents, due to the impossibility of human beings having wings.
Ein weiteres Beispiel findet sich in Vers 6 der Sure al-Maa'idah:
Another example is in verse 6 of Soorah al-Maa’idah:
„O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr zum Gebet aufsteht, so wascht eure Gesichter …“
“O you who believe, when you stand to pray, wash your faces...”
Der offensichtliche Sinn des Verses ist, dass man Wudu' vornehmen muss, nachdem man aufsteht, um das Gebet zu verrichten. Da es keine Überlieferung gibt, dass der Prophet ﷺ und seine Gefährten es zur Gewohnheit gemacht hätten, nach dem Ausruf der Iqamah Wudu' zu vollziehen, sind sich die Gelehrten einig, dass die eigentliche Bedeutung lautet: Man muss Wudu' vornehmen, wenn man beabsichtigt zu beten, und zwar nur dann, wenn man sein vorheriges Wudu' verloren hat. Der zweite Punkt wird von der Thaahiree-Schule bestritten, die sich an den wörtlichen Gehalt des Verses hält. Die Mehrheit der Gelehrten widerspricht ihnen unter Berufung auf das Hadith des Sulaymaan ibn Buraydah, wonach der Prophet ﷺ am Tag seines siegreichen Einzugs in Makkah alle Gebete mit einem einzigen Wudu' verrichtete.
The apparent meaning of the verse is that one must perform wudoo’ after one stands to perform salaah. Since there is no record of the Prophet (ﷺ) and his companions making a habit of performing wudoo’ after the iqaamah was called, the scholars agree that the intended meaning is that one must perform wudoo’ when one intends to pray, and then only if one has lost his previous wudoo’. The second point is disputed by the Thaahiree school, who adhere to the literal implication of the verse. The majority of scholars argue against them on the basis of the hadeeth of Sulaymaan ibn Buraydah that the Prophet (r) prayed all the prayers with a single wudoo’ on the day of his victorious reentry into Makkah.
Als 'Umar ihn danach fragte und bemerkte, dass er ihn so etwas noch nie hatte tun sehen, sagte ihm der Prophet ﷺ:
When ‘Umar asked him about it, remarking that he had never seen him do so before, the Prophet (ﷺ) told him,
„Das habe ich absichtlich getan, ‘Umar.“ 117
“ I did so on purpose, ‘Umar.” 117
4. Iqtidaa (Notwendigkeit):
4. Iqtidaa (necessity):
Manchmal hängt die richtige Bedeutung eines arabischen Ausdrucks von der Annahme eines weggelassenen Wortes oder einer weggelassenen Wendung ab. Eine solche Methode, eine ausgesprochene (mantuuq) Bedeutung abzuleiten, heißt „dalaalat al-iqtidaa“, also Hinweis auf die Bedeutung durch eine notwendige Voraussetzung.118 Ein klassisches Beispiel dieser Art findet sich im Vers über das Fasten:
Sometimes the correct meaning of an Arabic expression depends on the supposition of a deleted word or phrase. Such a method of derivation of a mantooq meaning is called “dalaalah al-iqtidaa;” that is, indication of the meaning by a necessary supposition.118 A classical example of this type can be found in the verse on fasting:
„Wer aber von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, (soll fasten) an einer (gleichen) Anzahl anderer Tage.“ 119
“Whoever among you who is sick or travelling (should fast) a (like) number of other days.” 119
Die Wendung „fa aftara“ („und bricht das Fasten“) ist nach „Reisender“ zu ergänzen, denn ein Reisender ist nur dann verpflichtet, versäumte Fastentage nachzuholen, wenn er während der Reise das Fasten bricht. Ebenso hätte jemand, der krank ist, aber sein Fasten nicht bricht, keine Fastentage nachzuholen.120
The phrase, “ fa aftara” (“and breaks fast”), has to be supposed after “travelling,” because a traveller is only required to make up days of fasting if he or she breaks fast while travelling. Likewise, one who is sick but does not break his or her fast would have no fasts to make up.120
5. Ishaarah (Hinweis):
5. Ishaarah (suggestion):
Zu anderen Zeiten kann ein Ausdruck eine sekundäre Bedeutung andeuten, ohne dass irgendeine Voraussetzung von Wörtern oder Wendungen erforderlich ist. Diese Art der mantooq-Bedeutung wird „dilaalah al-ishaarah“ genannt, das heißt: Anzeige der Bedeutung durch Andeutung. Betrachtet man zum Beispiel den Vers:
At other times, an expression may indicate a secondary meaning without requiring any supposition of words or phrases. This type of mantooq meaning is called “dilaalah al-ishaarah;” that is, indication of the meaning by suggestion. If one considers, for example, the verse:
„Der Beischlaf mit euren Frauen ist euch in den Nächten des Fastenmonats erlaubt … So geht zu ihnen und sucht, was Allah für euch vorgeschrieben hat; und esst und trinkt, bis euch der weiße Faden der Morgenröte vom schwarzen Faden (der Nacht) deutlich geworden ist.“ 121
“Intercourse with your wives is permitted for you during the nights of the (month of fasting...so go to them and seek what Allaah has written for you; and eat and drink until the white thread of the dawn becomes distinct to you from the black thread (of the night).” 121
Dies zeigt, dass es erlaubt ist, das Fasten im Zustand der Janaabah123 zu beginnen, da der Geschlechtsverkehr in der Nacht bis zur Morgendämmerung erlaubt ist und man möglicherweise keine Gelegenheit hat, durch eine Waschung wieder in den Zustand der Reinheit zu gelangen; somit muss es notwendigerweise erlaubt sein, den Morgen eines Fastentages im Zustand der Unreinheit zu beginnen.
This indicates that it is acceptable to begin the fast in a state of janaabah,122 since intercourse is allowable at night up until dawn, possibly leaving no opportunity for one to regain his or her state of purity by bathing; thus, entering the morning of a fast in a state of impurity must, of necessity, be allowable.
111 Sūrat al-Baqara (2):196.
111 Soorah al-Baqarah (2):196.
112 Sura al-Baqara (2:173)
112 Soorah al-Baqarah (2):173.
113 Sūrat al-Baqara (2:222)
113 Soorah al-Baqarah (2):222.
114 Waschen des Gesichts, der Hände und Füße und Abwischen des Haares.
114 Washing the face, hands and feet and wiping the hair.
115 Ein vollständiges Bad.
115 A complete bath.
Sure 17:24
116 Soorah al-Israa’ (17):24.
117 Sahih Muslim, Bd. 1, S. 165-166, Nr. 540.
117 Sahih Muslim, vol. 1, pp. 165-6, no. 540.
118 Siehe Principles of Islamic Jurisprudence, S. 128–30.
118 See Principles of Islamic Jurisprudence, pp. 128-30.
119 Sure al-Baqarah (2):184.
119 Soorah al-Baqarah (2):184.
120 Dies ist die Position der vier Madhhabs. Ihnen widersprachen die Thaahiriyya.
120 This is the position of the four math-habs. They were opposed by the Thaahirees.
Sure al-Baqarah (2):187
121 Soorah al-Baqarah (2):187
Ein Zustand der Unreinheit, der durch Geschlechtsverkehr entsteht. Er wird durch ein Ghusl (islamisches Vollbad) aufgehoben.
122A state of impurity caused by sexual intercourse. It is removed by a ghusl (Islaamic bath).