1.6 Die Bedingungen für den Mufassir 108
1.6 The Conditions For The Mufassir 108
Aus den Informationen im vorangegangenen Kapitel zur historischen Entwicklung des Tafsīr, seiner korrekten Methodik und Beispielen abweichender Tafsīrs lassen sich die folgenden Bedingungen als notwendig für das Erreichen eines authentischen Tafsīr des Qur'ān ableiten. Umgekehrt wird das Fehlen einer dieser Bedingungen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer verzerrten Auslegung des Qur'ān führen:
From the information in the preceding chapter concerning the historical development of the tafseer, its correct methodology, and examples of deviant tafseers, the following conditions could be deduced as necessary for the achievement of an authentic tafseer of Qur’aan. Conversely, the omission of any one of the following conditions will more than likely result in a distorted interpretation of the Qur’aan:
1. Der richtige Glaube
1. Correct Belief
Der Mufassir muss vor allem anderen einen wahren Glauben an den Islam besitzen, damit seine Tafsir rein und frei von Irrlehre oder groben Fehlern ist. Aufrichtig an den Islam zu glauben bedeutet nicht automatisch, dass derjenige, der dies tut, einen wahren Glauben an den Islam besitzt. Ein wahrer oder rechter Glaube liegt nur dann vor, wenn das Verständnis vom Islam mit dem des Propheten ﷺ und seiner Gefährten übereinstimmt. Die Unkenntnis darüber, was den rechten Glauben im Islam ausmacht, wird den Mufassir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu falschen Auslegungen führen. Eine solche Person wird nicht in der Lage sein, zwischen einer richtigen und einer falschen Auslegung zu unterscheiden. Folglich wird er oder sie sich auf das eigene Urteil verlassen müssen, das aufgrund der Unwissenheit beeinträchtigt wäre.
The mufassir first and foremost must possess a true belief in Islaam for his or her tafseer to be pure and free from heresy or gross errors. Sincerely believing in Islaam does not automatically mean that one who does so has true belief in Islaam. A true or correct belief exists only when one’s conception of Islaam coincides with that of the Prophet (r) and his companions. Ignorance of what constitutes correct belief in Islaam will almost certainly lead the mufassir into incorrect explanations. Such an individual will be unable to distinguish between a correct interpretation and an incorrect one. Consequently, he or she will have to rely on their personal judgment, which would be impaired due to their ignorance.
Der richtige Glaube ist außerdem nicht sektiererisch. Ein solcher Glaube befreit den Mufassir vom schädlichen Einfluss von Philosophien, Denkschulen (Madhāhib), Bewegungen und Sekten.109 Der Mufassir nähert sich dem Qur'ān nicht mit vorgefassten Ideen und Vorstellungen, für die er im Qur'ān Bestätigung finden möchte. Ein solcher Ansatz führt unweigerlich zu Fehlinterpretationen und sektiererischen Erklärungen.
Correct belief is also non-sectarian. Such a belief frees the mufassir from the damaging influence of philosophies, schools of thought (math-habs), movements, and sects.109 The mufassir does not approach the Qur’aan with preconceived ideas and notions for which he or she wishes to find support in the Qur’aan. Such an approach invariably leads to misinterpretations and sectarian explanations
2. Die richtige Methodik
2. Correct Methodology
Jeder ernsthafte Versuch der Tafsir muss mit der Auslegung des Qur'an durch den Qur'an selbst beginnen. Was danach noch unerklärt bleibt, ist in der Sunnah zu suchen. Lässt sich die Auslegung auch dort nicht finden, sind die Erklärungen der Gefährten und ihrer Schüler heranzuziehen. Was nach diesen Schritten übrig bleibt, ist in der Sprache des Qur'an zu finden. Ein solcher Zugang zur Tafsir berücksichtigt die Rolle Allahs als Offenbarer und Erklärer Seiner Offenbarung, die Rolle des Propheten ﷺ als praktischer Ausleger der Offenbarung Allahs, die Rolle der Gefährten und ihrer Schüler als Überbringer der Offenbarung Allahs und der Auslegung und Anwendung durch den Propheten ﷺ sowie die Rolle des klassischen Arabisch als Medium, in dem die Offenbarung und ihre Erklärung überliefert wurden.
All honest attempts at tafseer must begin with the tafseer of the Qur’aan by Qur’aan itself. What remains unexplained must then be sought in the Sunnah. If the tafseer still cannot be found, the explanations of the sahaabah and their students must then be turned to. That which is left after the preceding steps can be found in the language of the Qur’aan. Such an approach to tafseer takes into account Allaah’s role as the revealer and explainer of His revelation, the Prophet’s role as the practical interpreter of Allaah’s revelation, the sahaabah and their students’ roles as the conveyers of Allaah’s revelation and the Prophet’s interpretation and application of it, and the role of classical Arabic as the vehicle in which the revelation and its explanation were transmitted.
Jeder andere Ansatz hebt eine oder mehrere dieser lebenswichtigen Rollen auf und impliziert entweder einen Anspruch auf direkte Offenbarung von Gott oder ein Verständnis, das über dem des Propheten (r) und seiner Gefährten liegt. Ein kurzer Blick auf die Tafsir-Werke derer, die diese Schritte ignorieren, wird ihre Ansprüche auf göttliche Offenbarung offenlegen, die sich hinter Begriffen wie „ilhaam“ (Eingebung) und „kashf“ (Erleuchtung) verbirgt.
Any other approach negates one or more of these vital roles and implies either a claim of direct revelation from God or an understanding superior to that of the Prophet (r) and his companions. A brief glance at the tafseer of those ignoring these steps will expose their claims to divine revelation cloaked in terms like “ilhaam” (inspiration) and “kashf” (illumination).
3. Richtiges Wissen
3. Correct Knowledge
Der Mufassir muss über fundierte Kenntnisse des klassischen Arabischen verfügen, seiner grammatischen Konstruktionen und seiner Stilfiguren, denn dies ist die Sprache des Qur'an. Jede Tafsir, die sich allein auf eine Übersetzung einiger Bedeutungen des Qur'an stützt, ist anfällig für Verzerrungen. Mujahid, der Schüler Ibn 'Abbas', sagte: „Es ist niemandem erlaubt, der an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, das Buch Allahs zu erklären, wenn er nicht in der arabischen Sprache bewandert ist.“ 110 Der Mufassir sollte außerdem die übrigen islamischen Wissenschaften kennen, die in der einen oder anderen Weise mit dem Qur'an verbunden sind, wie etwa Hadith und Fiqh. Er sollte mit der Wissenschaft des Hadith vertraut sein, um sicherzustellen, dass die Erklärungen, die dem Propheten ﷺ oder seinen Gefährten zugeschrieben werden und die er in seiner Tafsir verwendet, authentisch sind. Ebenso sollte er die Grundprinzipien des Fiqh (Usul al-Fiqh) kennen, um das islamische Recht aus den Textstellen korrekt zu erschließen oder abzuleiten. Ohne ein richtiges Verständnis dieser beiden Wissenschaften kann der Mufassir unmöglich vermeiden, seiner Tafsir eine Fülle von Fehlinformationen einzufügen, da der Bestand schwacher und erfundener Überlieferungen sehr umfangreich ist und die Rechtsschulen des Fiqh (islamisches Recht) sowie ihre Methoden vielfältig und verschieden sind.
The mufassir must have working knowledge of classical Arabic, its grammatical constructions, and its figures of speech, because this is the language of the Qur’aan. Any tafseer which is based solely on a translation of some of the meanings of the Qur’aan will be liable to distortion. As Mujaahid, the student of Ibn ‘Abbaas, said, “It is not allowable for anyone who believes in Allaah and the Last Day to explain Allaah’s Book if he is not knowledgeable in the Arabic language.” 110 The mufassir should also know the other Islaamic sciences which are connected in one way or another to the Qur’aan, such as hadeeth and fiqh. He should be familiar with the science of hadeeth in order to make sure that explanations attributed to the Prophet (r) or his companions that he uses in his tafseer are authentic. He should also know the fundamental principles of fiqh (usool al-fiqh) in order to accurately extract or deduce Islaamic law from its passages. Without a correct understanding of these two sciences, the mufassir could not possibly escape including in his tafseer a wealth of misinformation, since the body of weak and fabricated narrations is quite vast and the schools of fiqh (Islaamic law) and their methods are many and varied.
108 Einer, der den Tafsir des Qur'ān erklärt.
108 One who makes tafseer of the Qur’aan.
109 Mabaahith fee ‘Uloom al-Qur’aan, S. 329-30. 110 Zitiert nach Mabaahith fee ‘Uloom al-Qur’aan, S. 331.
109 Mabaahith fee ‘Uloom al-Qur’aan, pp. 329-30. 110 Quoted in Mabaahith fee ‘Uloom al-Qur’aan, p. 331.