7.3 Die Ära von ʿUthmān 644–656 n. Chr. / 23–35 n. H.
7.3 The Era Of ‘uthmaan 644-656 Ce/23-35 Ah
Nach dem Tod des zweiten Kalifen, ‘Umar ibn al-Khattaab, wählte ein Gremium aus sechs der bekanntesten Gefährten des Propheten ﷺ ‘Uthmaan ibn ‘Affaan zum dritten Kalifen.
After the death of the second Caliph, ‘Umar ibn al-Khattaab, a committee made up of six of the most famous companions of the Prophet (r) chose ‘Uthmaan ibn ‘Affaan to be the third caliph.
Während der Herrschaft des Kalifen ‘Umar (634–644 n. Chr. / 13–23 n. H.) hatte sich der islamische Staat über die Grenzen der Arabischen Halbinsel hinaus nach Ägypten, Syrien und ‘Irāq ausgedehnt. In der anschließenden Herrschaft des Kalifen ‘Uthmān setzte sich die Expansion fort, nach Persien, Indien, Russland, China, die Türkei und quer durch Nordafrika. Viele Menschen dieser Regionen nahmen den Islam an und lernten die Rezitation des Qur’ān von den frühen Muslimen. Der Qur’ān wurde dem Propheten ﷺ in sieben verschiedenen arabischen Dialekten offenbart, und die frühen Muslime lehrten den Qur’ān in seinen verschiedenen Lesarten.
During the reign of Caliph ‘Umar (634-644 CE/13-23 AH), the Islaamic state had expanded beyond the borders of the Arabian peninsula into Egypt, Syria and ‘Iraaq. In the subsequent reign of Caliph ‘Uthmaan, the expansion continued on into Persia, India, Russia, China, Turkey and across North Africa. Many of the people of these regions accepted Islaam and learned the recitation of the Qur’aan from the early Muslims. The Qur’aan was revealed to the Prophet (ﷺ) in seven different Arabian dialects, and the early Muslims taught the Qur’aan in its different readings.
Die zweite Niederschrift
The Second Writing
In den muslimischen Provinzen begannen einige Araber zu prahlen, ihr Dialekt sei den anderen überlegen. Außerdem war es, wenn neue Muslime beim Rezitieren des Qur’aan Fehler machten, mitunter schwierig zu unterscheiden, ob es sich tatsächlich um einen Fehler handelte oder um eine der sieben Lesarten, die der Prophet ﷺ gelehrt hatte. Diese Probleme wurden schließlich zu einer Quelle der Verwirrung in den muslimischen Provinzen außerhalb Arabiens. Einer der Sahaabah namens Huthayfah ibn al-Yamaan bemerkte diese Verwirrung, während er im Irak weilte, und befürchtete, dass sie zu einer Spaltung der muslimischen Nation und zur Veränderung des Qur’aan führen könnte. Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt berichtete er Kalif ‘Uthmaan von dem, was er gehört und gesehen hatte. Kalif ‘Uthmaan erkannte den Ernst der Lage und rief die bedeutenden Sahaabah zusammen, um eine Lösung für das Problem zu finden.
In the Muslim provinces, some Arabs began to boast that their dialect was superior to that of the others. Also, when new Muslims made mistakes in their recitation of the Qur’aan, it was sometimes difficult to tell whether it was really an error or whether it was one of the seven reading which had been taught by the Prophet (r). These problems eventually became a source of confusion in the Muslim provinces outside of Arabia. One of the sahaabah by the name of Huthayfah ibn al-Yamaan noticed the confusion while he was in ‘Iraaq, and feared that it might lead to a breakup of the Muslim nation and the changing of the Qur’aan. On his return to the capital, he informed Caliph ‘Uthmaan of what he had heard and seen. Caliph ‘Uthmaan realized the seriousness of the situation and called the major sahaabah together in order to find a solution to the problem.
Sie beschlossen, offizielle Abschriften des Qur'ān anzufertigen, und zwar von der Fassung, die zur Zeit des Kalifen Abū Bakr gesammelt worden war, und die Menschen auf deren Rezitation zu beschränken. ʿUthmān bat Ḥafṣa um die Originalabschrift des Qur'ān und rief Zayd ibn Thābit dazu auf, einem Komitee aus vier Qur'ān-Gelehrten vorzustehen, das die Aufgabe übernehmen sollte, die offiziellen Abschriften anzufertigen.82
They decided to make official copies of the Qur’aan from the one compiled in Caliph Aboo Bakr’s time and limit the people to its recitation. ‘Uthmaan asked Hafsah for the original copy of the Qur’aan and called on Zayd ibn Thaabit to head a committee of four Qur’aanic scholars who would take on the task of making the official copies.82
Als die Abschriften fertiggestellt waren, wurde das Original an Hafsah zurückgegeben. Insgesamt wurden sieben Abschriften angefertigt: eine wurde nach Makkah geschickt, eine nach Syrien, eine nach Basra, eine nach Kufa, eine nach Jemen, eine nach Bahrain, und eine wurde in der Hauptstadt Madeenah behalten.83 Offenbar wurden die verschiedenen Abschriften von verschiedenen Mitgliedern des Komitees geschrieben.84 Der Kalif ‘Uthmaan schickte mit jeder Abschrift einen offiziellen Rezitator des Qur'aan, um etwaige Probleme, die später auftreten könnten, zu klären.85 Außerdem ordnete er an, alle anderen Abschriften des Qur'aan zu vernichten, da die Leute Notizen in ihre persönlichen Exemplare geschrieben hatten und einige Abschriften unvollständig waren.86 Alle neuen Abschriften wurden dann von dem offiziellen Exemplar angefertigt, das Mushaf ‘Uthmaan genannt wurde. Auf diese Weise wurde der Qur'aan vor jeglicher Veränderung oder jeglichem Verlust bewahrt. Dieser Vorgang wurde im Jahr 646 n. Chr. abgeschlossen, zwei Jahre, nachdem ‘Uthmaan neuer Kalif geworden war.
When the copies were completed, the original was returned to Hafsah. A total of seven copies were made and one was sent to Makkah, another to Syria, one to Basrah, one to Koofah, one to Yemen, one to Bahrayn, and one was kept in the capital, Madeenah.83 Apparently, different copies were written by different members of the committee.84 Caliph ‘Uthmaan sent an official reciter of the Qur’aan with each copy in order to clear up any problems which might later arise.85 He also ordered that all other copies of the Qur’aan be destroyed, as people had made notes on their personal copies and some copies were incomplete.86 All new copies were then made from the official copy, called Mushaf ‘Uthmaan. In that way the Qur’aan was saved from any kind of change or loss. This process was completed in the year 646 CE, two years after ‘Uthmaan became the new Caliph.
Wo befinden sich heute die originalen Mushafs?
Where are the original Mus-hafs Now?
Der Madeenan-Mus-haf wurde in der Prophetenmoschee aufbewahrt. Ein Hinweis darauf findet sich in zeitgenössischen Berichten über einen Brand in der Moschee im Jahr 654 n. H., der erhebliche Schäden verursachte. Der Mus-haf wurde jedoch gerettet. Manche Berichte legen nahe, dass er während des Ersten Weltkriegs von den Türken nach Istanbul gebracht wurde, doch er gilt heute als verschollen.87
The Madeenan Mus-haf was kept in the Prophet’s Mosque. A reference to it appears in contemporary accounts of a fire in the Mosque in 654 AH which caused extensive damage. The mus-haf was, however, saved. Some reports suggest that it was transferred to Istanbul by the Turks during World War I, but it is now lost.87
Das syrische Mushaf wurde in der Freitagsmoschee (Jaami‘ Masjid) in Damaskus aufbewahrt. Ibn Katheer (gest. 774 n. H.) erwähnte, es gesehen zu haben, ebenso Ibn Batootah (gest. 779 n. H.) und Ibn Jazaree (gest. 833 n. H./1430 n. Chr.). Es wurde verschlossen gehalten, jedoch nach dem Freitagsgebet zur öffentlichen Besichtigung hervorgeholt. Ein Brand im Jahr 1892 n. Chr. (1310 n. H.) zerstörte die Moschee, und das Mushaf ging mit ihr zugrunde. Eine handschriftliche Abschrift davon, die kurz vor seiner Zerstörung angefertigt worden war, wurde zudem während des Ersten Weltkriegs nach Istanbul überführt.88
The Syrian mus-haf was kept in the Jaami‘ Masjid in Damascus. Ibn Katheer (d. 774 AH) mentioned seeing it, as did Ibn Batootah (d. 779 AH) and Ibn Jazaree (d. 833 CE/1430 AH). It was kept locked up, but was brought out for public viewing after Jumu‘ah prayers. A fire in 1892 CE/1310 AH destroyed the masjid, and the mus-haf perished with it. A handwritten copy of it made shortly before its destruction was also transferred to Istanbul during WWI.88
Ein frühes Manuskript auf Gazellenpergament befindet sich in der Dar al-Kutub as-Sultaaneeyah in Ägypten. Es ist in kufischer Schrift ohne Punkte und Vokalzeichen geschrieben. Zuvor wurde es in der ältesten Moschee Kairos, der Masjid ‘Amr Ibn al-‘Aas, aufbewahrt. Im Jahr 347 n. H. wurde es dorthin von einem Mann aus ‘Iraaq gebracht, der behauptete, es sei das Mushaf, aus dem ‘Uthmaan las, als er getötet wurde. Diese Information überliefert der Historiker al-Maqrizee, der im Jahr 378 n. H. schrieb. Schon zu dieser Zeit gab es Skepsis gegenüber dieser Behauptung. Auf einigen Seiten finden sich Blutflecken, doch viele alte Qur'aan-Manuskripte wurden ebenfalls mit Blut versehen, um die Behauptung zu stützen, sie seien das Mushaf ‘Uthmaans.89
An early manuscript on gazelle parchment exists in Dar al-Kutub asSultaaneeyah in Egypt. It is written in Kufic script without dots or vowel markings. It had been previously kept in the oldest mosque in Cairo, Masjid ‘Amr Ibn al-‘Aas. It was brought there in 347 AH by a man from ‘Iraaq, who claimed it was the mus-haf that ‘Uthmaan was reading when he was killed. This information was reported by the historian al-Maqrizee, writing in 378 AH. There was scepticism about the claim even at that time. There are bloodstains on some of the pages, but many ancient Qur’aanic manuscripts had blood applied to them to support the claim that they were the mus-haf of ‘Uthmaan.89
Es gibt ein Manuskript in Taschkent, das der beste Kandidat für den Anspruch zu sein scheint, eine der Abschriften zu sein, die ʿUthmān in Auftrag gegeben hat. Es wurde im späten Mittelalter von einem muslimischen Herrscher in Zentralasien erworben, fiel jedoch schließlich in die Hände der Russen, als sie das Land eroberten. Sie brachten es nach St. Petersburg, doch nach der bolschewistischen Revolution wurde es 1923 nach Samarqand zurückgebracht. In den 1940er Jahren wurde es nach Taschkent überführt, wo es sich heute befindet. 90 Die sowjetischen Behörden erlaubten muslimischen Gelehrten, dieses Manuskript zu fotografieren. Hyderabad House in Philadelphia veröffentlichte eine Kopie davon, Seite an Seite mit dem modernen arabischen Text mit den hinzugefügten Punkten und Vokalzeichen.
There is a manuscript in Tashkent that seems to be the best candidate for the claim to be one of the copies com-missioned by ‘Uthmaan. It was purchased during the late Middle Ages by a Muslim ruler in Central Asia, but eventually fell into the hands of the Russians when they conquered the country. They took it to St. Petersburg, but after the Bolshevik revolu-tion, in 1923, it was returned to Samarqand. In the 1940s it was transferred to Tashkent, which is where it is today. 90 Soviet authorities allowed Muslim scholars to photograph that manuscript. Hyderabad House in Philadelphia published a copy of it, side by side with the modern Arabic text with the added dots and vowel markings.
Dieselben Grundsätze der Analyse, die Bibelwissenschaftler auf Bibelhandschriften angewandt haben und die dabei zahlreiche Fehler und Veränderungen aufgedeckt haben, wurden auch auf Koranhandschriften aus aller Welt angewandt. Alte Handschriften aus allen Epochen der islamischen Geschichte, die in der Library of Congress in Washington, im Chester Beatty Museum in Dublin (Irland) und im Museum in London gefunden wurden, wurden mit solchen in Museen in Taschkent, der Türkei und Ägypten verglichen. Das Ergebnis all dieser Untersuchungen bestätigt, dass der Text seit seiner ursprünglichen Niederschrift keine Veränderung erfahren hat. Zum Beispiel sammelte und verglich das „Institut für Koranforschung“ der Universität München in Deutschland über 42.000 vollständige oder unvollständige Abschriften des Korans. Nach etwa fünfzig Jahren Forschung berichteten sie, dass es hinsichtlich der Unterschiede zwischen den verschiedenen Abschriften keine Varianten gab, außer gelegentlichen Fehlern der Abschreiber, die sich leicht feststellen ließen. Das Institut wurde im Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Bomben zerstört.91
The same principles of analysis that were applied to Bible manuscripts by Bible scholars, and which exposed its many flaws and changes, have been applied to Qur’aanic manuscripts gathered from around the world. Ancient manu-scripts from all periods of Islaamic history found in the Library of Congress in Washington, the Chester Beatty Museum in Dublin, Ireland and at the London Museum have been compared with those in museums in Tashkent, Turkey and Egypt. The result of all such studies confirm that there has not been any change in the text from its original writing. For example, the “Institute fur Koranforschung” of the University of Munich, Germany, collected and collated over 42,000 complete or incomplete copies of the Qur’aan. After some fifty years of study, they reported that in terms of differences between the various copies, there were no variants, except occasional mistakes of copyists, which could easily be ascertained. The institute was destroyed by American bombs during the Second World War.91
82 Siehe Sahih Al-Bukhari, Bd. 6, S. 478-9, Nr. 510 und Saheeh Sunan at-Tirmithee, Bd. 3, S. 59-60, Nr. 2480.
82 See Sahih Al-Bukhari, vol. 6, pp. 478-9, no. 510 and Saheeh Sunan at-Tirmithee, vol. 3, pp. 59- 60, no. 2480.
83 Al-Itqaan, Bd. 1, S. 172.
83 Al-Itqaan, vol. 1, p. 172.
84 Ma‘ al-Masaahif, S. 99.
84 Ma‘ al-Masaahif, p. 99.
85 Ebd., S. 97–98.
85 Ibid. pp. 97-8.
Sahih al-Bukhari, Bd. 6, S. 478-9, Nr. 510.
86 Sahih Al-Bukhari, vol. 6, pp. 478-9, no. 510.
87 Ma‘ al-Masaahif, S. 113.
87 Ma‘ al-Masaahif, p. 113.
88 Ma'ṣ al-Maṣāḥif, S. 113 Note: Following the instructions, I've translated the given text. The original text here is a citation/heading and is kept as-is with transliteration.
88 Ma‘ al-Masaahif, p. 113