1.5 Abweichende Tafsire
1.5 Deviant Tafseers
Um die potenzielle Gefahr und Verderbnis der Auslegung des Korans durch unbegründete Meinung deutlich zu machen, wurden folgende Beispiele irriger Koranauslegungen aus verschiedenen Bewegungen, Sekten und philosophischen Schulen aus der fernen Vergangenheit bis zur Gegenwart zusammengetragen. Ab dem zehnten Jahrhundert n. Chr. (4. Jahrhundert n. H.) haben einige Sufis die Anweisung Allahs an Propheten Musa ﷺ, wonach „Pharao“ das Herz bedeute, so ausgelegt.
In order to clarify the potential danger and corruption inherent in tafseer by unsubstantiated opinion, the following examples of deviant tafseers have been collected from various movements, sects, and philosophical schools from the distant past to the present. From the tenth century CE (4th century AH), some Soofees have interpreted “Pharaoh” to mean the heart in Allaah’s command to Prophet Moosaa:
„Geh zu Pharao, denn er hat wahrlich das Maß überschritten“ 90
“Go to Pharaoh, for verily he has transgressed,” 90
da das Herz jeden Menschen bedrückt und ihn zur Übertretung verleitet. Andere deuteten Allahs Befehl an den Propheten Mūsā:
as it is the heart which oppresses every man, causing him to transgress. Others interpreted Allaah’s command to Prophet Moosaa:
„Wirf deinen Stab hin!“ 91
“Throw down your staff,” 91
als Gebot, die weltlichen Dinge beiseitezulegen und sich allein auf Allah zu verlassen.
as a command to throw aside the material world and only depend on Allaah.
Diese spiritualistischen Tafsire zeugen von der übermäßigen Betonung des Geistigen über das Materielle innerhalb der sufischen Bewegung.
These spiritualistic tafseers are indicative of the Soofee movement’s overemphasis of the spiritual over the material.
In den mu'tazilitischen (rationalistischen) Tafsīren der 'abbasidischen Epoche wurde die Offenbarung nach menschlicher Logik ausgelegt. Daher erhielt das Wort „Herz“ im folgenden Vers eine neue Bedeutung:
In the Mu‘tazilee (Rationalist) tafseers of the ‘Abbaasid era, revelation was interpreted according to human logic. Hence, the word “heart” in the following verse was given a new meaning:
„Und (gedenke), als Ibrāhīm sprach: ‚Mein Herr, zeige mir, wie Du die Toten lebendig machst.‘ Er sprach: ‚Glaubst du nicht?‘ Ibrāhīm sprach: ‚Doch, aber (ich frage) damit mein Herz zur Ruhe kommt.‘“ 92
“And (remember) when Ibraaheem said, ‘My Lord, show me how You give life to the dead.’ [Allaah] replied, ‘Do you not believe?’ Ibraaheem said, ‘Yes, but (I am asking You) in order that my heart may be at rest.” 92
Es wurde behauptet, Ibrahim habe einen Freund gehabt, den er als sein „Herz“ bezeichnete, und daher sei die wahre Bedeutung des Verses: „Doch, aber ich bitte Dich, damit mein Freund zur Ruhe kommt.“ 93 Diese Auslegung hielt man für nötig, um den Zweifel zu erklären, den Ibrahim in seinem Herzen empfand, da er nach Ansicht der Rationalisten mit dem Prophetentum unvereinbar schien.
It was claimed that Ibraaheem had a friend whom he referred to as his “heart” and, thus, the true meaning of the verse was, “Yes, but I am asking You in order that my friend may be at ease.” 93 This interpretation was considered necessary to explain away the doubt which Ibraaheem felt in his heart, as it seemed inconsistent with prophethood, according to the Rationalists.
Die Tafsire der Schia aus der späten Abbasidenzeit legten unter dem Einfluss ihrer übertriebenen Besessenheit von den Nachkommen des Propheten ﷺ den Vers wie folgt aus:
The Shee‘ah tafseers of the late ‘Abbaasid era, under the influence of their inordinate obsession with the Prophet’s descendants, interpreted the verse:
„Er hat die beiden Meere frei fließen lassen, so dass sie einander begegnen,“ 94
“He has let the two seas flow freely and they meet,” 94
als Hinweis auf ‘Alī, den Schwiegersohn des Propheten ﷺ, und Fāṭimah, die Tochter des Propheten ﷺ; und in einem folgenden Vers:
as a reference to ‘Alee, the Prophet’s son-in-law, and Faatimah, the Prophet’s daughter; and in a following verse:
„Aus ihnen kommen Perlen und Korallen.“ 95
“Out of them come pearls and coral,” 95
Sie fanden einen Hinweis auf die Enkel des Propheten ﷺ, al-Hasan und al-Husayn.96
they found a reference to the Prophet’s grandsons, al-Hasan and al-Husayn.96
Die Qadiyani-Sekte, die im letzten Teil des neunzehnten Jahrhunderts in Indien entstand, behauptete, dass im Vers,
The Qaadiyanee sect, which appeared in India during the latter part of the nineteenth century, claimed that in the verse,
„Muhammad ist nicht der Vater irgendeines Mannes unter euch, sondern er ist der Gesandte Allahs und das Siegel (Khaatam) der Propheten.“ 97
“Muhammad is not the father of any man among you, but he is Allaah’s messenger and the seal (khaatam) of the prophets,” 97
Khaatam bedeutet nicht "Siegel", wie die meisten es übersetzen, sondern "Ring". Daher behaupteten sie, so wie der Ring den Finger schmückt, sei der Prophet Muhammad ﷺ der Schmuck des Prophetentums gewesen. Die Bedeutung des Verses sei also, dass der Prophet Muhammad ﷺ der vorzüglichste der Propheten war, jedoch nicht der letzte.98 Sie behaupten außerdem, selbst wenn das Wort khaatam mit "Siegel" übersetzt würde, wäre es wie das Siegel auf einem Umschlag, das den Inhalt verschließt, ihn aber nicht begrenzt. Diese Auslegungen wurden vorgenommen, um den Anspruch ihres Gründers Ghulam Ahmad auf das Prophetentum zu rechtfertigen. Außerdem verdrehten sie den folgenden Vers in Bezug auf den Propheten ʿĪsā:
khaatam does not mean seal, as most translate it, but ring. Thus, they claimed that just as the ring beautifies the finger, the Prophet Muhammad (r) was the beautification of prophethood. Therefore, the meaning of the verse is that Prophet Muhammad (r) was the most superior of the prophets but not the last.98 They also assert that even if the word khaatam were taken to mean “seal,” it would be like the seal placed on an envelope sealing its contents, but not limiting them. These interpretations were made to validate the claim of their founder, Ghulam Ahmad, to prophethood. They also distorted the following verse in reference to Prophet ‘Eesaa:
„Sie haben ihn weder gekreuzigt noch getötet, sondern es wurde ihnen nur so vorgetäuscht … Doch Allah hat ihn zu Sich erhoben.“ 99
“They did not crucify him nor did they kill him, but it was made to seem so to them....But Allaah raised him up to Himself.” 99
Sie behaupteten, dass „erhoben ihn“ eine bildliche Erhebung meine, so wie es im Vers verwendet wird:
They claimed that “raised him up” meant a figurative raising, as used in the verse:
„Und Ich habe deinen Ruf für dich erhöht.“ 100
“And I raised your esteem for you.” 100
Diese Auslegung war notwendig, damit sie ihre Lehre beweisen konnten, dass ʿĪsā eines natürlichen Todes auf der Erde starb, nachdem er geheiratet und Kinder gezeugt hatte, und in Kaschmir begraben wurde, und dass Ghulam Ahmad der verheißene Messias war, dessen Wiederkehr prophezeit wurde.101
This interpretation was necessary in order for them to prove their doctrine that ‘Eesaa died a natural death on earth after marrying and having children and being buried in Kashmir, and that Ghulam Ahmad was the promised messiah whose return was prophesied.101
Noch in jüngerer Zeit in Amerika legte Elijah Muhammad, der Gründer der Elijah-Sekte und Anspruchsteller auf das Prophetentum (gest. 1975), den Vers
Even more recently in America, Elijah Muhammad, founder of the Elijah sect and claimant to Prophethood (d. 1975), interpreted the verse,
„An jenem Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird, werde Ich die Übeltäter blauäugig versammeln“ 102
“On that day when the trumpet is blown, I will assemble the criminals blue-eyed,” 102
als Beweis dafür, dass die Bewohner des Feuers alle weiße Menschen sein werden. Diese Auslegung diente dazu, die Lehre Elijahs zu stützen, wonach Allah, Gott, ein schwarzer Mann sei, alle schwarzen Menschen Götter seien und alle weißen Menschen Teufel.103 Obwohl das Wort zurq wörtlich „blau“ bedeutet, wurde es verwendet, um die Trübung der Hornhaut aufgrund bestimmter Augenkrankheiten zu bezeichnen, die dem Auge einen bläulich-grauen Schimmer verleiht. Daher wäre „trüb-äugig“ eine genauere Übersetzung gewesen.
as proof that the inhabitants of the fire will all be white people. This interpretation was used to support the Elijah doctrine that Allaah, God, was a black man, that all black people were gods and that all white people were devils.103 Although the word zurq literally means blue, it was used to refer to the clouding of the cornea due to certain eye diseases which gives the eye a bluish-grey tinge. Hence, a more accurate translation would have been “bleary-eyed.”
Laut Elijah ist der weiße Mensch dem schwarzen Menschen ähnlich, weshalb er im Qur'an als „Menschheit“ bezeichnet wurde, das heißt als eine Art Mensch!104 Daher gilt im Vers:
According to Elijah, since the white man resembles the black man, he was referred to as “mankind” in the Qur’aan, that is, a kind of man!104 Therefore, in the verse:
„O ihr Menschen, wahrlich, Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen (Wesen) erschaffen“ 106
“O mankind, verily, We105 have created you from a male and a female,” 106
„Wir“ wurde von Elijah so interpretiert, dass es sich auf die schwarzen Männer/Götter bezieht, die angeblich die weiße Rasse (die Menschheit) erschaffen haben.107
“We” was interpreted by Elijah to refer to the black men/gods who supposedly created the white race (mankind).107
Diese wenigen Beispiele von Tafsīren, die ausschließlich auf sektiererischen Meinungen beruhen, zeigen deutlich die Widersprüchlichkeit und Täuschung, die aus der Missachtung der richtigen Methode der Tafsīr-Auslegung entstehen. Der Qur'an wird zum Sprachrohr für die abweichenden und irrigen Behauptungen jeder Sekte. Der Qur'an wird gnadenlos manipuliert, da es für die Begründer dieser Sekten weder logische Grenzen noch kohärente Regeln gibt, an die sie sich halten; daher kann ein und derselbe Vers für sie eine Vielzahl von Bedeutungen haben. Jede Auslegung, die ihre Ideen fördert, gilt als richtig. Für sie ist der Qur'an nicht länger ein Buch der Rechtleitung, sondern ein Buch, das die verborgenen Geheimnisse ihrer Sekte enthält, die nur ihre Anführer und die besonders Eingeweihten entschlüsseln können.
These few examples of tafseers based solely on sectarian opinions clearly show the incoherence and deception that result from the disregard for the correct method of tafseer. The Qur’aan becomes a voice for each sect’s deviant and heretical claims. The Qur’aan is manipulated mercilessly, as there are no logical boundaries nor coherent rules by which the founders of these sects abide; hence, the same verse may have a multiplicity of meanings for them. Whatever interpretation promotes their ideas become correct. For them, the Qur’aan is no longer a book of guidance, but a book containing the hidden secrets of their sect, which only their leaders and the specially initiated can unlock.
Sure ist an-Nāziʿāt (79):17.
90 Soorah an-Naazi‘aat (79):17.
91 Sure an-Naml (27):10. 90 Sure an-Nazi'at (79):17.
91 Soorah an-Naml (27):10. 90 Soorah an-Naazi‘aat (79):17.
Sūrat an-Naml (27):10. 95 Sūrat ar-Raḥmān (55):22.
91 Soorah an-Naml (27):10. 95 Soorah ar-Rahmaan (55):22.
96 Ibn Baabooyah in al-Khisaal. Zitiert in Bihaar al-Anwaar, Bd. 24, S. 97-99, Nr. 1-7.
96 Ibn Baabooyah in al-Khisaal. Quoted in Bihaar al-Anwaar, vol. 24, pp. 97-9, nos. 1-7.
97 Sura al-Ahzab (33):40
97 Soorah al-Ahzaab (33):40.
98 Qadiyaniyat, S. 306. 99 Sūrat an-Nisā’ (4):157-158.
98 Qadiyaniyat, p. 306. 99 Soorah an-Nisaa’ (4):157-8.
100 Sūrat al-Inschirāh (94):4.
100 Soorah al-Inshiraah (94):4.
101 Kürzere Enzyklopädie des Islam, S. 24.
101 Shorter Encyclopaedia of Islaam, p. 24.
102 Sure Taha (20):102. 103 Botschaft an den schwarzen Mann in Amerika, S. 14.
102 Soorah Taa Haa (20):102. 103 Message to the Black Man in America, p. 14.
d. h., quasi-menschlich.
104 I.e., quasi-human.
105 Siehe Fußnote 23 auf Seite 16 für eine Erklärung der Bedeutung von „Wir“, wenn Allah es für sich selbst verwendet.
105 See footnote 23 on page 16 for an explanation of the meaning of ‘We’ when used by Allaah for himself.
106 Sure al-Hudschurat (49):13
106 Soorah al-Hujuraat (49):13.
107 Botschaft an den schwarzen Mann in Amerika, S. 118.