11.6 Die verpflichtenden Befugnisse des Muhtasib
11.6 The mandatory powers of the Muhtasib
Der Muhtasib ist befugt, über den Verstoß zu urteilen, sobald er davon erfährt; dies kann sofort und an jedem beliebigen Ort geschehen. Er muss sich nicht in einem Gerichtssaal befinden. Ihm stehen eine Reihe von Polizeikräften zur Verfügung, um seine Anordnungen auszuführen und das Urteil vor Ort zu vollstrecken.
The Muhtasib has the power to judge on the offence as soon as He learns about it, and this could take place on the spot and at any location. He does not need to be in a judicial court. He will have at his disposal a number of police staff to execute his orders and to apply the sentence on the spot.
Ein Gerichtshof wäre für den Muhtasib nicht erforderlich, um sich mit dem vorliegenden Fall zu befassen. Er fällt das Urteil in dem Moment, in dem er sicher ist, dass der Verstoß stattgefunden hat, und er hat die Befugnis, an jedem Ort und zu jeder Zeit zu urteilen, sei es auf dem Markt, im Haus, während des Reitens oder im Auto, am Tag oder bei Nacht. Der Beweis, der die Notwendigkeit eines Gerichtshofs zur Behandlung eines Falles bestätigt, trifft auf den Muhtasib nicht zu, denn das Hadith, das diese Bedingung bestätigt, lautet: „Wenn die beiden streitenden Parteien vor dir sitzen.“ Dies ist auf den Richter der Hisba nicht anwendbar, da es weder einen Kläger noch einen Beklagten gibt, sondern vielmehr ein öffentliches Recht, das verletzt wurde, oder eine Verletzung der Scharia. Als der Gesandte Allahs ﷺ den Fall des Lebensmittelhaufens untersuchte, ging er außerdem zu dieser Zeit über den Markt und die Lebensmittel waren zum Verkauf ausgestellt. Er ﷺ ließ den Verkäufer nicht zu sich rufen, sondern behandelte den Verstoß an Ort und Stelle, sobald er ihn bemerkte. Dies zeigt, dass Fälle der Hisba keinen Gerichtshof erfordern.
A judicial court would not be required for the Muhtasib to look into the case at hand, He passes the judgement the moment He is sure that the offence took place, and He has the power to judge at any place and at anytime, whether in the market, in the house, while riding or in the car during the day or night. The evidence that confirms the need to have a judicial court in order to deal with a case does not apply to the Muhtasib, because the Hadith that confirmed this condition states; “If the two disputing parties sat before you.” This is not applicable to the judge of Hisba, as there is no plaintiff and no defendant, rather, there is a public right that has been violated, or a violation of the Shar’a. Besides, when the Messenger of Allah (pbuh) looked into the case of the heap of food, He was walking in the market at the time and the food was displayed for sale. He (pbuh) did not summon the vendor to him, but as soon as He detected the offence He dealt with it on the spot. This indicates that the cases of Hisba do not require a judicial court.
Der Muhtasib hat das Recht, Stellvertreter für sich auszuwählen. Diese sollen die Anforderungen des Muhtasib erfüllen, und er darf sie verschiedenen Orten zuweisen. Diese Stellvertreter hätten die Befugnis, die Aufgaben der Hisba in den Gebieten, denen sie zugewiesen wurden, und in den Fällen, für die sie bevollmächtigt wurden, auszuführen.
The Muhtasib has the right to select deputies for him. They should fulfil the requirements of the Muhtasib, and He is allowed to assign them to different places. Those deputies would have the power to carry out the duties of the Hisba in the areas to which they have been assigned, and in the cases for which they have been delegated.
Ob der Muhtasib das Recht hat, Stellvertreter zu ernennen, hängt davon ab, ob seine Bestallung eine Klausel enthält, die ihm die Befugnis gibt, Stellvertreter zu bestellen, die an seiner Stelle handeln, falls die Ernennung durch den Khalifen erfolgte. Wurde die Ernennung hingegen vom Qadhi al-Qudhah (Oberster Richter) vorgenommen, so muss die Bestallung des Qadhi al-Qudhah neben der genannten Bedingung eine Klausel enthalten, die ihm die Befugnis gibt, den von ihm eingesetzten Richtern zu erlauben, andere zu bestellen, die an ihrer Stelle handeln, d. h. ihnen das Recht zu geben, Stellvertreter zu haben. Besaß der Qadhi al-Qudhah eine solche Befugnis nicht, so wäre er nicht in der Lage, eine solche Delegation zu genehmigen, und somit dürfte der Muhtasib keine Stellvertreter haben, d. h. er hätte nicht das Recht zu delegieren. Die Befugnis des Richters, in seinem Namen zu delegieren, sei es der Muhtasib, der Qadhi oder der Qadhi al-Mazaalim, liegt nicht in seiner Hand, es sei denn, der Khalif erlaubt es ihm; oder das Recht, Richter einzustellen und den Ernannten die Delegation zu erlauben, wurde dem Waali der Gerichtsbarkeit übertragen, d. h. dem Qadhi al-Qudhah. Dies deshalb, weil der Richter für die Gerichtsbarkeit bestellt wird, d. h. für eine bestimmte Art der Gerichtsbarkeit, nämlich die Hisba. Wenn ihm daher nicht das Recht zur Delegation eingeräumt wurde, d. h. das Recht, für sich selbst einen Stellvertreter zu bestellen, so besäße er auch nicht die erforderliche Befugnis, irgendjemanden zu ernennen. Dies gilt sowohl für den Qadhi als auch für den Qadhi al-Mazaalim, denn jeder von ihnen wird gemäß der Bestallungsklausel für die Gerichtsbarkeit bestellt. Daher besitzen sie keine darüber hinausgehende Befugnis, d. h. sie hätten kein Recht, Richter zu ernennen, es sei denn, dies bildete Teil des Bestallungsvertrags. Ebenso hätte er auch nicht das Recht, Stellvertreter zur Ausübung der Aufgaben der Hisba in seinem Namen zu bestellen, es sei denn, dies war Teil seines Vertrags. Dasselbe gilt für den Qadhi al-Qudhah. Was die Zulässigkeit der Bestellung von Stellvertretern betrifft, so leitet sie sich aus dem Handeln des Gesandten Allahs ab: Er wurde gebeten, einen Fall zu prüfen, und er bestellte jemanden, der an seiner Stelle handelte. Dies geschah bei dem Vorfall mit dem Beduinen, der zum Gesandten Allahs ﷺ kam und ihm mitteilte, dass sein Sohn bei einem Mann arbeite und mit dessen Frau die Unzucht begangen habe, weshalb er ihn um das Urteil bat. Der Gesandte Allahs ﷺ sagte bei jenem Vorfall:
This depends on whether the appointment of the Muhtasib includes a clause that gives Him power to appoint deputies, i.e. to delegate deputies who would act on his behalf, in case the Khaleefah made his appointment. If the appointment was however made by the Qadhi al- Qudhah (Supreme judge), then beside the previous condition the appointment of the Qadhi al-Qudhah must include a clause that gives Him power to allow the judges that He appoints to delegate others to act on their behalf, i.e to give them the right to have deputies. If the Qadhi al- Qudhah did not have such power, then He would not be in a position to approve such a delegation, thus the Muhtasib would not be allowed to have deputies, i.e. He would not have the right to delegate. The power of the judge to delegate on his behalf, whether it be the Muhtasib, the Qadhi (judge) or the Qadhi al-Mazaalim, is not in the hands of the judge unless the Khaleefah allows Him to do so; or if the permission to recruit judges and to allow those appointed to delegate were given to the Waali of the judiciary, i.e. the Qadhi al-Qudhah. This is because the judge is appointed to the judiciary, i.e. a specific type of judiciary, which is the Hisba. Therefore, if He were not given the right to delegate, i.e. the right to appoint a deputy for himself, He would not then possess the mandatory power to appoint anyone. This applies to both the Qadhi and the Qadhi al-Mazaalim, for each of them would be appointed to the judiciary according to the appointment clause. Thus they do not possess any extra power, i.e. they would have no right to appoint judges, unless this formed part of the appointment contract. He would not also have the right to appoint deputies to perform the duties of Hisba on his behalf, unless this was part of his contract. The same applies to the Qadhi al-Qudhah. As for the permissibility of appointing deputies, this is derived from the Messenger of Allah’s action, for He (pbuh) was called upon to look into a case, and He appointed someone to act on his behalf. This was what happened in the incident of the desert Arab who came to the Messenger of Allah (pbuh) and informed Him that his son was working for a man and He committed adultery with the man’s wife, so He asked Him for the verdict. The Messenger of Allah (pbuh) said at that incident:
„Geh, o Unais (ein Mann aus Aslam), zur Frau dieses Mannes, und wenn sie das Verbrechen gesteht, dann steinige sie.“ [Narrated by Bukhari and Muslim by way of Abi Hurayrah, Zayd bin Khalid al Juhani]
“Go O Unays (a man from Aslam) to this man’s wife, if she admitted guilt then stone her.” [Narrated by Bukhari and Muslim by way of Abi Hurayrah, Zayd bin Khalid al Juhani]
Dies weist darauf hin, dass der Richter einen Stellvertreter entsenden kann, der in einem Fall anstelle des Richters urteilt, den er ihm zuweist. Dasselbe gilt für den Muhtasib, da auch er ein Richter ist. Der Richter muss seinem Stellvertreter jedoch erlauben, sich mit dem Fall insgesamt zu befassen, d. h. er muss berechtigt sein, die Beschwerde zu prüfen und selbst das Urteil zu sprechen, sofern die Bestellung zum Stellvertreter gültig ist. Denn die Rechtsprechung ist die Durchsetzung der Vorschrift mittels Zwang; in diesem Zusammenhang kann sie nicht aufgeteilt werden, weshalb er ihn nicht lediglich zur Untersuchung ohne Urteilsspruch bestellen kann. Die Bestellung muss vollständig sein, sodass er zum Richter wird und sein Urteil gültig ist. Selbst wenn er jedoch manchmal tatsächlich kein Urteil spricht, bleibt seine Tätigkeit gültig, denn es ist keine Bedingung, dass er als Richter tätig wird. Ein Richter könnte einen Fall prüfen, und bevor er seine Arbeit abschließt und sein Urteil spricht, könnte er von seinem Amt enthoben werden; dann würde der Fall an einen anderen Richter verwiesen, der das Urteil fällt. Dasselbe gilt für den Stellvertreter des Richters. Es ist keine Bedingung, dass er das Urteil spricht, aber er muss bei seiner Bestellung das Recht erhalten, zu untersuchen und zu urteilen, d. h. er muss als vollwertiger Richter eingesetzt werden und alle erforderlichen Befugnisse besitzen, die einem Richter übertragen werden. Dasselbe gilt für die Muhtasibs, denen er Stellvertreter mit Befugnissen zur Untersuchung und Urteilsfindung in den Fällen beiordnet, die er ihnen zuweist, oder in den Bereichen, in die er sie einsetzt, sofern ihm die Befugnis zur Bestellung von Stellvertretern übertragen wurde. Die rechtlichen Voraussetzungen für diejenigen, die der Richter als seine Stellvertreter bestellt, sind: Sie müssen Muslime, freie Männer, rechtschaffen, mündig und Fuqaha (gelehrte Rechtskundige) in den Angelegenheiten sein, mit denen sie betraut werden, d. h. sie müssen dieselben Anforderungen erfüllen wie der Muhtasib, denn auch sie sind wie er Richter.
This indicates that the judge could send a deputy to judge on his behalf in a case He assigns to him. The same applies to the Muhtasib, as He is also a judge. However, the judge must allow his deputy to deal with the case as a whole, i.e. He must be allowed to look into the complaint and pronounce judgement himself if the appointment to deputise were valid. This is because the judiciary is the conveying of the rule by way of compulsion, so in this context it cannot be partitioned, and therefore He cannot appoint Him to merely investigate without judging. The appointment must be complete so that He becomes a judge and his judgement becomes valid. However, even if He sometimes did not actually pronounce a judgement, his work would still be valid, for it is not a condition for Him to act as a judge. A judge could look into a case, and before completing his work and pronouncing his judgement, He could be relieved of his duties, and then the case would be referred to another judge who would pass judgement. The same applies to the judge’s deputy. It is not a condition for Him to pass judgement, but He must be given the right to investigate and pass judgement when appointed, i.e. He must be appointed as a full judge, holding all the mandatory powers given to a judge. The same applies to the Muhtasibin He appoints deputies with powers to investigate and judge in the cases He assigns for them, or in the areas in which He places them, that is if He has been given the power to appoint deputies. The legal requirements for those whom the judge appoints as his deputies are: They must be Muslim, free men, just, mature and Fuqaha (learned scholars) in the matters they are assigned to deal with, i.e. they must have the same requirements as the Muhtasib, because they are also judges like him.