15.5 Der Herrscher, der offenkundigen Kufr zeigt, muss bekämpft werden
15.5 The ruler who displays flagrant Kufr must be fought against
Es gibt eine Situation, die von der allgemeinen Regel über die Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Herrscher ausgenommen ist. Dies ist der Fall, dass man dazu aufgefordert wird, eine Sünde zu begehen. Ebenso gibt es eine Situation, die von der allgemeinen Regel über das Verbot der Auflehnung gegen den Herrscher und des Griffs zu den Waffen gegen ihn ausgenommen ist, nämlich wenn er eine offenkundige Form des Unglaubens begeht. In diesem Fall sollte gegen ihn gekämpft werden, denn es gibt Texte, die sich auf diese Situation beziehen. ‘Awf Ibnu Malik Al-Ashja’i sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs ﷺ sagen: ‚Die besten eurer Imame sind jene, die ihr liebt und die euch lieben, für die ihr betet und die für euch beten, und die schlechtesten eurer Imame sind jene, die ihr hasst und die euch hassen, die ihr verflucht und die euch verfluchen.‘ Wir fragten: ‚O Gesandter Allahs, sollen wir ihnen dann nicht den Krieg erklären?‘ Er sagte: ‚Nein, solange sie unter euch das Gebet verrichten.‘“ [Überliefert von Muslim] Das Verrichten des Gebets bedeutet, nach dem Islam zu herrschen, das heißt, die Regeln der Scharia umzusetzen. Dies deshalb, weil hier das Nennen eines Teils das Ganze des Islam bezeichnet. Dies ist im Arabischen üblich, etwa wenn Allah (swt) sagt: „Die Befreiung eines Halses“ [TMQ An-Nisa’: 92], was bedeutet, den Sklaven zu befreien, also den ganzen Menschen und nicht nur seinen Hals. In diesem Hadith sagte er ﷺ: „Solange sie unter euch das Gebet verrichten.“ Gemeint ist die Durchsetzung aller Regeln, nicht nur des Gebets, und dies ist eine bildliche Ausdrucksweise, bei der grundsätzlich der Teil genannt wird, um das Ganze zu bezeichnen. Muslim überlieferte von Umm Salama, dass der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Es werden Emire über euch eingesetzt werden. Ihr erkennt einiges von dem an, was sie tun, und ihr lehnt manches ab. Wer es anerkennt, ist von Schuld frei. Wer es missbilligt, ist in Sicherheit, wer aber zustimmt und ihnen folgt, (der ist verloren).“ Sie sagten: „Sollen wir nicht gegen sie kämpfen?“ Er ﷺ antwortete: „Nein, solange sie beten.“ Dies bedeutet die Festlegung aller Regeln, nicht nur des Gebets, und es handelt sich um eine bildhafte Ausdrucksweise, bei der ein Teil genannt wird, um das Ganze zu bezeichnen. ‘Ubadah ibn as-Samit berichtete:
There is one situation excluded from the general rule concerning the obligation of obedience to the ruler. This is the case of commanding people to perform a sin. Similarly there is one situation excluded from the general rule concerning the prohibition of rebellion against the ruler and taking up arms against him, which is when He commits an act of flagrant disbelief. In this case He should be fought against, for there are texts related to this situation. ‘Awf Ibnu Malik Al-Ashja’i said; “I heard the Messenger of Allah (pbuh) say; ‘The best of your Imams are those whom you love and they love you and whom you pray for and they pray for you, and the worst of your Imams are those whom you hate and they hate you and you curse them and they curse you.’We asked: ‘O Messenger of Allah, shall we not then declare war on them?’ He said; ‘No, as long as they establish the prayer among you.’” [Narrated by Muslim] Establishing the prayer means to rule by Islam, that is to implement the rules of Shari’ah. This is because naming part of it denotes the whole of Islam here. This is common in Arabic, for instance Allah (swt) says; “To free a neck” [TMQ An-Nisa’: 92] which means to free the slave i.e. all of Him and not just his neck. In this Hadith He (pbuh) said; “As long as they establish the prayer among you.” This means the establishment of all the rules not just the prayer and is a figurative form where basically the part is mentioned to refer to the whole. Muslim reported on the authority of Umm Salama that the Messenger of Allah (pbuh) said; “Ameers will be appointed over you, you recognise some of what they do and you disown some. Whoever recognised He is absolved from blame. Whoever disapproved (of their bad deeds) He is safe, but whoever consented and followed them (he is doomed.)’ They said; ‘Should we not fight against them?’ He (pbuh) replied: ‘No, as long as they prayed.’” This means the establishment of all the rules not just the prayer and is a figurative form where basically the part is mentioned to refer to the whole. ‘Ubadah Ibnus-Samit reported:
„Der Gesandte Allahs ﷺ rief uns, und wir leisteten ihm den Bay'ah (Treueeid). Unter den Geboten, die er uns auferlegte, war, dem Emir zu hören und zu gehorchen, in unserer Zufriedenheit und unserer Unzufriedenheit, in unserer Not und unserem Wohlergehen, und indem wir (andere) über uns selbst stellen, und die Autorität nicht mit ihren Leuten anzufechten. Er sagte: ‚Es sei denn, ihr seht einen offenkundigen Unglauben, für den ihr einen klaren Beweis von Allah habt.'“ [Narrated by Muslim]
“The Messenger of Allah (pbuh) called us and we gave Him the Bay’ah (oath of allegiance). Among the injunctions He made binding upon us was to listen and obey to the Ameer in our pleasure and displeasure, in our adversity and prosperity, and giving (others) preference over ourselves, and not to dispute the authority with its people, He said; ‘Unless you see a flagrant disbelief on which you have clear proof from Allah.’” [Narrated by Muslim]
Das Thema dieser drei Ahadith, des Hadith von ʿAwf Ibnu Malik, dem von Umm Salama und dem von ʿUbadah Ibnus-Samit, ist die Auflehnung gegen den Herrscher. Sie verbieten sie ausdrücklich und unmissverständlich.
The subject of these three Ahadith, the Hadith of ‘Awf Ibnu Malik, that of Umm Salama, and that of ‘Ubadah Ibnus-Samit is the rebellion against the ruler. They categorically forbid the rebellion against him:
„‚Sollen wir ihnen dann nicht den Krieg erklären?‘ Er ﷺ sagte: ‚Nein.‘ ‚Sollen wir nicht gegen sie kämpfen?‘ Er ﷺ sagte: ‚Nein.‘ ‚Und wir sollen nicht mit den Machthabenden streiten.‘“ Sie alle verbieten den Aufstand gegen den Herrscher ausnahmslos, und damit weisen sie auf ein Verbot hin. Dies verbindet sich mit der Schande, die dem Aufstand zugeschrieben wird, und es wird im Hadith angedeutet, in dem der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Wer sich gegen den Herrscher auflehnt und die Dschamaa’ah verlässt, dessen Tod wird der Tod aus den Tagen der Dschahiliyyah sein.“ [Überliefert von An-Nasa’i von Abu Hurairah] Es handelt sich daher um ein eindeutiges Verbot, denn es betrachtet den Tod dessen, der dem Imam ungehorsam ist und sich gegen ihn auflehnt, als einen Tod der Dschahiliyyah, was darauf hinweist, dass es ein eindeutiges Verbot ist. Die Ahadith dienen somit als Beweis für das Verbot der Auflehnung.
“‘Should we not then declare war on them?’ He (pbuh) said; ‘No.’ ‘Should not we fight against them?’ He (pbuh) said; ‘No.’ ‘And we should not dispute with the people of authority.’” They all forbid the rebellion against the ruler categorically, thus indicating a prohibition. This is combined with the disgrace attributed to the rebellion and is indicated in the Hadith where Allah’s Messenger (pbuh) said; “He who rebels against the ruler and deserts the Jama’ah, his death would be that of the days of Jahiliyyah.” [Narrated by An-Nasa’i from Abu Hurairah] It is therefore, a decisive prohibition, for it considers the death of He who disobeys and rebels against the Imam as a death of Jahiliyyah, indicating that it is a decisive prohibition. The Ahadith thus serve as evidence for the prohibition of rebellion.
Jedoch wird ein Fall ausgenommen, der in dem ersten und zweiten Hadith zum Ausdruck kommt: das Nichtverrichten des Gebets und das Nichtbeten. Er wird auch im dritten Hadith durch den offenkundigen Unglauben (Kufr Bawah) ausgedrückt. Das Nichteinhalten des Gebets und das Nichtbeten, also das Richten nach anderem als dem, was Allah (SWT) offenbart hat, mit anderen Worten das Richten nach den Gesetzen des Kufr, ist eine Angelegenheit, die zweifellos das Auftreten offenkundigen Unglaubens bedeuten würde. Der „offenkundige Unglaube“, der im Hadith erwähnt wird, ist eine Beschreibung, die auf alles zutrifft, was als offenkundiger Kufr gilt. Wenn also offenkundiger Kufr, für den wir einen Beweis von Allah (SWT) haben, erscheint, müssen wir dagegen aufbegehren. Ob dies nun das Richten nach den Gesetzen des Unglaubens ist, also nach anderem als dem, was Allah offenbart hat, oder ob Er nicht nach den Gesetzen des Unglaubens richtet, sondern zum Abfall vom Islam schweigt und den Abtrünnigen erlaubt, ihren Unglauben offen zur Schau zu stellen, oder etwas Ähnliches – all dies wäre offenkundiger Unglaube. Dies ist allgemein gehalten und umfasst jede Art von offenkundigem Unglauben. Das ist die Ausnahme (in den Ahadith erwähnt): das Erscheinen des klaren Unglaubens. Tritt dieser auf, wird das Aufbegehren dagegen zur Pflicht.
However, one case is excluded which is expressed in the first and second Hadith, not establishing the prayer, and not praying. It is also expressed in the third Hadith by the flagrant disbelief. The nonestablishment of prayer and the non-performing of prayer, that is, ruling by other than what Allah (swt) has revealed, in other words to rule by the rules of Kufr, a matter which would undoubtedly mean the appearance of flagrant disbelief. The “flagrant disbelief “, that came in the Hadith is a description that applies on everything that is considered as flagrant Kufr. So, if flagrant Kufr of which we have proof from Allah (swt) has appeared, we should rebel against it. Whether this was ruling by the laws of disbelief, that is by other than what Allah has revealed, or He was not ruling by the laws of disbelief, but remained silent about apostasy against Islam and allowed the apostates to display openly their disbelief or anything similar. All this would be flagrant disbelief. This is general and includes any type of flagrant disbelief. This is the exception (mentioned in the Ahadith): appearance of the clear disbelief, so if this occurs then rebellion becomes obligatory.
Die Andeutung in diesen Ahadith hinsichtlich der Pflicht zur Auflehnung gegen die Herrscher zeigt sich darin, dass der Gesandte Allahs ﷺ uns untersagt hat, ihnen den Krieg zu erklären, gegen sie zu kämpfen und mit ihnen über ihre Herrschaft zu streiten, und dass er diesen Fall ausgenommen hat, was bedeutet, dass er vom Verbot ausgenommen ist. Das bedeutet, dass er zu einer Anordnung wird, der wir nachkommen müssen. Die implizite Bedeutung (Mafhoom) der Ahadith meint die Anordnung, dem Herrscher den Krieg zu erklären, gegen ihn zu kämpfen und mit ihm über seine Herrschaft zu streiten, wenn ein solcher Fall eintritt. Die implizite Bedeutung (Mafhoom) steht hinsichtlich ihres Beweiswertes für die Regel der wörtlichen Bedeutung gleich. Sie dient daher als Beleg dafür, dass der Gesetzgeber den Muslimen befohlen hat, den Herrschern den Krieg zu erklären, gegen sie zu kämpfen und mit ihnen über ihre Herrschaft zu streiten, wenn offenkundiger Kufr in ihrer Herrschaft auftritt. Was die Qarina (Indiz) betrifft, dass dieser Befehl bindend ist, so liegt das daran, dass der Gegenstand dieses Befehls von der Scharia betont wurde. Der Gesetzgeber hat die Herrschaft nach dem Islam als Wajib (verpflichtend) und nicht als Mandub (empfohlen) gemacht. Das Auftreten offenkundigen Unglaubens ist von der Scharia verboten und nicht bloß Makruh (verwerflich). Der Gegenstand des Befehls dient somit als Qarina dafür, dass der Befehl bindend ist. Die Auflehnung gegen den Herrscher in diesem Ausnahmefall ist daher nicht nur erlaubt, sondern tatsächlich für die Muslime eine Pflicht.
The indication in these Ahadith regarding the obligation of rebellion against the rulers in this case is reflected in the fact that the Messenger of Allah (pbuh) has forbidden us from declaring war on them, fighting against them and disputing with them over their authority, and He excluded this case, which means it is excluded from the rule of prohibition. This means that it becomes an order that we need to fulfil. The indicative meaning (Mafhoom) of the Ahadith means the order to declare war on the ruler, fighting against Him and disputing with Him over his authority, if such case occured. The indicative meaning (Mafhoom) is equal to the literal meaning in terms of its proof on the rule. It therefore serves as evidence indicating that the legislator has ordered the Muslims to declare war on the rulers, to fight against them and dispute with them over their authority if the open Kufr emerged in their ruling. As for the Qareenah (indication) that this order is decisive, this is because the subject matter of this order was emphasised by Shari’ah. The Legislator has made ruling by Islam Wajib (obligatory) and not Mandub (recommended). The emergence of flagrant disbelief has been forbidden by Shar’a, and is not merely Makruh (undesirable). The subject matter of the order thus serves as a Qareenah that the order is decisive. The rebellion against the ruler in this exceptional case is thus not only permitted but actually an obligation upon the Muslims.
Es muss jedoch betont werden, dass mit dem Auftreten des offenkundigen Unglaubens derjenige Unglaube gemeint ist, für den wir einen eindeutigen Beweis haben, der belegt, dass es sich um einen Akt des Unglaubens handelt. Der Gesandte Allahs ﷺ beschränkte sich nicht darauf, zu sagen „offenkundiger Unglaube“, sondern fuhr fort: „über den ihr einen Burhan (Beweis) von Allah habt.“ Das Wort Burhan bezieht sich nur auf den eindeutigen Beweis. Das Vorliegen eines klaren, zweifelsfreien Beweises für den offenkundigen Unglaubens ist eine der Bedingungen für die Auflehnung. Gäbe es Zweifel, dass es sich nicht um einen Akt des Unglaubens handelt, oder gäbe es einen Zanni (wahrscheinlichen) Beweis dafür, dass es sich um einen Akt des Unglaubens handelt, auch wenn der Beweis zutreffend wäre, dann wäre die Auflehnung unzulässig, denn die Auflehnung ist nur erlaubt, wenn es einen eindeutigen Beweis dafür gibt, dass es sich um einen Akt des Unglaubens handelt.
However, it has to be stressed that what is intended by the emergence of the flagrant disbelief, is the disbelief on which we have decisive evidence proving that it is an act of disbelief. The Messenger of Allah (pbuh) did not stop at saying “flagrant disbelief “, but He went on to say “ on which you have a Burhan (proof) from Allah.” The word Burhan is only referred to the decisive evidence. The presence of clear-cut evidence proving flagrant disbelief is one of the conditions of rebellion. If there were doubts about it not being an act of disbelief, or if there was a Zanni (probable) evidence about it being an act of disbelief even if the evidence was correct, then the rebellion would be unlawful, as the rebellion is only allowed if there were a clear cut evidence that it is an act of disbelief.
Damit ist die offenkundige Glaubensverleugnung gemeint, also jene Art des Unglaubens, über die kein Zweifel besteht und die durch eindeutige Beweise als Unglaube erwiesen ist. Wenn die Herrscher eine Handlung oder ein Verhalten anordneten, das Zweifel zulässt, so ist dies kein Akt des Unglaubens, und es wäre unrechtmäßig, sich gegen sie aufzulehnen unter dem Vorwand, es liege offenkundiger Unglaube vor. Dies liegt am Vorhandensein des Zweifels. Wenn etwa der Herrscher anordnete, an den Universitäten die Theorie des dialektischen Materialismus oder andere Lehren des Unglaubens zu unterrichten, und man der Ansicht wäre, dass die Vermittlung solcher Unglaubenslehren zum Unglauben führen werde, so muss man in diesem Fall dem Herrscher gehorchen und sich mit diesen Lehren beschäftigen. Es wäre verboten, sich gegen den Herrscher aufzulehnen unter dem Vorwand, es sei offenkundiger Unglaube begangen worden. Der Herrscher hätte einen Beweis dafür, dass es erlaubt ist, Kenntnisse über die Lehren des Unglaubens zu erwerben, denn der Qur'an hat sie erwähnt, wo Allah (swt) sie angesprochen und widerlegt hat.
What is thus meant by flagrant disbelief is the type of disbelief over which there is no doubt and over which conclusive evidence has proved that it is disbelief. If the rulers ordered an action or conduct that carried a doubt, this is not an act of disbelief and it would be unlawful to rebel against Him under the pretext that there was flagrant disbelief. This is due to the presence of doubt. For instance, if the ruler ordered the teaching of the theory of dialectical materialism at universities, or the teaching of other doctrines of disbelief, and one thought that the teaching of doctrines of disbelief would lead to disbelief He must in this case obey the ruler and study such doctrines. It would be forbidden to rebel against the ruler under the pretext that flagrant disbelief has been perpetrated. The ruler would have evidence that it is permitted to acquire information about the doctrines of disbelief, for the Qur'an has mentioned them, where Allah (swt) has addressed them and refuted them.
Daraus ergibt sich: Alles, wofür es einen Beleg oder einen wahrscheinlichen Beleg gibt, dass es kein Unglaube ist, und wofür es einen Beleg oder einen wahrscheinlichen Beleg gibt, dass es zum Islam gehört und der Herrscher es angeordnet oder ausgeführt hat, wird nicht als Bestimmung des Unglaubens betrachtet und auch nicht als Erscheinen offenkundigen Unglaubens. Es fällt nicht unter die Ausnahme, und in einem solchen Fall ist es unrechtmäßig, gegen den Herrscher aufzubegehren; vielmehr ist es verpflichtend, ihm zu gehorchen.
It can be seen that everything that has evidence or a probable evidence that it is not disbelief and there is an evidence or a probable evidence that it is from Islam and the ruler ordered it or performed it, then it would not be considered as the rules of disbelief, nor emergence of flagrant disbelief. It would not be included in the exception and it would be unlawful to rebel against the ruler in such a case, rather to obey Him would be obligatory.