5.10 Die Grundlage, auf der die Bemessung des Lohns festgelegt wird
5.10 The Basis upon which the Assessment of the Wage is Established
Die Anstellung (Ijara) ist ein Vertrag über einen Nutzen gegen eine Vergütung. Die erste Bedingung für die Gültigkeit des Anstellungsvertrags ist die Geschäftsfähigkeit der beiden Vertragsparteien, dergestalt, dass jede von ihnen das Mündigkeitsalter erreicht hat. Eine weitere Bedingung für seine Gültigkeit ist die Zustimmung der beiden Vertragsparteien. Darüber hinaus sollte der Lohn bekannt sein, aufgrund des Ausspruchs des Propheten ﷺ: „Wenn einer von euch einen Arbeiter anstellt, muss er ihn über seinen Lohn informieren“, überliefert von Ad-Daraqutni von Ibn Mas'ud. Ebenso aufgrund des Hadith, überliefert von Ahmad von Abu Sa'id, dass der Prophet ﷺ es untersagte, einen Arbeiter anzustellen, ohne ihm seinen Lohn zu erklären. Wurde der Lohn jedoch nicht festgelegt, ist die Anstellung dennoch vertraglich zustande gekommen und gültig (rechtmäßig). Bei einem Streit über den Lohn wird auf den üblichen Lohn (Ajr al-Mithl) zurückgegriffen. Wurde der Lohn also zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht festgelegt und streiten Arbeitgeber und Arbeitnehmer anschließend über den Lohn, so wird der übliche Lohn angenommen. Der übliche Lohn wird im Wege der Analogie zum umstrittenen Brautgeld (Mahr) übernommen, das durch Rückgriff auf das übliche Brautgeld entschieden wird, falls es zuvor nicht genannt wurde oder ein Streit über den genannten Betrag entstanden ist. Dies geschieht aufgrund dessen, was Ahmad überliefert, dass Abdullah ibn Mas'ud (ra) in dem Fall eines Mannes urteilte, der verstarb, bevor er die Frau, die er ohne Nennung des Brautgelds geheiratet hatte, beigewohnt hatte. Er sprach: „Sie steht das Brautgeld ihrer gleichgestellten Frauen zu, sie muss die Iddah (Wartezeit für eine neue Ehe) einhalten und sie steht ihr zu, von ihm zu erben.“ Ma'qal ibn Sinan Al-Ashja'i sagte: „Der Prophet ﷺ hat über Barwa'a, die Tochter von Washiq, eine Frau aus unserem Stamm, so geurteilt, wie ihr geurteilt habt.“ Die Bedeutung der Aussage, sie stehe das Brautgeld ihrer gleichgestellten Frauen zu, ist ein Brautgeld, das dem Brautgeld gleichgestellter Frauen entspricht. Die Scharia verpflichtete also dazu, demjenigen, dessen Brautgeld nicht genannt wurde, das übliche Brautgeld zu geben. Dasselbe Urteil gilt für den Fall, dass ein Streit über das genannte Brautgeld entsteht. Da das Brautgeld eine Gegenleistung im Ehevertrag ist, kann die Gegenleistung jedes Vertrags damit bemessen werden. Daher wird im Fall, dass die Gegenleistung im Vertrag nicht genannt wurde, oder bei Streit über die genannte Gegenleistung, nach der entsprechenden Gegenleistung entschieden. Ebenso wird bei der Miete nach dem entsprechenden Lohn entschieden und beim Handel (Verkauf) nach dem entsprechenden Preis, wenn der Preis im Vertrag nicht benannt wurde oder über den genannten Preis Streit besteht. Daher entscheidet der entsprechende Lohn den Fall bei einem Streit zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber über den genannten Lohn sowie in dem Fall, dass der Lohn nicht erwähnt wurde. Wenn also der Lohn im Vertrag erwähnt wurde, so ist der Lohn der genannte. Wurde er aber nicht erwähnt oder kam es zu einem Streit über den genannten Lohn, so wird der entsprechende Lohn als Lohn festgelegt. Somit gibt es beim Lohn zwei verschiedene Arten: den genannten Lohn und den entsprechenden Lohn. Voraussetzung für die Berücksichtigung des genannten Lohns ist seine Annahme durch beide Vertragsparteien. Haben also beide Vertragspartner einen bestimmten Lohn akzeptiert, so ist dieser Lohn der genannte, und der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, mehr zu zahlen, noch ist der Arbeitnehmer verpflichtet, weniger anzunehmen; vielmehr ist es der verbindliche rechtliche Lohn. Der entsprechende Lohn ist der Lohn für eine entsprechende Arbeit oder für einen entsprechenden Arbeiter, wenn der Mietvertrag über den Nutzen der Arbeit geschlossen wurde. Der entsprechende Lohn wäre der Lohn des entsprechenden Arbeiters nur dann, wenn der Mietvertrag über den Nutzen der mietenden Person festgelegt wurde.
Hiring is a contract over a benefit in return for a recompense. The first condition for the validity of the contract of hiring is the legal competence of the two contractors, such that each of them has reached the age of maturity. Another condition for its validity is the consent of the two contractors. Moreover the wage should be known, due to the saying of the Prophet (pbuh): “If anyone of you hires a worker, He has to inform Him of his wage”, narrated by Ad-Daraqutni from Ibn Mas’oud. Also due to the Hadith narrated by Ahmed from Aby Sa’id that the Prophet (pbuh) forbade hiring a worker without explaining to Him his wage. However, if the wage was not defined, the hiring would be contracted and valid (legal). In case of dispute over the wage, reference is made to the equivalent wage. So if the wage was not defined at the time of the contract and if the employer and the employee then dispute over the wage, then the equivalent wage is adopted. The equivalent wage is adopted by analogy with the disputed marriage money (Dowry), which is decided by referring it to the equivalent dowry if it was not mentioned before, or if a dispute over the named amount occurred. This is due to what Ahmed narrated that ‘Abdullah ibn Mas’oud (ra) judged in the case of a man who passed away before sleeping with a woman, whom He had married without naming the dowry. He said: “She deserves the dowry of her equivalent woman, and she has to do the Iddah (waiting period for the next marriage) and she deserves to inherit from him.” Ma’qal ibn Sinan Al-Ashja’i said: “The Prophet (pbuh) has judged to Barwa’a, daughter of Washiq one of our people, as you judged.” The meaning of saying that she deserved the dowry of her equivalent women means a dowry identical to the dowry of equivalent women. So Shar’a obliged giving the equivalent dowry to the one whose dowry was not named. The same judgement is given in the case where a dispute occurs over the named dowry. Since the dowry is a recompense in the marriage contract, then recompense of any contract can be measured with it. Thus it is judged by the equivalent recompense in case the recompense was not mentioned in a contract, or in the case of dispute over the named recompense. Therefore, it is judged by the equivalent wage in the hiring, and by the equivalent price in the trading (selling) in the case where the price was not named in the contract, or there was a dispute over the named price. Therefore the equivalent wage resolves the case in a dispute between the employee and the employer over the named wage, and in the case where the wage was not mentioned. So, if the wage was mentioned in the contract then the wage would be the named one. But if it was not mentioned or if a dispute occurred over the named wage, then the equivalent wage would be judged as the wage. Thus, the wage is of two different kinds: A named wage and the equivalent wage. The condition for considering the named wage is its acceptance by the two contractors. So if the two contractors accepted a certain wage, then this wage will be the named one, and the employer would not be obliged to pay more than it, nor would the employee be obliged to take less than it, rather it is the binding legal wage. The equivalent wage is the wage for equivalent work, or of the equivalent worker if the contract of the hiring had been concluded over the benefit of the work. The equivalent wage would be the wage of the equivalent worker only if the hiring contract was stated over the benefit of the hired person.
Diejenigen, die zur Festsetzung des Lohnes herangezogen werden, sind die Sachverständigen für die Bestimmung von Löhnen, nicht der Staat und auch nicht die Gepflogenheiten der Bevölkerung. Vielmehr sind es die Sachverständigen für den Lohn der jeweiligen Art von Arbeit oder für den Lohn der Art von Arbeitern, für die der Lohn festgesetzt werden soll.
Those who are considered to estimate the wage are the experts in defining wages, not the State, nor the traditions of the population. Rather they are the experts on the wage for the relevant type of work, or the wage for the type of workers for whom the wage is intended to be estimated.
Die Grundlage, auf der die Sachverständigen den Lohn bemessen, ist der Nutzen, sei es der Nutzen der Arbeit oder der des Arbeiters. Da der Arbeitsvertrag auf dem Nutzen beruht, wird dieser zur Grundlage, auf der die Lohnbemessung aufbaut. Der Lohn wird daher weder nach der Produktion des Arbeiters noch nach dem niedrigsten Lebensstandard in seiner Gemeinschaft bemessen. Bei seiner Festsetzung wird weder auf die Produktion des Arbeiters noch auf den hohen Lebensstandard Rücksicht genommen; vielmehr steht seine Bemessung in Bezug zum Nutzen. Die Sachverständigen bemessen den Lohn des Arbeiters nach dem Wert dieses Nutzens in der Gesellschaft, in der sie leben. Wenn die Sachverständigen den Lohn für die Arbeit und den Lohn des Arbeiters festsetzen, berücksichtigen sie den Wert des Nutzens in der Gemeinschaft; sie bemessen ihn daher nach dem Wert des Nutzens, den der Arbeiter erbringt, bzw. dem Nutzen der Arbeit. Entsteht ein Streit über die Bemessung des Nutzens in der Gemeinschaft, so soll er nicht durch Beweise und Belege festgestellt werden. Es genügt vielmehr, die Meinung der Sachverständigen einzuholen, denn die Frage lautet, den Wert des Nutzens zu bemessen, und nicht, einen Beweis über dessen Höhe zu erbringen.
The basis upon which the experts estimate the wage is the benefit, whether it was for the work or the worker. Because the hiring contract is based on the benefit, it becomes the basis upon which the wage estimation is built. Thus the wage is not estimated by the production of the worker or by the lowest standard of living among his community. There is no consideration to the production of the worker nor to the high standard of living in its estimation, rather its estimation is related to the benefit. The experts estimate the wage of the worker according to the value of this benefit in the society in which they live. When the experts estimate the wage for the work and the wage of the worker, they consider the value of the benefit in the community, so they estimate it by the value of the benefit produced by the worker, or benefit of the work. If a dispute occurred over the estimation of the benefit in the community, then it should not be estimated by evidence and proof. Rather it is enough to take the opinion of the experts, because the question is to estimate the value of the benefit and not to establish an evidence about its amount.
Die Grundlage, auf der die Bemessung des Lohnes beruht, ist also der Nutzen nach der Einschätzung der Sachverständigen. Wenn die Sachverständigen jedoch den entsprechenden Lohn bemessen, dürfen sie nicht nur den Lohn der Arbeit oder des Arbeiters allein betrachten, denn der Lohn variiert mit der Arbeit, dem Arbeiter, der Zeit und dem Ort. Vielmehr sind sie verpflichtet, auf denjenigen zu schauen, der dem Arbeiter gleicht, der dieselbe Arbeit verrichtet, das heißt, auf die Arbeit und den Arbeiter zu schauen, und zugleich müssen sie auf Zeit und Ort der Arbeit achten, denn der Lohn unterscheidet sich je nach Arbeit, Arbeiter, Zeit und Ort.
Thus, the basis upon which the estimation of the wage is built is the benefit according to the estimation of the experts. But when the experts estimate the equivalent wage, they have to consider not only the wage of the work or the worker alone, because the wage varies with the work, worker, time and place. Rather they are obliged to look to the person who is identical to the worker doing the same work, which is to look to the work, the worker, and at the same time, they have to look at the time and place of work, because the wage differs with the work, worker, the time and the place.
Die Vertragsparteien, also der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, wählen ursprünglich die Sachverständigen aus, die den Lohn oder den gleichwertigen Lohn festsetzen. Haben sie die Sachverständigen nicht ausgewählt oder waren sie sich über deren Auswahl uneinig, so ist das Gericht oder der Staat die zuständige Stelle, um diese Sachverständigen zu bestellen.
The contracting parties, that is the employer and employee, originally select the experts who estimate the wage or the equivalent wage. If they did not select the experts or differed over their selection, then the court or the State is the competent authority to appoint these experts.