1.6 Die hochentwickelten Städte Philistäas
1.6 The Highly Developed Cities Of Philistia
Während großer Teile der Eisenzeit (ca. 1200–600 v. Chr.) blühte Philistäa dank starker internationaler Handelsbeziehungen auf und entwickelte, wie wir weiter unten sehen werden, am Ende des 6. bzw. Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. das erste Währungssystem Palästinas. Landgrabungen und Unterwasserarchäologie an Schiffswracks Philistäas haben gezeigt, dass die Philister ein hochzivilisiertes Volk waren.
Throughout much of the Iron Age (c. 1200‒600 BC) Philistia flourished on strong international trade links and, as we shall see below, developed the first monetary system of Palestine in the late 6th‒early 5th century BC. Terrestrial excavations and underwater archaeology of shipwrecks of Philistia have revealed that the Philistines were a highly civilised people.
Sie waren kultivierte Seefahrer und äußerst versierte Architekten und Stadtplaner, dazu hochkünstlerische Töpfer, Weber sowie Elfenbein- und Metallarbeiter (Dothan 1992). Wie die Phönizier entwickelten die Philister eine fortschrittliche Schiffbautechnik, die wahrscheinlich ihren Ruf als Seefahrervolk noch verstärkte. Obwohl ihre Herkunft (ägäisch oder vorderasiatisch) unter Gelehrten ernsthaft umstritten ist (Berlin 1997) – wobei die jüngste Forschung nahelegt, dass sie ein einheimisches Volk der Levante waren (Evian 2017) –, gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die Entwicklung der hochentwickelten philistäischen Stadtstaaten in Palästina in gewisser Weise der Entwicklung der anspruchsvollen altgriechischen Polis ähnelte. Mit der Zeit, und deutlicher während der hellenistischen und römischen Epoche, entwickelten sich mehrere Städte in Palästina, insbesondere Aschkelon im Süden und Ptolemais (Akko) im Norden, zu typischen griechischen Poleis. Der griechische Begriff polis (Plural poleis), „Stadtstaat“, entwickelte sich im Verlauf der Antike weiter zum Vorläufer von Stadt, Staat und schließlich Bürgerschaft; der griechische Begriff polis (arabisch madinah) hielt sich bis in die hellenistische, römische und byzantinische Zeit und wurde üblich für die Benennung von Städten im römisch- und griechischsprachigen byzantinischen Palästina; er findet sich auch im modernen Palästina im angepassten Namen der palästinensischen Stadt Nablus (ursprünglich Neapolis).
They were sophisticated seafarers and highly accomplished architects and urban planners, highly artistic potters and weavers and ivory and metalworkers (Dothan 1992). Like the Phoenicians, the Philistines developed advanced naval technology which probably enhanced their reputation as seafaring people. Although their origin (Aegean or Near Eastern) has been seriously disputed among scholars (Berlin 1997) – with the most recent research suggesting they were an indigenous people of the Levant (Evian 2017) – there are good reasons to assume that the evolution of the highly advanced Philistine city-states in Palestine resembled, to some extent, the evolution of the sophisticated ancient Greek polis. In time, and more noticeably during the Hellenic and Roman periods, several cities in Palestine, especially Ascalon in the south and Ptolemais (Acre) in the north, would evolve into typical Greek poleis. The Greek term polis (plural poleis), ‘city-state’, continued to evolve in the course of the ancient period as the ancestor of city, state and eventually citizenship; the Greek term polis (Arabic madinah) persisted into the Hellenic, Roman and Byzantine periods and became common to the naming of cities in Roman- and Greek-speaking Byzantine Palestine; it is also found in modern Palestine in the adapted name of the Palestinian city of Nablus (originally Neapolis).
Die historische Entwicklung von Nablus („neue Stadt“) und Iliya/al-Quds/Jerusalem zu den wichtigsten arabisch-islamischen Madinas in Palästina führte jedoch nicht zu Städten, die sich stark von den früheren griechisch-römisch-byzantinischen Poleis unterschieden.
However, the historical evolution of Nablus (‘new city’) and Iliya/al-Quds/ Jerusalem into the key Arab Islamic madinas in Palestine did not result in cities very different from the earlier Greco-Roman-Byzantine poleis.
Die griechisch-römisch-byzantinische Stadtplanung erlebte unter dem Islam eine Blütezeit und ist noch heute in der arabisch-islamischen mittelalterlichen Altstadt von Jerusalem deutlich sichtbar, einer der best erhaltenen mittelalterlichen Städte der Welt. Wie Gaza, Caesarea Maritima und andere poleis/madinas in Palästina sind Nablus, Gaza, ‘Asqalan, Akka (Akko) und die mittelalterliche islamische Stadt Jerusalem klassische Beispiele, die sowohl historische Kontinuitäten als auch kontinuierliche Prozesse der Anpassung und Umgestaltung der reichen urbanen Landschaft Palästinas aufzeigen. Darüber hinaus entwickelten und veränderten sich die griechisch-römischen poleis, die von kleinen städtischen Eliten dominiert wurden, mit der Entwicklung des Regierungszentrums der Stadt, das für den „Staat“ stand und die umliegenden Dörfer einschloss. Diese Form der Herrschaft (die Stadt mit ihren umliegenden Dörfern) ist auch im byzantinischen und islamischen Palästina erkennbar.
Greek‒Roman‒Byzantine urban planning flourished under Islam and is still much in evidence today in the Arab Islamic medieval Old City of Jerusalem, one of the best preserved medieval cities in the world. Like Gaza, Caesarea Maritima and other poleis/madinas in Palestine, Nablus, Gaza, ‘Asqalan, Akka (Acre) and the medieval Islamic City of Jerusalem are classic examples which exhibit both historical continuities and continuous processes of adaption and transformation of the rich urban landscape of Palestine. Furthermore, the Greco-Roman poleis, dominated by small urban social elites, evolved and changed with the development of the centre of governance in the city to signify ‘state’, which included its surrounding villages, and this form of governance (the city with its surrounding villages) is also evident in Byzantine and Islamic Palestine.
Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass sich die griechischen Poleis von anderen frühen antiken Stadtstaaten im Nahen Osten wie Sidon und Tyros unterschieden, die von einem König oder einer kleinen Oligarchie regiert wurden, sondern vielmehr politische Gemeinwesen waren, die von ihren Bürgerschaften regiert wurden.
However, it should be pointed out that the Greek poleis were unlike other primordial ancient city-states in the Near East like Sidon and Tyre, which were ruled by a king or a small oligarchy, but rather were political entities ruled by their bodies of citizens.
Die starke Handelstradition und die technologische Innovation der Philister in jener Epoche sowie die Natur der philistäischen Zivilisation – eine hochentwickelte und einflussreiche mediterrane Kultur und Herrschaftsform – wurden allesamt durch neuere archäologische Ausgrabungen bestätigt. Die Archäologie Philistäas hat gezeigt, dass die philistäischen Stadtstaaten über eine hochentwickelte Kultur verfügten, die sich in städtischer und technologischer Entwicklung (von Eisen bis Keramik) tatsächlich weit über andere zeitgenössische Regionen Palästinas hinaus erhob. Archäologische Belege für dieses hohe Entwicklungsniveau an der Küste Philistäas wurden von israelischen Ausgräbern außerhalb der nördlichen Grenze der modernen Stadt Tel Aviv gefunden (der israelischen Metropole – „Mutterstadt“ – die 1909 von osteuropäischen jüdischen Siedlern gegründet wurde und bis 1948 faktisch die Hauptstadt der zionistischen Yishuv-Siedlerkolonie in Palästina war), und zwar in den Überresten von Tel Qasile, einer philistäischen Stadt, die im 12.–10. Jahrhundert v. Chr. eine blühende Hafenstadt bildete. Diese archäologischen Funde wurden im „Eretz Israel Museum“ auf dem Campus der Universität Tel Aviv aufbewahrt, einem historischen und archäologischen Museum im Stadtteil Ramat Aviv in Tel Aviv. Der Campus der Universität Tel Aviv selbst wurde auf den Ruinen einer antiken philistäischen Stadt und eines modernen palästinensischen Dorfes, al-Shaykh Muwannis, errichtet, das die Haganah im März 1948 entvölkerte.
The strong tradition of trading and the technological innovation of Philistia during that period, and the nature of Philistine civilisation – a highly developed and influential Mediterranean culture and polity – have all been confirmed by recent archaeological excavations. The archaeology of Philistia has shown that the Philistine city-states had a highly sophisticated culture, in fact far more advanced in urban and technological development (from iron to pottery) than other contemporary regions of Palestine. Israeli- excavated archaeological evidence for this high level of development of the coast of Philistia was found outside the northern border of the modern city of Tel Aviv (the Israeli metropolis – ‘mother city’ – founded by East European Jewish settlers in 1909 and effectively the capital of the Zionist Yishuv settler colony in Palestine until 1948) in the remains of Tel Qasile, a Philistine town which formed a thriving harbour town through the 12th‒10th centuries BC. These archaeological discoveries were deposited in ‘the Eretz Israel Museum’ on the campus of Tel Aviv University, a historical and archaeological museum in the Ramat Aviv neighbourhood of Tel Aviv. The campus of Tel Aviv University itself was constructed on the ruins of an ancient Philistine town and a modern Palestinian village, al-Shaykh Muwannis, depopulated by the Haganah in March 1948.
Während der gesamten Eisenzeit entwickelte sich Philistäa mit seinen natürlichen Grenzen im Süden und Norden zu einem eigenständigen Gemeinwesen, das zwischen zwei mächtigen Handelsnachbarn lag, Ägypten und Phönizien. Zugleich pflegte es einen florierenden internationalen Handel mit der Ägäis im Westen und mit Arabien im Süden. Diese Nachbarschaft wussten die Philister geschickt zu nutzen: Sie bauten damit ihre internationalen Handelsbeziehungen, ihre Wirtschaft und eine eigene geopolitische Region und materielle Kultur aus (Ben-Shlomo 2010; Thompson 2016). Die auf Handel gestützte Wirtschaft Philistäas war außerdem ein wesentlicher einigender Faktor in einem Land, das von Polytheismus und kultureller Hybridität geprägt war. Die Philister vermischten sich mit anderen einheimischen Bevölkerungen und lebten in Hafenstädten an der Küste und den umliegenden Dörfern. Ihre wichtigsten Städte wurden von autonomen Königen regiert, und ihre Bevölkerung war gemischt und ging Verbindungen mit anderen einheimischen Bevölkerungen Palästinas ein. Keramikfunde aus antiken Städten wie Gaza, Jaffa, Ekron, Aschdod, Askalon und Gath, die mit stilisierten Vögeln verziert sind, liefern archäologische Belege für hoch entwickelte philistäische Städte im antiken Palästina. Schiffe, die entlang der östlichen Mittelmeerküste zwischen Ägypten und Phönizien segelten, nutzten die Häfen Philistäas (Gaza, Askalon, Aschdod, Jaffa und Tantur/Dor), um ihre Vorräte aufzufüllen und bei stürmischem Wetter Schutz zu suchen. Entscheidend war, dass die Städte Philistäas die internationale Handelsroute Via Maris („Weg der Philister“) kontrollierten und die Karawanen für die Durchreise durch ihr Gebiet Zölle erhoben (Gallagher 1999: 113).
Throughout the Iron Age Philistia, with its southern and northern natural borders, emerged as a distinct polity nestling between two powerful trading neighbours, Egypt and Phoenicia, but also cultivated flourishing international trade with the Aegean region in the West and Arabia in the south. This neighbourhood was shrewdly exploited by the Philistines, who used it to develop their international trade links, economy and a distinct geo-political region and material culture (Ben-Shlomo 2010; Thompson 2016). The trade-based economy of Philistia was also a major unifying factor in a country which was shaped by polytheism and cultural hybridity. The Philistines integrated with other local populations and lived in coastal port towns and their surrounding villages. Their key cities were ruled by autonomous kings and their populations were mixed and inteThe grated with other indigenous populations of Palestine. Pottery remains excavated in ancient cities such as Gaza, Jaffa, Ekron, Ashdod, Ascalon and Gath, decorated with stylised birds, provide archaeological evidence for highly developed Philistine cities in ancient Palestine. Ships sailing along the Eastern Mediterranean coast between Egypt and Phoenicia used the harbours of Philistia (Gaza, Ascalon, Ashdod, Jaffa and Tantur/Dor) to replenish supplies and take shelter in stormy weather. Crucially, the cities of Philistia controlled the international trade route of the Via Maris (‘Way of the Philistines’) and charged the trade caravans tolls for passing through their region (Gallagher 1999: 113).
Die großen Handelsstädte Philistäas wurden nicht nur dafür gerühmt, dass sie eiserne Waffen und Streitwagen in das alte Palästina einführten, sondern, wie wir weiter unten sehen werden, auch für die Entstehung des frühesten Geld- und Münzsystems in Palästina im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. Der regionale und der weiträumige Handel war ein entscheidender Faktor für die Geschichte des alten Palästina und muss zur Einführung der Münzprägung Philistäas beigetragen haben, die auch als philistäisch-arabische Münzen bekannt wurde und im Zeitraum 538‒332 v. Chr. geprägt wurde (siehe unten). Die [Ver]mischung [der Philister] mit der einheimischen Bevölkerung führte zu der geographisch, kaum aber ethnisch eigenständigen Region Philistäa, die eng mit den internationalen Handelsrouten verbunden war.
The great trading cities of Philistia were not only credited with introducing iron weapons and chariots to ancient Palestine, but, as we shall see below, also with the creation of the earliest monetary and coinage system in Palestine in the 5th and 4th centuries BC. Regional and distant trade was a key factor in shaping the history of ancient Palestine and must have contributed to the introduction of the coinage of Philistia, which also became known as Philisto-Arabian coins, struck in the period 538‒332 BC (see below); [The] integration [of the Philistines] with the indigenous population resulted in the geographically, but hardly ethnically, distinctive region of Philistia, which was tightly linked to the international trade routes.
Diese folgten einerseits der Via Maris durch die Jesreel-Ebene und in Richtung Nordmesopotamien, andererseits setzten sie sich entlang der Küste bis zu den phönizischen Seehäfen im nördlichen Palästina und im südlichen Libanon fort. Unter assyrischer Schirmherrschaft beherrschte die weitreichende handelspolitische Ausrichtung Palästinas nicht nur die Küstenwirtschaft, sondern schuf im Verlauf der Eisenzeit II auch einen integrierten Süden.
These followed the Via Maris, on the one hand, through the Jezreel and in the direction of northern Mesopotamia, and, on the other hand, continued along the coast to the Phoenician seaports of northern Palestine and southern Lebanon. Under Assyrian patronage, Palestine’s expansive trading politics not only dominated the coastal economy but, over the course of the Iron II period, created an integrated South.
Der arabische Handel unterstützte die Verarbeitung von Getreide, Vieh und Früchten aus dem nördlichen Negev und der Küstenebene sowie von Schafen und Wolle, Oliven und Weinen aus den judäischen Ausläufern und Hochländern. Zu den wichtigsten Städten an der südlichen Küste gehörten Jaffa, ʿAphek, Ekron, Ashdod, Gimti (Tall as-Safi), Askelon und Gaza. (Thompson 2016: 165)
Arab trade supported the processing of grains, cattle and fruits from the Northern Negev and coastal plain with the sheep and wool, olives and wines from the Judean foothills and highlands. Among the southern coast’s most important towns were Jaffa, ‘Aphek, Ekron, Ashdod, Gimti (Tall as-Safi), Askelon and Gaza. (Thompson 2016: 165)
Im Jahr 712 v. Chr., nach einem Aufstand der philistäischen Stadt Aschdod, der militärisch von Ägypten unterstützt wurde, sandte der assyrische König Sargon II. (regierte 722–705 v. Chr.)
In 712, after an uprising by the Philistine city of Ashdod, supported militarily by Egypt, the Assyrian King Sargon II (reigned 722–705 BC)
… marschierte in Pilishte ein, um den König von Aschdod, Iamani, abzusetzen, und annektierte die gesamte Region; Philistäa wurde unter direkte assyrische Kontrolle gebracht und wurde faktisch zu einer assyrischen Provinz (Thompson 2016: 165), obwohl dem König von Aschdod erlaubt wurde, auf dem Thron zu bleiben (Gallagher 1999: 115). Als Sargon II. starb, hatte er „zwei Provinzen in Philistäa: Dor (Tantur)
invaded Pilishte to oust the King of Ashdod Iamani and annexed the whole region; Philistia was brought under direct Assyrian control, in effect becoming an Assyrian province (Thompson 2016: 165), although the King of Ashdod was allowed to remain on the throne (Gallagher 1999: 115). By the time Sargon II died, he ‘had two provinces in Philistia: Dor (Tantur)
und Aschdod, ein verlässlicher König in Gaza und eine klar festgelegte Grenze zu Ägypten (Gallagher 1999: 115).
and Ashdod, a reliable king in Gaza and a clearly defined border with Egypt (Gallagher 1999: 115).