5.1 Arabische klassische Dichtung und das byzantinische Palästina: An-Nābigha adh-Dhubyānī
5.1 Arabic Classical Poetry And Byzantine Palestine: Al-nabighah Adh-dhubyani
535-604-ad -لنابغة الذبيان
535-604-ad -لنابغة الذبيان
Im Großen und Ganzen war die arabisch-heidnische Gesellschaft Analphabeten, die immens reiche mündliche und hörbare Überlieferungen sowie Heldenepen pflegte und insbesondere die erlesene mündliche Dichtung schätzte, die älteste Form der arabischen Literatur. Darüber hinaus wurde die Verbreitung des Arabischen in der überwiegend mündlich geprägten Kultur Arabiens und darüber hinaus sowie die Arabisierung von Teilen der Levante und des Irak über viele Jahrhunderte vor dem Islam durch das Auswendiglernen mündlicher Überlieferungen, Epen, arabischer Dichtung und klassischer Gedichte (etwa der Mu'allaqat) getragen. Diese vorislamische Dichtung wurde zu einer wichtigen Quelle für die arabische Sprache und Rhetorik sowie zu einem reichhaltigen historischen Zeugnis des politischen und kulturellen Lebens jener Zeit. Die Weitergabe dieser eindrucksvollen vorislamischen mündlichen Überlieferungen und Dichtung sowie das Auswendiglernen von Epen erfolgte nicht nur durch Dichter und Rawis (Erzähler), sondern auch durch reisende arabische Händler, durch die jährliche Pilgerfahrt zum vorislamischen Mekka und durch Dichterwettstreite auf saisonalen literarischen Märkten (ein berühmtes Beispiel war der Souq 'Ukaz nahe Ta'if im Hidschaz). In dieser vorislamischen arabischen Kultur übernahm der Dichter die Rolle des mündlichen Historikers, Geschichtenerzählers, gesellschaftlichen Kritikers, öffentlichen Intellektuellen, Wahrsagers und politischen Agitators.
By and large Arab pagan society was illiterate, cultivating immensely rich oral/aural traditions and epic stories and prizing, in particular, exquisite oral poetry, the oldest form of Arabic literature. Furthermore, for many centuries before Islam the spread of Arabic in the predominantly oral culture of Arabia and beyond, and the Arabisation of parts of the Levant and Iraq, were carried out through the memorisation of oral/aural traditions, epics, Arabic poetry and classic poems (for instance, the mu’allaqat). This pre-Islamic poetry became a major source for the Arabic language and rhetoric and a rich historical record of the political and cultural life of the time. This communication of powerful pre-Islamic oral/aural traditions and poetry and the memorisation of epics were transmitted not only by poets and rawis (storytellers) but also by travelling Arab traders, through the annual pilgrimage to pre-Islamic Mecca and poetry competitions at seasonal literary markets (a famous example was Souq ‘Ukath, near Ta’if in the Hijaz). In this pre-Islamic Arab culture the poet played the role of oral historian, storyteller, social critic, public intellectual, soothsayer and political agitator.
Die arabische Dichtung sowie die arabische Schriftlichkeit und der Übergang von einer überwiegend mündlich/akustisch geprägten Kultur und mündlichen Überlieferungen hin zu einer stärker schriftlich geprägten arabischen Umgebung und Buchkultur wurden maßgeblich durch die Verbreitung des hellenistischen Christentums und später durch den Aufstieg des Islams beeinflusst, ebenso durch das, was der Islam als „Volk des Buches“ (ahl al-kitab) bezeichnete. Entscheidend war außerdem, dass diese allmähliche Bewegung von Analphabetismus und mündlichen/akustischen Traditionen hin zu Literalität und schriftlicher Kultur auch von den christlich-arabischen Höfen der Ghassanidischen Phylarchen Palästinas gefördert wurde. Diese Höfe unterstützten die Künste großzügig, besonders die arabische Dichtung. Diese Bewegung hin zur Literalität blühte zusammen mit der wichtigen Tradition des Auswendiglernens von Epen und klassischer arabischer Dichtung weiter, auch mit der Ausbreitung des Islams. Entscheidend war jedoch, dass sie zugleich von der Lektüre und dem Auswendiglernen des heiligen Qur'an begleitet wurde, als Mittel zur Verbreitung des Standardarabischen und zur Durchsetzung der Arabisierung sowie des Arabischen als Verkehrssprache im neu gegründeten islamischen Reich. Auch die Araber der Provincia Palaestina und der früheren Provincia Arabia wurden mit ihrer überwiegend mündlich/akustisch geprägten Kultur vom literarischen Leben der Araber im 5. und 6. Jahrhundert beeinflusst, ebenso von der Tradition des Auswendiglernens klassischer arabischer Dichtung durch Dichter, Rawis und einfache Menschen.
Arabic poetry and Arabic literacy and the movement from a predominantly oral/aural culture and oral traditions to a more literate Arabic setting and book culture was hugely influenced by the spread of Hellenistic Christianity and later the rise of Islam and by what Islam termed the ‘people of the Book’ (ahl al-kitab). Crucially, this gradual movement from illiteracy and oral/aural traditions to literacy and written culture was also promoted by the Christian Arab courts of the Ghassanid phylarchs of Palestine. These courts generously patronised the arts, especially Arabic poetry. This movement to literacy, together with the important tradition of memorisation of epics and classic Arabic poetry, continued to flourish with the spread of Islam, but crucially it was also accompanied by the reading and memorisation of the holy Quran as a means of spreading standard Arabic and establishing Arabisation and Arabic as the lingua franca in the newly founded Islamic empire. The Arabs of Provincia Palaestina and former Provincia Arabia, with their predominantly oral/aural culture, were also influenced by the literary life of the Arabs in the 5th and 6th centuries and by the tradition of memorisation of classic Arabic poetry by poets, rawis and ordinary people.
In vorislamischer Zeit gab es christlich-arabische Höfe in al-Hirah im Süden des heutigen Irak und in Jabiyah in Palaestina Secunda, sowie Hofdichter wie an-Nabighah adh-Dhubyani (535–604 n. Chr.), der eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der klassischen arabischen Dichtung spielte. Die ghassanidischen Stammeskönige (Phylarchen)
In pre-Islamic times, there were Christian Arab courts at Hirah, in southern Iraq, and Jabiyah, in Palaestina Secunda, and court poets, such as al-Nabighah adh-Dhubyani (535–604 AD), who played an important role in the spread of classical Arabic poetry. The Ghassanid tribal kings (phylarchs)
...von Palaestina Secunda, insbesondere förderten die Künste und empfingen einige bedeutende arabische Dichter wie an-Nābigha und Hassān ibn Thābit (ein Gefährte des Propheten Muhammad ﷺ, der 674 starb) an ihren Höfen.
of Palaestina Secunda, in particular, patronised the arts and entertained some key Arabian poets such as al-Nabighah and Hassasn ibn Thabit (a companion of the Prophet Muhammad who died in 674) at their courts.
Eine mögliche Verbindung zwischen den Ghassaniden Palästinas als Schutzherren der christlichen heiligen Stätten im „Land des Evangeliums“ und den späteren islamischen heiligen Stätten in Mekka besteht über al-Nabighah, einen Zeitgenossen des Propheten Muhammad ﷺ (570–632 n. Chr.). Al-Nabighah (wörtlich „das Genie“)
One possible connection between the Ghassanids of Palestine as protectors of the Christian holy places in the ‘land of the Gospel’ and the future Islamic holy places in Mecca is related to al-Nabighah, a contemporary of the Prophet Muhammad (570–632 AD). Al-Nabighah (literally ‘the genius’)
war eines der letzten großen arabischen Dichter der vorislamischen Zeit, der den größten Teil seiner Zeit an den Höfen der ghassanidischen Könige in Palästina und an den Höfen der christlich-arabischen Könige von Hira, den al-Mundhirs, verbrachte. Ebenso wie Palaestina Tertia und Palaestina Secunda war Hira ein bedeutendes christlich-arabisches Zentrum der vorislamischen Zeit; zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert war es eine Diözese der Kirche des Ostens und um 410 n. Chr. Sitz des nestorianischen Bistums. Al-Nabighah wurde unter seinem christlich-arabischen Namen ʿIlyas bekannt und später als „ʿIlyas aus dem Land der Frohen Botschaft“ (Ilyas min ard al-Bishara الياس من أرض البشارة) oder dem Heiligen Land, wie es der arabische Historiker al-Maqrizi (1364–1442) beschreibt. Griechisch war eine der beiden Verkehrssprachen des byzantinischen Palästina, und Ilyas ist die arabische Form des griechischen Elias, einem Namen, der unter christlichen Arabern heute weit verbreitet ist.
was one of the last great Arab poets in the pre-Islamic era who spent most of his time at the courts of the Ghassanid kings in Palestine and the courts of the Christian Arab kings of Hirah, al-Mundhirs. Like Palaestina Tertia and Palaestina Secunda, Hirah was an important major pre-Islamic Arab Christian centre, being a diocese of the church of the East between the 4th and 7th centuries and seat of the Nestorian bishopric by 410 AD. Al-Nabighah became known as by his Christian Arab name ‘Ilyas and later ‘Ilyas from the Land of the Gospel’ (Ilyas min ard al-Bishara الياس من أرض البشارة ) or the Holy Land, as described by Arab historian al-Maqrizi (1364–1442). Greek was one the two lingua francas of Byzantine Palestine and Ilyas is the Arabic form of the Greek Elias, a name common among Christian Arabs today.
Al-Nabighah/Ilyas gehört zu den sechs herausragenden vorislamischen Dichtern, deren Gedichte vor der Mitte des 2. Jahrhunderts der Islamischen Zeitrechnung gesammelt wurden und seitdem als Maßstab der arabischen Dichtung gelten. Diese Dichter verfassten lange Gedichte, die епischen Dichtungen vergleichbar sind und als Muʿallaqāt bekannt wurden, da sie an den Wänden der Kaaba (einem Gebäude im Zentrum der heiligsten Moschee des Islams in Mekka) aufgehängt wurden. Die erhaltenen Beschreibungen der urbanen Zentren und Höfe der Ghassaniden vermitteln ein Bild von Luxus und einem regen kulturellen Leben mit der Förderung von Kunst, Musik und vor allem der arabischsprachigen Dichtung.
Al-Nabighah/Ilyas is one of the six eminent pre-Islamic poets whose poems were collected before the middle of the 2nd century of Islam, and have been regarded as the standard of Arabic poetry. These poets have written long poems comparable to epic poems, known as Muʿallaqat since they were hung on the walls of the Kaaba (a building at the centre of Islam’s most sacred mosque in Mecca). The surviving descriptions of the Ghassanid urban centres and courts impart an image of luxury and an active cultural life, with patronage of the arts, music and especially Arab-language poetry.
Warwick Ball, Schriftsteller, Archäologe und ehemaliger Architekturrestaurator in der Antikenverwaltung Jordaniens, kommentiert:
Warwick Ball, writer, archaeologist and former Architectural Conservator in the Department of Antiquities in Jordan, comments:
Die Höfe der Ghassaniden waren vor dem Aufstieg der kalifalen Höfe unter dem Islam die bedeutendsten Zentren arabischer Dichtung, und ihre Hofkultur, einschließlich ihrer Vorliebe für Wüstenpaläste wie Qasr ibn Wardan, diente den Umayyadenkalifen und ihrem Hof als Vorbild.
the Ghassanid courts were the most important centres for Arabic poetry before the rise of the Caliphal courts under Islam, and their court culture, including their penchant for desert palaces like Qasr ibn Wardan, provided the model for the Umayyad caliphs and their court.
(Ball 2000: 103‒105; ebenso Shahid 2006b: 102)
(Ball 2000: 103‒105; also Shahid 2006b: 102)
Samaritanische Gemeinden bestanden in praktisch allen Städten des römischen Palästina: Neapolis, Sebaste, Caesarea Maritima, Scythopolis, Askalon, Asdod, Gaza, Iamnia, Emmaus, Asdod und Antipatris (Hjelm 2016), und diese Gemeinden waren auch in den meisten palästinensischen Städten der byzantinischen Zeit anzutreffen. Tatsächlich dominierten demografisch die griechischsprachigen byzantinischen Christen und die Samaritaner die zentrale Region der Palaestina Prima, während die christlichen Ghassaniden-Araber und die Nabatäer-Araber die Palaestina Secunda bzw. die Palaestina Tertia dominierten. Die samaritanischen Aufstände im 5. und 6. Jahrhundert in der Palaestina Prima waren jedoch auf beiden Seiten von großer Gewalt geprägt, und ihre brutale Niederschlagung durch die Byzantiner und ihre ghassanidischen arabischen Verbündeten (Crown 1989: 72–73; Shahid 2010: 8) trug dazu bei, die demografischen Verhältnisse der Region zu verschieben, sodass die Christen für viele Jahrzehnte die dominierende Gruppe in der Provinz Palaestina Prima wurden. Außerdem konvertierten viele Samaritaner ab dem frühen 7. Jahrhundert zum Islam.
Samaritan communities were established in practically all the cities of Roman Palestine: Neapolis, Sebaste, Caesarea Maritima, Scythopolis, Ascalon, Ashdod, Gaza, Iamnia, Emmaus, Ashdod and Antipatris (Hjelm 2016), and these communities were also found in most Palestinian cities in the Byzantine period. In fact, demographically the Greek-speaking Byzantine Christians and Samaritans dominated the central region of Palaestina Prima, while the Christian Ghassanid Arabs and Nabataean Arabs dominated Palaestina Secunda and Palaestina Tertia respectively. However, the Samaritan revolts during the 5th and 6th centuries in Palaestina Prima were marked by great violence on both sides, and their brutal suppression at the hands of the Byzantines and their Ghassanid Arab allies (Crown 1989: 72–73; Shahid 2010: 8) contributed to shifting the demographics of the region, making the Christians the dominant group in the province of Palaestina Prima for many decades. Also, many Samaritans converted to Islam from the early 7th century onwards.
Die Ghassaniden, arabische Stämme, stiegen im 5. Jahrhundert zu einer bedeutenden ethnolinguistisch-religiösen Gemeinschaft in Palästina auf, und ihre monophysitische orthodoxe Kirche gewann in Palästina an Bedeutung. Im 5. und 6. Jahrhundert lag ihre Hauptstadt in Jabiyah auf den Golanhöhen, innerhalb von Palaestina Secunda. „Gabitha“ wird im Jahr 520 n. Chr. in einem syrisch-aramäischen Brief des monophysitischen Bischofs Simeon von Bet Arsham erwähnt. Nach der Schlacht am Yarmuk im Jahr 636 n. Chr. und der arabischen Eroberung Palästinas und Syriens wurde die ghassanidische Stadt Jabiyah zum Hauptquartier des wichtigsten Militärlagers der muslimischen Heere in Syrien. Insgesamt zogen die monophysitischen Ghassaniden die muslimischen arabischen Eroberer den christlichen Chalkedoniern vor (Wigram 2004). Nach der militärischen Niederlage von Byzanz am Yarmuk wären viele Ghassaniden froh gewesen, den byzantinischen Kaiser und die griechischsprachige chalkedonische Kirche loszuwerden und sich mit der aufsteigenden Macht des Islam zu verbünden.
The Ghassanid Arabs rose in the 5th century to be become an important ethno-linguistic religious community in Palestine and their Monophysite Orthodox Church became important in Palestine. In the 5th‒6th centuries their capital was at Jabiyah in the Golan Heights, located within Palaestina Secunda. ‘Gabitha’ is mentioned in 520 AD in a Syriac Aramaic letter of Monophysite Bishop Simeon of Bet Arsham. Following the Battle of Yarmouk in 636 AD and the Arab conquest of Palestine and Syria, the Ghassanid town of Jabiyah became the headquarters of the main military camp for the Muslim armies in Syria. Overall the Monophysite Ghassanid Arabs preferred the Muslim Arab conquerors to the Christian Chalcedonians (Wigram 2004). Following the Byzantine military defeat at Yarmouk many of the Ghassanids would have been happy to get rid of the Byzantine Emperor and the Greek-speaking Chalcedonite Church and ally themselves with the rising power of Islam.
Abgeleitet vom koranischen arabischen Begriff millah bezeichnete der Begriff millet im Islam die religiöse Gemeinschaft. Die von den Ghassaniden dominierten monophysitischen orthodoxen Kirchen könnten dem Islam die Idee des Millet-Systems vermittelt haben. Dies wurde zu einem Grundsatz für Nicht-Muslime, denen im Verlauf der Geschichte des islamischen Palästina und des Nahen Ostens ein beträchtliches Maß an religiöser und sozialer Autonomie innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft eingeräumt wurde.
Derived from the Quranic Arabic term millah, the term millet denoted the religious community under Islam. The Ghassanid-dominated Monophysite Orthodox churches may have given the idea of the millet system to Islam. This became a principle for non-Muslims, who were given a significant degree of religious and social autonomy within their own community throughout the history of Islamic Palestine and the Near East.
Darüber hinaus kann man laut den Historikern Warwick Ball und Irfan Shahid sagen, dass die Förderung einer schlichteren und strikter monotheistischen Form des Christentums im spezifisch arabischen Kontext durch die Ghassaniden den Islam vorweggenommen hat (Ball 2000: 105; Shahid 2006b: 102).
Furthermore, according to historians Warwick Ball and Irfan Shahid, the Ghassanids’ promotion of a simpler and more rigidly monotheistic form of Christianity in a specifically Arab context can be said to have anticipated Islam (Ball 2000: 105; Shahid 2006b: 102).
Die weitgehende Autonomie, welche die arabisch besiedelten Siedlungen der Ghassaniden in Palaestina Prima erlangten, ergab sich daraus, dass ihre Ortschaften zugleich den Status von Phylarchaten, die von einem obersten arabischen Phylarchen (einem Stammeskönig) geleitet wurden, und von Episkopaten, die von Bischöfen geleitet wurden, erhielten. Petros (oder Petrus), ein Häuptling eines arabischen Stammes oder einer Gruppe von Stämmen aus der byzantinischen Provincia Arabia, dessen ursprünglicher Name Aspebetos lautete, war der Erste, der in Palaestina Prima gleichzeitig zum Phylarchen und Bischof ernannt wurde (Shahid 2006a: 181; Isaac 2003: 450‒451). Die farbenreiche Laufbahn des Aspebetos war bemerkenswert. Er begann als Militärbefehlshaber im Dienst des persischen Schahs. Dann lief er zu den Byzantinern über und wurde arabischer Phylarch der Provincia Arabia. Anschließend zog er nach Palaestina Prima und ließ sich in der Nähe des Klosters des Euthemius nieder, das zwischen Aelia Capitolina (Jerusalem) lag.
The substantial autonomy achieved by the Ghassanid Arab-populated settlements of Palaestina Prima was derived from the fact that their localities acquired the status of both phylarchates, headed by a supreme Arab phylarch (a tribal king), and episcopates, headed by bishops. Petros (or Petrus), a chief of an Arab tribe or group of tribes from Byzantine Provincia Arabia, whose original name was Aspebetos, was the first to be simultaneously appointed as phylarch and bishop in Palaestina Prima (Shahid 2006a: 181; Isaac 2003: 450‒451). The colourful career of Aspebetos was remarkable. He started as a military commander in the service of the Persian shah. He then defected to the Byzantines and became the Arab phylarch of Provincia Arabia. He then moved to Palaestina Prima, settling near the monastery of Euthemius, located between Aelia Capitolina (Jerusalem)
und Jericho und diente als arabischer Phylarch von Palaestina Prima.
and Jericho, and served as the Arab phylarch of Palaestina Prima.
Er und sein Sohn Terebon wurden daraufhin zum Christentum übertreten und von Euthemius getauft. Er nahm außerdem den Namen Petros (griechisch: Fels) an, der sein Taufname wurde. Butros, die arabische Form des griechischen Namens Petros – ein Name, der unter palästinensischen und arabischen Christen noch immer verbreitet ist –, war der Name, den er und seine arabischen Anhänger in Palästina verwendeten.
He and his son Terebon were then converted to Christianity and baptised by Euthemius. He also adopted the name Petros (Greek: rock) which became his baptismal name. Butros, the Arabic form of the Greek name Petros – a name still common among Palestinian and Arab Christians – would be the name used by him and his Arab followers in Palestine.
Petros/Butros wurde um 427 n. Chr. der erste Phylarchen-Bischof der Palästinensischen Parembole. Diese Linie palästinensischer Bischöfe bestand bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts fort. Obwohl sein Bischofssitz in Palaestina Tertia lag, war er dem Gesamtpalästinensischen Patriarchat von Aelia Capitolina unterstellt, das später als Patriarchat von Ilya (Jerusalem) bekannt wurde.
Petros/Butros became first phylarch-bishop of the Palestinian Parembole in around 427 AD. This line of Palestinian bishops survived until the middle of the 6th century. Although his bishopric was based in Palaestina Tertia, he was responsible to the All Palestine Patriarchate of Aelia Capitolina, which later became known as the Patriarchate of Ilya (Jerusalem)
unter arabischer muslimischer Herrschaft ab 637. Auf die Bekehrung des Aspebetos/Butros folgte die seines arabischen Stammes, und er wurde zu einem eifrigen Christen, der jahrelang seine zum Christentum übergetretene sarazenische (arabische) christliche Gemeinde anführte und die Zahl der christlichen Araber in Palästina deutlich zu steigern vermochte. Der Höhepunkt seiner Laufbahn war seine aktive Teilnahme am ökumenischen Konzil von Ephesus im Jahr 431 n. Chr., wo er nicht nur als Unterzeichner in der Konzilsliste erscheint, sondern als aktiver Teilnehmer an den Debatten und als Gesandter des Konzils von Ephesus an Nestorius (Shahid 2006a: 46‒48, 181‒184, 528; 2006b: 128). Angehörige des Hauses des Aspebetos blieben als Stammesführer des arabischen Palaestina Prima weiterhin einflussreich, und im 6. Jahrhundert beschreibt Kyrill von Skythopolis, der Historiker des monastischen Lebens in Palästina, Terebon II., den Urenkel des Aspebetos, als „den berühmten Phylarchen dieser Region“: das Gebiet zwischen Jerusalem und Jericho (Shahid 1995: 652).
under Arab Muslim rule from 637 onwards. The conversion of Aspebetos/ Butros was followed by the conversion of his Arab tribe and he became a zealous Christian and for years led his converted Saracen (Arab) Christian community and managed to increase significantly the number of Christian Arabs in Palestine. The climax of his career was his active participation at the ecumenical Council of Ephesus in 431 AD, where he appears not merely as a subscription in the conciliar list but as an active participant in the debates and a delegate of the Council of Ephesus to Nestorius (Shahid 2006a: 46‒48, 181‒184, 528; 2006b: 128). Members of the house of Aspebetos continued to thrive as the tribal leaders of Arab Palaestina Prima and in the 6th century Cyril of Scythopolis, the historian of monastic life in Palestine, describes Terebon II, Aspebetos’ great-grandson, as ‘the renowned phylarch in this region’: the area between Jerusalem and Jericho (Shahid 1995: 652).
Doch zwischen den „autonomen“ arabischen Phylarchen-Bischöfen der Provinz Palaestina Prima – einer Kernprovinz – und den recht unabhängigen ghassanidischen Königen-Phylarchen der beiden „Grenzprovinzen“ Palaestina Secunda und Palaestina Tertia, Abu Karib und al-Harith, bestanden grundlegende Unterschiede. Letztere agierten von etablierten und anerkannten Hauptstädten aus.
But there were some fundamental differences between the ‘autonomous’ Arab phylarchs-bishops of Palaestina Prima – a core province – and the fairly independent Ghassanid kings-phylarchs of the two ‘frontier provinces’ of Palaestina Secunda and Palaestina Tertia: Abu Karib and al-Harith. The latter operated from established and recognised capitals.
Sie befehligten außerdem ihre eigenen beträchtlichen, professionellen arabischen Heere und nicht nur Kontingente aus Stammesverbänden. Sie sorgten für Recht und Ordnung in ihrem weiteren Herrschaftsgebiet und erhoben Abgaben und Steuern aus dem einträglichen internationalen und regionalen Handel, der durch ihre Provinzen führte. Sie gewährten den heiligen Stätten in Palästina Schutz und entsandten vor allem eigene Gesandte in fremde Länder – Gesandte, die in ihrem eigenen Namen handelten und nicht den byzantinischen Staat vertraten.
They also commanded their own substantial professional Arab armies, and not just contingent tribal forces. They enforced law and order within their wider domain and raised revenues and taxes from the lucrative international and regional trade passing through their provinces. They provided protection to the holy places in Palestine and, crucially, they dispatched their own ambassadors to foreign countries – ambassadors who acted in their names rather than representing the Byzantine state.
Das Jahr 451 war ein Wendepunkt für die Kirche in Palästina. Auf dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 wurden die drei palästinensischen Provinzen, die sogenannten „Drei Palästinas“, von der Jurisdiktion des Patriarchats von Antiochia abgetrennt. Die kirchliche Trennung der „Drei Palästinas“ von Antiochia wirkte sich zunächst nicht unmittelbar auf die arabische Kirche der Föderaten aus, die dem orthodoxen Glauben treu blieben. Mit dem Erstarken des Monophysitismus im Nahen Osten im 6. Jahrhundert, besonders nach dem Impuls, den Kaiser Anastasius gab, blieb das Patriarchat von Palästina die Bastion der griechisch dominierten Orthodoxie in Palästina, und dieses Erbe hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die arabisch-griechischen Beziehungen innerhalb der Kirche Palästinas (Shahid 2006a: 528). Es eröffnete zudem innere Konflikte, die bis heute andauern; im 5. Jahrhundert n. Chr. spiegelten sich diese inneren Spaltungen innerhalb der Kirche Palästinas auch in Symbolen und Farbcodes wider:
The year 451 was a turning point for the Church in Palestine. At the Council of Chalcedon, 451, the ‘Three in One’ Palestine provinces were separated from the jurisdiction of the Patriarchate of Antioch. The ecclesiastical separation of the ‘Three Palestines’ from Antioch did not have an immediate effect on the Arab church of the federates who remained staunchly Orthodox. With the growth of Monophytism in the Near East in the 6th century, especially after the impetus given by the Emperor Anastasius, the Patriarchate of Palestine remained the stronghold of Greek-dominated orthodoxy in Palestine and this legacy had a lasting impact on Arab‒Greek relationships within the Palestine Church (Shahid 2006a: 528). It also opened up internal conflicts which lasted until today; in the 5th century AD, these internal divisions within the Palestine Church were also reflected in symbols and colour codes:
Die arabischen Föderaten der drei Palästinas, zumindest in Prima und Secunda, blieben standhaft orthodox, während jene außerhalb des Jurisdiktionsbereichs des Patriarchats von Jerusalem größtenteils Monophysiten waren, insbesondere die dominierende Gruppe, die Ghassaniden … Die Spaltung innerhalb der arabischen Kirche spiegelt sich in der palästinensischen Historiographie wider, wo das Bild der [arabischen] orthodoxen Phylarchen der Parembole in Palaestina Prima hell erscheint, während das der Ghassaniden Arabiens verblasst ist. (Shahid 2006a: 528)
The Arab federates of the three Palestines, at least Prima and Secunda, remained staunchly Orthodox, while those outside the jurisdiction of the Patriarchate of Jerusalem, were mostly Monophysites, especially the dominant group, the Ghassanids … The division within the Arab church is reflected in Palestinian historiography, where the image of the [Arab] Orthodox phylarchs of the Parembole in Palaestina Prima is bright and that of the Ghassanids of Arabia is dim. (Shahid 2006a: 528)
Etwas anders im Hintergrund als alle arabischen Phylarchen von Palaestina Prima, Palaestina Secunda und Palaestina Tertia war Elias, der arabische Patriarch von Aelia Capitolina (Jerusalem), der im Jahr 494 n. Chr. Oberhaupt der Gesamtpalästinensischen Kirche wurde. Während die anderen föderierte arabische Könige waren, war Elias ein in Arabien geborener römischer Araber. Seine kirchliche Laufbahn war nicht weniger bemerkenswert.
Somewhat different in background from all Arab phylarchs of Palaestina Prima, Palaestina Secunda and Palaestina Tertia was Elias, the Arab Patriarch of Aelia Capitolina (Jerusalem), who became head of the All Palestine Church in 494 AD. While the others were federate Arab kings, Elias was a Rhomaic Arab born in Arabia. His ecclesiastical career was no less remarkable.
Er begann als Mönch in der Wüste Palästinas, verbunden mit dem heiligen Euthymius dem Großen (377–473), einem Abt, der heute sowohl in der römisch-katholischen als auch in den orthodoxen Ostkirchen verehrt wird. Elias zog danach die Aufmerksamkeit des Patriarchen Anastasius auf sich, der ihn zum Priester der Anastasia-Kirche in Jerusalem weihte; schließlich wurde Elias Patriarch der Heiligen Stadt und führte seine Patriarchat wirksam. Er widmete sich der Verbesserung der Kirchen und Klöster und legte den Grundstein für die Kirche der Theotokos in Jerusalem, die prächtige Kirche, die unter der Herrschaft von Kaiser Justinian vollendet und im Jahr 543 geweiht wurde.
He started as a monk in the desert of Palestine associated with Saint Euthymius the Great (377–473), an abbot venerated today in both Roman Catholic and Eastern Orthodox churches. Elias then drew the attention of Patriarch Anastasius, who ordained him priest of the Church of Anastasia in Jerusalem; finally, Elias became the Patriarch of the holy city, and engaged in an effective administration of his Patriarchate. He devoted time to the improvement of the churches and monasteries and laid the foundation of the Church of the Theotokos in Jerusalem, the spectacular church completed during the reign of Emperor Justinian and dedicated in 543.
Möglicherweise war Elias auch an der Übersetzung einer einfachen Liturgie und eines biblischen Lektionars ins Arabische beteiligt, zum Nutzen der verschiedenen christlich-arabischen Gemeinden, die in den „Drei Palästinas“ verstreut lebten und unter seiner kirchlichen Jurisdiktion standen (Shahid 2006a: 193‒194).
Possibly Elias was also associated with the translation of a simple liturgy and biblical lectionary into Arabic for the benefit of the various Christian Arab communities scattered in the ‘Three Palestines’ which came under his ecclesiastical jurisdiction (Shahid 2006a: 193‒194).