6.2 Die Kontinuitäten und der Wandel der Provinz Jund Filastin
6.2 The Continuities And Transformation Of The Province Of Jund Filastin
Historiker neigen dazu, die Prozesse der Arabisierung in Palästina mit der Etablierung des Arabischen als lingua franca für Palästina und den Nahen Osten gleichzusetzen. Tatsächlich waren Arabisierung und Islamisierung in Palästina sowie die Wandlungen der religiösen Gemeinschaften des Landes – einschließlich der drei Provinzen Palästina: Prima, Secunda und Tertia – voneinander getrennte historische Prozesse, die nicht automatisch gleichgesetzt oder zeitlich synchronisiert werden sollten.
Historians tend to conflate Arabisation processes in Palestine with the establishment of Arabic as the lingua franca for Palestine and the Near East. In fact, Arabisation and Islamisation in Palestine and the transformations of religious communities of the country – including the three Palestine provinces: Prima, Secunda and Tertia – were distinct historical processes and should not be automatically conflated or synchronised.
Historisch gesehen gingen die Arabisierungsprozesse in ganz Palästina (einschließlich der Existenz arabischsprachiger palästinensischer Christen) den Islamisierungsprozessen im Land weit voraus, obwohl die Etablierung des Arabischen als Verkehrssprache Palästinas mit der Islamisierung des Landes einherging.
Historically, Arabisation processes in greater Palestine (including the existence of Arabic-speaking Palestinian Christians) long preceded Islamisation processes in the country, although the establishment of Arabic as the lingua franca of Palestine went hand in hand with the Islamisation of the country.
Wie wir bereits gesehen haben, wurde im Verlauf der Eisenzeit II (1000–6000
As we have already seen, over the course of the Iron Age II (1000–6000
BC) Die Handelsstädte des alten Philistäa (Gaza, Jaffa, ‘Aphek, Ekron, Ashdod, Askalon) schufen einen blühenden, integrierten Süden in Palästina, indem sie eng mit arabischen Händlern und Seefahrern zusammenarbeiteten. Die Araber waren mächtige Händler, die den fernen Handel aus Indien und Asien über das Rote Meer, Nabatäa, Südpalästina und die Seehäfen Philistäas mit der östlichen Mittelmeerregion verbanden. Dieser integrierte Süden blieb unter den assyrischen und persischen Reichen erhalten, und im 5. Jahrhundert v. Chr. beschreibt Herodot ausführlich die Präsenz von Arabern in Südpalästina. Ein Jahrhundert später begannen die nabatäischen Araber, die vom internationalen Handel und der lokalen Landwirtschaft lebten, ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. den Naqab/Negev zu beherrschen, und gründeten mehrere palästinensische Dörfer und Städte, von denen einige bis zur palästinensischen Nakba von 1948 bestanden.
BC) the trading cities of old Philistia (Gaza, Jaffa, ‘Aphek, Ekron, Ashdod, Ascalon) created a flourishing integrated south in Palestine by working closely with Arab traders and sailors. The Arabs were powerful traders who linked the distant trade from India and Asia to the Eastern Mediterranean region via the Red Sea, Nabataea, southern Palestine and the seaports of Philistia. This integrated south was maintained under the Assyrian and Persian empires and in the 5th century BC Herodotus describes in detail the presence of Arabs in southern Palestine. A century later, the Nabataean Arabs, who flourished on international trade and local agriculture, began to dominate the Naqab/Negev from the 4th century BC onwards and founded several Palestinian villages and towns, some of which survived until the Palestinian Nakba of 1948.
Al-Khalasa, ein palästinensisches muslimisches Dorf, etwa 23 Kilometer südwestlich der Stadt Beerscheba gelegen und 1948 von Israel entvölkert, wurde im frühen 4. Jahrhundert von den nabatäischen Arabern unter dem arabischen Namen „al-Khalus“ gegründet, und die Stadt wurde Teil der Weihrauchstraße der Nabatäer. Der griechisch-römische Historiker und Geograph Ptolemäus führt sie als eine Stadt in Idumäa an. In der späten Römerzeit entwickelte sie sich zur wichtigsten Stadt der westlichen römischen Provinz Arabia Petraea.
Al-Khalasa, a Palestinian Muslim village located 23 kilometres south-west of the city of Beershiba and depopulated by Israel in 1948, was founded by the Nabataean Arabs in the early 4th century using the Arabic name ‘al-Khalus’, and the town became part of the Nabataean Arab incense route. The Greco-Roman historian and geographer Ptolemy identifies it as a town in Idumaea. In the late Roman period it grew to become the principal town of the western Roman Arabia Petraea province.
Unter den Byzantinern wurde die Stadt der Palaestina Tertia als „Elusa“ bekannt und behielt damit den arabischen Namen bei. Sie diente außerdem als Verwaltungszentrum in der Wüste Naqab und war die Heimat einer der drei klassischen Rhetorikschulen im byzantinischen Palaestina. Unter der arabisch-islamischen Herrschaft blieb die Stadt ein bedeutendes urbanes Zentrum und erhielt den modernen arabischen Namen al-Khalasa, wurde jedoch irgendwann während der späten Mamluckenzeit im 15. Jahrhundert n. Chr. verlassen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie von palästinensischen Beduinen wiederbesiedelt. Nach der Zerstörung des arabischen Dorfes im Jahr 1948 benannten die Israelis es in Haluza um (hebräisch: „Pionier“), einen hebräisch klingenden Namen, der auf dem arabischen Ortsnamen „al-Khalus“ beruht. Und in jüngerer Zeit hat die UNESCO die archäologische Stätte zum Welterbe erklärt – ironischerweise wegen ihrer historischen Bedeutung, tatsächlich jedoch ohne anzuerkennen, wie zentral die Stätte für die vierundzwanzig Jahrhunderte arabischer Geschichte und arabischen Erbes in Palästina ist.
Under the Byzantines the Palaestina Tertia town became known as ‘Elusa’, preserving the Arabic name. It also served as an administrative centre in the Naqab desert and was the home of one of three classical schools of rhetoric in Byzantine Palaestina. Under Arab Islam the town continued to function as a major urban centre and became known by its modern Arabic name al-Khalasa, but was abandoned sometime during the late Mamluk period in the 15th century CE. It was repopulated by Palestinian Bedouins in the early 20th century. After the destruction of the Arab village in 1948 the Israelis renamed it Haluza (Hebrew: ‘pioneer’), a Hebrew-sounding name based on the Arabic toponym ‘al-Khalus’; and more recently UNESCO declared the archaeological site a World Heritage Site, ironically due to its historic importance but, in fact, without acknowledging the centrality of the site to the twenty-four centuries of Arab history and heritage in Palestine.
Im frühen Islam beruhten die Schaffung des Systems der vier, später fünf, muslimischen Ajnad (Provinzen) in Bilad al-Sham auf strategisch-militärischen und verwaltungstechnischen Überlegungen, die von der vorherigen byzantinischen strategischen Gliederung der Region beeinflusst waren. Die Ursprünge des Ajnad-Systems von Bilad al-Sham unter dem Islam sind umstritten. Irfan Shahid (1986) sieht jedoch einen byzantinischen Ursprung für dieses System. Die Provinzen bzw. Ajnad behielten die zivilen und verwaltungstechnischen Zuständigkeiten für ihre jeweiligen Bezirke, einschließlich der Erhebung von Steuern (Walmsley 2000: 273). Die arabischen Statthalter der fünf Ajnad (Sing. Jund) der Region al-Sham, Damaskus, Filastin, al-Urdun, Hims und Qinnasrin, wurden Amire genannt, und im Fall von einem wurde der Statthalter (Wali) von Jund Filastin, Suleiman ibn ʿAbd al-Malik, im Jahr 715 zum omayyadischen Kalifen.
In early Islam, the combination of strategic-military and administrative considerations for the creation of the four, and later five, Muslim ajnads (provinces) system in Bilad al-Sham were influenced by the previous Byzantine strategic configuration of the region. The origins of the ajnad system of Bilad al-Sham under Islam are in dispute. However, Irfan Shahid (1986) sees a Byzantine origin for this system. The provinces, or ajnad, retained civil and administrative responsibilities for their surrounding districts, including the raising of taxes (Walmsley 2000: 273). The Arab governors of the five ajnad (sing. jund) of al-Sham region, Damascus, Filastin, al-Urdun, Hims and Qinnasrin, were called amirs and, in one case, the Governor (wali) of Jund Filastin, Suleiman ibn ‘Abd al-Malik, became the Umayyad Caliph in 715.
Palästina war 637–638 vollständig in das islamische Kalifat eingegliedert worden.
Palestine had been brought fully within the Islamic Caliphate in 637‒638.
Im islamischen Staatsverständnis war ein Kalif ein oberster Herrscher, der von der Gemeinschaft als Nachfolger des Propheten Muhammad ﷺ gewählt wurde. Als politischer Führer der gesamten muslimischen Gemeinschaft war dem Kalifen ein islamischer Referenzrahmen vorgegeben, der durch den Koran und die Hadithe (die Aussprüche und Handlungen des Propheten Muhammad ﷺ) bestimmt war, und er war verpflichtet, im Geiste der Schura (Beratung, Beschlussfassung, Rat) zu regieren. Die Schura, ein koranisches Prinzip, schuf einen Raum, der es den islamischen Traditionen ermöglichte, mit gesellschaftlicher Pluralität und interkulturellem Austausch im weiten islamischen Reich umzugehen. In der Praxis waren jedoch viele Kalifen erbliche Herrscher, und sie waren nur so stark, wie es ihre Armeen und politischen Bündnisse zuließen. Auch die Gründer der Umayyaden-Dynastie waren sich des Macht-Wissen-Zusammenhangs, um das berühmte Paradigma von Michel Foucault aufzugreifen, sehr bewusst.
In the Islamic theory of governance, a Caliph was a supreme ruler who was chosen by the community to be a successor to the Prophet Muhammad. As political leader of the entire Muslim community, the Caliph was provided with an Islamic reference framework defined by the Quran and the Hadith (the sayings and actions of the Prophet Muhammad) and was obliged to govern through shura (consultation, deliberation, advice). The shura, a Quranic principle, created a space that enabled the Islamic traditions to negotiate social pluralism and inter-cultural exchanges throughout the vast Islamic empire. In practice, however, many Caliphs were hereditary rulers and they were only as strong as their armies and political alliances made them. The founders of the Umayyad dynasty were also acutely aware of the power/knowledge nexus, to echo Michel Foucault’s famous paradigm.
Sie waren mächtige, scharfsinnige und pragmatische Kalifen, die sowohl bei ihren muslimischen als auch bei ihren nichtmuslimischen Untertanen administrativen Rat, politische Schura, wissenschaftliches Wissen und technisches Fachwissen suchten. Nachdem die Flexibilität der islamischen Tradition fest etabliert war, übernahmen die Umayyaden-Kalifen im Jahr 661 n. Chr. den islamischen Staat und machten Damaskus zur Hauptstadt des weitläufigen islamischen Reiches.
They were powerful, shrewd and pragmatic Caliphs and sought administrative advice, political shura, scientific knowledge and technological expertise from their Muslim and non-Muslim subjects alike. With the flexibility of the Islamic tradition firmly established, in 661 AD the Umayyad Caliphs took over the Islamic state and made Damascus the capital of the vast Islamic empire.
Materielle, wirtschaftliche, religiöse und politische Belege zeigen, dass unter den umayyadischen Marwaniden-Kalifen, die das islamische Reich zu einer noch nie dagewesenen Ausdehnung führten, die beiden Provinzen (ajnad) Dimashq und Filastin als Kernprovinzen (أجناد) eines weitläufigen Reiches behandelt wurden, und zwar aus einer Mischung religiöser Dogmatik und Realpolitik. Schließlich war Palästina strategisch bedeutsamer und von den umayyadischen Herrschern enger kontrolliert als die Wüsten Arabiens, ebenso wie Syrien, sodass die zentrale Stellung und Bedeutung Palästinas und Syriens unter den umayyadischen Marwaniden-Kalifen von größter Wichtigkeit blieb. Auch half es dem Prozess der Vereinheitlichung und Arabisierung des großen Reiches, dass die Bauern Palästinas eine lokale Form des Aramäischen sprachen, einen Dialekt, der dem Arabischen näher stand als jede andere Sprache außer dem Hebräischen, welches seit Jahrhunderten weitgehend ausgestorben war. Daher war der allmähliche, aber stetige Übergang zum Arabischen als offizieller Verkehrssprache in Palästina und dem Nahen Osten weder schwierig noch langwierig.
Material, economic, religious and political evidence shows that under the Umayyad Marwanid Caliphs,1 who succeeded in expanding the Islamic empire to an unprecedented size, the two provinces (ajnad) of Dimashq and Filastin were treated as core provinces ( أجناد ) of a vast empire, for reasons of religious dogma mixed with realpolitik. After all, Palestine was more strategically important and more tightly controlled by the Umayyad rulers than the deserts of Arabia, as indeed was Syria, so that the centrality and importance of Palestine and Syria under the Umayyad Marwanid Caliphs remained paramount. It also helped the process of homogenisation and Arabisation of the large empire that the peasants of Palestine spoke a local version of Aramaic, a dialect much closer to Arabic than any other language but Hebrew, which had largely been extinct for centuries, so the gradual but steady move to Arabic as the official lingua franca in Palestine and the Near East was neither difficult nor protracted.
Darüber hinaus führten die umayyadisch-marwanidische Revolution sowie außergewöhnlicher Scharfsinn und Innovationskraft auch dazu, dass die marwanidischen Kalifen der Umayyaden ein System prächtiger und großer Paläste in Jerusalem, al-Ramla, nahe Jericho und nahe Tiberias errichten ließen, die uns einen Einblick in die zentrale Bedeutung Palästinas innerhalb dieses weiten islamischen Reiches gewähren. Der reformierende marwanidische Herrscher ʿAbd al-Malik ibn Marwan (reg. 685–705 n. Chr.)
Moreover, the Umayyad Marwanid revolution and extraordinary shrewdness and innovation also resulted in the construction by the Umayyad Marwanid Caliphs of a system of exquisite and large palaces in Jerusalem, al-Ramla, near Jericho and near Tiberias which give us a glimpse into the centrality of Palestine within this vast Islamic empire. The reforming Marwanid ruler ‘Abd al-Malik ibn Marwan (r. 685‒705 AD)
wird die Umgestaltung Jerusalems, der Bau des Felsendoms in der Stadt sowie die Währungsreformen zugeschrieben, ebenso die Einführung des Arabischen als Amtssprache des Islamischen Kalifats (Ochsenwald und Fisher 2004: 57). In den ersten sechs Jahrzehnten des Islams in Palästina, vor ‘Abd al-Maliks sprachlichen und verwaltungstechnischen Reformen, wurde der Großteil der Arbeit der lokalen Regierung in Palästina in Koine-Griechisch festgehalten, und viele bedeutende Positionen im Land waren mit Christen besetzt, von denen einige Familien angehörten, die in byzantinischen Verwaltungen gedient hatten. Die sprachliche Revolution, die mit ‘Abd al-Malik ibn Marwan begann und von den nachfolgenden marwanidischen Kalifen fortgeführt wurde, bewirkte, dass das Arabische zur Lingua franca nicht nur Palästinas, sondern des islamischen Reiches wurde, das damals mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung umfasste. Die sprachliche Revolution und das Arabische als einzige Lingua franca für Zehntausende von Millionen Menschen von Spanien bis Zentralasien war auch zentral für die Ausweitung des globalen Handels unter muslimischer Herrschaft. Während des gesamten Mittelalters blieb, wie schon in der Antike, der regionale und der Fernhandel eine Schlüsselquelle für den Wohlstand des strategisch gelegenen Palästina.
is credited with the transformation of Jerusalem, the construction of the Dome of the Rock in the city and the currency reforms, as well as the establishment of Arabic as the official language of the Islamic Caliphate (Ochsenwald and Fisher 2004: 57). For the first six decades of Islam in Palestine, prior to ‘Abd al-Malik’s linguistic and administrative reforms, much of the local government’s work in Palestine was recorded in Koine Greek and many prominent positions in the country were held by Christians, some of whom belonged to families that had served in Byzantine administrations. The linguistic revolution which began with ‘Abd al-Malik ibn Marwan and was maintained by subsequent Marwanid Caliphs meant that Arabic became the lingua franca not only of Palestine but the Islamic empire, which, at the time, included more than 30 per cent of the world’s population. The linguistic revolution and having Arabic as the single lingua franca for tens of millions of people from Spain to Central Asa was also central to the expansion of global trade under Muslim rule. Throughout the Middle Ages, as in ancient times, regional and distant trade remained a key source for the prosperity of a strategically located Palestine.
Das Arabische und die Arabisierung Palästinas fügten der ohnehin reichen und komplexen Identität Palästinas weitere kulturelle Schichten hinzu. Die Arabisierung Palästinas profitierte davon, dass die überwiegend christliche palästinensische Bauernschaft einen palästinensischen Dialekt des Aramäischen sprach, einer semitischen Sprache, die dem Arabischen eng verwandt ist. Wenn jedoch unter den Römern und Byzantinern das Koine-Griechische die Elitesprache Palästinas und der Levante war und die Hellenisierung eng mit Kosmopolitismus und hoher Kultur verbunden war, so wurden unter dem Islam das klassische Arabisch und die Arabisierung zu einem Vehikel der Globalisierung. Klassisches Arabisch und Übersetzungen ins Arabische wurden eng mit wissenschaftlicher Forschung und kultureller Innovation verbunden und förderten den internationalen Handel und den Kosmopolitismus.
Arabic and the Arabisation of Palestine added more cultural layers to Palestine’s already rich and complex identity. The Arabisation of Palestine benefited from the fact that the predominantly Palestinian Christian peasantry spoke a Palestinian dialect of Aramaic, a Semitic language closely related to Arabic. However, if under the Romans and Byzantines Koine Greek was the elite language of Palestine and the Levant and Hellenisation was closely associated with cosmopolitanism and high culture, under Islam literary Arabic and Arabisation became a vehicle for globalisation. Literary Arabic and translation into Arabic became closely associated with scientific inquiry and cultural innovation, expanding international trade and cosmopolitanism.
Darüber hinaus war das byzantinische Palästina von tiefen Klassengegensätzen geprägt, die sich in sprachlichen Spaltungen widerspiegelten. Während das Griechische ein zentrales Merkmal der großstädtischen und städtischen Oberschicht war und das Aramäische ein zentrales Identitätsmerkmal der einfachen Bevölkerung und der palästinensischen Bauernschaft im christlich geprägten byzantinischen Palaestina darstellte, förderten das Arabische und die Arabisierung den Egalitarismus in Palästina und wurden zu zentralen Identitätsmerkmalen sowohl der städtischen Eliten als auch der zunehmend arabisierten palästinensischen Bauernschaft.
Furthermore, Byzantine Palestine had been bedevilled by deep class cleavages reflected in linguistic divisions. If speaking Greek was a key marker of metropolitan and urban elite identity and speaking Aramaic was a key marker of identity for ordinary people and Palestinian peasantry in Christian-majority Byzantine Palaestina, Arabic and Arabisation encouraged egalitarianism in Palestine and became key markers of identity for both urban elites and the increasingly Arabised Palestinian peasantry.
Im Islam ragten die Metropolen Damaskus, Bagdad und Kairo als Zentren des Reiches hervor, doch ihre Handels- und strategischen Verbindungen über Land- und Seewege banden sie an ein Archipel von Städten im Hinterland von al-Sham und Palästina sowie in der gesamten Region al-Sham, darunter al-Ramla, Gaza, ‘Asqalan, al-Lajjun, al-Quds, Nablus, Akko und Tiberias. Naturgemäß folgten Arabisierung und Islamisierung dem Handel und der politischen Macht, und dieser kulturelle und sprachliche Wandel Palästinas wurde nach der arabisch-islamischen Eroberung Palästinas aktiv und mit großem Eifer vorangetrieben. Die Islamisierungsprozesse im Land verliefen in der Folge entsprechend. Filastin wurde nach der Schlacht am Yarmuk (636 n. Chr.) im Verlauf der muslimischen Eroberung Syriens und Palästinas Teil des arabisch-islamischen Staates.
Under Islam, the metropolises of Damascus, Baghdad and Cairo stood out as imperial centres, but their trade and strategic linkages through overland and sea routes tied them to an archipelago of hinterland cities in al-Sham and Palestine and the whole al-Sham region, including al-Ramla, Gaza, ‘Asqalan, al-Lajjun, al-Quds, Nablus, Acre and Tiberias. Naturally Arabisation and Islamisation followed trade and political power, and this cultural and linguistic transformation of Palestine was promoted actively and assiduously after the Arab Islamic conquest of Palestine. Islamisation processes in the country followed suit. Filastin became part of the Arab Islamic state following the Battle of Yarmuk (636 AD) in the course the Muslim conquest of Syria and Palestine.
Obwohl die arabisch-islamische militärische Eroberung Palästinas im Jahr 638 n. Chr. stattfand, war die praktische Islamisierung Palästinas ein allmählicher, aber radikaler Prozess, der über viele Generationen andauerte. Es gibt auch einige Belege für den Massenübertritt von Samaritanern zum Islam in Palästina im Verlauf der frühen muslimischen Zeit (siehe Levy-Rubin 2000). Der mächtige arabisch-muslimische Einfluss auf Palästina hat jedoch bis zur Gegenwart nahezu 1400 Jahre angehalten. Die tiefgreifende religiöse, soziale, kulturelle und sprachliche Umgestaltung des Landes unter dem Islam ist im ganzen Land deutlich sichtbar.
Although the Arab Islamic military conquest of Palestine took place in 638 AD, the practical Islamisation of Palestine was a gradual but radical process which went on for many generations. There is also some evidence of the mass conversion by Samaritans to Islam in Palestine in the course of the early Muslim period (see Levy-Rubin 2000). However, the powerful Arab Muslim impact on Palestine has continued for nearly 1400 years, to the present time. The profound religious, social, cultural and linguistic transformation of the country under Islam is evident throughout the land.
Doch die allmählichen Prozesse der Arabisierung, Vereinheitlichung und Islamisierung des Landes – von einem mehrheitlich aramäischsprachigen christlichen Land zu einem überwiegend arabischsprachigen muslimischen Mehrheitsland, und von einer monotheistischen Religion zu einer anderen, ebenso wie von einer semitischen Sprache zu einer eng verwandten anderen – verliefen kulturell weniger traumatisch und waren sozial weniger schmerzhaft als die plötzliche Umwandlung einer heidnischen Gesellschaft in ein monotheistisches Gemeinwesen.
But the gradual processes of Arabisation, homogenisation and Islamisation of the country, from a largely Aramaic-speaking majority Christian country to a predominantly Arabic-speaking Muslim majority, and from one monotheistic religion to another – as well as from one Semitic language to another closely related one – was less traumatic culturally and socially less painful than the sudden conversion of a pagan society into a monotheistic polity.
Die archäologischen Belege zur frühen Geschichte des Islam in Palästina widerlegen die verbreitete Vorstellung und den heimtückischen Mythos, dass die muslimische Eroberung Palästinas im 7. Jahrhundert einen Rückgang der Zahl der Ortschaften und des allgemeinen Wohlstands des Landes verursacht habe (Magness 2003: 1‒3).
The archaeological evidence on the early history of Islam in Palestine debunks the common perception and insidious myth that the Muslim conquest of Palestine in the 7th century caused a decline in the number of localities and the overall prosperity of the country (Magness 2003: 1‒3).
Im Gegenteil: Die muslimischen Araber leiteten eine Periode des Wohlstands sowie der religiösen Toleranz und der religiösen und kulturellen Autonomie für die christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften (arabisch: millah) in Palästina ein und erlaubten, dass die bisherige Verwaltungsorganisation fortbestand (The Encyclopaedia of Islam 1965, Bd. II: 911). Die islamischen Staaten wandten in Palästina, ebenso wie das Römische und das Byzantinische Reich, auch ein System von Patronage und Klientel an, und dieses Patronagesystem ermöglichte das Entstehen eines gewissen Maßes an lokaler Autonomie und mächtiger städtischer Eliten.
On the contrary, the Muslim Arabs ushered in a period of prosperity and religious toleration and religious and cultural autonomy for Christian and Jewish religious communities (Arabic: millah) in Palestine and permitted the previous administrative organisation to continue (The Encyclopaedia of Islam 1965, Vol. II: 911). The Islamic states, like the Roman and Byzantine empires, also applied a patron‒client system in Palestine and this patronage system allowed the emergence of a degree of local autonomy and powerful urban elites.
Aus weitgehend defensiven militärstrategischen Gründen wurde das größere Palästina unter dem Islam neu gestaltet und aus zwei der „Drei Palästinas“ der Byzantiner neu gebildet (Blankinship 1994). Diese militärstrategische Neugestaltung und Neuorganisation fand auch in der tatsächlichen Benennung des Landes ihren Niederschlag: Jund Filastin, die „administrativ-militärische Provinz Palästina“. Diese Neugestaltung zielte außerdem darauf ab, einige der grundlegenden Schwächen des byzantinischen strategischen Denkens zur Verteidigung der „Drei Palästinas“ und anderer Regionen in Syrien zu beheben. Das byzantinische Militär hatte seinen Sitz in der Küstenstadt Caesarea Maritima und stützte sich weitgehend auf die arabischen Verbündeten der Ghassaniden im Hinterland, die Palaestina Secunda und Palaestina Tertia faktisch kontrolliert hatten. Die muslimisch-arabischen Befehlshaber bevorzugten es, sich auf muslimische Kommandeure zu verlassen, obwohl sie noch viele christliche Truppen der Ghassaniden in den muslimischen Heeren einsetzten.
For largely defensive military-strategic reasons greater Palestine under Islam was reconfigured and reconstituted from two of the ‘Three Palestines’ of the Byzantines (Blankinship 1994). This military-strategic reconfiguration and reorganisation was also reflected in the actual naming of the country: Jund Filastin, the ‘administrative/military province of Palestine’. This reconfiguration was also aimed at addressing some of the fundamental weaknesses of the Byzantine strategic thinking for defending the ‘Three Palestines’ and other regions in Syria. The Byzantine military was headquartered in the coastal city of Caesarea Maritima and relied extensively on the Ghassanid Arab allies of the hinterland who had effectively controlled Palaestina Secunda and Palaestina Tertia. The Muslim Arab commanders, while still using many Ghassanid Christian troops in Muslim armies, preferred to rely on Muslim commanders.
Die Verkleinerung der Jund Filastin von den ursprünglichen drei auf „zwei Palästinas“ (Palaestina Prima und Palaestina Tertia) ergab auch in militärstrategischer Hinsicht Sinn.
Reducing Jund Filastin from the original Three to ‘Two Palestines’ (Palaestina Prima and Palaestina Tertia) also made sense in military-strategic terms.
Die Verwaltungsreform Palästinas während der frühen islamischen Zeit führte dazu, dass das byzantinische Groß-Palästina zu einer Verbindung aus einer verhältnismäßig großen Provinz Jund Filastin und einer kleinen Provinz Jund al-Urdun (Provinz Jordanien) wurde. Jund al-Urdun, von Tiberias in Galiläa aus regiert, sollte nicht mit dem heutigen Jordanien gleichgesetzt werden. Mit der Festigung der arabisch-muslimischen Herrschaft in Palästina und der Levante Mitte des 7. Jahrhunderts wurde die Region in Filastin, al-Urdun und Dimashq (Damaskus) aufgeteilt.
The administrative reorganisation of Palestine during early Islam meant that Byzantine greater Palestine became a combination of a relatively large Jund Filastin province and a small Jund al-Urdun (Jordan province). Governed from Tiberias in Galilee, Jund al-Urdun should not be equated with modern-day Jordan. With the consolidation of Arab Muslim rule in Palestine and the Levant in the mid-7th century, the region was divided into Filastin, al-Urdun and Dimashq (Damascus)
und die Araber (ebenso wie die Römer) entschieden sich für eine dezentrale Verwaltung.
and the Arabs (like the Romans) opted for a decentralised administration.
Während der Umayyaden-Periode (661–750 n. Chr.) war die Region al-Sham in Junds unterteilt, also in militärische bzw. administrative Provinzen. Jund Filastin wurde kurz nach der muslimischen Eroberung Palästinas in den 630er Jahren organisiert. Die Umayyaden übernahmen viele byzantinische Traditionen in Bezug auf Toponyme, Münzwesen und Verwaltung, und dieser Anpassungsprozess zeigte sich in vielen Aspekten der Provinz Jund Filastin.
During the Umayyad period (661‒750 AD) the al-Sham region was divided into junds or military/administrative provinces. Jund Filastin was organised soon after the Muslim conquest of Palestine in the 630s. The Umayyads adapted many of the Byzantine toponymic, monetary and administrative traditions and this process of adaptation was evident in many aspects of the province of Jund Filastin.