6.7 Neugestaltung Palästinas unter den Fatimiden: Die Provinz Jund Filastin und der Militärgouverneur von Palästina (11. Jahrhundert)
6.7 Reconfiguration Of Palestine Under The Fatimids: The Province Of Jund Filastin And The Military Governor Of Palestine 11 ) (متولي حرب فلسطين) Th Century)
Der in Ägypten ansässige schiitische Staat der Fatimiden fiel 970 in Palästina ein und eroberte 972 das gesamte Land. Die fatimidische Herrschaft über Palästina war von großen Unruhen und Umwälzungen geprägt. In dieser Zeit war al-Ramla noch die offizielle Hauptstadt der Provinz Jund Filastin. Die Stadt litt jedoch schwer unter ihrer Besetzung und unter der Plünderung durch die Beduinen des Stammes Banu Tayy in Palästina Ende 1024 sowie unter den beiden verheerenden Erdbeben von 1025 und 1068. Obwohl sich die Stadt in der Mitte des 11. Jahrhunderts erholte und noch viele Jahrhunderte lang eine bedeutende strategische Garnisons- und Festungsstadt blieb, leitete ihr Niedergang während der fatimidischen Herrschaft und ihre anschließende Ablösung durch al-Quds als Verwaltungshauptstadt Palästinas unter den Ayyubiden eine neue Epoche bei der strategischen Neuausrichtung Palästinas in der Zeit nach den Kreuzzügen ein.
The Egypt-based Shi’ite Fatimid state invaded Palestine in 970, conquering the whole of country in 972. The Fatimid rule of Palestine was marred by great turmoil and upheavals. During this period al-Ramla was still the official capital of the province of Jund Filastin. But the city suffered badly from its occupation and pillaging by the Bedouins of Banu Tayy in Palestine in late 1024 as well as the two devastating earthquakes in 1025 and 1068. Although the city would recover in the middle of the 11th century and would remain an important strategic and garrison town for many centuries to come, its decline during the Fatimid rule and its subsequent replacement by al-Quds as the administrative capital of Palestine under the Ayyubids would inaugurate a new era in the strategic re-centring of Palestine in the post-Crusader era.
Politische und militärstrategische Erwägungen spielten eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Herrschaft der Fatimiden in Palästina. Eine Kombination aus politischen und militärstrategischen Kalkülen war außerdem ein Faktor bei der Neugestaltung der Wahrnehmung und der Grenzen des historischen Palästina vor, während und nach der Herrschaft der Fatimiden. Diese Erwägungen, die in völlig unterschiedlichen historischen Epochen vorhanden waren, traten deutlich zutage:
Political and military-strategic considerations played an important part in shaping the Fatimid regime in Palestine. A combination of political and military-strategic calculations were also factors in the reconfiguration of the perception and boundaries of historic Palestine before, during and after the Fatimid rule. These considerations, which were present in radically different historical periods, were evident:
• Die Schaffung der neuen Provinz Syria-Palaestina durch Hadrian im Jahr 135
• The creation of the new province of Syria-Palaestina by Hadrian in 135
AD nach der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands in jenem Jahr.
AD following the defeat of the Bar-Kochba rebellion of that year.
• Die Tatsache, dass der byzantinische Dux Palaestinae, der „militärische Befehlshaber von ganz Palästina“, vom 4. bis zum frühen 7. Jahrhundert alle byzantinischen Streitkräfte in der Provincia Palaestina (Palaestina Prima, Palaestina Secunda und Palaestina Tertia) befehligte.
• The fact that the Byzantine Dux Palaestinae, the ‘military commander of all of Palestine’, commanded all Byzantine forces in Provincia Palaestina (Palaestina Prima, Palaestina Secunda and Palaestina Tertia) from the 4th to the early 7th centuries.
Die Errichtung der militärisch-administrativen Ajnād in al-Scham, einschließlich Jund Filastin, unter dem Islam ab den 630er Jahren.
• The creation of the military-administrative Ajnads in al-Sham, Jund Filastin included, under Islam from the 630s onwards.
Der geheime strategisch-militärische Plan des Osmanischen Reiches aus der Filastin Risalesi, verfasst zu Beginn des Ersten Weltkriegs für die Offiziere des Achten Armeekorps in Palästina (wird in Kapitel neun behandelt), zur gemeinsamen Verteidigung der drei osmanischen Sanjaks Palästinas.
• The secret Ottoman strategic-military plan of Filastin Risalesi, prepared for the officers of the Eighth Army Corps in Palestine at the beginning of the First World War (to be discussed in chapter nine), for the combined defence of the three Ottoman sanjaks of Palestine.
Das geheime Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich, das darauf abzielte, den Nahen Osten unter den beiden imperialen Mächten aufzuteilen; ein Abkommen, das dazu beitragen sollte, die britischen Mandatsgrenzen Palästinas zu formen.
• The secret Sykes–Picot Agreement of 1916 between Britain and France which was designed to carve up the Near East between the two imperial powers; an agreement which would contribute to the shaping of the British Mandatory boundaries of Palestine.
Infolge der sich verschlechternden militärisch-sicherheitspolitischen Lage in Palästina und der Stammesaufstände in den 1020er Jahren scheinen strategisch-militärische Erwägungen des Fatimidenstaates zur Schaffung eines neuen Titels durch die Fatimiden beigetragen zu haben: Mutawalli Harb Filastin, der „Militärgouverneur von Palästina“ („متولي حرب فلسطين“).
Following the deteriorating military‒security situation in Palestine and tribal uprisings in the 1020s, strategic-military considerations by the Fatimid state seem to have contributed to the creation by the Fatimids of a new title: Mutawalli Harb Filastin, the ‘Military Governor of Palestine’ .(”متولي حرب فلسطين“)
Das Ausmaß, in dem die Aufgaben des Mutawalli Harb Filastin von denen des traditionellen Zivilgouverneurs (wali) der Provinz Jund Filastin getrennt waren, ist nicht ganz klar (Lev 2003: 46‒47). Doch in Anklängen an die Aufgaben des byzantinischen Dux Palaestinae befehligte der Militärgouverneur von Palästina alle fatimidischen Streitkräfte in den beiden Provinzen Jund Filastin und Jund al-Urdun. Interessanterweise überlebte eine Form dieser militärstrategischen Neuerung in Gestalt des Militärgouverneurs von Palästina mit militärischen Aufgaben sogar das Ende der fatimidischen Herrschaft in Palästina. Die Titel mutawalli (militärisch) und wali (zivil) wurden in der Ayyubidenzeit häufig vermischt, und 1193 findet sich in Ayyubid-Palästina der Titel mutawalli al-harb bi-Bayt al-Muqaddas, der Militärgouverneur von Jerusalem (Humphreys 1977: 78‒79). Wie dem auch sei, die Vorstellung des Militärgouverneurs von Palästina durch die Fatimiden und der Aufstieg eines Palästinensers, Muhammad al-Yazuri, zum wazir (Oberminister) des fatimidischen Staates in den Jahren 1050‒1058 erwecken zusammen mit den Belegen aus der arabisch-jüdischen Genisa von al-Fustat insgesamt den Eindruck, dass Filastin als eine Schlüsselprovinz des fatimidischen Staates galt.
The extent to which the responsibilities of Mutawalli Harb Filastin were separate from those of the traditional civil governor (wali) of the province of Jund Filastin is not entirely clear (Lev 2003: 46‒47). But, with echoes of the responsibilities of the Byzantine Dux Palaestinae, the Military Governor of Palestine commanded all the Fatimid military forces in the two provinces of Jund Filastin and Jund al-Urdun. Interestingly, a form of this military-strategic innovation, in the shape of the Military Governor of Palestine, with military responsibilities, did survive the end of the Fatimid rule in Palestine. The titles of mutawalli (military) and wali (civil) are often conflated during the Ayyubid period and in 1193 the title of mutawalli al-harb bi-Bayt al-Muqaddas, the Military Governor of Jerusalem, is found in Ayyubid Palestine (Humphreys 1977: 78‒79). In any event, however, the conception of the Military Governor of Palestine by the Fatimids and the rise of a Palestinian, Muhammad al-Yazuri, to become wazir (chief minister) of the Fatimid state in 1050‒1058, together with the evidence we have from the Arab-Jewish al-Fustat Genizah, all give rise to the impression that Filastin was perceived to be a key province of the Fatimid state.
Unter den in Ägypten ansässigen schiitischen Fatimiden blieb der Islam in Palästina im frühen 11. Jahrhundert weitgehend sunnitisch, und die hohen Beamten der Provinz Jund Filastin residierten in der Hauptstadt al-Ramla:
Under the Egypt-based Shi’ite Fatimids in the early 11th century Islam in Palestine remained largely Sunni and senior Fatimid officials of the province of Jund Filastin resided in the capital city of al-Ramla:
Mehrere Beamte der Fatimiden residierten während der Fatimidenzeit (frühes elftes Jahrhundert) in Ramla, darunter der Statthalter, der als wali bezeichnet wird, also offenbar der Statthalter von Jund Filastin. Der Statthalter kontrollierte über seinen militärischen Sklavensoldaten (ghulam) die Polizeitruppe und hielt über den Postdienst, den barid, Kontakt zu Kairo [Fustat]. Die Stadt war außerdem der Sitz der Geheimpolizei (ashab al-akhbar) und des lokalen fatimidischen [schiitischen] Propagandisten (da'i). Zwei weitere Beamte, deren Anwesenheit in der Stadt belegt ist, waren der Finanzverwalter ('amil) und der Rechnungsprüfer (zinumam), die beide von der Regierung in Kairo ernannt wurden. Die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung in Ramla bleibt rätselhaft, doch gab es eine lokale muslimische Elite aus Honoratioren, Richtern und Gerichtszeugen … Im Muharram 414/März–April 1023 wurde Anushtakin [al-Dizbari, ein hochrangiger türkischer Sklavensoldat in fatimidischen Diensten und früherer Statthalter von Baalbek und Caesarea] zum Statthalter von Jund Filastin ernannt, mit dem Titel eines militärischen Gouverneurs (mutawalli harb Filastin). Die Anfänge seiner Herrschaft verliefen friedlich, und im April 1024 zog eine große Karawane chorasanischer [sunnitischer] Pilger aus Mekka über Ayla [das heutige 'Aqaba], Ramla und Damaskus nach Bagdad.
Several Fatimid officials resided in Ramla during the Fatimid period (early eleventh century), including the governor, who is referred to as wali, meaning apparently the governor of Jund Filastin. The governor, through his military slave[-soldier] (ghulam), controlled the police force and kept contact with Cairo [Fustat] through the postal service, or the barid. The town was also the seat of the secret police (ashab al-akhbar) and the local Fatimid [Shi’ite] propagandist (da’i). Two other officials whose presence is attested to in the town were the fiscal administrator (‘amil) and auditor (zinumam), both of which were nominated by the government in Cairo. The social composition of the population in Ramla remains enigmatic, but there was a local Muslim elite made up of notables, judges and court witness … In Muharram 414/March‒April 1023, Anushtakin [al-Dizbari, an elite Turkish slavesoldier in Fatimid employ and a former governor of Baalbeck and Caesarea] was appointed as the governor of Jund Filastin, bearing the title of a military governor (mutawalli harb Filastin). The beginnings of his governorship were peaceful and, in April 1024, a large caravan of Khurasani [Sunni] pilgrims from Mecca travelled through Ayla [present-day ‘Aqabah] via Ramla and Damascus to Baghdad. (Lev 2006: 591)
Die Sicherheitslage in den beiden Provinzen Jund Filastin und Jund al-Urdun verschlechterte sich jedoch rasch, und im September 1024 brach ein Stammesaufstand aus, ausgelöst durch die Bedingungen des Steuereinziehungssystems (iqta’a), das dem beduinischen Anführer der Banu Tayy, Hassan ibn al-Jarrah, über die Region Beit Jibrin in der Provinz Filastin übertragen worden war. Im Norden Palästinas griffen die Beduinen Tiberias, die Hauptstadt von Jund al-Urdun, an und plünderten sie. Außerdem besetzten sie al-Ramla, raubten Eigentum, richteten die Soldaten der örtlichen Garnison hin und versklavten Frauen und Kinder. Nachdem Hassan ibn al-Jarrah die Stadt geplündert und ihre Seifen- und Olivenölindustrie zerstört hatte, setzte er die Hauptstadt Palästinas in Brand: „Die beduinische Eroberung von Ramla war ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Stadt“ (Lev 2006: 591). Die Stammesaufstände in den beiden Provinzen zogen sich bis 1029 noch fünf Jahre lang vereinzelt hin und verursachten Not und Hungersnot.
However, the security situation in the two provinces of Jund Filastin and Jund al-Urdun deteriorated quickly and, in September 1024, tribal rebellion erupted over the terms of the tax collection (iqta’a) system, which had been granted to the Bedouin leader of Banu Tayy, Hassan ibn al-Jarrah, over the Beit Jibrin region in the province of Filastin. In the north of Palestine the Bedouins attacked and looted Tiberias, the capital of Jund al-Urdun. They also occupied al-Ramla, looting property, executing the soldiers of the local garrison and enslaving women and children. After plundering the city and destroying its soap and olive industry, Hassan ibn al-Jarrah set fire to the capital of Palestine: ‘The Bedouin conquest of Ramla was a bleak chapter in the history of the town’ (Lev 2006: 591). The tribal uprisings in the two provinces lingered sporadically for five years until 1029 and caused hardship and famine.
Obwohl die Ablehnung der schiitischen Fatimidenherrschaft in Palästina unter den sunnitischen Gelehrten (ulema) Jerusalems weder allgemein verbreitet noch auch nur deutlich erkennbar war, war sie unter den Beduinen des Stammes Banu Tayy und den christlichen Gemeinschaften stark ausgeprägt – bei jenen aus wirtschaftlichen, bei diesen aus religiösen Gründen. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war die Fatimidenherrschaft im Land von einer Reihe von Stammesaufständen, weit verbreiteter Unsicherheit und Hungersnöten gekennzeichnet, die zusammen mit dem schweren Erdbeben von 1025 Palästina verwüsteten (Gil 1996: 22, 25‒27). Die Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem und der prächtigen Georgskirche in Lydda durch den fatimidischen Kalifen al-Hakim bi-Amr Allah im Jahr 1009 war Teil einer allgemeinen Kampagne gegen christliche Gotteshäuser in Palästina und Ägypten. Die fatimidische Politik traf die Provinz Filastin nachteilig, und diese Politik wurde zu einem Antrieb nicht nur für lokale Aufstände, sondern auch für die Invasion Palästinas durch die Seldschuken im Jahr 1073 und die lateinischen Kreuzfahrer im Jahr 1099.
Although resentment of the Shi’ite Fatimid rule in Palestine was not universal or even evident among the Sunni ulema of Jerusalem, this resentment was very strong among the Bedouins of Banu Tayy and the Christian communities – the former for economic reasons and the latter for religious ones. In the early 11th century the Fatimid rule in the country was marred by a series of tribal rebellions, widespread insecurity and famine which, in addition to the severe earthquake of 1025, devastated Palestine (Gil 1996: 22, 25‒27). The destruction of the Church of the Holy Sepulchre in Jerusalem and the splendid church of St George at Lydda by the Fatimid Caliph al-Hakim bi-Amr Allah in 1009 was part of general campaign against Christian places of worship in Palestine and Egypt. Fatimid policies adversely affected the province of Filastin and these policies became an impetus not only to local rebellions but also to the invasion of Palestine by the Seljuks in 1073 and the Latin Crusaders in 1099.
Im Jahr 1029, fünf Jahre nach der Besetzung von al-Ramla durch die Beduinen und vier Jahre nach dem Erdbeben von 1025, das die Stadt schwer beschädigte, und auf dem Höhepunkt der Herrschaft der Fatimiden in Palästina, wurde die schwer betroffene Provinz Filastin in der alten Kairoer Genisa erwähnt, einer Sammlung arabisch-jüdischer Manuskriptfragmente, die im Lagerraum (genizah) der Ben-Ezra-Synagoge in al-Fustat, damals die Hauptstadt Ägyptens, gefunden wurden. Die in verschiedenen Sprachen, vor allem Arabisch, Hebräisch und Aramäisch, verfasste umfangreiche Sammlung, die in der Abbasidenzeit im Jahr 870 n. Chr. begann und ein Jahrtausend umfasst, wurde zur größten und vielfältigsten Sammlung mittelalterlicher Manuskripte der Welt und zu einem Zeugnis der blühenden Kultur der arabischen Juden unter dem Islam. Al-Fustat war auch die Heimat von Ibn Maimun (Maimonides, 1135–1204), dem großen, in Andalusien geborenen arabisch-jüdischen Philosophen, Rabbiner und Oberhaupt der arabisch-jüdischen Gemeinde in Ägypten. Im Jahr 1029
In 1029, five years after the Bedouin occupation of al-Ramla and four years after the 1025 earthquake, which badly damaged the city, and at the height of the Fatimid regime in Palestine, the severely affected province of Filastin was referred to in the old Cairo Genizah, a collection of Arab Jewish fragments of manuscripts that were found in the storeroom (genizah) of the Ben Ezra Synagogue in al-Fustat, then the capital of Egypt. Written in various languages, especially Arabic, Hebrew and Aramaic, the massive collection, which began during the Abbasid period in 870 AD and covers a millennium, became the largest and most diverse collection of medieval manuscripts in the world and a testimony to the flourishing culture of Arab-Jews under Islam. Al-Fustat was also the home of Ibn Maimun (Maimonides, 1135‒1204) the great Andalusian-born Arab-Jewish philosopher, Rabbi and head of the Arab-Jewish community in Egypt. In 1029
Der in Jerusalem ansässige Rabbiner Salomo ha-Kohen ben Josef bezieht sich in einem Brief an seinen Sohn Abraham in Fustat auf die Schäden, die die Fatimiden sowohl der Stadt al-Ramla als auch dem „Land Palästina“ zugefügt haben: Rabbiner Salomo spricht von „der Verhängung einer Hungersnot, denn in dem Land der Philister [d. h. der Provinz Filastin] ist keine Nahrung zu finden, und es gibt viele Arme“ (Gil 1996: 28‒29).
the Jerusalem-based Rabbi Solomon ha-Kohen ben Yehosef, in a letter to his son Abraham in Fustat, refers to the damage inflicted by the Fatimids on both the city of al-Ramla and the ‘land of Palestine’: Rabbi Solomon refers to ‘the infliction of famine, for no food is to be found in the land of Philistines [i.e. the Province of Filastin] and there are many poor’ (Gil 1996: 28‒29).
Im Jahr 1029 brachte Mutawalli Harb Filastin, der Militärbefehlshaber aller fatimidischen Streitkräfte in Palästina, Anushtakin al-Dizbari, ein Heer aus Ägypten, sammelte einheimische Truppen in Palästina und besiegte das vereinigte beduinische Heer bei al-Uqhuwana nahe dem See Genezareth entscheidend (Grainger 2016: 246), einem Gebiet, das zur Provinz Jund al-Urdunn gehörte. Nach diesen militärischen Erfolgen war General al-Dizbari der mächtigste fatimidische Statthalter in der gesamten Region al-Sham, einschließlich Palästinas. Durch Bündnisse mit den einheimischen Honoratioren gewann er unter der lokalen Bevölkerung ziemliche Beliebtheit, und es gelang ihm, die gesamte Region unter einer einzigen fatimidischen Herrschaft zu vereinen. Mittelalterliche muslimische Historiker haben al-Dizbaris „gerechte Herrschaft und faire Behandlung der Bevölkerung in den Städten, über die er als Statthalter herrschte“ hervorgehoben (Lev 2003: 55). Zum ersten und zugleich letzten Mal wurden ganz Palästina und al-Sham von einem einzigen fatimidischen Statthalter regiert. Er starb 1042 in Aleppo.
In 1029, the military commander of all the Fatimid forces in Palestine, Mutawalli Harb Filastin, Anushtakin al-Dizbari, brought an army from Egypt, collected local forces in Palestine and decisively defeated the combined Bedouin army at al-Uqhuwana near the Sea of Galilee (Grainger 2016: 246), an area which was part of the province of Jund al-Urdun. After these military successes, General al-Dizbari was the most powerful Fatimid governor of the whole region of al-Sham, Palestine included. He became fairly popular among the local population by forming alliances with the local notables and he managed to unite the whole region under a single Fatimid authority. Medieval Muslim historians have stressed al-Dizbari’s ‘just rule and fair treatment of the population in the towns he ruled as governor’ (Lev 2003: 55). For the first and last time, all of Palestine and al-Sham was ruled by a single Fatimid governor. He died in Aleppo in 1042.
Fünfzehn Jahre später wurde sein Grab nach Jerusalem verlegt.
Fifteen years later his grave was relocated to Jerusalem.
Obwohl über die politischen Entwicklungen in Palästina in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und vor der Kreuzfahrerinvasion von 1099 nur wenig bekannt ist, zeigen Briefe aus der Genizah von al-Fustat, dass Muhammad Hassan ibn ‘Ali al-Yazuri aus Yazur,12 einer Stadt östlich von Jaffa in der Provinz Filastin und ehemaliger Statthalter von al-Ramla, von 1050 bis 1058 als Wesir des Fatimidenstaates diente, der nach dem Fatimidenkalifen in Ägypten zweitwichtigsten Position. Er war außerdem persönlich in die Angelegenheiten von al-Quds (Jerusalem), der religiösen Hauptstadt des muslimischen Palästina, eingebunden (Gil 1996: 30).13
Although little is known about the political developments in Palestine in the second part of the 11th century, and prior to the Crusader invasion of 1099, letters from the al-Fustat Genizah show that Muhammad Hassan ibn ‘Ali al-Yazuri, from Yazur,12 a town east of Jaffa in the province of Filastin, and a former Governor of al-Ramla, served in the capacity of vizier of the Fatimid state, the second most important position after the Fatimid Caliph in Egypt, from 1050 to 1058. He was also personally involved in the affairs of the al-Quds (Jerusalem), the religious capital of Muslim Palestine (Gil 1996: 30).13
Mitte des 11. Jahrhunderts verfasste der muslimische Reisende Nasir Khusro (Khusrau), der 1047 das fatimidische Palästina besuchte, einen Bericht über seine siebenjährige Reise (Safarnama) durch die muslimische Welt des 11. Jahrhunderts (Tagebuch einer Reise durch Syrien und Palästina). Er schrieb:
In the middle of the 11th century Muslim traveller Nasir Khusro (Khusrau), who visited Fatimid Palestine in 1047, produced an account of his seven-year journey (Safarnama) through the Muslim world of the 11th century (Diary of a Journey through Syria and Palestine). He wrote:
Am Sonntag, dem Tag des Neumonds des Monats Ramadan (dem 1. März), kamen wir nach Ramlah. Von Caesarea nach Ramlah sind es acht Meilen (Leagues). Ramlah ist eine große Stadt mit starken Mauern aus Stein, mit Mörtel verbunden, von großer Höhe und Dicke, mit eisernen Toren, die darin geöffnet werden. Von der Stadt bis zur Meeresküste beträgt die Entfernung drei Meilen.
Sunday, the day of the new moon of the month of Ramadan (the 1st of March), we came to Ramlah. From Caesarea to Ramlah is eight leagues. Ramlah is a great city, with strong walls built of stone, mortared, of great height and thickness, with iron gates opening therein. From the town to the sea-coast is a distance of three leagues.
Die Bewohner beziehen ihr Wasser aus dem Regenfall, und in jedem Haus befindet sich ein Tank zur Speicherung desselben, damit stets ein Vorrat vorhanden ist.
The inhabitants get their water from the rainfall, and in each house is a tank for storing the same, in order that there may always be a supply.
Mitten in der Freitagsmoschee befindet sich außerdem ein großes Wasserbecken; und daraus darf jeder, der möchte, schöpfen, wenn es mit Wasser gefüllt ist. Die Fläche der Moschee misst zweihundert Schritte (Gam) mal dreihundert.
In the middle of the Friday Mosque, also, is a large tank; and from it, when it is filled with water, anyone who wishes may take. The area of the mosque measures two hundred paces (Gam) by three hundred.
Über einer seiner Vorhallen (Suffah) befindet sich eine Inschrift, die besagt, dass am 15. Muharram des Jahres 425 (10. Dezember 1033 n. Chr.) ein Erdbeben von großer Heftigkeit eintrat, das eine große Zahl von Gebäuden zum Einsturz brachte, dass aber kein einziger Mensch zu Schaden kam. In der Stadt Ramlah gibt es Marmor in Hülle und Fülle, und die meisten Gebäude und Privathäuser sind aus diesem Material; außerdem … fertigen sie überaus schöne Skulpturen und Verzierungen an. Den Marmor schneiden sie hier mit einer zahnlosen Säge, die mit „Mekka-Sand“ betrieben wird. Sie sägen den Marmor in der Länge, wie es beim Holz geschieht, um Säulen zu formen, nicht quer; außerdem schneiden sie ihn in Platten. Die Marmorarten, die ich hier sah, waren von allen Farben, einige gesprenkelt, einige grün, rot, schwarz und weiß.
Over one of its porches (suffah) is an inscription stating that on the 15th of Muharram, of the year 425 (10th of December, 1033 A.D.), there came an earthquake of great violence, which threw down a large number of buildings, but that no single person sustained an injury. In the city of Ramlah there is marble in plenty, and most of the buildings and private houses are of this material; and, further, … they do most beautifully sculpture and ornament. They cut the marble here with a toothless saw, which is worked with ‘Mekkah sand’. They saw the marble in the length, as is the case with wood, to form the columns; not in the cross; also they cut it into slabs. The marbles that I saw here were of all colours, some variegated, some green, red, black, and white.
Auch in Ramlah gibt es eine besondere Art Feigen, der keine bessere irgendwo existiert, und diese exportieren sie in alle umliegenden Länder. Diese Stadt Ramlah ist in [al-Sham] und im Westen [al-Maghreb] durchweg unter dem Namen Filastin bekannt. (Khusrau 1888: 21‒22)
There is, too, at Ramlah, a particular kind of fig, than which no better exists anywhere, and this they export to all the countries round. This city of Ramlah, throughout [al-Sham] and the West [al-Maghreb], is known under the name of Filastin. (Khusrau 1888: 21‒22)
In der Zeit nach den Fatimiden wurde im Jahr 1099 das erste (kreuzfahrerische) Lateinische Königreich Jerusalem gegründet, das bis 1187 bestand und einen großen Teil Palästinas besetzte. Dennoch blieb die Vorstellung von Jund Filastin als Verwaltungsprovinz bestehen, wie sie der muslimische Historiker Ibn Schaddad (1145–1234 n. Chr.) erwähnt, ein Biograph Saladins (Salah al-Din) und Augenzeuge der Kämpfe der Muslime im Dritten Kreuzzug. Sie überdauerte bis zur mongolischen Invasion Palästinas in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Auch ihr Gebiet scheint seit dem 10. Jahrhundert erweitert worden zu sein, sowohl nach Osten in Transjordanien als auch nach Südosten (The Encyclopaedia of Islam 1965, Bd. II: 911; ebenso Ibn Schaddad 2002).
In the post-Fatimid period, the first (Crusader) Latin Kingdom of Jerusalem was created in 1099 and lasted until 1187 and occupied much of Palestine. Yet the conception of Jund Filastin as an administrative province, as mentioned by the Muslim historian Ibn Shaddad (1145–1234 AD), a biographer of Salah al-Din (Saladin) and an eye-witness of the Muslim‒Third Crusade battles, survived until the Mongol invasion of Palestine in the mid-13th century. Its territory also seems to have been expanded from the 10th century onwards both towards the east in Transjordan and in the southeast (The Encyclopaedia of Islam 1965, Vol. II: 911; also ibn Shaddad 2002).