Auf diese Weise hat die Menschheit laut der modernistischen Denkweise keinen wirklichen Bedarf an Religion, da Religion keinen substanziellen Mehrwert bietet. Nach dieser Denkweise gibt es für einen Menschen nur einen Grund, religiös zu sein: einen irrationalen kulturellen Hang oder vielleicht die bloße Macht der Gewohnheit.
In this way, according to the modernist mentality, humanity has no real need for religion, as religion adds no substantive value. According to this mindset, the only reason someone would be religious is out of some a-rational cultural bias or, maybe, force of habit.
Im Lichte der Moderne könnte nichts dem Fortschritt mehr widersprechen als „engstirnige“ Gläubige, die „blind“ tausend Jahre alte Texte lesen und an einem kanonisierten religiösen Recht festhalten. Die Moderne zielt daher darauf ab, dieses religiöse Hindernis des Fortschritts mit einem vielschichtigen Angriff zu zerstören, der Medien, Bildung, Recht und globale Politik umfasst. Dieser Angriff ist so umfassend in seinem Ausmaß wie brutal.
In the light of modernity, nothing could be more contrary to progress than “closed-minded” believers “blindly” reading one-thousand-year-old texts and maintaining canonized religious law. Modernity, therefore, aims to destroy this religious impediment to progress with a multi-faceted assault involving media, education, law, and global politics. This assault is as comprehensive in scope as it is brutal.
Der Islam kann zu Recht als Gegenpol zur Moderne bezeichnet werden. Das liegt zum Teil daran, dass die Denker der europäischen Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert, die die grundlegende theoretische Philosophie der Moderne entwickelten, den Islam als eine brutalere, weniger fortschrittliche Version der erstarrten Kirche betrachteten, die sie so gründlich entmachtet hatten. Der berühmte französische atheistische Philosoph Voltaire etwa stellte im 18. Jahrhundert den Islam als barbarische Religion dar. Er schrieb sogar ein Theaterstück, Mahomet, in dem er den Propheten Muhammad ﷺ verspottete und ihn als fanatischen Tyrannen zeichnete, während er dessen Feinde, die heidnischen Araber, als freidenkende Heilige der Vernunft darstellte. Dieser bittere Orientalismus prägte das Denken vieler europäischer Philosophen. Der Islam galt ihnen als despotisch, während die Moderne Freiheit bedeutete. Der Islam galt als irrational, während die Moderne den Verstand in den Mittelpunkt stellte. Vor allem aber bedeutete der Islam für sie Stillstand und Verfall, während ihre moderne Weltsicht für ständigen Wandel und Erneuerung stand.
Jenseits dieser Ideengeschichte steht das Wesen der Moderne selbst im Widerspruch zum Islam. Schließlich ist der Islam die konsequenteste traditionelle Religion überhaupt. Die Bewahrung der prophetischen Sunna hat im Islam höchste Bedeutung, und die gesamte islamische Erkenntnislehre beruht auf dem Gedanken, vergangenes Wissen zu bewahren und weiterzugeben – nicht nur das Wissen aus der Zeit der Offenbarung, sondern vielmehr das Wissen seit dem Beginn der menschlichen Existenz, als Allah die Menschheit erschuf und ihnen die Frage stellte: „Bin Ich nicht euer Herr [d. h. euer Herr und Gebieter]?“ Und die gesamte Menschheit antwortete: „Doch, wir bezeugen es“, wie es in Sure Al-A’raf (Vers 17) im Qur’an beschrieben ist. Dieses ursprüngliche Wissen um den Schöpfer, Seine Einzigkeit und Sein Recht, angebetet zu werden, ist im menschlichen Urinstinkt bewahrt, der als Fitra bekannt ist. Dies ist der Instinkt, der die Menschheit zu Güte, Reinheit und Rechtschaffenheit antreibt, solange er nicht durch die Wechselfälle der Dunya verdorben wird – verdorben sei es durch Götzendienst (Shirk), arrogante Selbstsucht (Nafs), Begierde (Shahwa), das Flüstern des Satans (Shaytan) oder falsche Launen und Vorurteile (Hawa). Die Ausübung des Islam dient funktional der Bewahrung der Fitra, indem sie die Beständigkeit in der Verehrung des Schöpfers allein, ohne Teilhaber, gewährleistet. Ebenso wichtig ist die Beständigkeit des Willens, denn der Gläubige muss sicherstellen, dass er seinen Willen und seine Wünsche in vollkommene Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen bringt und stets das Wohlgefallen Allahs (Ridwan) anstrebt.
Islam can rightly be described as the antithesis of modernity. This is partly due to the fact that the European Enlightenment thinkers in the 18th and 19th century, who developed the main theoretical philosophy underlying modernity, viewed Islam as a more brutish, less forward-thinking version of the same stagnant Church they had so thoroughly neutered. Famous 18th century atheist French philosopher Voltaire, for example, caricatured Islam as a barbaric religion. He even wrote a play Mahomet satirizing the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, portraying him as a fanatical tyrant and depicting his enemies, the pagan Arabs, as freethinking saints of reason. This bitter Orientalism colored the thinking of many European philosophers. Islam, in their minds, was despotic while modernism meant freedom. Islam was irrational while modernism put a premium on the mind. Above all, to them Islam meant stagnation and decay while their modern outlook represented continuous change and renewal. Beyond that intellectual history, the very nature of modernity clashes with Islam. After all, Islam is the most consistently traditional of all religions. Preservation of the Prophetic Sunnah is paramount in Islam, and Islam’s entire epistemology is built on the notion of preserving and transmitting past knowledge, not only past knowledge from the time of revelation but, indeed, past knowledge from the very beginning of human existence, when Allah created humanity and asked them, “Am I not your Rabb [i.e., Lord and Master]?” And all of humanity responded, “Yes, we testify,” as described in Surat Al-Ar’af (verse 17) in the Quran. This primordial knowledge of the Creator, His Oneness, and His right to be worshipped is preserved in the human instinct known as the fitra. This is the instinct that drives mankind to goodness, purity, and righteousness unless it becomes corrupted due to the vicissitudes of the dunya, corrupted whether due to idolatry (shirk), arrogant egoism (nafs), lust (shahwa), the whispering of satan (shaytan), or false whims and prejudices (hawa). The practice of Islam functionally serves as preservation of the fitra in the sense of ensuring constancy in one’s worship to the Creator alone without partner. Constancy of will is equally paramount, as the believer must ensure that he brings his will and his desires into utmost congruence with the Divine will, always intending Allah’s good pleasure (ridwan).
Alle diese Werte und dieses gesamte existenzielle Gefüge stehen sofort und unnachgiebig im Widerspruch zum Modernismus sowie zu all seinen begleitenden -ismen.
All of these values and this entire existential framework immediately and uncompromisingly conflict with modernism as well as all its concomitant -isms.
Doch die Feindseligkeit zwischen dem Islam und der Moderne blieb nicht theoretisch. Der erste Zusammenstoß zwischen Muslimen und den Anhängern der Moderne ereignete sich im frühen neunzehnten Jahrhundert, als die europäische Kolonisierung der muslimischen Welt begann. Die Kolonialmächte strebten vor allem danach, ihre wirtschaftliche Macht und Kontrolle auszuweiten, und zweitens, das Licht der Moderne und des Fortschritts zu den „wilden“ muslimischen Völkern zu bringen, die „im siebten Jahrhundert festhängen“. Der Islam stand beiden Zielen im Wege. Als Antwort entwickelten die Kolonisatoren eine ausgeklügelte Strategie, um den Einfluss des Islam auf den muslimischen Geist zu schwächen. Von Nordafrika über Südasien bis Indonesien griff das koloniale Projekt die islamischen religiösen Einrichtungen und Gelehrten an, indem es sie systematisch finanziell aushungerte und durch europafreundliche Alternativen ersetzte. Im Bereich der religiösen Praxis wurde alles vom Kolonisator ins Visier genommen und in weiten Teilen der muslimischen Welt systematisch zerschlagen, von der islamischen Sprache (Arabisch) über die islamische Kleidung bis hin zur islamischen Familienstruktur. Das Kalifat selbst litt weiterhin unter dem modernisierenden Einfluss, bis es 1924 vollständig abgeschafft wurde. Diese grundlegende Umgestaltung der muslimischen Gesellschaft von oben bis unten bedeutete oft nichts weniger als Vernichtung und mitunter offenen Völkermord, da jene Muslime, die sich der kolonialen Bedrohung widersetzten und „dem Fortschritt im Wege standen“, kurzerhand ausgerottet wurden. Letztlich wurden Dutzende Millionen Muslime brutal getötet, als Opfer für den westlichen Gott des Fortschritts und der Aufklärung.
But the hostility between Islam and modernity did not remain theoretical. The first clash between Muslims and the adherents of modernity occured in the early nineteenth century as European colonization of the Muslim world began. The colonial powers first and foremost desired to expand economic power and control and, secondly, to bring the light of modernity and progress to the “savage” Muslim populace “stuck in the seventh century.” Islam stood in the way of both goals. In response, the colonizers developed a sophisticated strategy to weaken the influence of Islam over the Muslim mind. From North Africa to South Asia to Indonesia, the colonial project attacked Islamic religious institutions and scholars by systematically defunding them and replacing them with pro-European alternatives. In terms of religious practice, everything from Islamic language (Arabic) to Islamic dress to Islamic family structure was targeted by the colonizer and systematically dismantled in many parts of the Muslim world. The Caliphate itself continued to suffer from the modernizing influence until it was completely abolished in 1924. This top-to-bottom overhaul of Muslim society often meant nothing short of annihilation and, at times, outright genocide, as those Muslims who resisted the colonial threat and “stood in the way of progress” were summarily exterminated. In the final analysis, tens of millions of Muslims were brutally killed, sacrifices to the Western god of progress and enlightenment.
Jene Muslime, die überlebten, und ihre Kinder wurden im Laufe der Zeit dazu gebracht, die Moderne und ihre -ismen zu übernehmen. Die Formel „modern = gut“ wurde durch ein westlich geprägtes Bildungssystem sowie durch Medien, Literatur und politischen Einfluss tief im muslimischen Bewusstsein verankert. Das grundlegende Paradox, dem sich nur wenige modernisierte Muslime entziehen konnten, war die Vorstellung, die Moderne halte den Schlüssel zur Wiederbelebung des verlorenen Ruhmes der muslimischen Völker in der Hand. Um zur globalen Vormachtstellung zurückzukehren, die Muslime einst innehatten, müssten sie paradoxerweise dem modernisierten Westen folgen, dessen Wissenschaft lernen, dessen Lebensweise annehmen, dessen Technologie übernehmen, dessen Wirtschaft nachahmen usw. Diese Lüge ist heute ebenso wirkmächtig wie vor zwei Jahrhunderten. Es ist natürlich eine Lüge, denn die Übernahme der Moderne bedeutet die Abkehr vom Islam. Selbst wenn Muslime durch die Nachahmung der Moderne und des Westens einen zivilisatorischen Aufstieg erreichten, wären sie am Ende keine Muslime mehr. Es wäre allenfalls ein hohler „Sieg“. Letztlich kann ein wahrer Sieg nur vom Islam kommen, wie der folgende Vers erwähnt:
Those Muslims who survived and their children were brainwashed over time to adopt modernity and its -isms. The formulation of “modern = good” was branded on the Muslim consciousness through a Westernized educational system as well as media, literature, and political influence. The fundamental paradox which few modernized Muslims could resist was the idea that modernism held the key to reviving the lost glory of the Muslim peoples. To return to the global dominance that Muslims historically enjoyed, they must, paradoxically, follow the modernized West, learn its science, adopt its way of life, embrace its technology, emulate its economy, etc. This lie is as powerful today as it was two centuries ago. It is a lie, of course, because adopting modernism means abandoning Islam. Therefore, even if Muslims were to attain civilizational ascendance by aping modernity and the West, by the end, they would no longer be Muslims. It would be, at best, a hollow “victory.” In the end, no true victory can come from other than Islam as mentioned in the following verse.