10.4 Die Heuchelei der „islamischen Reform“
10.4 The Hypocrisy Of “islamic Reform
Manchmal berufen sich muslimische Reformer oder Muslime, die bestimmte reformistische Positionen vertreten, auf eine seltene, ungewöhnliche klassische Meinung, um ihre Sicht zu stützen. Das ist natürlich „Rosinenpickerei“ und intellektuell unredlich. Dieselbe Kritik würden wir an Terrorgruppen wie dem IS und deren Umgang mit islamischen Texten üben. Sowohl der IS als auch diese Reformer betreiben eine nachträgliche Rechtfertigung. Sie haben bereits etwas im Sinn, das sie erreichen wollen, sei es die Verbreitung politischen Terrors oder die Durchsetzung einer liberalen Ideologie, was auch immer der Fall sein mag. Dann durchsuchen sie das weite Meer islamischer Gelehrsamkeit nach allem, was ihre jeweilige Agenda stützen könnte.
Sometimes Muslim reformists or Muslims taking on certain reformist positions will cite a rare, unusual classical opinion to support their view. This is, of course, “cherry picking” and it is intellectually dishonest. This is the same critique we would make against terror groups like ISIS and their approach to Islamic texts. What both ISIS and these reformists are doing is post hoc justification. They already have something they want to accomplish, whether it is advancing political terror or advancing some liberal ideology, whatever the case may be. And then they scan the vast sea of Islamic scholarship for anything that might lend support to their particular agenda.
Meistens ist übrigens selbst ihre Lektüre der klassischen Texte falsch oder aus dem nötigen Kontext gerissen, doch lassen wir das beiseite. Wir wissen, dass die Taten nach den Absichten beurteilt werden, und genau das sollte die Frage sein, wenn wir mit diesen Reformbestrebungen konfrontiert werden. Sie werden behaupten: „Soundso ist eine bekannte Meinung innerhalb der Tradition.“ Und das mag zutreffen. Doch unsere Frage sollte lauten: Warum führen wir diese ungewöhnlichen Meinungen an? Was ist hier die Absicht? Geht es darum, einen bestimmten Punkt liberaler Ideologie voranzubringen, die selbst intellektuell und moralisch fragwürdig ist? Anstatt die islamische Gelehrsamkeit zu verfälschen, warum nicht ein wenig kritisches Denken üben und diese liberale Position hinterfragen? Mit anderen Worten: Aufrichtigkeit verlangt, sich vor allem anderen mit der Mehrheitsmeinung zu befassen (auch wenn man sie nicht immer annimmt oder ihr folgt), denn probabilistisch betrachtet ist die Mehrheitsmeinung eher geeignet, die Wahrheit abzubilden. Wenn es aber jemandem in erster Linie darum geht, die eigenen Ansichten zu rechtfertigen, dann genügt jede Meinung, und sei sie noch so selten oder randständig.
Most of the time, by the way, even their reading of the classical texts is wrong or ripped out of necessary context, but let’s put that aside. We know that actions are by intentions, so that should be the question when we are confronted by these reform efforts. They will claim, “Such-and-such is a known opinion within the tradition.” And that may be true. But our question should be: Why are we citing these unusual opinions? What is the intention here? To advance a certain point of liberal ideology, which itself is intellectually and morally questionable? Rather than bastardizing Islamic scholarship, why not exercise a little bit of critical thinking and question that liberal position? In other words, sincerity entails being concerned with the majority position first and foremost (even if one does not always accept or follow it), because probabilistically speaking, the majority position is more likely to represent the truth. But if one’s main concern is justifying one’s own views, any opinion no matter how rare or underrepresented is good enough.