8.1 Der Liberalismus sieht darin nichts Falsches am Inzest
8.1 Liberalism Doesn’t See Anything Wrong With Incest
Inzest ist im Westen nach wie vor illegal. Doch wann immer ein inzestuöses Paar verhaftet wird, zeigen die Reaktionen in den sozialen Medien einen Wandel in der Haltung gegenüber dieser verachtenswerten Tat.
Incest is still illegal in the West. But whenever an incestuous couple is arrested, the reactions on social media represent a shift in attitudes on this descpicable act:
„Das sind zwei einvernehmlich handelnde Erwachsene! Sie lieben einander, und das ist alles, was zählt! Nur weil es uns ekelhaft ist, heißt das nicht, dass es als unmoralisch gelten sollte, geschweige denn als illegal! Sie schaden niemandem!“ Doch halten wir einen Moment inne und fragen: Warum muss man niemandem schaden, damit etwas moralisch zulässig ist? Was ist so schlimm daran, anderen zu schaden? Gewiss, wenn wir an das Schädigen anderer denken, mag uns das schlecht fühlen lassen oder sogar Ekel hervorrufen. Es mag Wut in uns auslösen, doch das macht es nicht unmoralisch.
“These are two consenting adults! They love each other and that’s all that matters! Just because it’s disgusting to us doesn’t mean it should be considered immoral, much less illegal! They are not harming anyone!” But let’s stop and ask: Why is not harming anyone required for something to be morally permissible? What’s so bad about harming others? Sure, if we think about harming others, that might make us feel bad or even disgusted. It might cause us anger, but that doesn’t mean that it is immoral.
In der Moralphilosophie gibt es eine Moraltheorie namens Emotivismus. Der Emotivismus besagt, dass unsere moralischen Urteile nichts anderes als Ausdrücke von Gefühlen sind. Wenn wir sagen: „X ist falsch“, bedeutet das im Grunde nur: „X bereitet mir ein schlechtes Gefühl!“ Gefühle sind natürlich subjektiv – verschiedene Menschen können bei X unterschiedliche Empfindungen haben. Wer daher eine sachliche Behauptung aufstellt wie „X ist sachlich betrachtet falsch“, als wäre dies allgemein oder objektiv der Fall, begeht schlicht einen Kategorienfehler. Als Analogie: Nur weil ich den Geschmack von Kokosnuss nicht mag, bedeutet das nicht, dass der Verzehr von Kokosnuss falsch ist.
In moral philosophy, there is a theory of morality called emotivism. Emotivism says that our moral judgments are nothing but expressions of emotion. When we say, “X is wrong,” what that really amounts to and, hence, what it really means is just, “X makes me feel bad!” Of course, feelings are subjective — different people can and will feel different things about X. As such, anyone who attempts to make a factual claim like, “X is wrong as a matter of fact,” as if that is universally or objectively the case is simply making a category error. As an analogy, just because I don’t like the taste of coconut, for example, that doesn’t mean that eating coconut is wrong.
Es gibt offensichtlich viele Probleme mit dem Emotivismus. Interessant ist aber, wie Liberale ihn für ihre Zwecke einsetzen und dabei selektiv verwenden. Bei moralischen Vorschriften, mit denen sie nicht einverstanden sind, greifen sie sofort auf den Emotivismus zurück, z. B.: „Inzest ist nicht falsch, nur weil er einem ein ungutes Gefühl gibt.“ Bei moralischen Vorschriften dagegen, an die sie selbst glauben, gilt der Emotivismus auf einmal nicht mehr, z. B.: „Anderen zu schaden ist das eigentliche Wesen der Unmoral, und wir müssen es mit der Macht des Gesetzes verhindern.“ Die einfache Frage lautet: Warum diese Selektivität? Warum wird gerade bei diesem Begriff des „Schadens“ eine Grenze gezogen, der selbst nur lose definiert und selektiv angewandt wird?
There are obviously many problems with emotivism. But it is interesting how liberals use emotivism for their purposes and use it selectively. For those moral proscriptions they disagree with, liberals jump straight to emotivism, e.g., “Incest is not wrong just because it makes you feel icky.” But for those moral proscriptions that they believe in, emotivism goes out the window, e.g., “Harming others is the very essence of immorality and something that we have to use the force of law to prevent.” The simple question is, why the selectivity? Why draw the line at this notion of “harm” (which itself is loosely defined and selectively applied)?
Wenn man Liberale dazu drängt zu erklären, warum es moralisch falsch ist, anderen Schaden zuzufügen, zwingt man sie, sich mit den metaethischen und metaphysischen Fragen auseinanderzusetzen, die sie Theisten vorwerfen. Entweder müssen sie darauf beharren, es sei moralisch falsch, weil es „eben so ist“, oder sie beißen in den sauren Apfel, verwerfen den Begriff der Moral insgesamt und übernehmen so etwas wie eine Form des Nihilismus. Darauf lässt sich auf eigenem Terrain antworten, doch selbst ohne das ist es schon ein Gewinn, einen Liberalen dazu zu bringen zuzugeben, dass er im Grunde ein Nihilist ist, und dieser Gewinn lässt sich in der weiteren Argumentation gegen ihn ausspielen.
If you press liberals to explain why harming others is immoral, this forces them to get into the meta-ethical and metaphysical issues that they attack theists for. Either they have to dig in their heels and say it’s immoral because “it just is,” or they will just bite the bullet, reject the notion of morality in its entirety, and embrace what amounts to some form of nihilism. This can be responded to on its own terms but even absent that, to simply get a liberal to admit he is essentially a nihilist is itself a win that can be leveraged in further arguing against him.
So spielt man Schach mit diesen liberalen Humanisten. Stellt sie wegen ihrer abscheulichen Selektivität bloß, und das Schachmatt ist greifbar nah.
This is how you play chess with these liberal humanists. Call them out for their atrocious selectivity and the checkmate will be close at hand.