12.5 Gibt es „Schwule“ im Islam?
12.5 Are There “gays” In Islam
Ist der Islam ein Konzept für „schwul sein“ kennt?
Does Islam have a concept for “being gay”?
Im islamischen Verständnis gibt es keinen analogen Begriff zum Konzept des „Homosexuellen“, also zu der Vorstellung eines Menschen, der eine stabile und ausschließliche erotische Anziehung zum eigenen Geschlecht erlebt und keine solche Anziehung zum anderen Geschlecht verspürt. Ebenso gibt es keinen Begriff für „heterosexuell“. Islamische Gelehrte haben Bezeichnungen verwendet, um eine Person zu beschreiben, die die Tat des Volkes Lūṭ begangen hat. Dies ist jedoch nicht das, was Westler meinen, wenn sie das Wort „homosexuell“ verwenden. Im westlichen Kontext ist eine „schwule“ Person jemand, dessen Identität durch seine Anziehung zum gleichen Geschlecht definiert wird. Nach modernen westlichen Vorstellungen ist eine wichtige und unveränderliche Eigenschaft eines Menschen seine „sexuelle Orientierung“. Ähnlich wie gängige Vorstellungen davon, dass ein Mensch mit einer bestimmten Hautfarbe geboren wird und damit einer bestimmten Rasse angehört, kann ein Mensch mit einer bestimmten sexuellen Orientierung geboren werden und damit einer sexuellen Identitätsgruppe angehören, z. B. „schwul“, „hetero“, „bi“ usw.
In the Islamic tradition, there is no analogous term for the concept of “homosexual,” i.e., the notion of a person who experiences stable and exclusive erotic attraction to the same sex while not feeling such attractions towards the opposite sex. There is also no term for “heterosexual.” Islamic scholars have employed terms to describe a person who committed the action of Qawm Lut. However, this is not what Westerners mean when they use the word “homosexual.” In the Western context, a “gay” person is one whose identity is defined by his attraction to the same sex. According to modern Western conceptions, an important and immutable characteristic of a person is his “sexual orientation.” Similar to popular notions of how a person can be born with a certain color of skin and, thus, belong to a certain race, a person can be born with a certain sexual orientation and, thus, belong to a sexual identity group, e.g., “gay,” “straight,” “bi,” etc.
Die islamische Tradition hingegen kennt keine solche Vorstellung einer sexuellen Identität. Zwar ist es möglich, dass ein Mensch von Geburt an eine stärkere Neigung und Anziehung zum gleichen Geschlecht hat (oder sogar den Wunsch hat, anal penetriert zu werden, wie im Fall des „ma'bun“, den die klassischen Gelehrten ausführlich behandelt haben). Dennoch macht dies ihn im Sinne islamischer Kategorien nicht zu einem „Homosexuellen“ oder „Schwulen“ im Sinne seiner wesentlichen Identität, „wer man ist“. Denn wer ein Mensch letztlich ist – innerlich wie äußerlich – richtet sich nicht danach, was er begehrt oder welche Gedanken ihm kommen mögen. Die islamischen Begriffe für sexuelle Kategorien, die die Identität betreffen, beziehen sich alle auf die Handlung und nicht auf bloßes Begehren, z. B. zani (Unzuchttreibender) usw. Erst wenn eine Tat begangen wurde und eine Person vor einem ordnungsgemäßen islamischen Gericht dafür verurteilt wurde, ist es angemessen, solche Begriffe zur Bezeichnung dieser bestimmten Person zu verwenden. Dies hat jedoch nichts mit dem Begriff „Homosexueller“ zu tun, der selbst nur ein modernes westliches Wort ist, das im 19. Jahrhundert n. Chr. (13. Jahrhundert n. H.) geprägt wurde.
The Islamic tradition, in contrast, has no such conception of a sexual identity. While it may be possible that a person be born with more of an affinity and attraction to the same sex (or even have the desire to be anally penetrated, as in the case of the “ma’bun,” which the classical scholars discussed at length), nonetheless, as far as Islamic categories are concerned, this does not make that person a “homosexual” or “gay” in terms of one’s essential identity, “who one is.” This is because who a person ultimately is – internally and externally – is not based on what that person desires or what thoughts might occur to him. Islamic sexual categories having to do with identity all revolve around action, not mere desire, e.g., zani, etc. Once an act has been committed and a person is convicted for that in a proper Islamic court, then that is the only time it is appropriate to use such terms in referring to specific persons. But this has nothing to do with being a “homosexual,” which itself is only a modern Western term coined in the 19th century CE (13th century AH).