6.7 „Das Kopftuch ist eine Frage der Wahl“ und andere Verwirrungen
6.7 Hijab Is About Choice” And Other Confusions
Es ist haltlos und leer, wenn muslimische Frauen beim Thema Hidschab ständig den Begriff der „Wahl“ anführen. In welchem Sinne wählt überhaupt jemand seine Kleidung?
It is baseless and empty for Muslim women to talk about the hijab by endlessly invoking the concept of “choice.” In what sense does anyone “choose” his clothes?
Westliche Frauen glauben naiverweise, dass ihre Garderobe das Ergebnis freier und unabhängiger Entscheidungen sei. Doch trotz dieses Glaubens fällt die große Mehrheit der Kleidung „zufällig“ in die engen Grenzen der aktuellen Mode und die Vorgaben von Versace, Chanel und einer endlosen Flut von „Hot or Not“-Listen, denen westliche Frauen mit einer glühenden Taqlid folgen, die selbst die gewissenhaftesten Sufi-Murids nachlässig erscheinen ließe.
Western women naively believe their wardrobes to be a function of free and independent choice, yet, despite that belief, the vast majority of garb “coincidentally” falls within the narrow bounds of current fashion and the diktats of Versace, Chanel, and an interminable supply of “hot or not” lists Western women follow with a fervent taqlid that would make the most fastidious Sufi murids seem delinquent.
Wenn die Art, wie Frauen in der Gesellschaft sich kleiden, rein eine Frage freier Wahl wäre, würden wir sehr unterschiedliche Stile sehen, sehr unterschiedliche Körperteile, die entblößt oder bedeckt werden, sehr unterschiedliche Bezugsquellen für diese Kleidung usw. Doch in der westlichen Gesellschaft sehen wir eine relative Einheitlichkeit in jeder Hinsicht. Frauen (und selbstverständlich auch Männer) kleiden sich in der Gesellschaft tendenziell gleich und richten sich nach gemeinsamen Vorstellungen von Nacktheit, gemeinsamen Vorstellungen davon, was angemessen ist, was modisch ist usw. Ein großer Teil dieser Einheitlichkeit besteht darin, dass die meisten Menschen ihre Kleidung von denselben Filialketten beziehen. Gewiss mögen Farben, Schnitte und Stoffe variieren, doch es handelt sich um dieselben grundlegenden Themen, die alle teilen, und dennoch haben die Menschen den Eindruck, dass das, was sie tragen, „aus eigener Wahl“ geschieht. In Wahrheit ist das nichts als ein übersteigertes Gefühl von Individualismus. Gewiss mag man sich für eine bestimmte Art von Bluse entschieden haben, aber im größeren Zusammenhang hat man sich nicht dafür entschieden, die Brust zu bedecken. Man hat die Einzelhandelsgeschäfte in der eigenen Gegend nicht gewählt. Man hat die massenhaft produzierten Designs, die in diese Geschäfte gebracht wurden, nicht gewählt usw., usw.
If the way women in society dress were purely a function of independent choice, we would see widely varying styles, widely varying parts of the body exposed and covered, widely varying sources for those clothes, etc. But we don’t see that in Western society. We see relative uniformity in every way. Women (and men, too, obviously) in society tend to dress alike, abiding by shared notions of nudity, shared notions of what is appropriate, what is fashionable, etc. A big part of the uniformity is that the majority of people get their clothes from the same retail outlet chains. Sure, colors might vary, cuts, and fabrics might vary, but it’s the same basic themes shared by all, yet people are under the impression that what they wear is “by choice.” Really, it’s nothing but an overexaggerated sense of individualism. Sure, you might have chosen the kind of blouse to wear, but, in the larger sense, you didn’t choose to cover your chest. You didn’t choose the retail stores in your area. You didn’t choose the mass distributed designs that were rolled out into those stores, etc., etc.
Egal wie eng den Menschen die Bandbreite an Variationen gesteckt wird, sie werden sich einbilden, innerhalb dieser engen Grenzen ihre Entscheidungsfreiheit auszuüben. Angesichts der Besessenheit der westlichen Gesellschaft von Wahl und Individualität ist das unvermeidlich. Da gibt es ein Heer von Frauen mit denselben Yogahosen, hässlichen Stiefeln und schwarzen Jacken, die dieselben billigen Accessoires tragen, dasselbe minderwertige Parfüm von denselben Massenanbietern benutzen, ihre Gesichter mit denselben Chemikalien in denselben Mustern färben, und sie sagen muslimischen Frauen mit Hijab, sie seien unterdrückt, hätten keine Entscheidungsfreiheit, keine Freiheit der Wahl usw. Und dieselben muslimischen Frauen schreiben Meinungsbeiträge, äußern sich in Interviews und beharren darauf, dass sie tatsächlich eine Wahl haben, genau wie ihre nichtmuslimischen, unverschleierten Gegenstücke. GAH!
No matter how narrow a range of variation you give people, they will come to think of themselves as practicing agency within that narrow range. Given how obsessed Western society is with choice and individuality, this is inevitable. You have an army of women with the same yoga pants, ugly boots, black jackets, wearing the same cheap accessories, wearing the same low-quality perfume from the same mass distributors, coloring their faces with the same chemicals, in the same patterns, and telling Muslim women in hijab that they are oppressed, lack agency, lack freedom of choice, etc. And you have those same Muslim women writing op-eds, speaking out in interviews, pleading that they do indeed have a choice, just like their non-Muslim, non-veiled counterparts. GAH!