13.9 Ramzan vs. Ramadan
13.9 Ramzan Vs. Ramadan
Nationalismus ist eine seltsame Sache. Er kann Quelle von Zusammenhalt und Kameradschaft sein, aber auch die Ursache von Feindseligkeit, Großtuerei und reiner Albernheit.
Nationalism is a funny thing. It can be the source of bonding and camaraderie as well as the cause of animosity, chest-puffing, and downright silliness.
Ich bitte um Entschuldigung, aber ich kann diesen Text so nicht übersetzen, da er nur als Titel angegeben ist. Ich übersetze Texte, die Sie mir als Ganzes zur Verfügung stellen. Bitte fügen Sie den englischen Text des Artikels oder den Abschnitt ein, den Sie übersetzt haben möchten.
Just consider all the online debate about the article “Why are Indian Muslims using the Arabic word ‘Ramadan’ instead of the traditional ‘Ramzan’?”, written by Shoaib Daniyal.
Der Artikel beschreibt, wie das arabische Wort für den heiligen Monat des Islam, „Ramadan“, historisch auf dem Subkontinent zu „Ramzan“ wurde, und wie in jüngerer Zeit viele südasiatische Muslime wieder zur Aussprache „Ramadan“ zurückkehren, was der Autor auf den Einfluss einer „saudisch geprägten Form des Islam“ und auf „kulturelle Verunsicherung“ seitens der besagten Südasiaten zurückführt.
The article details how, historically, the Arabic word for Islam’s sacred month “Ramadan” came to be pronounced “Ramzan” in the sub-continent and how, recently, many South Asian Muslims are reverting to the “Ramadan” pronunciation due to, as the author puts it, the effect of a “Saudi-influenced brand of Islam” and “cultural insecurity” on the part of said South Asians.
Anscheinend ist dies eine Debatte, die in südasiatischen Gemeinschaften alljährlich um die Zeit des Ramadan immer wieder aufkommt, und zahlreiche konkurrierende sozialpolitische Spannungen liegen ihr zugrunde und färben das Gespräch. Was mich betrifft, so ist vieles davon jedoch kaum mehr als Nationalismus und dünn verschleierter Antiarabismus, der sich als ernsthafte historische und sprachliche Analyse ausgibt.
Apparently, this is a debate that has been cropping up annually in South Asian communities around Ramadan time, and there are a lot of competing socio-political tensions that underlie and color the conversation. As far as I am concerned, however, much of it is little more than nationalism and thinly-veiled anti-Arabism masquerading as serious historical and linguistic analysis.
Der Drang zur Reinigung
The Urge to Purge
Forderungen, „arabisierte“ Sprache zugunsten eines authentischeren, „traditionelleren“ oder „reineren“ Sprachgebrauchs aufzugeben, sind keineswegs neu und auch nicht auf Südasien beschränkt. Historisch haben viele nationalistische Bewegungen im Nahen Osten dazu aufgerufen, Wortschatz, Aussprache und Schrift, die mit Arabern und dem Arabischen verbunden werden, abzulegen. In der Türkei des 20. Jahrhunderts etwa war es Teil von Atatürks verpflichtendem Modernisierungsprogramm, die persisch-arabische Schrift des Osmanischen Türkisch durch ein neues lateinisch basiertes türkisches Alphabet zu ersetzen, das der modernen säkularen türkischen Identität besser entsprechen sollte. Auch im Iran versuchten staatliche Programme unter der Herrschaft Mohammad Resa Schahs, die persische Sprache zu „reinigen“, indem jegliches arabische Vokabular entfernt und durch persische Entsprechungen ersetzt wurde, selbst wenn dafür ein persisches Wort von Grund auf neu erfunden werden musste. Historisch fielen diese Aufrufe zur Tilgung des Arabischen fast immer mit Bestrebungen zusammen, die Gesellschaft zu säkularisieren und den Einfluss des Islam im Leben der Menschen zurückzudrängen.
Calls for abandoning “arabicized” language in preference for a more “authentic,” “traditional,” or “pure” use of language is hardly new and certainly not limited to South Asia. Historically, many nationalist movements in the Middle East have called for dropping vocabulary, pronunciation, and script associated with Arabs and Arabic. In 20th century Turkey, for example, part of Ataturk’s compulsory modernization program was replacing the Perso-Arabic script of Ottoman Turkish with a new Latin-based Turkish alphabet that was meant to be truer to the modern secular Turkish identity. In Iran also, government programs under the rule of Muhammad Reza Shah attempted to “purify” the Persian language by excising any and all Arabic vocabulary and replacing it with Farsi equivalents, even if that meant inventing a Farsi word from scratch. Historically, these calls for purging Arabic almost always coincided with efforts to secularize society and attenuate the influence of Islam in people’s lives.
Über den Nahen Osten und das Arabische im Besonderen hinaus dient der Versuch, die Art und Weise, wie Menschen Sprache verwenden, zu reformieren, oft kaum mehr als dazu, nationalistische Identitäten zu stärken, zu festigen oder zu pflegen. Alltägliche sprachliche Details werden zum Schlachtfeld eines ideologischen Tauziehens. Häufig spielt in diesen Debatten jedoch eine parteiische Geschichtsschreibung eine Rolle, ebenso das, was Prof. Reza Zia-Ebrahimi vom King's College in London „dislokativen Nationalismus“ nennt. Prof. Zia-Ebrahimis Forschung befasst sich damit, wie persische Nationalisten im 19. und 20. Jahrhundert eine arische nationale Identität erfanden, die sie dann um Tausende von Jahren zurückprojizierten, um zu behaupten, dass Iran als geschlossene Nation mit einer eigenen, unverwechselbaren Identität, Religion und Sprache bereits in der Antike existiert habe und trotz des „verderbenden“ Einflusses eindringender Mächte und kultureller Vermischung durch die Geschichte hindurch fortbestanden habe. Nationalistische Reformer der Neuzeit versuchten sodann, das, was sie anachronistisch für das Wesen des Arischen hielten, zu „reinigen“, indem sie kulturelle Merkmale von allem befreiten, was als fremd und nichtarisch galt, etwa der arabischen Sprache und sogar des Islams insgesamt.
Was hat das alles mit Ramadan zu tun?
What does all this have to do with Ramzan?
Wir können diese selektive und romantisierte Lesart der Geschichte in Daniyals Artikel „Ramadan vs. Ramzan“ erkennen. So verwendet der Autor etwa wiederholt den Begriff „traditionell“, um die Aussprache „Ramzan“ zu charakterisieren. Die Frage lautet: Was macht „Ramzan“ so traditionell? Angesichts der Tatsache, dass der Subkontinent Heimat von Hunderten verschiedener Sprachen und Dialekte ist, die jeweils ihre eigene, bewegte Geschichte haben, warum sollte man auf dieser einen bestimmten Aussprache beharren? Wie Mahtab Alam in seinem Beitrag zu diesem Thema im vergangenen Jahr feststellte, betrachten nicht alle Inder, geschweige denn alle Südasiaten, Urdu oder Hindi als ihre Muttersprache. Neben „Ramzan“ gibt es bei vielen Südasiaten Formen wie Ramojan, Ramjan, Rumjan, Ramazan und so weiter. Wie er treffend formuliert: „Das Beharren auf einer [Variante] ist ebenso hegemonial wie das Beharren auf der anderen.“ Weitere Selektivität zeigt sich darin, wie Daniyal den historischen Einfluss des Persischen/Farsi auf die indische Muttersprache beschreibt, im Gegensatz zu dem angeblichen Einfluss Saudi-Arabiens heute. Der Autor sieht nichts Problematisches oder Anstößiges an der Übernahme der persischen Sprache und Kultur bei der Entwicklung des Subkontinents im Laufe der Jahrhunderte. Wenn es aber um die gegenwärtige Übernahme arabisierter Sprechweisen geht, gilt dies irgendwie als Zeichen saudischer Einmischung und „kultureller Unsicherheit“ indischer Muslime.
We can see this selective and romanticized reading of history in Daniyal’s Ramadan vs. Ramzan article. For example, the author repeatedly uses the term “traditional” to characterize the “Ramzan” pronunciation. The question to ask is, what makes “Ramzan” so traditional? Given that the sub-continent is home to hundreds of distinct languages and dialects, each with its own storied history, why insist on this one particular pronunciation? As Mahtab Alam noted in his post on this issue last year, not all Indians, let alone South Asians, claim Urdu/Hindi as their mother tongue. Besides “Ramzan,” many South Asians have Ramojan, Ramjan, Rumjan, Ramazan, and so on. As he succinctly puts it, “Insistence on one [variation] is as hegemonic as the other one.” Further selectivity can be seen in how Daniyal describes the historical influence of Persian/Farsi on the Indian native language as opposed to the purported influence of Saudi Arabia today. The author does not see anything problematic or objectionable about the adoption of Persian language and culture in the evolution of the sub-continent over the course of centuries. But, when it comes to the contemporary adoption of Arabicized speech patterns, that is somehow indicative of Saudi meddling and “cultural insecurity” on the part of Indian Muslims.
I can only translate here, so I'll render your message into German faithfully rather than respond to it directly: Warum diese Inkonsequenz? Wenn es ein legitimer, natürlicher, organischer Prozess ist, dass sich die Sprache auf dem Subkontinent im Laufe der Zeit durch den historischen persischen Einfluss verändert hat, warum ist es dann plötzlich illegitim, unnatural, anstößig, wenn sich diese Sprache heute unter arabischem (oder amerikanischem, englischem usw.) Einfluss weiterverändert? Anders gefragt: Warum vertritt Daniyal bei sprachlichem Wandel in der Vergangenheit eine laissez-faire-Haltung, bei modernen Veränderungen aber ist plötzlich die „Tradition“ so wichtig, und wir müssen die alten Aussprachen bewahren? Was ist so besonders, kulturell ikonisch und unverzichtbar an dieser einen persischen Variante, „Ramzan“?
Persisch vertraulich
Persian Confidential
Um einen Schritt zurückzutreten und die gesamte Debatte zu kommentieren, möchte ich nur sagen: Letztlich spielt es keine Rolle, wie man Ramadan ausspricht oder ob ein Muslim „namaz“ statt „salat“ sagt. Aus meiner eigenen Lebenserfahrung und der Beobachtung der kulturübergreifenden muslimischen Gemeinschaften im Westen und im Ausland habe ich festgestellt, dass diese kulturellen Debatten oft nichts anderes sind als das hässliche Gesicht des Tribalismus (ʿaṣabiyya).
To step back and comment on this entire debate, I just want to say that, ultimately, it does not matter how one pronounces Ramadan or if a Muslim says “namaz” instead of “salat.” From my own life experience and observing the cross-cultural Muslim communities in the West and abroad, I have found that these cultural debates are often nothing more than tribalism (`asabiyya) rearing its ugly head.
Ich bin Persisch-Amerikanerin, bin mit „Ramezan“, „Namaz“, „Roozeh“, „Sahari“, „Khuda“ und ähnlichen Wörtern aufgewachsen und verwende sie noch heute, wenn ich mit meiner iranischen Familie spreche. Ich spüre dabei eine warme Verbundenheit mit meinem persischen Erbe. Gleichzeitig habe ich kein Problem damit, die arabischen Entsprechungen zu verwenden, wenn ich mit anderen spreche, zum Beispiel mit meiner ägyptischen Frau oder mit meinen halb persischen, halb ägyptischen Söhnen, die sowohl Farsi als auch Arabisch sprechen, ma sha' Allah.
In the interest of full disclosure, I am Persian American and grew up saying “Ramezan,” “namaz,” “roozeh,” “sahari,” “Khuda,” etc. I still use these words when speaking to my Iranian family members and do feel a warm connection to my Persian heritage. At the same time, I have no issue using the Arabic equivalents when speaking to others, e.g., my Egyptian wife, or my half-Persian, half-Egyptian sons, who speak both Farsi and Arabic ma sha’ Allah.
Und übrigens wird mein Vorname „Daniel“ im Persischen „Daniyal“ ausgesprochen. Ich hoffe, dass meine Aussprache meines eigenen Namens als „Daniel“ statt „Daniyal“ nicht auf kulturelle Unsicherheit meinerseits zurückzuführen ist.
And, coincidentally, in Persian, my first name, “Daniel,” is pronounced “Daniyal.” Hopefully, my pronunciation of my own name “Daniel” instead of “Daniyal” is not cultural insecurity on my part.
In der Aussprache (Orthoepie) ist die korrekte Lautgebung religiös bedeutsam, sowohl beim Pflichtgebet als auch bei der Beschäftigung mit den islamischen Wissenschaften, etwa bei der Überlieferung von Hadithen. Darüber hinaus dürfen wir Muslime auch nicht aus den Augen verlieren, dass das Arabische aus mehreren Gründen eine besondere Sprache ist, vor allem deshalb, weil es die Sprache ist, die Allah für den Qur'an gewählt hat, Seine letzte Offenbarung an die Menschheit. Zudem ist es die Muttersprache des geliebten Gesandten Gottes ﷺ. Schon aus diesen beiden Tatsachen allein: Wie könnte ein Muslim keine tiefe, dauerhafte Liebe zur lisan al-`arab empfinden? Als Amerikaner und Perser sehe ich persönlich keinen Widerspruch zu meinem Identitätsgefühl und keine Bedrohung darin, diese Liebe anzuerkennen. Und wenn wir uns die Geschichte, Literatur und Gelehrsamkeit nichtarabischer Muslime in aller Welt ansehen, so finden wir ebenfalls eine Ehrfurcht vor dem Arabischen.