4.1 Religiöse Indoktrination und Religionsfreiheit
4.1 Religious Indoctrination And Religious Freedom
„Freiheit ist wichtiger als la ilaha illaAllah, denn ohne Freiheit sind wir nicht frei, zu glauben, was wir wählen.“ Das sagte mir vor einigen Jahren ein syrischer Aktivist im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling. Es schien, als konstruiere er eine falsche Alternative, doch wollte er nur den Stellenwert der Freiheit als Wert im Vergleich zu allem anderen betonen.
“Freedom is more important than la ilaha illaAllah because without freedom we are not free to believe whatever we choose.” This is what one Syrian activist told me several years ago regarding the Arab Spring. It seemed like he was setting up a false dichotomy, but he was just trying to emphasize the place of freedom as a value, as compared to everything else.
Aber Freiheit ist ein missverstandener Begriff. Die wahrhaft freie Person ist nach der liberalen Philosophie, die bei den europäischen Empiristen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts beginnt, diejenige, die mit einer unbeschriebenen Tafel beginnt, also der tabula rasa. Diese Person hat keine vorgängigen Überzeugungen oder Verpflichtungen. Ihr Geist ist nicht durch fälschlich aufgezwungene Vorstellungen über die Welt, über Gott, über den Naturzustand verunreinigt. Dieser Mensch ist mit seinem freien Geist dann in der Lage, seine eigenen authentischen Überzeugungen von Grund auf zu bilden. Im Idealfall werden sich diese Überzeugungen auf der Grundlage einer soliden wissenschaftlichen Untersuchung bilden – das hofften die Empiristen zumindest in ihrer Philosophie des Geistes und ihrer Erkenntnistheorie. Doch selbst wenn ein Mensch seine Überzeugungen nicht wissenschaftlich entwickelt, so tut er es doch zumindest authentisch und daher frei. Auf diese Weise ist es in Ordnung, dass ein Mensch religiös ist, solange diese Person von einer unbeschriebenen Tafel ausgegangen ist, was für alle praktischen Zwecke ein Ausgangspunkt der Nicht-Religiosität ist.