Außerdem behauptet der Autor, dass sich Staaten auf religiöse Institutionen stützten, um zur öffentlichen Ordnung beizutragen. Kirchen (und in der islamischen Welt die Awqaf, religiösen Stiftungen) waren im Vergleich zu schwachen staatlichen Institutionen besser in der Lage und fähig, den Armen zu helfen, Bildung bereitzustellen und andere öffentliche Dienste zu leisten. Des Weiteren beruhten Gesetze und soziale Regeln jener Zeiten auf der religiösen Zugehörigkeit und nicht auf einer allgemeinen nationalen Identität (z. B. der Staatsbürgerschaft), die gleichermaßen für alle Menschen galt. All dies führte zu geringerer Toleranz gegenüber religiöser Vielfalt. In dieser Welt sei „Religionsfreiheit undenkbar“ gewesen. Was hat sich verändert?
Additionally, the author claims, states relied on the religious institutions to contribute to public order. Churches (and awqaf in the Islamic world) were better positioned and capable to help the poor, provide education, and conduct other public services relative to weak state institutions. Furthermore, laws and social rules of these times depended on religious identity as opposed to a general nationalistic identity (e.g., citizenship) that applied equally to all people. All this led to less tolerance for religious diversity. In this world, “religious freedom was inconceivable.” What changed?
Laut Koyama begannen die staatlichen Institutionen, mehr Steuern zu erheben, und wurden mächtiger. Dadurch konnten sie auf eine Tauschvereinbarung mit der Kirche verzichten. Mit wachsender Macht ließen sich Gesetze und gesellschaftliche Regeln umfassender durchsetzen, ohne dass ihr Funktionieren von religiöser Zugehörigkeit abhing. Aus Sicht des Staates waren Juden, Protestanten und Katholiken gleichermaßen Steuerquellen, weshalb es unnötig und eine Verschwendung bürokratischer Ressourcen wurde, nach religiöser Zugehörigkeit zu unterscheiden. Letztlich gilt: „Je weniger sie sich auf religiöse Autorität stützten, desto weniger neigten die Staaten dazu, die Durchsetzung religiöser Konformität zu schätzen.“ Das Ergebnis?
State institutions started taxing more and became more powerful, claims Koyama. This allowed them to forego a quid pro quo arrangement with the Church. With increased power, laws and social rules could be enforced more broadly without depending on religious identities to function. As far as the state was concerned, the Jew, Protestant, and Catholic were all equal sources for taxes, so it became unnecessary and a waste of bureaucratic resources to discriminate based on religious identity. Ultimately, “As they relied less on religious authority, states grew less inclined to value enforcing religious conformity.” The result?
Religionsfreiheit, die eher aus Zweckmäßigkeit als aus Prinzip entsteht. Trotzdem eine gute Sache, oder?
Religious freedom born of convenience rather than principle. Still a good thing, though, right?
Nicht, wenn man ehrlich hinschaut. Von Anfang bis Ende bestand das Ziel des Staates darin, die Menschen nach seinem Willen zu beugen, um ihnen Reichtum zu entziehen. Anfangs war die Kirche dafür ein geeignetes Mittel, doch dann fand man wirksamere Mittel, die die Kirche überflüssig machten. Wie Koyama anmerkt, war die gewaltigste staatliche Institution das Militär, das in dieser geschichtlichen Epoche an Macht, Größe und technischer Leistungsfähigkeit wuchs. Was wäre ein besseres Werkzeug zur Kontrolle der eigenen Bevölkerung als pure militärische Gewalt? Es bedarf keiner Vereinnahmung der Vorstellung von Gottes Zorn, um staatliche Macht auszuüben. Man nutzt einfach die militärische Infrastruktur des Staates.
Well, not if you look at it honestly. From beginning to end, the aim of the state was to bend the people according to its will in order to draw wealth from them. At first, the Church was a convenient medium for this, but then, more effective means were found that made the Church obsolete. As Koyama notes, the most formidable state institution was the military, which grew in power, size, and technological ability throughout this historical era. What better tool for controlling one’s own population than sheer military force? No need to co-opt the idea of God’s wrath to exercise state might. Just use the state military infrastructure.
Ist das wirklich eine Verbesserung? Hat der Bedeutungsverlust religiöser Institutionen tatsächlich zu mehr „Autonomie“ und „Freiheit“ für den durchschnittlichen Menschen geführt? Oder wurde damit lediglich eine Autoritätsquelle durch eine andere ersetzt?
Is this really an improvement? Did the waning of religious institutions really lead to more “autonomy” and “freedom” for the average person? Or was this simply the replacement of one source of authority with another?
Was Juden und Christen betrifft, ist der brutale Militärstaat vielleicht wohlwollender gewesen als die brutale Kirche. Der Handel war für sie also immer noch ein Nettogewinn, weshalb die „Religionsfreiheit" überhaupt erst attraktiv erscheint.
Well, as far as Jews and Christians are concerned, maybe the brutal military-state was/is more benevolent than the brutal Church. So the trade was/is still a net positive for them, which is why “religious freedom” is appealing at all.
Doch dies gilt nicht für das islamische Recht. Historisch finden wir in der muslimischen Welt nicht die Art von Brutalität und Unterdrückung durch religiöse Institutionen, wie sie von den europäischen Kirchen ausging. Brutalität, Unterdrückung und Massengewalt in der muslimischen Welt wurden in der Regel in direktem Widerspruch zum islamischen Recht und zur Meinung der Gelehrten verübt. Man bedenke nur die lange Geschichte der Verfolgung orthodoxer islamischer Religionsautoritäten über die Jahrhunderte hinweg. Die Tradition, dass die Ulama sich einer Vereinnahmung durch die herrschende Elite widersetzten, ist fest verankert. Die Ulama waren sehr darauf bedacht, sich nicht mit der Macht einzulassen, gestützt auf die dem Propheten ﷺ zugeschriebene Aussage: „Wer zu den Toren des Herrschers geht, wird mit Fitna geprüft werden. Ein Diener nähert sich dem Herrscher nicht, ohne sich dadurch weiter von Allah zu entfernen.“6 Aufgrund dieses Grundsatzes stand die muslimische religiöse Orthodoxie historisch in einem angespannten, wenn nicht gar offen feindseligen Verhältnis zur herrschenden Autorität, und oft gerade deshalb, weil viele dieser Herrscher wenig Achtung vor der Scharia hatten. Die Scharia war und ist die Quelle so großer Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Nur Tyrannen wollen sie abschaffen.
But this is not the case with Islamic Law. Historically, we do not find the kind of brutality and oppression from religious institutions in the Muslim world that were seen from European Churches. Brutality, oppression, and mass violence in the Muslim world were usually undertaken in direct contradiction to Islamic Law and the opinion of religious scholars. Simply consider the long history of persecution of orthodox Islamic religious authorities over the centuries. The tradition of ulama resisting co-option by the ruling elite is well established. The ulama were very careful to avoid mixing with power based on the statement attributed to the Prophet صلى الله عليه وسلم:” Whoever goes to the gates of the ruler will be tried with fitna. A servant does not move closer to the ruler except that he moves further away from Allah.”6 Because of this principle, Muslim religious orthodoxy was historically in an uneasy, if not outright antagonistic, relationship with ruling authority, and it was often precisely because of the little regard many of these rulers had for the Sharia. The Sharia was and is the source of so much justice and mercy. Only tyrants want to do away with it.
Bis zum heutigen Tag.
Up until the present day.