7.4 Die Wirklichkeit der Wissenschaft
7.4 The Reality Of Science
Stellen Sie sich einen tauben, blinden Menschen vor, der nur seinen Tastsinn hat, um seine Umgebung kennenzulernen. Doch es kommt noch schlimmer. Dieser Mensch kann seine Umgebung nur mit Hilfe einer Nadel ertasten. Er hält die Nadel und reibt ihre Spitze über die Oberflächen der Gegenstände um ihn herum. Die Spitze dieser Nadel ist sein einziges Fenster zur Welt. Diese winzige Nadelspitze ist seine einzige Informationsquelle über das gesamte Universum.
Imagine a deaf, blind person who only has his sense of touch available to learn about his surroundings. But it gets worse than that. This person can only feel his surroundings by using a needle. He holds the needle and rubs its tip over the surfaces of objects around him. The tip of that needle is his only window into the world. That tiny needle tip is his only source of information about the entire universe.
Stellen wir uns unsere Überraschung vor, als dieser Mann anfängt, uns über das Wesen der Wirklichkeit zu belehren. Stellen wir uns unsere Verwirrung vor, als er uns erklärt, was "all das zu bedeuten hat." Stellen wir uns unsere Belustigung vor, als er darauf besteht, dass die einzigen Dinge, die in der Welt existieren, diejenigen sind, die er durch seine Nadel spüren kann.
So imagine our surprise when this man tries to tell us about the nature of reality. Imagine our confusion as he explains to us what “it all means.” Imagine our amusement when he insists that the only things that exist in the world are what he can feel through his needle.
Stellen Sie sich nun vor, dass der Mann anstelle dieser Nadel ein kleines Stück Faden benutzen muss, um seine Umgebung zu ertasten, indem er den Faden über die umliegenden Gegenstände zieht. Das wird ihm ein noch genaueres Verständnis vom Umfang der wissenschaftlichen Untersuchung vermitteln.
Now imagine that instead of this needle, the man has to use a small piece of thread to feel out his environment by dragging the thread over surrounding objects. That will give you an even more accurate understanding of the scope of scientific inquiry.
Bedenken Sie, dass der Mensch nur einen winzigen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums wahrnimmt, nämlich das sichtbare Licht, das wir mit unseren Augen sehen. Dank der verhältnismäßig modernen Technik können wir freilich andere Arten elektromagnetischer Strahlung nachweisen, von denen unsere Vorfahren nichts ahnten, etwa Infrarot, Ultraviolett, Röntgenstrahlen, Gammastrahlen und so weiter. Was lässt uns dann aber annehmen, dass es nicht noch weitere „Kanäle“ von Informationen oder „Daseinsebenen“ gibt, von denen wir bislang, etwa aufgrund der gegenwärtigen technischen Grenzen, keine Ahnung haben?
Consider that human beings are only privy to a very small sliver of the electromagnetic spectrum, i.e., visible light, that we perceive with our eyes. Of course, due to relatively modern technology, we can detect other kinds of electromagnetic radiation that our ancestors had no idea about, e.g., infrared, ultraviolet, x-rays, gamma rays, etc. What makes us think that there aren’t other “channels” of information or “planes of existence” that we as of yet, due to current technological limitations for example, have no idea about?
Allein im Hinblick auf unsere Wahrnehmungsfähigkeiten gibt es schlicht keine Möglichkeit, zu wissen, was wir nicht wissen. Haben wir Glück, stoßen wir vielleicht auf etwas. Doch angesichts der Weite des Universums (zumindest jenes Teils davon, den wir überhaupt kennen) und der Tatsache, dass selbst von unserem winzigen Planeten noch so vieles unerforscht ist, spricht viel dafür, dass wir in Bezug auf sehr vieles im Dunkeln tappen.
Just considering our faculties of perception, there is simply no way for us to know what we don’t know. If we get lucky, we might stumble upon something. But considering the vastness of the universe (the piece of it that we even know about, at least) and the fact that even so much of our own tiny planet has yet to be explored, there is plenty to suggest that we are in the dark on a whole lot.
Betrachten wir nun unsere geistige Fähigkeit. Wahrnehmung ist schließlich untrennbar mit der Fähigkeit des Gehirns verbunden, sensorische Informationen zu „verarbeiten“. Und diese „Verarbeitung“ ist Voraussetzung dafür, dass wir diese Informationen bewusst wahrnehmen können. Was wäre, wenn unser Gehirn gewisse Dinge nicht „sehen“ kann, die unsere Sinnesorgane dennoch aufnehmen? Auch hier gibt es keine Möglichkeit, dies mit Sicherheit festzustellen, denn wir können, sozusagen, nicht aus unserem Gehirn heraustreten, um zu sehen, was uns entgeht.
Now consider our mental capacity. Perception, after all, is inexorably connected to the brain’s ability to “process” sensory information. And that “processing” is a prerequisite for our ability to consciously register that information. What if our brains can’t “see” certain things that our sensory organs nonetheless pick up? Again, there is no way to tell for sure because we cannot, as it were, step “outside” of our brains to see what we’re missing.
Das Ironische ist, dass die Wissenschaft selbst diese extremen Grenzen implizit anerkennt. Laut dem wissenschaftlichen Konsens sind wir schließlich nichts als entwickelte Affen. Unsere Wahrnehmungs- und Denkfähigkeiten, so heißt es, seien dafür geschaffen, essbare Früchte in den Bäumen zu finden und den besten warmen Partner zur Fortpflanzung zu gewinnen. Doch irgendwie eignen sich genau diese Funktionen des alltäglichen Affendaseins auch dazu, die Tiefen des Universums zu ergründen, darüber nachzudenken, was alles bedeutet, und über alles Mögliche zu philosophieren, von der menschlichen Natur bis zu den biologischen Ursprüngen der Moral.
The ironic thing is that science itself implicitly acknowledges these extreme limitations. According to scientific consensus, after all, we are nothing but evolved apes. Our perceptual and cognitive capacities, we are told, are suited for finding edible fruit in trees and getting the best warm body to mate with. Yet, somehow those functions of day-to-day ape-hood are also amenable to probing the depths of the universe, pondering what it all means, and waxing poetic about everything from human nature to the biological origins of morality.
Wir sollten alle über einen solchen blinden, erbärmlichen Hochmut lachen.
We should all chuckle in the face of such blind, pathetic hubris.