9.9 Gut ohne Gott? Brauchen wir Religion, um „gute Menschen“ zu sein?
9.9 Good Without God? Do We Need Religion To Be “good People”
Brauchen wir Religion, um „gute Menschen“ zu sein?
Do we need religion to be “good people”?
Nein
No
Tatsächlich brauchen wir gerade Islam, damit die Menschen gut werden.
In actuality, we specifically need Islam to be good people.
Ja, es gibt zweifellos gute Menschen anderer Glaubensrichtungen. Ich verwende den Begriff „gut“ jedoch in einem technischen Sinn, um einen Menschen zu kennzeichnen, der alle grundlegenden sittlichen Pflichten erfüllt oder zumindest darunter leidet, wenn er sie nicht erfüllt.
Yes, there are good people of other faiths, no doubt. But I am using the term “good” in a technical sense to characterize a person who fulfills all basic moral obligations or at least feels bad about not fulfilling them.
Die Behauptung, dass nur Muslime überhaupt in der Lage seien, alle grundlegenden sittlichen Pflichten zu erfüllen, und dass Anhänger anderer Religionen diese Pflichten versäumten, verstößt gegen Grundsätze des Universalismus, die heute unter den Menschen weit verbreitet sind. Es gilt den meisten als nahezu selbstverständlich, dass auch Menschen ohne Religion sittlich rechtschaffen sein können. Aber ist das wahr?
To suggest that only Muslims are even in a position to fulfill all basic moral obligations and that adherents of other religions are missing out on these obligations violates principles of universalism that have become so widespread among people today. It is almost a truism in the minds of people that even those without religion can be morally upright. But is this true?
Diejenigen, die diese Behauptung aufstellen, stützen ihre Argumentation auf einen kleinen Kreis moralischer Wahrheiten.
Those who make this claim focus their argument on a small set of moral truths.
„Natürlich brauche ich Gott nicht, um zu wissen, dass Mord falsch ist!“
“Of course I don’t need God to know that murder is wrong!”
„Natürlich brauche ich Gott nicht, um zu wissen, dass Vergewaltigung falsch ist!“
“Of course I don’t need God to know that rape is wrong!”
„Wenn du nur deshalb von Mord und Vergewaltigung absiehst, weil Gott es dir gesagt hat, dann zeigt das, wie zutiefst unmoralisch du bist!“
“If you only refrain from murder and rape because God told you so, then that shows how truly immoral you are!”
Tatsächlich zeigt dies, wie beschränkt das Verständnis dieser Menschen von Moral ist. Ihre Moral besteht nur aus zwei Punkten: nicht töten und nicht vergewaltigen.
In actuality, this shows how limited these people’s understanding of morality is. Their morality only consists of two line items: don’t kill and don’t rape.
Es gibt auch häufig die Floskel: „Ich füge niemandem Schaden zu. Darauf beruht meine Moral, und sie setzt keinen Glauben an Gott voraus, schon gar nicht an den Islam.“ Das ist natürlich eine Ausflucht, denn „Schaden“ lässt sich sehr vage definieren und ist vom Kontext abhängig. Was als schädlich gilt, kann sich mit der Zeit, von Kultur zu Kultur und sogar von Person zu Person innerhalb ein und derselben Zeit und Kultur unterscheiden.
There is usually also the platitude, “I don’t harm anyone. That’s what my morality is based on and it doesn’t require belief in God, much less Islam.” This, of course, is a cop out because “harm” can be very vaguely defined and context-dependent. What one considers harmful can vary from time to time, culture to culture, and even from person to person within a single time and culture.
Also selbst wenn wir uns alle darauf einigen, dass Moral einfach darin besteht, Schaden zu verhindern, werden verschiedene Menschen sehr unterschiedliche Auffassungen davon haben, was als Schaden gilt. Darüber hinaus ist es nicht leicht zu „berechnen“, was überhaupt Schaden verursacht, oder was in einer gegebenen Situation den größten oder geringsten Schaden verursacht. Und wenn wir betrachten, wie sich Menschen im echten Leben gemäß ihrer Moral verhalten, scheint es nicht so, als handelten sie auf der Grundlage einer komplexen Abwägung von Schäden. Meistens scheint es, dass Menschen auf der Grundlage größerer gesellschaftlicher und kultureller Normen akzeptablen Verhaltens handeln und dann alles, was gesellschaftlich inakzeptabel ist, als „schädlich“ interpretieren. Dies sind Einwände, die gegen das erhoben werden, was in der westlichen Ethik als Schadensprinzip bekannt ist.
So, even if we all agree that morality is simply about preventing harm, different people will have widely divergent views on harm. Furthermore, it is not easy to “calculate” what causes harm in the first place or what causes the most or least harm in any given situation. And when we look at the way people behave in real life according to their morality, it does not seem like they are acting on the basis of a complex calculation of weighing harms. Mostly it seems people act on the basis of larger societal and cultural norms of acceptable behavior and then interpret whatever is socially unacceptable as “harmful.” These are objections raised against what’s known as the Harm Principle in Western ethics.