7.2 Stehen Islam und Wissenschaft jemals im Widerspruch? Ja
7.2 Do Islam And Science Ever Conflict? Yes
Viele moderne Muslime glauben, dass „Wissenschaft und Islam niemals einander widersprechen können“. Anders gesagt: Nichts in der Offenbarung (d. h. dem Qur'an und den Lehren des Propheten Muhammad ﷺ) könnte dem, was wir durch die Wissenschaft über die Welt wissen, widersprechen. Auf den ersten Blick scheint dies logisch. Man kann erwarten, dass von Menschen verfasste Texte, besonders solche aus der Antike, natürlichen Tatsachen widersprechen, da die Menschen der Vergangenheit die wissenschaftliche Methode nicht kannten. Die Quelle der Offenbarung hingegen ist der allwissende Schöpfer selbst, der auch das Universum erschaffen hat. Daher ist kein Widerspruch möglich.
Many modern Muslims believe that “science and Islam can never contradict.” In other words, nothing in revelation (i.e., the Quran and the teachings of the Prophet Muhammad (s)) could ever contravene what we know of the world through science. At first blush, this seems logical. We can expect that man-made texts, especially those from antiquity, will contradict natural facts, since people of the past were ignorant of the scientific method. But the source of revelation, in contrast, is the All-Knowing Creator Himself who also created the universe. Therefore, no contradiction is possible.
Der Fehler in dieser Logik besteht darin, dass sie die Fehlbarkeit übersieht, und zwar nicht die religiöser Texte, sondern die der Wissenschaft. Wissenschaftlicher Konsens ist ein sich ständig weiterentwickelnder Diskurs. Was Wissenschaftler eines Tages als Tatsache betrachten, kann am nächsten Tag widerlegt werden. Als Beispiel: Physiker des frühen zwanzigsten Jahrhunderts glaubten, dass das Universum in Größe und Alter unendlich sei. Erst in den 1930er Jahren begannen Wissenschaftler ernsthaft, eine Urknall-Theorie der Entstehung des Kosmos in Betracht zu ziehen. Die Vorstellung eines ewigen Universums widerspricht natürlich den Theologien des Judentums, des Christentums und des Islams, die alle einen endlichen Schöpfungsbeginn annehmen. Hätten Muslime Anfang der 1900er Jahre beschlossen, ihre Theologie so umzudeuten, dass sie zum damals modischen Modell eines ewigen, stationären Universums passt, hätten sie keine drei oder vier Jahrzehnte später einen Rückzieher machen müssen.
The flaw in this logic is that it ignores the fallible nature, not of religious texts, but of… science. Scientific consensus is an ever-evolving discourse. What scientists hold as fact one day may be overturned the next. As an example, physicists in the early twentieth century believed that the universe was infinite in size and age. Only in the 1930s did scientists begin to seriously consider a Big Bang theory of the development of the cosmos. Of course, the idea of an eternal universe contradicts the theologies of Judaism, Christianity, and Islam, which all posit a finite point of Creation. Had Muslims in the early 1900s, for example, decided to reinterpret their theology in order to accommodate the eternal steady-state model of the universe that was in vogue at the time, they would have had to backtrack a mere three or four decades later.
Um es noch einmal zu betonen: Die Wissenschaft gibt das Universum nicht immer richtig wieder. Tatsächlich liegt sie historisch gesehen oft falsch. Außerdem erkennen Wissenschaftler selbst den vorläufigen Charakter der Wissenschaft an, da ihre Forschung ständig ein „Work in Progress“ bleibt und Veränderungen unterworfen ist. Daher ist die Unvereinbarkeit des Islam mit einigen zeitgenössischen wissenschaftlichen Behauptungen, etwa der Evolutionslehre, keineswegs problematisch. Aus unserer Sicht sollte sie vielmehr durchaus erwartet werden. Der Quran vermittelt uns zeitlose Wahrheiten, die in zahlreichen Versen die Großartigkeit der Schöpfung beschreiben – Wahrheiten, die der Schöpfer selbst mit Seinem vollkommenen Wissen offenbart hat. Es ist zu erwarten, dass unvollkommenes menschliches Wissen, wie es sich im wissenschaftlichen Diskurs zeigt, nicht mit der Göttlichen Rede übereinstimmen wird.
To reiterate, science is not always correct in its representation of the universe. In fact, historically, it is often wrong. Furthermore, scientists themselves acknowledge the provisional nature of science in that their research is perpetually a “work in progress” and subject to change. Therefore, Islam’s incompatibility with some contemporary scientific contentions, such as evolution, is not problematic in the least. In fact, as far as we are concerned, it should be entirely expected. The Quran provides us with timeless truths describing, in many verses, the magnificence of creation, truths relayed by the Creator Himself with His perfect knowledge. It is expected that imperfect human knowledge, as represented by scientific discourse, will fail to match the Divine Address.