Man könnte fragen, warum Aḥmad die Beziehung zu ihnen abbrach, wenn sich zeigen lässt, dass bestimmte Personen unter Zwang nachgegeben haben, was das Gesetz erlaubt. Darauf gibt es drei mögliche Antworten: 77.6
Someone might well ask why, if it can be shown that certain individuals capitulated under duress, which the Law allows, did Aḥmad end his relationship with them? There are three possible responses: 77.6
1. Die betreffenden Personen wurden bedroht, aber nicht geschlagen, bevor sie sich ergaben.
1. The persons in question were threatened but not beaten before they capitulated.
Drohungen gelten nicht als Nötigung, wie aus dem oben genannten Bericht über Yaḥyā ibn Maʿīn hervorgeht.
Threats do not count as coercion, as is evident from the aforementioned report about Yaḥyā ibn Maʿīn.
2. Aḥmad mag die Beziehung zu ihnen abgebrochen haben, um ein Zeichen zu setzen: den einfachen Leuten zu zeigen, welch abscheuliche Lehre die Übeltäter gutgeheißen hatten, und so der breiten Masse der Gläubigen zu helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben.
2. Aḥmad may have ended his relationship with them in order to make a point: to show the common people what a heinous doctrine it was that the offenders had assented to and thus help the mass of believers stay on the right path.
3. Nachdem sie ihre Zustimmung gegeben hatten, nahmen die meisten der Übeltäter Zahlungen an und begannen, mit Mitgliedern des Regimes zu verkehren. Damit überschritten sie, was das Gesetz erlaubt, und verdienten somit Ächtung und Verurteilung.
3. Upon giving their assent, most of the offenders accepted payments and began associating with members of the regime. In doing so they went beyond what the Law allows and thus deserved ostracism and condemnation.
[Al-Marrūdhī:] Von dem Zeitpunkt an, als wir nach Samarra kamen, bis zu unserer Abreise aß Aḥmad weder gekochte Speisen noch irgendein Fett. Einmal sagte er: „Diese da“ – damit meinte er Ibn Abī Shaybah, Ibn al-Madīnī und ʿAbd al-Aʿlā – „haben sich gewiss gut amüsiert.“
[Al-Marrūdhī:] From the time we entered Samarra to the time we left, Aḥmad tasted no cooked food or any fat. At one point he said, “That lot”—meaning Ibn Abī Shaybah, Ibn al-Madīnī, and ʿAbd al-Aʿlā—“have certainly been enjoying themselves.
„Ich hatte keine Ahnung, dass sie so sehr an dieser Welt hängen. Wie können sie es nur über sich bringen, so an den Türen der Paläste herumzustehen?“ 77.7
I had no idea they were so attached to this world. How can they bring themselves to hang about palace doors like that?” 77.7
[Der Autor:] Eines der belastendsten Dinge, die über Ibn al-Madīnī berichtet werden, ist, dass er einen Überlieferungsbericht, den al-Walīd ibn Muslim tradiert hatte, einschließlich eines sprachlichen Fehlers, den al-Walīd gemacht hatte, dem Ibn Abī Duʾād vortrug, um seiner Partei dabei zu helfen, ihren Standpunkt zu verteidigen. Dies gehörte zu den Dingen, die Aḥmad ihm vorwarf.
[The author:] One of the most damning things reported about Ibn al-Madīnī was that he recited a report transmitted by al-Walīd ibn Muslim, including a verbal error that al-Walīd had made, to Ibn Abī Duʾād in order to help his side argue for its point of view. This was one of the things that Aḥmad held against him.
[Al-Marrūdhī:] Ich sagte zu Aḥmad, dass ʿAlī l-Madīnī einen Bericht vortrug, der von al-Walīd ibn Muslim überliefert ist, und zwar unter Berufung auf al-Awzāʿī, unter Berufung auf al-Zuhrī, unter Berufung auf Anas, unter Berufung auf ʿUmar, der sagte: „Überlasst es seinem Schöpfer.“461 77.8
[Al-Marrūdhī:] I told Aḥmad that ʿAlī l-Madīnī was reciting a report transmitted by al-Walīd ibn Muslim, citing al-Awzāʿī, citing al-Zuhrī, citing Anas citing ʿUmar, saying: “Leave it to its Creator.”461 77.8
„Er ist ein Lügner!“, sagte Aḥmad. „Die Überlieferung des al-Walīd ibn Muslim lautet: ‚Überlass es seinem Schöpfer.‘“ Und er fügte hinzu: „al-Madīnī weiß, dass al-Walīd beim Überliefern einen Fehler gemacht hat. Warum sollte er ihn dann diesen Leuten vortragen? Warum ihnen eine falsche Überlieferung geben?“ Damit erklärte er al-Madīnī zu einem Lügner.
“He’s a liar!” said Aḥmad. “Al-Walīd ibn Muslim’s report says ‘Leave it to its Maker.’” He added: “Al-Madīnī knows that al-Walīd made an error when he transmitted it. So why would he recite it for those people? Why give them a wrong report?” He thus declared al-Madīnī to be a liar.
[Qahm:] Ibn Abī Duʾād berichtete al-Muʿtaṣim, dass Aḥmad ibn Ḥanbal behauptet habe, Gott werde im Jenseits sichtbar sein, obwohl das Auge nur endliche Dinge wahrnehmen könne.
[Qahm:] Ibn Abī Duʾād told al-Muʿtaṣim that Aḥmad ibn Ḥanbal claimed that God will be visible in the afterlife even though the eye can perceive only finite objects.
Als al-Muʿtaṣim Aḥmad aufforderte, sich zu erklären, antwortete er, dass er den Gesandten Gottes ﷺ zitiere. 77.9
When al-Muʿtaṣim asked Aḥmad to explain himself, he replied that he was citing the Emissary of God. 77.9
„Und was sagte der Gesandte?“ „Ich hörte Muḥammad ibn Jaʿfar Ghundar berichten“, sagte Aḥmad, „dass er hörte, wie Shuʿbah berichtete, unter Berufung auf Ismāʿīl ibn Abī Khālid, unter Berufung auf Qays ibn Abī Ḥāzim, unter Berufung auf Jarīr ibn ʿAbd Allāh al-Bajalī: ‚Wir waren einst beim Propheten ﷺ in der Nacht des vierzehnten Tages des Monats, als er auf den Vollmond blickte und sagte: „Ihr werdet euren Herrn gewiss so klar sehen, wie ihr diesen Mond seht; ihr werdet nicht darum betrogen werden, ihn zu sehen.“‘“ Dann wandte er sich an Ibn Abī Duʾād. „Was sagst du dazu?“ „Ich werde mir die Überlieferungskette genauer ansehen müssen“, erwiderte er.
“And what did the Emissary say?” “I heard Muḥammad ibn Jaʿfar Ghundar report,” said Aḥmad, “that he heard Shuʿbah report, citing Ismāʿīl ibn Abī Khālid, citing Qays ibn Abī Ḥāzim, citing Jarīr ibn ʿAbd Allāh al-Bajalī: ‘We were once with the Prophet on the fourteenth night of the month when he looked at the full moon and said, “You will most certainly see your Lord as clearly as you see the moon; you will not be cheated of seeing him.”’” Then he turned to Ibn Abī Duʾād. “What do you say to that?” “I’ll have to look into the chain of transmitters,” he replied.
Diese Unterredung fand am ersten Tag des Prozesses gegen Aḥmad statt. Nach Ende der Sitzung ließ Ibn Abī Duʾād ʿAlī ibn al-Madīnī holen, der damals in Bagdad lebte, ohne auch nur einen Dirham zu besitzen. Kaum war al-Madīnī eingetroffen, gab ihm Ibn Abī Duʾād ohne weitere Umschweife zehntausend Dirham. Dann sagte er: „Das ist ein Geschenk des Herrschers der Gläubigen.“ Auf dessen Befehl erhielt al-Madīnī außerdem die Besoldung von zwei Jahren, die ihm noch zustand. Danach fragte ihn Ibn Abī Duʾād nach dem Ḥadīth von Jarīr ibn ʿAbd Allāh über die Sichtbarkeit Gottes.
This exchange took place on the first day of Aḥmad’s trial. After the session ended, Ibn Abī Duʾād sent for ʿAlī ibn al-Madīnī, who was then living in Baghdad without a dirham to his name. No sooner had al-Madīnī arrived than Ibn Abī Duʾād, without further ado, gave him ten thousand dirhams. Then he said, “That’s a gift from the Commander of the Faithful.” By his command, al-Madīnī also received the two years’ worth of stipends that were owed him. Then Ibn Abī Duʾād asked him about the Hadith of Jarīr ibn ʿAbd Allāh regarding the visibility of God.
„Es ist authentisch“, sagte al-Madīnī.
“It’s authentic,” said al-Madīnī.
„Hast du überhaupt irgendeine Kritik daran?“ „Ich bitte Seine Ehren den Richter um die Erlaubnis, darüber nicht sprechen zu müssen.“ „ʿAlī“, sagte er, „dies ist die ernsteste Frage, die dir je gestellt werden wird.“ Nachdem Ibn Abī Duʾād ihn mit neuen Kleidern, Flaschen mit Duftwasser und einem Reittier mit Sattel, Zaumzeug und Zügeln überhäuft hatte, drängte er weiter mit seiner Frage, bis al-Madīnī schließlich sagte: „Einer der Überlieferer ist unzuverlässig. Es ist Qays ibn Abī Ḥāzim, der nichts weiter war als ein Beduine aus der Wüste, der auf seine eigenen Fersen urinierte.“ Ibn Abī Duʾād erhob sich und umarmte ihn.
“Do you have any criticism of it at all?” “I ask His Honor the Judge for permission not to discuss this.” “ʿAlī,” he said, “this is the most serious question you’ll ever be asked.” After regaling him with new clothes, bottles of scent, and a riding animal complete with saddle, bridle, and reins, Ibn Abī Duʾād continued to press his question until al- Madīnī finally said, “One of the transmitters is unreliable. It’s Qays ibn Abī Ḥāzim, who was no more than a desert Arab who used to piss on his own heels.” Ibn Abī Duʾād rose and embraced him.
Am folgenden Tag, als der Prozess wieder aufgenommen wurde, sagte Ibn Abī Duʾād: „Befehlshaber der Gläubigen, Aḥmad hat den Hadith von Jarīr angeführt und Qays ibn Abī Ḥāzim als Überlieferer genannt, doch Qays war nichts weiter als ein Araber aus der Wüste, der auf seine eigenen Fersen urinierte.“ Aḥmad sagte später, dass ihm sofort klar war, dass dies das Werk von ʿAlī l-Madīnī war.
The next day, when the trial had resumed, Ibn Abī Duʾād said, “Commander of the Faithful, Aḥmad cited the Hadith of Jarīr and named Qays ibn Abī Ḥāzim as a transmitter, but Qays was no more than a desert Arab who used to piss on his own heels.” Aḥmad later said that he realized immediately that this was the work of ʿAlī l- Madīnī.
[Der Autor:] Wenn diese Geschichte wahr ist, dann hat Ibn al-Madīnī ein schreckliches Verbrechen begangen.
[The author:] If this story is true, Ibn al-Madīnī is guilty of a terrible crime:
volunteering an assessment he knew to be false. Qays ibn Abī Ḥāzim war einer der führenden Nachfolger (Tābiʿūn) und der Einzige, der alle zehn vornehmsten Gefährten getroffen und Überlieferungen von ihnen weitergegeben hat. Dies ist die Ansicht der meisten Gelehrten, wenngleich Abū Dāwūd Sulaymān ibn al-Ashʿath sagt, dass er nur von neun der zehn überliefert habe, wobei der fehlende ʿAbd al-Raḥmān ibn ʿAwf sei. Wie dem auch sei, Qays hat von einer großen Zahl von Gefährten überliefert und wurde aus keinem Grund jemals kritisiert.
volunteering an assessment he knew to be false. Qays ibn Abī Ḥāzim was one of the leading Successors and the only one to have met all ten of the foremost Companions and transmitted reports on their authority. This is the view of most men of learning, though Abū Dāwūd Sulaymān ibn al-Ashʿath says that he transmitted from only nine of the ten, the missing one being ʿAbd al-Raḥmān ibn ʿAwf. In any event, Qays did transmit from a great many Companions and was never criticized for any reason.
Wer das tut, was al-Madīnī Berichten zufolge getan hat, verdient daher, gemieden zu werden. 77.10
Anyone who does what al-Madīnī reportedly did therefore deserves to be ostracized. 77.10
[Muḥammad ibn ʿAbd Allāh al-Shāfiʿī:] Ibrāhīm al-Ḥarbī wurde gefragt, warum er keine Überlieferungen weitergebe, die von ʿAlī ibn al-Madīnī überliefert wurden. Er antwortete: „Eines Tages sah ich ihn gehen, wobei er seine Sandalen in der Hand hielt und den Saum seines Gewands zwischen seinen Zähnen.“462 77.11
[Muḥammad ibn ʿAbd Allāh al-Shāfiʿī:] Ibrāhīm al-Ḥarbī was asked why he didn’t transmit reports transmitted by ʿAlī ibn al-Madīnī. He replied, “One day I saw him walking along with his sandals in his hand and the hem of his garment between his teeth.462 77.11
„„Wohin gehst du?“, fragte ich.
“‘Where are you off to?’ I asked.
„‚Ich muss rechtzeitig bei Abū ʿAbd Allāh sein, um hinter ihm zu beten.‘ „Ich dachte, er meine Aḥmad ibn Ḥanbal, aber als ich ihn fragte, sagte er, er meine Ibn Abī Duʾād.“
“‘I need to get to Abū ʿAbd Allāh’s in time to pray behind him.’ “I thought he meant Aḥmad ibn Ḥanbal, but when I asked him he said he meant Ibn Abī Duʾād.
„‚Bei Gott‘, sagte ich, ‚ich werde nie wieder ein Wort von dir zitieren.‘“ [Ibrāhīm al-Ḥarbī:] Wann immer ʿAlī ibn al-Madīnī in einem Dokument auf einen von Aḥmad überlieferten Ḥadīth stieß, sagte er: „Streich ihn durch“, um Ibn Abī Duʾād zu gefallen. 77.12
“‘By God,’ I said, ‘I’m never citing another word I heard from you.’” [Ibrāhīm al-Ḥarbī:] Whenever ʿAlī ibn al-Madīnī came across a Hadith transmitted by Aḥmad in a document, he would say, “Cross it out,” to please Ibn Abī Duʾād. 77.12
[Yaḥyā ibn ʿUthmān:] Ich hörte Bishr ibn al-Ḥārith sagen: „Ich hätte lieber gesehen, dass ihr Haar mit Blut gefärbt ist, als dass sie nachgeben.“ 77.13
[Yaḥyā ibn ʿUthmān:] I heard Bishr ibn al-Ḥārith say: “I would rather have seen their hair dyed with blood than see them give in.” 77.13