Sein Ruhm
His Fame
Im Kapitel über seine Kindheit haben wir festgehalten, dass Aḥmad ibn Ḥanbal schon als Jugendlicher hoch angesehen war. 19.1
In the chapter about his childhood, we noted that Aḥmad ibn Ḥanbal was highly regarded even as a youth. 19.1
[Al-Marrūdhī:] Ich sagte einmal zu Aḥmad: „Viele Menschen beten für dich.“ „Das macht mir Angst“, sagte er. „Es könnte eine Versuchung sein, sich selbst zu hoch einzuschätzen.“
[Al-Marrūdhī:] I once said to Aḥmad, “There are a lot of people praying for you.” “That frightens me,” he said. “It could be a temptation to think highly of myself.
„Warum tun sie es?“ Ich erzählte ihm einmal, dass ich einen Mann aus Tarsus getroffen hatte, der sagte, er habe gegen die Byzantiner gekämpft. In der Stille der Nacht, erzählte er mir, riefen die Männer: „Bittet Gott für Abū ʿAbd Allāh!“ Er fuhr fort: „Wir zogen den Arm des Mangonels112 zurück und ließen ihn dann los. Einmal schossen wir einen Stein auf einen Barbaren113, der hinter seinem Schild auf einer Brustwehr stand, und der Stein schlug ihm sowohl den Kopf als auch den Schild vom Körper.“114
Why do they do it?” I once told him that I had met a man from Tarsus who said that he had been fighting the Byzantines. In the still of the night, he told me, the men would call out “Pray to God for Abū ʿAbd Allāh!” He went on: “We would pull back the arm of the mangonel112 and then release it. Once we shot a stone at a barbarian113 standing on a rampart behind his shield, and the stone knocked off his head and the shield both.”114
Ahmads Gesicht verfinsterte sich, und er sagte: „Wäre es doch nur keine Versuchung!“ Dann sagte er: „Glaubst du, es ist eine Versuchung?“ „Natürlich nicht“, antwortete ich.
Aḥmad’s face fell, and he said, “If only it weren’t a temptation!” Then he said, “Do you think it’s a temptation?” “Of course not,” I answered.
[Al-Abbār:] Wir waren mehrere Tage am Ufer des Balkh-Flusses entlanggezogen, als unsere Vorräte aufgebraucht waren. Daraufhin machten sich zwei von uns auf den Weg nach Buchara, um etwas zu essen zu kaufen.
[Al-Abbār:] We’d been marching along the Balkh River for several days when our provisions ran out, so two of us headed off toward Bukhārā to buy something to eat.
Unterwegs trafen wir einen blonden, rotgesichtigen Mann, der uns fragte, woher wir kämen.
On the way we met a blond-haired, red-faced man who asked us where we were from.
Als wir ihm sagten, dass wir aus Bagdad kämen, fragte er: „Wie geht es Aḥmad ibn Ḥanbal?“ 19.2
When we told him we were from Baghdad, he asked, “How is Aḥmad ibn Ḥanbal?” 19.2
„Als wir gingen, war er am Leben und wohlauf.“ Der Mann hob sein Haupt und betete zu Gott um das Wohlergehen Aḥmads.
“When we left, he was alive and well.” The man raised his head and prayed to God for Aḥmad’s well-being.
„Jetzt habe ich wirklich alles gesehen“, sagte ich zu meinem Gefährten. „Sogar hier, an der Grenze des Islam, unter den Türken!“ [Al-Marrūdhī:] Ich erzählte Aḥmad einmal, dass jemand gesagt habe, von hier bis hin zum Land der Türken beteten die Menschen für sein Wohlergehen. Ich fragte ihn, wie er seine Dankbarkeit für die Beliebtheit zeige, mit der Gott ihn gesegnet habe. 19.3
“Now I’ve seen it all,” I said to my companion. “Even here, on the frontier of Islam, among the Turks!” [Al-Marrūdhī:] I once told Aḥmad that someone had said that from here as far as the land of the Turks, people were praying for his well-being. I asked him how he showed his gratitude for the popularity God had blessed him with. 19.3
„Ich bete zu Gott, dass ich nichts um des äußeren Scheins willen tue“, sagte er.
“I pray to God that I do nothing for the sake of appearances,” he said.
[ʿAbd Allāh:] Bilāl und ich gingen zu Muḥammad ibn Saʿīd al-Tirmidhī, der uns erzählte: „Eine Gruppe von uns war bei Wahb ibn Jarīr. Aḥmad war auch dort. Er bat mich, vorzulesen,115 aber ich tat es nicht.“ 19.4
[ʿAbd Allāh:] Bilāl and I went to see Muḥammad ibn Saʿīd al-Tirmidhī, who told us, “A group of us were at Wahb ibn Jarīr’s. Aḥmad was there too. He asked me to read,115 but I didn’t.” 19.4
Wir fragten ihn, warum nicht.
We asked him why not.
„Ich wollte nicht lesen, weil Aḥmad vielleicht etwas sagen oder eine Reaktion zeigen würde, und die Leute würden anfangen, darüber zu reden.“ [Aḥmad ibn al-Ḥusayn:] Ich hörte einen Mann aus Khurasan sagen: „Zu Hause glauben die Leute, Aḥmad ibn Ḥanbal sei kein Mensch. Sie halten ihn für eine Art Engel.“ 19.5
“I didn’t want to read because Aḥmad might say something, or show some kind of reaction, and people would start talking about it.” [Aḥmad ibn al-Ḥusayn:] I heard a man from Khurasan say, “Back home people think Aḥmad ibn Ḥanbal isn’t human. They think he’s some kind of angel.” 19.5
Ich hörte auch von einem Mann, der an der Grenze gewesen war, dass die Leute dort sagten: „Ein Blick auf Aḥmad ibn Ḥanbal ist besser als“ – oder „gleich viel wie“ – „ein Jahr Gottesdienst.“ [ʿAlī ibn al-Jahm:] Als ich noch jung war, sah ich einmal Menschenmengen vorbeieilen, und ich fragte, wohin sie gingen. Man sagte mir: „Hier ist ein Mann, der Aḥmad ibn Ḥanbal gesehen hat!“ 19.6
I also heard from a man who had been at the frontier that people there were saying, “One look from Aḥmad ibn Ḥanbal is better than”—or “equal to”—“a year’s worth of ritual devotion.” [ʿAlī ibn al-Jahm:] Once when I was young I saw crowds of people rushing by and asked where they were going. They told me, “There’s a man here who saw Aḥmad ibn Ḥanbal!” 19.6
Ich fragte den Mann, ob er Aḥmad wirklich gesehen habe.
I asked the man if he had really seen Aḥmad.
„Ich habe in seiner Moschee gebetet", antwortete er.
“I prayed in his mosque,” he replied.
[Al-Qūmisī:] Zwei zoroastrische Frauen gerieten in einen Streit über ein Erbe und gingen zu einem Gelehrten, um sich schlichten zu lassen. Der Gelehrte entschied gegen die eine Frau, die sagte: „Wenn du nach dem geurteilt hast, was Aḥmad ibn Ḥanbal sagen würde, nehme ich es an; andernfalls nehme ich es nicht an.“ 19.7
[Al-Qūmisī:] Two Zoroastrian women had a dispute over an inheritance and went to a scholar for arbitration. The scholar ruled against one woman, who said, “If you’ve judged according to what Aḥmad ibn Ḥanbal would say, I accept; otherwise I don’t.” 19.7
Der Gelehrte antwortete, er habe so geurteilt, wie Ibn Ḥanbal geurteilt hätte, und die Frau nahm das Urteil an.116
The scholar replied that he had ruled as Ibn Ḥanbal would have, and the woman accepted the judgment.116
Al-Marrūdhī sagte: „Ich sah einst einen christlichen Arzt aus dem Haus Aḥmads herauskommen, zusammen mit einem Priester oder vielleicht einem Mönch. Ich hörte den Arzt zu jemandem sagen: ‚Er bat darum, mit mir zu kommen, um Aḥmad einmal zu sehen.‘“ 19.8
Al-Marrūdhī said: “I once saw a Christian doctor coming out of Aḥmad’s house with a priest or maybe a monk. I heard the doctor tell someone, ‘He asked to come with me so he could get a look at Aḥmad.’” 19.8
Al-Marrūdhī sagte: „Ich brachte einmal einen Christen in Aḥmads Haus, um ihn zu behandeln.
Al-Marrūdhī said: “I once brought a Christian to Aḥmad’s house to treat him.
„Aḥmad“, sagte er zu ihm, „ich habe mir jahrelang gewünscht, dich zu treffen. Dein Wohlergehen betrifft nicht nur die Muslime, sondern auch alle anderen. Du hast keinem von uns jemals Anlass zur Klage gegeben.“ Ich sagte zu Aḥmad: „Wenn doch nur alle überall für dich beten würden.“ „Solange ein Mensch sich selbst kennt“, erwiderte er, „macht es keinen Unterschied, was die Leute sagen.“ [ʿAbd Allāh ibn ʿAdī:] Ich hörte Muḥammad ibn ʿAbd Allāh al-Ṣayrafī, wie er Schüler der Schāfiʿī-Schule folgendermaßen anredete: „Achtet genau darauf, was mit Ḥusayn al-Karābīsī und Abū Thawr geschah. Ḥusayn war berühmt für seine Gelehrsamkeit und sein Gedächtnis, das zehnmal stärker war als das Abū Thawrs. Doch als Aḥmad ibn Ḥanbal Ḥusayns Ansicht zur Aussprache117 widersprach, verlor Ḥusayn seinen Ruf, und als Aḥmad Abū Thawr dafür lobte, dass er an der Sunnah festhielt, wuchs dessen Ansehen.“ 19.9
‘Aḥmad,’ he told him, ‘I’ve been hoping to meet you for years. Your well-being concerns not only the Muslims but everyone else as well. You’ve never given any of us cause for complaint.’” I said to Aḥmad, “If only everyone everywhere would pray for you.” “So long as a man knows himself,” he replied, “it makes no difference what people say.”[ ʿAbd Allāh ibn ʿAdī:] I heard Muḥammad ibn ʿAbd Allāh al-Ṣayrafī addressing students of the Shāfiʿī system as follows: “Take careful note of what happened to Ḥusayn al-Karābīsī and Abū Thawr. Ḥusayn was famous for his learning and his powers of retention, which were ten times greater than Abū Thawr’s. But when Aḥmad ibn Ḥanbal objected to Ḥusayn’s view of utterance117 Ḥusayn lost his reputation, and when Aḥmad praised Abū Thawr for sticking to the sunnah, his reputation grew.” 19.9
[Ibn Rāhawayh:] Ich ging einmal zu ʿAbd Allāh ibn Ṭāhir, der sagte: „Ich habe noch nie so etwas gesehen wie diese Aufschiebenden!118 Sie sagen: ‚Mein Glaube ist so stark wie der Gabriels‘, doch bei Gott, ich glaube nicht, dass es richtig ist, auch nur zu sagen: ‚Mein Glaube ist so stark wie der von Yaḥyā ibn Yaḥyā oder von Aḥmad ibn Ḥanbal.‘“ 19.10
[Ibn Rāhawayh:] I once went to see ʿAbd Allāh ibn Ṭāhir, who said, “I’ve never seen anything like these Postponers!118 They’ll say, ‘My faith is as strong as Gabriel’s,’ but by God I don’t think it’s right even to say, ‘My faith is as strong as Yaḥyā ibn Yaḥyā’s, or Aḥmad ibn Ḥanbal’s.’” 19.10
[Muḥammad ibn Yaḥyā:] Ich habe nie eine Großzügigkeit gesehen, die so bedeutsam war wie die von Aḥmad ibn Ḥanbal. Ich hörte ihn morgens Ḥadīth vortragen und diktierte es meinen Schülern noch am selben Abend. 19.11
[Muḥammad ibn Yaḥyā:] I’ve never seen generousity as meaningful as Aḥmad ibn Ḥanbal’s. I used to hear Hadith from him in the morning and dictate it to my students that same evening. 19.11
[Aḥmad:] Ich reiste mit Yaḥyā ibn Maʿīn nach Sanaa im Jemen. Wir kamen ungefähr zur Zeit des Nachmittagsgebets an und fragten, wo das Haus von ʿAbd al-Razzāq sei. Man sagte uns, er wohne in einem Dorf namens al-Ramādah. Ich war so begierig, ihn zu treffen, dass ich vorausging, Yaḥyā aber blieb zurück. Es war nicht sehr weit von Sanaa entfernt. Sobald ich fragte, zeigte man mir das Haus. Doch als ich an die Tür klopfen wollte, sagte ein Lebensmittelhändler auf der gegenüberliegenden Straßenseite: „Klopf nicht an; der Scheich ist ein Schrecken.“ 19.12
[Aḥmad:] I traveled to Sanaa in Yemen with Yaḥyā ibn Maʿīn. We arrived around the time of the afternoon prayer and asked where ʿAbd al-Razzāq’s house was. They told us he lived in a village called al-Ramādah. I was so eager to meet him that I went on ahead, but Yaḥyā stayed behind. It wasn’t that far from Sanaa. As soon as I asked, they pointed out the house. But then when I went to knock on the door, a grocer across the street said, “Don’t knock; the shaykh is a terror.” 19.12
Also setzte ich mich hin, um zu warten, bis es fast Zeit für das Abendgebet war. Als ʿAbd al-Razzāq herauskam, um zu beten, sprang ich auf und hielt ihm einige Hadithe hin, die ich ausgewählt hatte.
So I sat down to wait until it was almost time for the sunset prayer. When ʿAbd al- Razzāq came out to pray, I jumped up, holding out some Hadith I had chosen.
„Friede sei mit dir!“, sagte ich. „Würdest du mir diese bitte vortragen? Ich bin einen weiten Weg gekommen.“ „Wer bist du?“, fragte er.
“Peace be upon you!” I said. “Will you recite these for me, please? I’ve come a long way.” “Who are you?” he asked.
„Aḥmad ibn Ḥanbal.“ Als er das hörte, hielt er inne und zog seine Schultern zusammen, als wolle er sich kleiner machen. Dann wandte er sich wieder um und umarmte mich. „Bist du wirklich Aḥmad?“, fragte er. Er nahm die Ḥadīth-Überlieferungen und begann, sie zu lesen, und hörte nicht auf, bis es zu dunkel war, als dass er noch etwas sehen konnte. Er bat den Kaufmann um eine Lampe und las weiter, bis die Zeit des Sonnenuntergangsgebets verstrichen war – das er sonst immer zur spätestmöglichen Zeit verrichtete.
“Aḥmad ibn Ḥanbal.” When he heard that, he stopped and drew his shoulders together as if to make himself smaller. Then he turned back and embraced me. “Are you really Aḥmad?” he asked. He took the Hadith reports and started reading them, not stopping until it got too dark for him to see. He asked the grocer for a lamp and kept going until the time for the sunset prayer—which he usually performed at the last possible time—had passed.
[ʿAbd Allāh:] Wann immer mein Vater daran zurückdachte, dass er in Gegenwart von ʿAbd al-Razzāq gelobt worden war, weinte er.
[ʿAbd Allāh:] Whenever my father recalled learning that he had been praised in the presence of ʿAbd al-Razzāq, he would weep.
[Abū l-ʿAbbās al-Ḥaṭṭāb:] Als noch viele der großen Männer unter uns weilten, nahm ich einige Zettel und schrieb auf jeden einen ihrer Namen: Aswad ibn Sālim, Bishr ibn al-Ḥārith, Aḥmad ibn Ḥanbal und so weiter. Dann verrichtete ich zwei Gebetszyklen und bat Gott, den Mächtigen und Herrlichen, mir einen von ihnen als Vorbild zu erwählen. Ich mischte die Zettel, legte sie außer Sicht und zog dann einen. Zu meiner Freude war es Aḥmad ibn Ḥanbal. Ich verrichtete zwei weitere Gebetszyklen, rief Gott an und mischte die Zettel erneut, und wieder kam Aḥmad heraus. Als ich es ein drittes Mal versuchte, geschah dasselbe. 19.13
[Abū l-ʿAbbās al-Ḥaṭṭāb:] Back when many of the great men were still with us, I took some slips of paper and wrote down their names, one on each slip: Aswad ibn Sālim, Bishr ibn al-Ḥārith, Aḥmad ibn Ḥanbal, and so on. Then I prayed two cycles and asked God, mighty and glorious, to choose one for me as an exemplar. I shuffled the slips and put them out of sight, then picked one. To my delight, it turned out to be Aḥmad ibn Ḥanbal. I prayed two more cycles, invoked God, and reshuffled the slips, and again it came out Aḥmad. When I tried it a third time the same thing happened. 19.13