Seine letzte Krankheit
His Final Illness
[ʿAbd Allāh:] Mein Vater sagte mir: „Ich habe siebenundsiebzig Jahre gelebt und mein achtundsiebzigstes begonnen.“ 79.1
[ʿAbd Allāh:] My father told me: “I’ve lived seventy-seven years and started my seventy-eighth.” 79.1
In derselben Nacht bekam er Fieber. Er starb am Zehnten im Jahr 241 [855].
That same night he took fever. He died on the tenth, in ’41 [855].
[Al-Jawharī:] Ich besuchte Ibn Ḥanbal im Gefängnis und fand dort Abū Saʿīd al-Ḥaddād bei ihm. Abū Saʿīd fragte ihn, wie es ihm gehe. 79.2
[Al-Jawharī:] I went to visit Ibn Ḥanbal in jail and found Abū Saʿīd al-Ḥaddād there with him. Abū Saʿīd asked him how he was feeling. 79.2
„Nun“, antwortete er, „bei guter Gesundheit, Gott sei Dank!“ „Hattest du letzte Nacht Fieber?“ „Wenn ich sage, dass es mir gut geht“, sagte Aḥmad, „dann stell mir bitte keine weiteren Fragen. Ich möchte nicht über irgendetwas Verwerfliches sprechen.“ [Ṣāliḥ:] Am ersten Tag des Rabīʿ I 241, in der Nacht zum Dienstag,470 bekam mein Vater Fieber. Am nächsten Tag ging ich zu ihm. Er hatte Fieber, und er atmete nur unter großer Anstrengung. Ich kannte den Verlauf seiner Krankheiten, und ich war es, der ihn pflegte, wann immer er krank war. 79.3
“Well,” he answered. “In good health, praise God!” “Did you have any fever last night?” “If I say I’m in good health,” said Aḥmad, “don’t ask any more questions. I don’t want to talk about anything detestable.” [Ṣāliḥ:] On the first day of Rabīʿ I 241, on a Tuesday night,470 my father took fever. The next day I went to see him. He was feverish and he was breathing only with great effort. I knew how his illnesses went and I was the one who nursed him whenever he was unwell. 79.3
„Was hast du gestern Abend gegessen, Papa?“, fragte ich ihn.
“What did you eat last night, Dad?” I asked him.
„Bohnenbrühe“, sagte er.
“Bean broth,” he said.
Dann versuchte er aufzustehen.
Then he tried to get up.
„Nimm meine Hand“, sagte er.
“Take my hand,” he said.
Ich nahm es. Als er den Abtritt erreichte, gaben seine Beine nach, und er musste sich auf mich stützen.
I took it. When he reached the privy his legs gave way and he had to lean on me.
Er wurde von mehreren Heilern betreut, allesamt Muslime. Einer von ihnen, ein Mann namens ʿAbd al-Raḥmān, riet ihm, einen Kürbis zu rösten und den Saft zu trinken. Das geschah am Dienstag vor dem Freitag, an dem er starb.
He was attended by several healers, all of them Muslims. One of them, a man called ʿAbd al-Raḥmān, advised him to roast a gourd and drink the juice. That was on the Tuesday before the Friday when he died.
„Ṣāliḥ“, sagte er.
“Ṣāliḥ,” he said.
„Ja.“ „Röste es nicht in deinem Haus und auch nicht in dem von ʿAbd Allāh.“ Al-Fatḥ ibn Sahl kam, um nach ihm zu sehen, aber ich ließ ihn nicht herein. Dann kam ʿAlī ibn al-Jaʿd471, doch auch ihn ließ ich nicht herein. Als aber immer mehr Leute kamen, sagte ich schließlich meinem Vater, dass Besuch da sei. 79.4
“Yes.” “Don’t roast it in your house or ʿAbd Allāh’s either.” Al-Fatḥ ibn Sahl came to check on him but I didn’t let him in. Then ʿAlī ibn al- Jaʿd471 came but I didn’t let him in either. But as people kept arriving, I finally told my father he had visitors. 79.4
„Was meinst du, was wir tun sollten?“, fragte er mich.
“What do you think we should do?” he asked me.
„Lasst sie herein, damit sie für dich beten.“ Er willigte ein, und sie strömten herein, füllten das Haus, bis es voll war, fragten ihn, wie es ihm gehe, und riefen Gott an, ihn zu heilen. Kaum war eine Gruppe hinausgegangen, drängte schon die nächste herein. Als immer mehr kamen, füllte sich die Straße, und wir mussten das Gassentor schließen.
“Let them in to pray for you.” He agreed, and in they came, pouring into the house until it was full, asking him how he was feeling and calling on God to cure him. As soon as one group went out, another would come crowding in. As more and more arrived, the street filled up and we had to close the alley gate.
Unter den Besuchern war ein Nachbar von uns, der sich gerade den Bart gefärbt hatte. Sobald mein Vater ihn sah, sagte er: „Da ist ein Mann, der eine Sunnah am Leben erhält.
Among the callers was a neighbor of ours who had just dyed his beard. As soon as my father saw him, he said, “Now there’s a man who’s keeping some sunnah alive.
„Das macht mich glücklich.“ Der Mann ging hinein und begann, für meinen Vater zu beten, und dieser fügte immer wieder hinzu: „Und für ihn und für alle Muslime.“ Ein anderer Mann kam und sagte: „Finde einen Weg, mir zu ermöglichen, ihn zu sehen. Ich war an dem Tag dabei, als sie ihn im Palast auspeitschten, und ich möchte, dass er mir vergibt.“ Als ich meinem Vater davon erzählte, sagte er nichts. Aber ich ließ nicht locker, bis er nachgab. Als ich den Mann hereinließ, stand er da und weinte. „Abū ʿAbd Allāh“, sagte er, „ich war an dem Tag dabei, als sie dich im Palast auspeitschten. Nun stehe ich hier vor dir. Wenn du Rache willst, dann nimm sie dir.“
That makes me happy.” The man went in and began praying for my father, who kept adding, “And for him, and for all Muslims.” Another man came and said, “Find some way to get me in to see him. I was there the day they flogged him at the palace and I want him to forgive me.” When I told my father, he said nothing. But I kept at him until he relented. When I let the man in, he stood there weeping. “Abū ʿAbd Allāh,” he said, “I was there the day they flogged you at the palace. Now here I am before you. If you want revenge, take it.
„Wenn du mir vergeben kannst, dann vergib mir.“ 79.5
If you can forgive me, forgive me.” 79.5
„Unter einer Bedingung“, sagte mein Vater. „Tu so etwas nie wieder.“ „Das werde ich nicht“, sagte der Mann.
“On one condition,” said my father. “Don’t do anything like it again.” “I won’t,” said the man.
„Ich vergebe dir.“ Der Mann ging unter Tränen hinaus, und alle Anwesenden weinten ebenfalls.
“I forgive you.” The man went out in tears and all those present wept as well.
Mein Vater bewahrte einige Münzreste in einem Lappen auf. Wann immer er etwas brauchte, gaben wir von dem Geld demjenigen, der für ihn einkaufte, etwas davon. An jenem Dienstag fragte er mich, ob etwas im Lappen sei. Ich schaute nach und fand einen Dirham. 79.6
My father kept some scraps of coin in a bit of rag. Whenever he needed anything, we would give some of the money to whoever was doing the shopping for him. On that Tuesday, he asked me if there was anything in the rag. I looked and found a dirham. 79.6
„Er sagte: ‚Bitte einen der Mieter, eine Besorgung zu machen.‘ Also schickte ich Nachricht, und eine der Frauen bekam etwas Geld.“472
“Find one of the tenants to run an errand,” he said. So I sent word and one of the women was given some money.472
„Schick jemanden los, der mir Datteln besorgt, damit ich einen gebrochenen Schwur sühnen kann“, sagte er. Ich schickte jemanden los, der die Datteln besorgte, und ich sühnte seinen Schwur.473 Danach waren noch etwa drei Dirham übrig. Als ich es ihm sagte, sprach er: „Gepriesen sei Gott!“ Dann sagte er: „Lies mir mein Testament vor.“ Ich las es ihm vor, und er bestätigte, dass es sein Testament war.
“Send out and get me some dates so I can expiate a broken oath,” he said. I sent out for the dates, bought them, and expiated his oath.473 After that there were about three dirhams left. When I told him, he said, “Praise God!” Then he said, “Read out my will.” I read it out to him and he affirmed that it was his.
[Der Autor:] Wir haben sein Testament bereits in unserer Darstellung der Inquisition zitiert und werden es daher nicht erneut zitieren.
[The author:] We have already cited his will in our account of the Inquisition and will therefore refrain from citing it again.
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad erkrankte in der Nacht von Dienstag, zwei Nächte nach Beginn des Monats Rabīʿ I 241, und war neun Tage lang krank. Als sich herumsprach, dass es ihm immer schlechter ging, erschienen Scharen von Besuchern am Tor und blieben dort die ganze Nacht. Als die Behörden erfuhren, dass sich eine Menschenmenge versammelt hatte, postierten sie Wächter und Reiter an der Haustür und am Eingang zur Gasse. Bis dahin hatte Aḥmad Menschen zu sich gelassen, die ihn sehen wollten. Sie drängten sich ins Haus, riefen Grüße, und er erwiderte sie, indem er die Hand hob. Damit war es vorbei, als die berittenen Truppen eintrafen, die die Menschen am Eintreten hinderten und das Gassentor verschlossen. Doch so viele Menschen hatten sich in den Straßen und Moscheen versammelt, dass einige Händler ihre Geschäfte nicht mehr betreiben konnten. Um Ibn Ḥanbal zu sehen, blieb nur der Weg durch die angrenzenden Häuser oder die Wohnblocks der Weber oder das Überklettern einer Mauer. Ibrāhīm ibn ʿAṭāʾ schickte Männer, die sich in der Nähe des Tores postierten und ihm Bericht erstatteten, und kam zweimal täglich, morgens und abends, um sich nach Ibn Ḥanbal zu erkundigen, ging aber meist wieder, ohne ihn gesehen zu haben. Inzwischen stellten auch Beobachter, die im Auftrag Ibn Ṭāhirs handelten, Nachforschungen an. 79.7
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad fell ill on Tuesday night, two nights into Rabīʿ I 241, and remained unwell for nine days. As word spread that he was growing worse, crowds of visitors appeared at the gate and remained there through the night. When the authorities learned that a crowd had gathered, they posted watchers and horse-troopers at the door of the house and the gateway into the alley. Up to that point Aḥmad had been allowing people in to see him. They would crowd into the house calling out greetings, and he would respond by lifting his hand. That ended with the arrival of the mounted troops, who stopped people from going in and shut the alley gate. But so many people had crowded into the streets and mosques that some of the vendors could no longer do business. The only way to see Ibn Ḥanbal was to find a way in through the adjoining houses or the weavers’ tenements, or to climb over a wall. After sending men to take up positions near the gate and report back to him, Ibrāhīm ibn ʿAṭāʾ came twice a day—once in the morning and once in the evening—to ask after Ibn Ḥanbal but as often as not went away without seeing him. Meanwhile, watchers acting on behalf of Ibn Ṭāhir were making inquiries as well. 79.7
Aḥmad erzählte mir: „Der Kämmerer Ibn Ṭāhirs kam zu mir und überbrachte die Nachricht: ‚Der Kalif entbietet dir seine Grüße; er wünscht dich zu sehen.‘ Ich sagte ihm, das sei etwas, das ich verabscheue zu tun, und der Herrscher der Gläubigen hatte mich von dem befreit, was ich verabscheue.“ Der Kämmerer Ibn Ṭāhirs kehrte nachts zurück und stellte den Ärzten, die meinen Vater behandelten, Fragen. Inzwischen schickten die Beobachter Berichte nach Samarra, und die Kurierpferde kamen und gingen jeden Tag. Angehörige des Stammes Hāshim kamen, um ihn zu besuchen, und weinten. Eine Anzahl von Richtern und anderen Beamten traf ein, wurde jedoch nicht eingelassen. Ein Knabe, der zu seinem Onkel Yūsuf gehörte, wurde geschickt, um ihm Luft zuzufächeln, doch mein Vater wies ihn ab, weil er mit Mitteln gekauft worden war, die er missbilligte.
Aḥmad told me, “Ibn Ṭāhir’s chamberlain came to see me and reported, ‘The caliph sends his salutations; he wishes to see you.’ I told him that was something I would detest doing, and the Commander of the Faithful had exempted me from doing what I detest.” Ibn Ṭāhir’s chamberlain came back at night and asked questions of the doctors who were attending my father. Meanwhile, the watchers were sending reports back to Samarra, and the courier horses came and went every day. The members of the clan of Hāshim came to see him and wept. A number of judges and other officials arrived but were not admitted. A boy belonging to his uncle Yūsuf was sent to fan him, but my father waved him away because he had been purchased with funds he disapproved of.
„Bleib bei mir“, sagte er. „Es dauert nicht mehr lange.“ „Ich bin hier“, sagte ich zu ihm.
“Stay with me,” he said. “It won’t be long now.” “I’m right here,” I told him.
Immer wenn er etwas für seine Gesundheit kaufen musste, holte er ein kleines Stück Stoff hervor, in dem einige Münzreste eingewickelt waren, gab es mir, und ich kaufte, was er brauchte. 79.8
Whenever he needed to buy anything for his health, he would take out a bit of rag containing some scraps of coin and give them to me and I would buy what he needed. 79.8
Er ließ uns Zeugen seines Testaments sein, das er in Samarra niedergeschrieben hatte. Ich hörte, wie er sagte: „Lest es vor“, und es wurde ihm laut vorgelesen. Dann bat er uns, Datteln zu kaufen, um einen Schwur zu sühnen. Danach blieb ihm ein Dāniq und ein halber mehr oder weniger. Als ich hereinkam, fragte er, wie es gelaufen sei, und ich sagte ihm, wir hätten die Datteln genommen und sie geschickt. Da wandte er sein Gesicht dem Himmel zu und begann, Gott zu preisen.
He had us witness his will, which he had written in Samarra. I heard that he said, “Read it out,” and it was read aloud for him. Then he asked us to buy some dates to expiate an oath. Afterward he was left with a dāniq and a half, more or less. When I came in he asked how it had gone, and I told him that we had taken the dates and sent them. He turned his face to the heavens and began praising God.
Auch hatte er Besuch von ʿAbd al-Wahhāb. „Es bedeutet mir sehr viel“, sagte Aḥmad, als er aufgenommen wurde, „dass er bei dieser Hitze hierhergekommen ist.“ ʿAbd al-Wahhāb beugte sich über ihn und nahm seine Hand. Die beiden saßen Hand in Hand, bis es für ʿAbd al-Wahhāb Zeit war zu gehen.
He also had a visit from ʿAbd al-Wahhāb. “It means a lot to me,” said Aḥmad when he was admitted, “that he came here in this heat.” ʿAbd al-Wahhāb bent over him and took his hand. The two sat hand in hand until it was time for ʿAbd al-Wahhāb to leave.
Zu einem Zeitpunkt kam eine Gruppe von Menschen herein, einer von ihnen ein Ältester mit einem gefärbten Bart.
At one point a group of people came in, one of them an elder with a dyed beard.
Aḥmad sagte: „Es macht mich glücklich zu sehen, dass er seinen Bart gefärbt hat“ oder sinngemäß so.
Aḥmad said, “It makes me happy to see that he’s dyed his beard,” or words to that effect.
Einer seiner Besucher sagte: „Möge Gott dir geben, worum du Ihn für uns alle gebeten hast.“ „Möge Gott dein Gebet erhören!“ erwiderte Aḥmad. Als seine Besucher begannen, ihn in ihren Gebeten zu nennen, sagte er immer wieder: „Auch für alle Muslime!“ Einige seiner Besucher waren Menschen, die er aus dem einen oder anderen Grund missbilligte.
One of his visitors said, “May God give you what you asked Him to give all of us.” “May God grant your prayer!” replied Aḥmad. As his visitors began naming him in their prayers, he kept saying, “For all Muslims too!” Several of his visitors were people he disapproved of for one reason or another.
Wann immer eine solche Person eintrat, schloss Aḥmad die Augen, als wolle er sie abtun.
Whenever such a person entered, Aḥmad would close his eyes as if to dismiss him.
Oft weigerte er sich, deren Gruß zu erwidern.
Often he would refuse to return his greeting.
Ein älterer Mann kam zu ihm und sagte: „Denke an den Augenblick, in dem du vor Gott stehen wirst!" Da stieß Aḥmad einen Schluchzer aus, und die Tränen rannen ihm über die Wangen.
One elder came to see him and said to him, “Be mindful of the moment when you’ll stand before God!” At that, Aḥmad gave a sob and the tears streamed down his cheeks.
Einen oder zwei Tage bevor er starb, brachte er mit schwerer Zunge die Worte hervor: „Ruft die Jungen," gemeint waren die Kleinen. Als die Kinder nacheinander um ihn versammelt waren, drückte er sie an sich, um ihren Duft einzuatmen, und strich ihnen, mit Tränen in den Augen, über die Köpfe. Jemand sagte: „Mach dir keine Sorgen, Abū ʿAbd Allāh: Sie werden zurechtkommen." Aber Aḥmad machte eine Geste, als wollte er sagen: „Das ist nicht, woran ich gedacht habe." 79.9
A day or two before he died, he slurred out the words, “Call the boys,” meaning the little ones. As the children gathered around him one by one, he held them close to inhale their scent and, tears in his eyes, ran his hand over their heads. Someone said, “Don’t worry, Abū ʿAbd Allāh: they’ll be fine.” But Aḥmad made a gesture as if to say, “That’s not what I was thinking.” 79.9
Wenn er nur sitzen konnte, betete er aus dieser Haltung heraus; und wenn er nicht aufstehen konnte, betete er im Liegen, unermüdlich, indem er seine Hände hob, als vollziehe er eine Reihe von Niederwerfungen.
When he could only sit, he would pray from that position; and when he couldn’t rise he would pray lying down, tirelessly, by lifting his hands as if performing a cycle of prostrations.
Als ich ihm ein Becken unterschob, sah ich, dass sein Urin nichts als hellrotes Blut war, ohne jede andere Flüssigkeit darin. Ich erwähnte dies dem Arzt, der sagte, dass jemand, der so lange Zeit in Leid und Kummer verbracht hat, durchaus seine eigenen Eingeweide zerfetzen könnte.
When I put a basin under him I saw that his urine was nothing but bright red blood with no other fluid in it at all. I mentioned this to the doctor, who said that anyone who spent that much time in suffering and sorrow might well shred his own innards.
Am Donnerstag ging es ihm schlechter. Ich wusch ihn, damit er beten konnte. „Bring das Wasser zwischen meine Finger“, sagte er.
On Thursday he grew worse. I washed him so he could pray. “Get the water between my fingers,” he said.
Am Donnerstagabend bewegte er sich nicht mehr. In dem Glauben, er sei tot, versuchten wir, ihn auszustrecken, als er begann, seine Knie zu beugen, wobei sein Gesicht der Qibla zugewandt war.
On Thursday night he stopped moving. Thinking he was dead, we were trying to stretch him out when he began to bend his knees with his face turned toward Mecca.
Wir begannen, „Es gibt keinen Gott außer Gott“ vorzusprechen, damit er es nachsprechen konnte, doch er hatte schon angefangen, es zu sagen. Er lag auf seiner Seite, das Gesicht Mekka zugewandt.
We began saying “There is no god but God” for him to repeat but he had already started saying it. He on his side to face Mecca.
Am Freitag begannen Menschenmassen sich zu versammeln, die die Straßen und Gassen füllten. Um die Mittagszeit wurde er von uns genommen. Ein großer Schrei erhob sich, und die Menschen begannen so laut zu weinen, dass es sich anfühlte, als bebte die Erde. Als sich alle hingesetzt hatten, wurde uns bewusst, dass wir das Freitagsgebet verpassen könnten. Also suchte ich einen Platz, von dem aus ich über die Menge blicken konnte, und kündigte an, dass wir ihn nach dem Gebet herausbringen würden.
On Friday, throngs of people began to gather, filling the streets and alleys. At noon he was taken from us. A great cry arose and people began to weep so loudly that it felt as if the earth were shaking. When everyone sat down, we realized that we might miss Friday prayers, so I found a place where I could look out over the crowd and announced that we would bring him out after the prayer.
[Ḥanbal:] Als Ibn Ḥanbal im Gefängnis war, gab ihm einer der Söhne des al-Faḍl ibn al-Rabiʿ drei Haare und sagte, sie stammten vom Propheten ﷺ.474 Als Aḥmad im Sterben lag, bat er, je ein Haar über seine Augen und das dritte auf seine Zunge zu legen. Das taten wir für ihn, als er starb. 79.10
[Ḥanbal:] While Ibn Ḥanbal was in jail, one of al-Faḍl ibn al-Rabiʿ’s sons gave him three hairs, saying that they belonged to the Prophet.474 As he lay dying, Aḥmad asked that one hair be put over each of his eyes and the third on his tongue. This we did for him when he died. 79.10
[Ṣāliḥ:] Während seiner Krankheit betete mein Vater, indem er mich bat, ihn aufrecht zu halten, damit er sich verbeugen und niederwerfen konnte, was er tat, indem ich ihn hochhob. 79.11
[Ṣāliḥ:] During his illness my father prayed by having me hold him upright so he could bow and prostrate himself, which he did by having me lift him. 79.11
Zu einem Zeitpunkt kam Mujāhid ibn Mūsā herein und sagte: „Du brauchst dich nicht zu fürchten, Abū ʿAbd Allāh! Bei all diesen Menschen, die für dich aussagen werden, gibt es nichts zu fürchten, wenn du Gott begegnest!“ Er begann, die Hand meines Vaters zu küssen und zu weinen. Als er um seinen Rat bat, deutete mein Vater auf seine Zunge.
At one point Mujāhid ibn Mūsā came in, saying, “No need to be afraid, Abū ʿAbd Allāh! With all these people to testify on your behalf, there’s nothing to fear when you meet God!” He began kissing my father’s hand and weeping. When he asked for his counsel, my father pointed to his tongue.
Ein weiterer Besucher war Richter Sawwār, der ihn beruhigte, dass Gott ihn nicht der strengsten Rechenschaft unterziehen werde, und dabei auf den Bericht verwies, der von Muʿtamir überliefert wurde, wonach sein Vater ihm auf dem Sterbebett gesagt hatte: „Erzähl mir von der Nachsicht Gottes.“475
Another visitor was Judge Sawwār, who reassured him that God would not hold him to the strictest accounting, citing the report transmitted by Muʿtamir to the effect that his father had said to him as he lay dying, “Tell me about God’s lenience.”475
Er begann, an Harnverhaltung und anderen Schmerzen zu leiden, doch sein Verstand blieb klar. Die ganze Zeit fragte er, welcher Tag des Monats sei, und ich sagte es ihm. Nachts schlief ich neben ihm. Wenn er etwas wollte, stieß er mich an, und ich reichte es ihm. Einmal bat er mich, ihm die Notizen zu bringen, in denen er aufgeschrieben hatte, dass Ibn Idrīs von Layth ibn Ṭāwūs überliefert, er habe es verabscheut zu stöhnen. Ich las ihm die Überlieferung vor, und danach stöhnte er nie mehr, außer in der Nacht, in der er starb. 79.12
He began to suffer from retention of urine and other pains but his mind remained clear. All the while he would ask what day of the month it was and I would tell him. At night I slept beside him. If he wanted anything he would shake me and I would hand it to him. Once he asked me to bring him the notes where he’d written that Ibn Idrīs cites Layth ibn Ṭāwūs as saying he hated to moan. I read the report for him and he never moaned after that except on the night he died. 79.12
[ʿAbd Allāh:] Während seiner letzten Krankheit bat mich mein Vater, die Überlieferungen herauszusuchen, die er von ʿAbd Allāh ibn Idrīs niedergeschrieben hatte. Als ich das Buch für ihn gefunden hatte, bat er mich, die Überlieferung von Layth ausfindig zu machen und ihm vorzulesen. Die Überlieferung lautete:
[ʿAbd Allāh:] During his final illness, my father asked me to find where he had written the reports transmitted by ʿAbd Allāh ibn Idrīs. When I found the book for him, he asked me to find the report related by Layth and read it to him. The report ran:
„Ich erzählte Ṭalḥah, dass Ṭāwūs das Stöhnen im Krankheitsfall missbilligte und bis zu seinem Tod nicht stöhnte.“ Nachdem ich meinem Vater dies vorgelesen hatte, hörte ich ihn bis zu seinem Tod nicht stöhnen – Gott habe ihn selig. 79.13
“I told Ṭalḥah that Ṭāwūs disapproved of moaning when ill, and did not moan until he died.” After I read this to my father, I didn’t hear him moan until he died, God have mercy on him. 79.13
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[ʿAbd Allāh:] Als mein Vater im Sterben lag, saß ich neben ihm und hielt den Lappen, mit dem ich ihm den Mund zubinden wollte. Er glitt immer wieder in und aus dem Bewusstsein und machte dabei dreimal mit der Hand eine Geste, so, als wollte er sagen: „Noch nicht!“ Nach dem dritten Mal fragte ich ihn: „Papa, was willst du sagen? Du verlierst das Bewusstsein, und wir denken, du bist gegangen, und dann kommst du zurück und sagst ‚Noch nicht‘.“ 79.14
[ʿAbd Allāh:] As my father lay dying, I sat beside him holding the rag I would use to tie his mouth closed. He was slipping in and out of consciousness and gesturing with his hand three times, like this, as if to say, “Not yet!” After the third time, I asked him, “Dad, what are you trying to say? You pass out and we think you’re gone, and then you come back and say ‘Not yet.’” 79.14
„Verstehst du es nicht, mein Sohn?“ „Nein.“ „Der Teufel, verflucht sei er, steht vor mir und beißt sich vor Verzweiflung in die Finger und sagt: ‚Aḥmad, du bist mir entwischt!‘ Und ich sage ihm immer wieder: ‚Noch nicht – nicht bevor ich tot bin.‘“476
“Don’t you understand, son?” “No.” “The Devil, damn him, is standing in front of me biting his fingers in frustration and saying ‘Aḥmad, you’ve escaped me,’ and I keep telling him ‘Not yet I haven’t—not till I’m dead.’”476
[Aḥmad ibn Muḥammad ibn ʿUmar:] ʿAbd Allāh ibn Aḥmad wurde gefragt, ob sein Vater bei Bewusstsein gewesen sei, als er den Engel des Todes sah. 79.15
[Aḥmad ibn Muḥammad ibn ʿUmar:] ʿAbd Allāh ibn Aḥmad was asked whether his father was conscious when he saw the Angel of Death. 79.15
„Er war es. Wir wuschen ihn, damit er beten konnte, da fing er an zu gestikulieren. Ṣāliḥ fragte mich, was er damit sagen wolle, und ich sagte ihm, dass er wolle, dass wir seine Finger spreizen und zwischen ihnen waschen. Als wir das taten, hörte er auf zu gestikulieren. Kurz darauf starb er.“ [Ṣāliḥ:] Die Zunge meines Vaters bewegte sich bis zu seinem Tod. 79.16
“He was. We were washing him so he could pray and he started gesturing. Ṣāliḥ asked me what he was trying to say, and I told him that he wanted us to spread his fingers and wash between them. When we did that, he stopped gesturing. A little later he died.” [Ṣāliḥ:] My father’s tongue kept moving until he died. 79.16