Warum wir seine Rechtsschule den anderen vorgezogen haben
Why We Chose His Legal School Over The Others
Bedenke – möge Gott dich recht leiten! –, dass man bei einer schwierigen Wahl nur dann den richtigen Weg erkennen kann, wenn man persönliche Gefühle und Parteilichkeit beiseitelässt und systematisch nach der Wahrheit sucht, ohne den Namen und dem Ansehen der Beteiligten übermäßige Achtung zu schenken. Tust du dies, so wird sich der Nebel der Ratlosigkeit zerstreuen. Lässt du dich dagegen von deinen Neigungen verleiten, so wird es schwer sein, zurück auf den geraden Weg zu finden. 98.1
Recall—may God lead you aright!—that when faced with a difficult choice, the only way to discern the right course of action is to put personal feelings and partisanship aside and search systematically for the truth, without undue deference to the names and reputations of those involved. If you do this, the fog of perplexity will dissipate. If, on the other hand, you allow yourself to be led astray by your inclinations, it will be difficult to find your way back to the straight and narrow. 98.1
Ferner ist zu beachten: Nachdem ich die Beweisgrundlage des Gesetzes und die Grundlagen der Rechtswissenschaft untersucht und mich in die Biografien derer vertieft habe, die ihre Fähigkeiten im Dienste des Gesetzes einsetzten, finde ich, dass unser Mann in diesen Bereichen der Kundigste war. 98.2
Note, then, that after examining the evidentiary basis of the Law and the foundations of jurisprudence, and delving into the biographies of those who exercised their faculties on behalf of the Law, I find our man to have been the most knowledgeable in those fields. 98.2
Zunächst war er aktiv an der Bewahrung und Überlieferung des Buches Gottes beteiligt. 98.3
To begin with, he was active in the preservation and transmission of the Book of God. 98.3
[ʿAbd Allāh:] Mein Vater Aḥmad ibn Ḥanbal lehrte mich aus eigener Entscheidung den gesamten Qur'ān.530 98.4
[ʿAbd Allāh:] My father Aḥmad ibn Ḥanbal taught me the entire Qurʾan by his own choice.530 98.4
Aḥmad selbst las den Text mit Yaḥyā ibn Ādam, ʿUbayd ibn al-Ṣabbāḥ, Ismāʿīl ibn Jaʿfar und anderen – die Liste ihrer Gewährsleute lasse ich hier weg. Beim Rezitieren ließ er das Aussprechen des a nicht dem des i ähnlich klingen, und er berief sich auf das Hadith: „Der Qur'ān wurde mit einem Laut offen wie ein u herabgesandt, der näher am u als am i liegt; rezitiert ihn daher so.“ Er ließ benachbarte Buchstaben nicht assimilieren, außer im Wort ittakhadhtum („ihr habt genommen“)531 und dergleichen, wie es Abū Bakr tat. Und die langen Vokale dehnte er in mäßigem Maße.532
Aḥmad himself read the text with Yaḥyā ibn Ādam, ʿUbayd ibn al-Ṣabbāḥ, Ismāʿīl ibn Jaʿfar, and others—omitting here the list of their authorities. When reading, he would not let the pronunciation of a approximate that of i, citing the Hadith: “The Qurʾan was revealed with a pronounced closer to u than to i, so recite it that way.” He would not assimilate adjacent letters except in the word ittakhadhtum (“you have taken”)531 and the like, as did Abū Bakr. And he would extend long vowels to a moderate extent.532
Er verfasste außerdem Werke über die Wissenschaften des Korans, darunter die Exegese, die Abrogation, die Versetzung und dergleichen, wie wir im Kapitel über seine Schriften vermerkt haben.
He also compiled works on the Qurʾanic sciences, including exegesis, abrogation, transposition, and the like, as we have noted in the chapter on his writings.
Was den Hadith betrifft, so herrscht allgemeine Einigkeit darüber, dass er selbst unter seinen Mitgelehrten einzigartig war, sowohl in der schieren Menge dessen, was er auswendig gelernt hatte, als auch in seiner Fähigkeit, das Authentische vom Zweifelhaften zu unterscheiden. Unter den früheren Gelehrten kannte Mālik mehr Hadithe als jeder, der vor ihm lebte. Um zu sehen, dass Aḥmad wiederum Mālik übertraf, genügt es, Aḥmads „Authentifizierte Überlieferungen“ mit Māliks „Der ausgetretene Pfad“ zu vergleichen. 98.5
Turning to Hadith, there is universal agreement that he was unique even among his fellow exemplars in the sheer amount he memorized as well as his ability to distinguish the authentic from the dubious. Among earlier men of learning, Mālik knew more Hadith than anyone who came before him. To see that Aḥmad in turn outdid Mālik, one need only compare Aḥmad’s Authenticated Reports with Mālik’s Well-Trodden Path. 98.5
Wenn man ferner nach dem Ruf der Überlieferer von Ḥadīthen gefragt wurde, konnte Aḥmad deren Vorzüge und Mängel aus dem Gedächtnis aufzählen, und zwar jedes Mal so mühelos, wie er die Eröffnungssure des Qurʾān rezitiert hätte. Wer die von Abū Bakr al-Khallāl zusammengestellten Mängel (al-ʿIlal) einsieht, wird dies sofort erkennen. Keiner seiner Zeitgenossen konnte es ihm in dieser Hinsicht gleichtun, und auch seine Beherrschung der Rechtsmeinungen, besonderen Vorzüge, Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten, die den Gefährten des Propheten ﷺ zugeschrieben werden, konnte niemand streitig machen.
If asked, furthermore, about the reputations of Hadith transmitters, Aḥmad could list their virtues and defects from memory whenever he was asked as easily as he might recite the opening chapter of the Qurʾan. Anyone who looks at the Defects compiled by Abū Bakr al-Khallāl will see this immediately. None of his colleagues could match him in this respect, nor could any contest his mastery of the legal opinions, special virtues, points of agreement, and differences of opinion attributed to the Companions of the Prophet.
Was die Beschäftigung mit der arabischen Sprache betrifft, pflegte Aḥmad selbst zu sagen: „Ich habe mehr Arabisch geschrieben als Abū ʿAmr al-Shaybānī.“ 98.6
As for the study of the Arabic language, Aḥmad himself used to say, “I’ve written more Arabic than Abū ʿAmr al-Shaybānī.” 98.6
Was die Entscheidung in rechtlichen Fragen auf der Grundlage von Analogie betrifft, so hat Aḥmad mehr Leistungen logischen Schlussfolgerns vorzuweisen, als hier Platz finden, doch lassen sich einige Beispiele im Kapitel über seine Verstandeskraft finden. 98.7
As for ruling on legal questions on the basis of analogy, Aḥmad has more feats of deductive reasoning to his credit than we have room for, but several examples may be found in the chapter on his powers of intellect. 98.7
Neben all diesen gelehrten Errungenschaften besaß er die Charakterstärke, der Welt zu entsagen und sich eine Gewissenhaftigkeit aufzuerlegen, die keiner seiner Zeitgenossen zu erreichen vermochte. Kein anderer Gelehrter wird beschrieben, der die Geschenke seiner Freunde ebenso wie die Vergünstigungen, mit denen die Machthaber lockten, mit einer solch unnachgiebigen Strenge ausschlug.
In addition to all of these scholarly attainments, he had the force of character to renounce the world and impose on himself a scrupulousness that none of his fellows could match. No other scholar is described as declining with such unremitting severity the gifts offered by his friends as well as the emoluments dangled by the authorities.
Hätte ich keine Bedenken, ihrem Ruf zu schaden, könnte ich Beispiele für Geschenke anführen, die die anderen großen Gelehrten angenommen haben, und beschreiben, wie bereit sie waren, in solchen Fällen ihre Maßstäbe zu lockern. Aḥmad hingegen verzichtete selbst auf erlaubte Dinge, wie dieses Buch in mehr als ausreichendem Maße gezeigt hat. 98.8
Were I willing to risk the danger to their reputations, I could cite examples of gifts accepted by the other major figures and describe their willingness to relax their standards in such cases. Aḥmad, conversely, renounced even permitted things, as this book has shown in more than sufficient detail. 98.8
Zusätzlich dazu erwies sich Aḥmad als fähig, große und schreckliche Prüfungen im Dienst der Wahrheit zu ertragen, eine Leistung, die unter seinen Gefährten ihresgleichen suchte.
In addition to all of the above, Aḥmad proved himself capable of suffering great and terrible ordeals in the service of truth, a feat unmatched among his comrades.
[Al-Shāfiʿī:] Muḥammad ibn al-Ḥasan fragte mich, wer besser sei: sein Vorbild oder meines?533 Ich fragte ihn, ob er jedem Mann sein Recht geben oder bloß einen Wettstreit im Prahlen führen wolle. Er antwortete, er wolle einen gerechten Vergleich. 98.9
[Al-Shāfiʿī:] Muḥammad ibn al-Ḥasan asked me who was better: his exemplar or mine?533 I asked him if he wanted to give each man his due or merely have a boasting match. He replied that he wanted a fair comparison. 98.9
„Dann“, sagte ich, „sag mir, worin dein Mann besonders gut ist.“ „In dem Buch, im Konsens, in der Sunnah und im Analogieschluss.“ „Sag jetzt die Wahrheit, mit Gott als deinem Zeugen! Wer kennt das Buch Gottes besser: unser Mann oder euer Mann?“ „Nun, wenn ich unter Eid stehe, dann ist es euer Mann.“ „Und was ist mit der Sunnah des Propheten ﷺ?“ „Wieder euer Mann.“ „Und die Ansichten der Gefährten?“ „Wieder euer Mann.“ „Was bleibt dir dann außer dem Analogieschluss?“ „Nichts.“ „Und selbst dort haben wir einen besseren Anspruch auf den Analogieschluss als ihr. Der Unterschied ist, dass wir Analogien auf der Grundlage offenbarter Texte ziehen, sodass die Begründung klar ist.“ Der Vergleich hier ist zwischen Abū Ḥanīfah und Mālik ibn Anas.
“In that case,” I said, “tell me where your man excels.” “In the Book, consensus, sunnah, and analogy.” “Tell the truth now, with God as your witness! Who knows the Book of God better: our man or yours?” “Well, if I’m under oath, then it’s your man.” “What about the sunnah of the Prophet?” “Your man again.” “And the opinions of the Companions?” “Your man again.” “So what have you got left besides analogy?” “Nothing.” “And even there, we have better claim to using analogy than you. The difference is that we draw analogies on the basis of revealed texts so that the reasoning is clear.” The comparison here is between Abū Ḥanīfah and Mālik ibn Anas.
Indem al-Shāfiʿī diesen Austausch überliefert, erspart er uns die Mühe, mit den Anhängern Abū Ḥanīfas zu streiten. Die Überlegenheit Aḥmads über Mālik wird anerkannt, da Aḥmad alles gelernt hatte, was Mālik wusste, und es dann noch erweiterte, wie jeder Vergleich des „Well-Trodden Path“ mit den „Authenticated Reports“ bezeugt. Al-Shāfiʿī seinerseits war in den verschiedenen Wissensgebieten wohl bewandert, überließ jedoch die Überlieferung von Ḥadīthen Aḥmad; und das Ḥadīth ist der Angelpunkt, um den sich die juristische Argumentation dreht. 98.10
By reporting this exchange, al-Shāfiʿī saves us the trouble of debating with the partisans of Abū Ḥanīfah. Aḥmad’s superiority to Mālik is acknowledged, Aḥmad having learned everything Mālik knew and then added to it, as attested by any comparison of the Well-Trodden Path and the Authenticated Reports. Al-Shāfiʿī, for his part, was well versed in the various fields of learning but conceded Hadith transmission to Aḥmad; and Hadith is the pivot upon which legal reasoning turns. 98.10
[Aḥmad:] Al-Shāfiʿī sagte zu mir: „Du kennst die Ḥadīthe besser als ich. Wann immer sich ein Ḥadīth als authentisch erweist, lass es mich wissen, damit ich ihn übernehmen kann.“ 98.11
[Aḥmad:] Al-Shāfiʿī told me, “You know Hadith better than I do. Whenever a Hadith turns out to be sound, let me know so I can adopt it.” 98.11
„ʿAbd Allāh:“ Ich hörte meinen Vater sagen: „Al-Shāfiʿī sagte einst zu mir: ‚Aḥmad, wann immer eine Überlieferung über den Gesandten Gottes ﷺ sich als authentisch erweist, lass es mich wissen, damit ich sie verwenden kann.‘“ 98.12
[ʿAbd Allāh:] I heard my father say, “Al-Shāfiʿī once said to me, ‘Aḥmad, whenever a report about the Emissary of God proves to be sound, let me know so I can use it.’” 98.12
[ʿAbd Allāh:] Ich hörte meinen Vater sagen: „Muḥammad ibn Idrīs al-Shāfiʿī sagte einmal zu mir: ‚Aḥmad, du weißt besser als ich, welche Überlieferungen authentisch sind. Wann immer du eine authentische findest, sei es aus Kufa, Basra oder Syrien, lass es mich wissen, damit ich sie annehmen kann.‘“ 98.13
[ʿAbd Allāh:] I heard my father say, “Muḥammad ibn Idrīs al-Shāfiʿī once said to me, ‘Aḥmad, you know better than I which reports are sound. Whenever you find a sound one, whether from Kufa, Basra, or Syria, let me know so I can adopt it.’” 98.13
Wann immer al-Shāfiʿī in seinem Buch sagt: „Ich zitiere eine vertrauenswürdige Quelle“ oder „Ich habe eine vertrauenswürdige Quelle berichten hören“, meint er meinen Vater.
Whenever in his book al-Shāfiʿī says, “I cite a trustworthy source” or “I heard a trustworthy source report,” he means my father.
Deshalb ist das Buch, das al-Schāfiʿī in Bagdad verfasst hat, besser begründet als das, das er in Ägypten geschrieben hat. Als er hier war, pflegte er meinen Vater zu fragen, der ihn korrigierte; in Ägypten aber gab es niemanden, der ihn zurechtwies, wenn er einen schwachen Überlieferungsbericht verwendete. Ich hörte meinen Vater sagen: „Al-Schāfiʿī hat mehr von mir gelernt, als ich von ihm.“ [Muḥammad ibn Isḥāq ibn Rāhawayh:] Ich hörte meinen Vater sagen: „Al-Schāfiʿī ist nie jemandem wie Aḥmad ibn Ḥanbal begegnet.“ 98.14
This is why the book al-Shāfiʿī wrote in Baghdad is better argued than the one he wrote in Egypt.534 When he was here, he would ask my father, who would correct him; but in Egypt there was no one to catch him when he used a weak report. I heard my father say, “Al-Shāfiʿī learned more from me than I did from him.” [Muḥammad ibn Isḥāq ibn Rāhawayh:] I heard my father say, “Al-Shāfiʿī never met anyone like Aḥmad ibn Ḥanbal.” 98.14
[Aḥmad ibn Kāmil:] Mehrere Gefährten Aḥmads berichteten mir, dass er zu sagen pflegte: „Asch-Schāfiʿī hat von uns mehr gelernt, als wir von ihm.“ 98.15
[Aḥmad ibn Kāmil:] Several of Aḥmad’s associates told me that he used to say, “Al-Shāfiʿī learned more from us than we did from him.” 98.15
[Abū Ḥātim:] Ich würde Aḥmad ibn Ḥanbal den Vorzug vor asch-Schāfiʿī geben. Da asch-Schāfiʿī Rechtsgelehrter und kein Hadith-Experte war, lernte er die Überlieferungen (Hadithe) von Aḥmad. Er fragte ihn oft: „Ist diese Überlieferung stark? Kennen die Leute sie?“ Sagte Aḥmad, dass sie es sei, übernahm er sie und baute darauf auf. 98.16
[Abū Ḥātim:] I’d give Aḥmad ibn Ḥanbal precedence over al-Shāfiʿī. Being a jurist and not a Hadith expert, al-Shāfiʿī learned about Hadith from Aḥmad. He would often ask him, “Is this report strong? Do people know it?” If Aḥmad said it was, he would take it and build on it. 98.16
[Al-Athram:] Als wir einmal im Kreis von al-Buwayṭī saßen, las er uns aus al-Shāfiʿī vor, dass die Waschung mit Sand aus zwei Strichen besteht.535 Als ich jedoch das Ḥadīth rezitierte, in dem ʿAmmār den Propheten ﷺ mit den Worten zitiert: „Die Waschung mit Sand besteht aus einem Strich“536, da strich er „zwei Striche“ aus seinem Buch und änderte es zu „ein Strich“, so wie im Bericht von ʿAmmār. 98.17
[Al-Athram:] Once when we were in al-Buwayṭī’s circle, he read to us, citing al- Shāfiʿī, that ablution with sand consists of two passes.535 But when I recited the Hadith where ʿAmmār quotes the Prophet as saying, “Ablution with sand consists of one pass,”536 he rubbed “two passes” out of his book and changed it to “one pass,” as in the report of ʿAmmār. 98.17
Er sagte außerdem: „Wann immer du einen zuverlässigen Bericht über den Propheten ﷺ findest, ziehe ihn dem vor, was ich möglicherweise gesagt habe. Übernimm den Hadith und handle danach, als wäre er von mir gekommen.“ [Al-Būshanjī:] Ich halte Aḥmad für gelehrter und einsichtsvoller als Sufyān al-Thawrī. Schließlich musste Sufyān nie eine so furchtbare Prüfung durchstehen wie die, die Aḥmad erlitt. Außerdem können Sufyān und die anderen einheimischen Gelehrten seiner Zeit nicht so viel gewusst haben wie Aḥmad, denn Aḥmad wusste alles, was sie alle zusammen wussten. Er hatte auch ein klareres Gespür dafür, wer von ihnen korrekt überlieferte und wer Fehler machte, ganz zu schweigen davon, wer aufrichtig war und wer log. 98.18
He also said, “Whenever you find a reliable account of the Prophet, prefer it to whatever I might have said. Adopt the Hadith and use it as if it had come from me.” [Al-Būshanjī:] I think of Aḥmad as more learned and more insightful than Sufyān al-Thawrī. After all, Sufyān never had to suffer an ordeal as terrible as the one Aḥmad went through. Also, Sufyān and the other local scholars of his time cannot have known as much as Aḥmad did, since Aḥmad knew what all of them knew put together. He also had a clearer sense of which of them transmitted accurately and which ones made mistakes, not to mention which were honest and which ones lied. 98.18
[Der Autor:] Das Vorangegangene sollte eine klare Vorstellung von dem wissenschaftlichen Vorrang vermitteln, der so viele dazu bewogen hat, sich der interpretativen Tradition Aḥmads anzuschließen. Diejenigen seiner Gefährten, die sich darum bemühen, das Gesetz zu erkennen, ahmen ihn nicht bloß nach. Vielmehr handeln sie im Einklang mit dem Sinngehalt seiner Entscheidungen. Dabei können sie einer Überlieferung seiner Ansicht gegenüber einer anderen den Vorzug geben und sogar eine Position wählen, die von den ursprünglichen Rechtsgelehrten der Schule nie vertreten wurde, solange sie mit dem Sinngehalt seiner Entscheidungen übereinstimmt. Die Position kann somit nur insofern der Schule Aḥmads zugeschrieben werden, als sie dem allgemeinen Geist seiner Aussagen entspricht. 98.19
[The author:] The foregoing should give a clear idea of the scholarly preeminence that has persuaded so many to join Aḥmad’s interpretive tradition. Those of his associates who strive to know the Law do not merely imitate him. Rather, they act in accordance with the implication of his rulings. In doing so, they may favor one report of his view over another, and even choose a position that was never adopted by the original jurists of the school so long as it is consistent with the implication of his rulings. The position may thus be attributed to Aḥmad’s school only in the sense that it conforms to the general spirit of his statements. 98.19
Nachtrag
Addendum
Was, wenn die Anhänger von Abū Ḥanīfah sich damit rühmen, dass ihr Vorbild einige der Gefährten gekannt habe? 98.20
What if partisans of Abū Ḥanifah boast that their exemplar knew some of the Companions? 98.20
Es gibt zwei Erwiderungen. Die erste besteht darin, al-Dāraquṭnī zu zitieren, der sagte: „Abū Ḥanīfah ist keinem der Gefährten begegnet“; und Abū Bakr al-Khaṭīb, der sagte: „Er hat Anas ibn Mālik gesehen.“ Die zweite besteht darin, zu sagen, dass man nach dieser Argumentation Saʿīd ibn al-Musayyab und anderen, die den Gefährten begegnet sind, den Vorrang vor Abū Ḥanīfah geben müsste.537
There are two rebuttals. The first is to cite al-Dāraquṭnī, who said, “Abū Ḥanīfah never met any of the Companions”; and Abū Bakr al-Khaṭīb, who said, “He saw Anas ibn Mālik.” The second is to say that by that reasoning they should grant Saʿīd ibn al- Musayyab and others who did meet the Companions precedence over Abū Ḥanīfah.537
Was, wenn die Anhänger Mālik's sich damit rühmen, dass ihr Vorbild die Nachfolger (at-Tābiʿūn) gekannt habe? 98.21
What if partisans of Mālik boast that their exemplar knew the Successors? 98.21
Diese Behauptung wird durch den Verweis auf die Nachfolger widerlegt, denen er begegnet ist. Diese Nachfolger hatten die Gefährten gekannt, und dennoch stellten sie Mālik über sie.538
This claim is invalidated by reference to the Successors whom he met. Those Successors had known the Companions, and yet gave Mālik precedence over them.538
Wenn sie sagen: „Mālik ist der Hüter des Wissens von Medina", dann gib ihnen diesen Punkt zu, doch sag danach, dass unser Vorbild Aḥmad alles erworben hat, was Mālik wusste, und noch etwas hinzugefügt hat.
If they say, “Mālik is the repository of the knowledge of Medina,” then concede the point, but then say that our exemplar Aḥmad acquired everything Mālik knew and added to it.
Was, wenn die Anhänger al-Shāfiʿīs damit prahlen, dass seine Abstammung nahe an die des Propheten ﷺ heranreicht, der sagte: „Stellt die Quraisch voran und geht nicht über sie hinaus; lernt von ihnen und maßt euch nicht an, sie zu belehren.“ 98.22
What if partisans of al-Shāfiʿī boast that his lineage strikes close to that of the Prophet, who said, “Put Quraysh first and do not step out ahead of them; learn from them and do not presume to teach them”? 98.22
Darauf erwidern wir, dass Verwandtschaft nicht bedeutet, ihm im Wissen den Vorrang vor anderen einzuräumen. Unter den Nachfolgern (Tābiʿūn) waren fast alle gelehrten Männer Nicht-Araber, die einem Stamm angeschlossen waren. Dazu gehören al-Ḥasan al-Baṣrī, Ibn Sīrīn, ʿAṭāʾ, Ṭāwūs, ʿIkrima, Makḥūl und andere. Aufgrund ihrer großen Gelehrsamkeit galt ihnen die Ehre, jene ihrer Zeitgenossen übertroffen zu haben, deren Vornehmheit allein auf der Abstammung beruhte.