Seine Erfahrung mit Al-Ma'mūn
His Experience With Al-maʾmūn
Laut seinen Biographen schickte al-Maʾmūn von ar-Raqqa aus einen Brief an den Polizeichef von Bagdad, Isḥāq ibn Ibrāhīm, in dem er ihm befahl, die Gemeinschaft auf die Probe zu stellen, was dieser auch tat. 67.1
According to his biographers, al-Maʾmūn sent a letter from al-Raqqah 338 to the chief of the Baghdad police, Isḥāq ibn Ibrāhīm, telling him to put the community to the test, which he did. 67.1
[Ṣāliḥ:] Ich hörte meinen Vater sagen: „Als man uns zum Verhör vor Isḥāq ibn Ibrāhīm führte, las man als Erstes den Brief vor, der von dem in Tarsus geschrieben worden war“ – das heißt al-Maʾmūn.339 „Sie rezitierten uns einige Verse, darunter «Nichts ist wie Er»340 und «Er ist der Schöpfer aller Dinge».341 Als ich «Nichts ist wie Er» hörte, rezitierte ich «Er ist Der, Der hört und sieht».342 67.2
[Ṣāliḥ:] I heard my father say, “When they took us in to be questioned by Isḥāq ibn Ibrāhīm, the first thing they did was to read aloud the letter written by the one in Tarsus”—that is, al-Maʾmūn.339 “They recited some verses to us, including «Nothing is like Him»340 and «He is the creator of everything.»341 When I heard ‘Nothing is like Him,’ I recited «He is the One who hears and sees.»342 67.2
Dann wurden die Anwesenden auf die Probe gestellt. Diejenigen, die ihre Zustimmung verweigerten, wurden abgeführt und eingesperrt. Von allen widerstanden nur vier. Ihre Namen sind Muḥammad ibn Nuḥ, ʿUbayd Allāh ibn ʿUmar al-Qawārīrī, al-Ḥasan ibn Ḥammād, genannt Sajjādah, und mein Vater. Später gaben auch ʿUbayd Allāh ibn ʿUmar und al-Ḥasan ibn Ḥammād nach, sodass nur Muḥammad ibn Nūḥ und mein Vater in Haft blieben.
“Then those present were put to the test. Those who withheld their assent were taken away and locked up. Of them all, only four resisted. Their names are Muḥammad ibn Nuḥ; ʿUbayd Allāh ibn ʿUmar al-Qawārīrī; al-Ḥasan ibn Ḥammād, called Sajjādah; and my father. Later ʿUbayd Allāh ibn ʿUmar and al-Ḥasan ibn Ḥammād gave in too, leaving only Muḥammad ibn Nūḥ and my father in confinement.
Dort blieben sie, bis einige Tage später ein Brief aus Tarsus eintraf, der anordnete, die beiden dorthin zu bringen. Sie wurden wie befohlen abgeschickt, einer an den anderen gekettet. [Abū Maʿmar al-Qaṭīʿī:] Ich war dabei, als Aḥmad ibn Ḥanbal während der Inquisition in den Palast gebracht wurde. Er war stets ein sanftmütiger Mann, doch als er sah, wie die Angehörigen der Gemeinschaft ihre Zustimmung gaben, schwollen seine Adern, seine Augen wurden rot, und seine ganze Sanftmut war verschwunden. Als ich ihn sah, erinnere ich mich, bei mir gedacht zu haben: „Er steht für Gott ein.“ 67.3
There they stayed until, several days later, a letter arrived from Tarsus ordering the two of them to be transported there. They were duly sent, shackled one to the other.” [Abū Maʿmar al-Qaṭīʿī:] I was there when Aḥmad ibn Ḥanbal was brought to the palace during the Inquisition. He had always been a meek man, but when he saw the members of the community giving their assent, his veins swelled, his eyes went red, and all the meekness was gone. Seeing him, I remember thinking to myself, “He’s standing up for God.” 67.3
„Abū ʿAbd Allāh“, sagte ich zu ihm, „das ist eine gute Nachricht! Haben wir nicht gehört, wie Muḥammad ibn Fuḍayl ibn Ghazwān berichtet, unter Berufung auf al-Walīd ibn ʿAbd Allāh ibn Jumayʿ, unter Berufung auf Abū Salamah ibn ʿAbd al-Raḥmān ibn ʿAwf, der sagte: ‚Unter den Gefährten des Propheten ﷺ gab es welche, die, wenn man sie in irgendeiner Sache der Religion herausforderte, die Augen verdrehten und wie Verrückte starrten‘?“ [Ibn Abī Usāmah:] Ich erinnere mich, gehört zu haben, dass während der Inquisition jemand zu Aḥmad ibn Ḥanbal sagte: „Siehst du? Das Recht verliert, und das Unrecht gewinnt!“ 67.4
“Abū ʿAbd Allāh,” I told him, “this is good news! Haven’t we heard Muḥammad ibn Fuḍayl ibn Ghazwān report, citing al-Walīd ibn ʿAbd Allāh ibn Jumayʿ, citing Abū Salamah ibn ʿAbd al-Raḥmān ibn ʿAwf, who said, ‘Among the Prophet’s Companions were some who, if challenged on any matter of religion, would glower and roll their eyes like madmen’?” [Ibn Abī Usāmah:] I remember hearing that during the Inquisition, someone said to Aḥmad ibn Ḥanbal, “See? Right loses and wrong wins!” 67.4
„Niemals!“, entgegnete er. „Das Unrecht siegt nur, wenn die Herzen der Menschen abschweifen und den Weg verlieren, doch unsere haben das noch nicht getan.“ [Ṣāliḥ:] Mein Vater und Muḥammad ibn Nūḥ wurden in Ketten fortgeführt, und wir begleiteten sie bis nach al-Anbār. Dort fragte Abū Bakr al-Aḥwal meinen Vater: „Abū ʿAbd Allāh, wenn sie dir mit dem Schwert drohen, wirst du dann nachgeben?“ 67.5
“Never!” he retorted. “Wrong wins only if people’s hearts wander off and lose their way, but ours haven’t done that yet.” [Ṣāliḥ:] My father and Muḥammad ibn Nūḥ were carried off in chains and we went with them as far as al-Anbār. There Abū Bakr al-Aḥwal asked my father, “Abū ʿAbd Allāh, if they threaten you with a sword, will you give in?” 67.5
„Nein“, antwortete er. Dann wurden er und Muḥammad ibn Nūḥ abgeführt.
“No,” he answered. Then he and Muḥammad ibn Nūḥ were taken away.
Später erzählte mir mein Vater:
Later my father told me:
„Als wir nach al-Raḥbah343 kamen, war es mitten in der Nacht. Als wir weiterziehen wollten, kam ein Mann auf uns zu und fragte: ‚Welcher von euch ist Aḥmad ibn Ḥanbal?‘ Jemand deutete auf mich. ‚Langsam‘, sagte der Mann zum Kameltreiber. Dann wandte er sich an mich: ‚Hör zu! Was macht es schon aus, wenn sie dich genau hier und jetzt töten? Du wirst hier und jetzt ins Paradies eingehen.‘ Dann sagte er: ‚Ich überlasse dich der Obhut Gottes‘, und ging davon.“
“When we got to al-Raḥbah343 it was the middle of the night. As we were leaving, a man came up to us and said, ‘Which of you is Aḥmad ibn Ḥanbal?’ “Someone pointed me out. ‘Slow down,’ said the man to the camel-driver. Then to me: ‘Listen, you! What does it matter if they kill you right here and now? You’ll enter the Garden, here and now.’ Then he said, ‘I leave you in the care of God,’ and left.
„Ich fragte, wer er sei, und man sagte mir: ‚Er ist ein Araber vom Stamm Rabīʿah namens Jābir ibn ʿĀmir, der in der Wüste Gedichte verfasst. Die Leute sprechen hoch von ihm.‘“ [Ibrāhīm ibn ʿAbd Allāh:] Aḥmad ibn Ḥanbal sagte: „Das Stärkste, was mir während meiner Prüfung gesagt wurde, war das, was ein Wüstenaraber in Raḥbat Ṭawq zu mir sagte: ‚Aḥmad, wenn du für die Wahrheit stirbst, stirbst du als Märtyrer, und wenn du lebst, lebst du als Held.‘“ 67.7
“I asked who he was and they told me: ‘He’s an Arab of Rabīʿah named Jābir ibn ʿĀmir who composes poetry in the wilderness. People speak highly of him.’” [Ibrāhīm ibn ʿAbd Allāh:] Aḥmad ibn Ḥanbal said, “The most powerful thing anyone said to me during my ordeal was what a desert Arab said to me at Raḥbat Ṭawq: ‘Aḥmad, if you die for the truth you die a martyr, and if you live you live a hero.’” 67.7
Damit bestärkte er meinen Entschluss.
With that he strengthened my resolve.
[Aḥmad:] „Nichts hat mich je mehr beeindruckt als die Worte eines Beduinen aus Raḥbat Ṭawq: ‚Aḥmad, wenn du für die Wahrheit stirbst, stirbst du als Märtyrer, und wenn du lebst, lebst du als Held.“ 67.8
[Aḥmad:] “Nothing has ever made more of an impression on me than the words of a desert Arab from Raḥbat Ṭawq: ‘Aḥmad, if you die for the truth you die a martyr, and if you live you live a hero.’” 67.8
Ibn Abī Ḥātim überlieferte, dass sein Vater sagte: „Am Ende hatte er recht. Als die Inquisition vorüber war, hatte Gott Aḥmad ibn Ḥanbal zu einem Namen gemacht, mit dem man rechnen musste." [Der Verfasser:] Wir haben auch gehört, dass al-Shāfiʿī, möge Gott mit ihm zufrieden sein, einen Traum hatte, in dem der Prophet ﷺ ihn bat, Aḥmad zu warnen, dass er wegen der Behauptung, der Qurʾān sei erschaffen, geprüft werden würde. Dieser Bericht wird zusammen mit seiner Überliefererkette im Kapitel über Träume angeführt werden. 67.9
Ibn Abī Ḥātim quoted his father as saying, “In the end he was right. By the time the Inquisition was over, God had made Aḥmad ibn Ḥanbal a name to be reckoned with.” [The author:] We have also heard that al-Shāfiʿī, may God be pleased with him, had a dream where the Prophet asked him to warn Aḥmad that he would be tried regarding the creation of the Qurʾan. This report will be given along with its chain of transmitters in the chapter on dreams. 67.9
[Al-Anbārī:] Als ich erfuhr, dass Aḥmad ibn Ḥanbal zu al-Maʾmūn gebracht wurde, überquerte ich den Euphrat und fand Aḥmad in einer Karawanserei sitzen. Als ich ihn grüßte, sagte er: „Abū Jaʿfar, du hättest dir keine Mühe machen sollen!“ 67.10
[Al-Anbārī:] When I found out that Aḥmad ibn Ḥanbal was being taken to see al- Maʾmūn, I crossed the Euphrates and found Aḥmad sitting in a caravanserai. When I greeted him he said, “Abū Jaʿfar, you shouldn’t have troubled yourself!” 67.10
„Es war keine Mühe“, sagte ich ihm. Dann sagte ich: „Hör zu! Von heute an gibt es Menschen, die bereit sind, deinem Beispiel zu folgen. Wenn du sagst, der Qurʾān sei erschaffen, werden viele von ihnen dasselbe sagen. Wenn du Widerstand leistest, werden viele von ihnen es ebenfalls tun. Denk darüber nach: Selbst wenn dieser Mann dich nicht tötet, wirst du früher oder später ohnehin sterben. Darum fürchte Gott und gib nicht nach!“ „Gottes Wille geschehe!“, sagte Aḥmad weinend. „Gottes Wille geschehe!“ Dann sagte er: „Abū Jaʿfar, wiederhole für mich, was du gesagt hast.“ Also wiederholte ich es, und wieder sagte er: „Gottes Wille geschehe! Gottes Wille geschehe!“ [Ṣāliḥ:] Mein Vater erzählte mir: „Wir hatten gerade Adana verlassen, als sich hinter uns das Stadttor öffnete und jemand rief: ‚Frohe Botschaft! Dieser Mann ist tot!‘“344 67.11
“It was no trouble,” I told him. Then I said, “Listen here! As of today, you have people prepared to follow your example. If you say the Qurʾan is created, many of them will say the same. If you resist, many of them will too. Think about it: even if that man doesn’t kill you, you’re going to die sooner or later anyway. So fear God and don’t give in!” “God’s will be done!” said Aḥmad, weeping. “God’s will be done!” Then he said, “Abū Jaʿfar, repeat what you said for me.” So I repeated it, and again he said “God’s will be done! God’s will be done!” [Ṣāliḥ:] My father told me: “We were just leaving Adana when the city gate opened behind us and someone called out: ‘Good news! That man is dead!’344 67.11
„Ich hatte gebetet, ihn niemals zu treffen.“ [Al-Būshanjī:] Ich hörte Aḥmad ibn Ḥanbal sagen: „Dreimal habe ich Gott um etwas gebeten, und zweimal habe ich gesehen, dass meine Bitte erhört wurde. Ich bat Ihn, mich von al-Maʾmūn fernzuhalten, und ich sagte Ihm, dass ich al-Mutawakkil nicht sehen wollte. Nun, al-Maʾmūn habe ich nie gesehen.“345 67.12
“I had been praying I would never meet him.” [Al-Būshanjī:] I heard Aḥmad ibn Ḥanbal say, “Three times I’ve asked God for something and twice seen my request granted. I asked Him to keep me away from al- Maʾmūn, and I told Him I didn’t want to see al-Mutawakkil. Well, I never saw al- Maʾmūn.”345 67.12
Al-Ma'mūn starb am Badhandūn, einem Fluss im byzantinischen Gebiet, während Aḥmad in ar-Raqqa eingesperrt war. Al-Mu'taṣim empfing in Anatolien den Treueid und kehrte nach Irak zurück. Aḥmad wurde im Jahr 218 [833] nach Bagdad zurückgebracht, und es war al-Mu'taṣim, der ihn verhörte. Was al-Mutawakkil betrifft, so ließ er, als er Aḥmad in den Palast brachte, damit dieser seinen Kindern Ḥadīth unterrichtete, Aḥmad aus einem verborgenen Raum heraus beobachten, das heißt, er sah Aḥmad, Aḥmad aber sah ihn nie.
Al-Maʾmūn died at the Badhandūn—a river in Byzantine territory—while Aḥmad was locked up in al-Raqqah. Al-Muʿtaṣim received the oath of allegiance in Anatolia and returned to Iraq. Aḥmad was brought back to Baghdad in 218 [833], and it was al- Muʿtaṣim who tried him. As for al-Mutawakkil, when he brought Aḥmad to the palace to instruct his children in Hadith, he observed him from a secret compartment, meaning that he saw Aḥmad but Aḥmad never saw him.
[Ṣāliḥ:] Mein Vater und Muḥammad ibn Nūḥ wurden noch in Ketten aus Tarsus zurückgeschickt. Als sie al-Raqqah erreichten, wurden sie auf ein Boot gebracht. Bei ʿĀnāt346
[Ṣāliḥ:] My father and Muḥammad ibn Nūḥ were sent back from Tarsus still in irons. When they reached al-Raqqah, they were put onto a boat. At ʿĀnāt,346
Muḥammad ibn Nūḥ starb, und seine Ketten wurden abgenommen. Mein Vater betete über seinem Leichnam. 67.13
Muḥammad ibn Nūḥ died and his chains were removed. My father prayed over his body. 67.13
[Ḥanbal:] Ich hörte Aḥmad ibn Ḥanbal sagen: „Ich habe niemanden gesehen, der so jung und so wenig gelehrt war und sich für Gott so mutig eingesetzt hat wie Muḥammad ibn Nūḥ. Ich hoffe, Gott hat ihn bei seinem Tod gerettet!“ 67.14
[Ḥanbal:] I heard Aḥmad ibn Ḥanbal say: “I never saw anyone so young or so unlearned stand up for God more bravely than Muḥammad ibn Nūḥ. I hope God saved him when he died! 67.14
„Eines Tages, als wir beide allein waren, sagte er zu mir: ‚Aḥmad, fürchte Gott! Fürchte Gott! Wir sind nicht gleich, du und ich. Du bist ein Mann, dem die Leute folgen, und alle schauen zu und warten darauf, was du tun wirst. Fürchte Gott und halte standhaft aus!‘ – oder sinngemäß so.“ Stell dir vor, wie er versuchte, mich zu stärken und mich ermahnte, das Richtige zu tun! Und schau, was mit ihm geschah: Er wurde krank und starb schließlich irgendwo am Wegesrand. Ich betete über ihm und begrub ihn.“ Er mag hinzugefügt haben: „Das war in ʿĀnāh.“ Aḥmad ibn ʿAlī ibn Thābit berichtete, dass Muḥammad ibn Nūḥ im Jahr 218 [833] starb.
“One day, when the two of us were alone, he said to me, ‘Aḥmad, fear God! Fear God! We’re nothing alike, you and I. You’re a man people follow and everyone is watching and waiting to see what you’ll do. Fear God, and stand firm!’—or words to that effect. Imagine him trying to keep me strong and warn me to do the right thing! And look what happened to him: he fell sick and ended up dying by the side of a road somewhere. I prayed over him and buried him.” He may have added: “That was in ʿĀnāh.” Aḥmad ibn ʿAlī ibn Thābit reported that Muḥammad ibn Nūḥ died in 218 [833].