Seine Gewissenhaftigkeit
His Scrupulosity
[Al-Dūrī:] Als Aḥmad ibn Ḥanbal mir ein Empfehlungsschreiben an einige Überlieferer des Hadith in Basra verfasste, nannte er mich schlicht „jemanden, der nach Hadith sucht“. 49.1
[Al-Dūrī:] When Aḥmad ibn Ḥanbal wrote me a letter of introduction to some Hadith transmitters in Basra, he called me simply “someone seeking Hadith.” 49.1
[Muḥammad ibn Ibrāhīm:] Ich habe gehört, dass Aḥmad ibn Ḥanbal, als eine Gruppe seiner Mitstreiter aus der Überlieferungswissenschaft ihn besuchte, für sie etwas zu essen kaufte, und zwar nur mit dem Geld, das er gerade bei sich hatte.264 Ich habe auch gehört, dass er, als al-Mutawakkil ihn nach Samarra brachte, sich weigerte, irgendetwas anzurühren, das im Palast zubereitet wurde, und eine Kaylaǧah – ein Viertel Gerstenmehl265 – fünfzehn Tage lang reichen ließ, während er darauf wartete, dass Geld aus Bagdad bei ihm eintraf. 49.2
[Muḥammad ibn Ibrāhīm:] I heard that when Aḥmad ibn Ḥanbal was visited by a group of his fellow Hadith-men, he bought them something to eat using only the money he had on hand.264 I also heard that when al-Mutawakkil brought him to Samarra he refused to touch anything prepared at the palace, and made a kaylajah—a fourth of barley meal265—last for fifteen days while he waited for money to reach him from Baghdad. 49.2
[Isḥāq ibn Mūsā l-Anṣārī:] Al-Maʾmūn gab mir etwas Geld und trug mir auf, es an die Hadith-Gelehrten zu verteilen, „da einige von ihnen arm sind.“ 49.3
[Isḥāq ibn Mūsā l-Anṣārī:] Al-Maʾmūn gave me some money and ordered me to distribute it to the Hadith-men, “since some of them are poor.” 49.3
Jeder von ihnen nahm etwas Geld an – mit Ausnahme von Aḥmad ibn Ḥanbal, der es nicht anrühren wollte.
Every one of them accepted some money—except for Aḥmad ibn Ḥanbal, who refused to touch it.
[Fūrān:] Wir waren zwei Nächte vor seinem Tod bei Aḥmad ibn Ḥanbal. Bei uns war ein junger schwarzer Sklave, den sein Onkel Abū Yūsuf mit dem Geld gekauft hatte, das ihm al-Mutawakkil gegeben hatte. Der Sklave wollte Aḥmad Luft zufächeln, doch dieser untersagte es ihm. 49.4
[Fūrān:] We were at Aḥmad ibn Ḥanbal’s two nights before he died. With us was a young black slave whom his uncle Abū Yūsuf had bought with the money given him by al-Mutawakkil. The slave wanted to fan Aḥmad but he told him not to. 49.4
[ʿAbd Allāh:] Als ich krank war, kam mein Vater, um nach mir zu sehen. 49.5
[ʿAbd Allāh:] When I was ill, my father came to check on me. 49.5
„Papa“, sagte ich, „wir haben noch etwas von dem Geld, das al-Mutawakkil uns gegeben hat. Wie wäre es, wenn ich es für die Pilgerfahrt verwende?“ „Das solltest du tun“, sagte er.
“Dad,” I said, “we still have some of the money al-Mutawakkil gave us. What if I used it to make the pilgrimage?” “You should,” he said.
„Aber wenn du nichts dagegen hast, es auszugeben“, fragte ich, „warum nimmst du es dann nicht?“ „Ich halte es nicht für verboten, mein Sohn“, antwortete er. „Doch ich würde mich lieber enthalten.“ [Muḥammad ibn ʿUbayd Allāh:] Aḥmad ibn Ḥanbal erzählte mir: „Jedes Jahr prüfe ich das Haus, in dem ich wohne, und zahle die Almosensteuer darauf, indem ich dem folgе, was ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb über das Schwarze Land im Irak gesagt hat.“266 49.6
“But if you don’t mind spending it,” I asked, “why don’t you take it?” “I don’t consider it forbidden, son,” he answered. “But I’d rather abstain.” [Muḥammad ibn ʿUbayd Allāh:] Aḥmad ibn Ḥanbal told me, “Every year I survey the house I live in and pay the alms-tax on it, following what ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb said about the Black Land in Iraq.”266 49.6
[Muḥammad ibn Yūnus:] Sulaymān ibn Dāwūd al-Shādhakūnī erzählte mir einmal: „Hast du gesehen, wie ʿAlī ibn al-Madīnī versucht, Aḥmad ibn Ḥanbal nachzueifern? Das wäre ja noch schöner! Sie sind wie Tag und Nacht.267 Einmal in Mekka habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie gewissenhaft Aḥmad ist. Er hatte einem Obst- und Nussverkäufer einen kupfernen Eimer verpfändet, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Als er genug Geld hatte, um den Eimer auszulösen, ging er zu dem Verkäufer, der ihm zwei Eimer hinhielt und sagte: ‚Nimm den, der dir gehört.‘“ 49.7
[Muḥammad ibn Yūnus:] Sulaymān ibn Dāwūd al-Shādhakūnī once told me, “Have you seen ʿAlī ibn al-Madīnī trying to emulate Aḥmad ibn Ḥanbal? That’ll be the day! They’re like chalk and cheese.267 Once in Mecca I saw firsthand how scrupulous Aḥmad is. He had pawned a copper pail to a fruit-and-nut vendor so he could buy something to eat. When he had enough money to redeem the pail, he went to the vendor, who held out two of them and said, ‘Take whichever one is yours.’ 49.7
„‚Ich kann es nicht sagen‘, sagte Aḥmad. ‚Behalte ihn und behalte das Geld.‘ So ließ er seinen Eimer zurück.
“‘I can’t tell,’ said Aḥmad. ‘Keep it, and keep the money.’ “So he left his pail.
„‚Einer davon gehörte ihm, das schwöre ich‘, sagte der Händler. ‚Ich habe ihn nur auf die Probe gestellt!‘“ [Al-Ṭūsī:] Wann immer er einen Christen sah, schloss Aḥmad ibn Ḥanbal die Augen.
“‘One was his, I swear,’ said the vendor. ‘I was just testing him!’” [Al-Ṭūsī:] Whenever he saw a Christian, Aḥmad ibn Ḥanbal would close his eyes.
Auf die Frage, warum, sagte er: „Ich kann niemandem ins Gesicht sehen, der über Gott lügt.“ 49.8
Asked why, he said, “I can’t look at anyone who lies about God.” 49.8
[ʿAbd Allāh:] Auch bei all den Ḥadīthen, die mein Vater kannte, sah ich ihn nie mehr als weniger als hundert Berichte ohne Buch rezitieren. 49.9
[ʿAbd Allāh:] Even with all the Hadith my father knew, there were fewer than a hundred reports I ever saw him recite without using a book. 49.9
[Al-Madīnī:] Aḥmad ibn Ḥanbal hat ein besseres Gedächtnis als wir alle, doch ich habe gehört, dass er Hadithe nur aus Büchern vorträgt – ein Beispiel, dem wir alle folgen sollten. 49.10
[Al-Madīnī:] Aḥmad ibn Ḥanbal has a better memory than any of us, but I’ve heard that he only recites Hadith out of books—an example all of us should follow. 49.10
[Ibrāhīm ibn Jābir al-Marwazī:] Wir pflegten mit Aḥmad ibn Ḥanbal zusammenzusitzen und Hadith-Überlieferungen durchzugehen, bis wir sie gut kannten und richtig vortragen konnten.
[Ibrāhīm ibn Jābir al-Marwazī:] We used to sit with Aḥmad ibn Ḥanbal and go over Hadith reports until we knew them well and could recite them correctly.
„Wenn wir etwas aufschreiben wollten, sagte er: ‚Das Buch merkt es sich besser als wir.‘ Dann sprang er auf, um das Buch zu holen. 49.“11
Whenever we wanted to write something down, he would say, “The book remembers it better than we do.” Then he would jump up to get the book. 49.11
[Al-Marrūdhī:] Ich habe einmal Aḥmad ibn Ḥanbal sagen hören: „Ich musste fünfundsechzig Dirham leihen, um sie für diesen Eingangsbereich auszugeben, doch alles, was ich vom Gebäude bekomme, ist ein Viertel der Miete.“ 49.12
[Al-Marrūdhī:] I once heard Aḥmad ibn Ḥanbal say, “I had to borrow sixty-five dirhams to spend on this entranceway, but all I get on the building is a quarter of the rent.” 49.12
„Warum hast du ʿAbd Allāh nicht bezahlen lassen?“, sagte ich.
“Why didn’t you let ʿAbd Allāh pay for it?” I said.
„Ich möchte nicht, dass er mein Geld beschmutzt.“268
“I don’t want him to taint my money.”268
[Al-Tustari:] Ich habe gehört, dass Aḥmad ibn Ḥanbal einmal drei Tage lang nichts gegessen hat und einem Freund eine Nachricht schickte, in der er um etwas Mehl bat. Als seine Familie merkte, dass er am Verhungern war, buk sie schnell etwas für ihn. Als man ihm die Speise vorsetzte, fragte er, wie sie es so schnell geschafft hätten zu backen. 49.13
[Al-Tustari:] I heard that Aḥmad ibn Ḥanbal once went three days without eating and sent a message to a friend asking to borrow some flour. Realizing that he was starving, his family quickly baked something for him. When they put the dish in front of him, he asked how they had managed to bake so fast. 49.13
„Der Ofen im Haus von Ṣāliḥ war bereits warm“, sagten sie zu ihm.
“The oven in Ṣāliḥ’s house was already warm,” they told him.
„Nehmt das weg!“, sagte er und weigerte sich, es anzufassen. Dann befahl er, die Tür zu versiegeln, die sein Haus mit dem von Ṣāliḥ verband.269
“Take this away!” he said, and refused to touch it. Then he ordered them to seal up the door that joined his house to Ṣāliḥ’s.269
[Al-Marrūdhī:] Während der letzten Krankheit Aḥmads hörte ich, wie er zu seiner Frau sagte: „Wer hat dir gesagt, dass du dort irgendetwas backen sollst?“ – gemeint war im Haus seines Sohnes Ṣāliḥ. Sie hatte dort schon einmal etwas gebacken, und er hatte es nicht angerührt und gesagt: „Wer soll das denn essen?“ 49.14
[Al-Marrūdhī:] During Aḥmad’s final illness, I heard him say to his wife, “Who told you to bake anything there?”—meaning at his son Ṣāliḥ’s house. She had baked something there once before and he had refused to touch it, saying, “Who’s going to eat that?” 49.14
[Al-Marrūdhī:] Ich war einmal mit Aḥmad an einem Ort, und er rezitierte: «Und ihr wohntet in den Wohnstätten derer, die sich selbst Unrecht getan hatten,»270 und fügte hinzu: „Wir haben das gewiss getan“ oder „Dort sind wir.“ 49.15
[Al-Marrūdhī:] I was once with Aḥmad somewhere and he recited, «You lived in the dwellings of those who wronged themselves,»270 adding, “We certainly have,” or “That’s where we are.” 49.15
[Isḥāq ibn Ibrāhīm:] Aḥmad schickte mich einmal mit drei oder vier Münzen los, um Gewürze für den Kochtopf zu kaufen. Dann gab er mir eine weitere Münze und sagte: „Kaufe mit dieser auch Gewürze, aber vermische sie nicht mit den anderen.“ 49.16
[Isḥāq ibn Ibrāhīm:] Aḥmad once sent me with three or four coins to buy spices for the cooking pot. Then gave me another coin and said, “Buy spices with this one too, but don’t mix them with the others.” 49.16
Aber die Gewürze waren tatsächlich durcheinandergeraten. Als ich sie zurückbrachte und es ihm sagte, sagte er: „Gib zurück, was du gekauft hast, und hol dir das Geld zurück." Ich tat es, und er warf es zu dem Geld, das er dem Dienstmädchen gezahlt hatte, da er nicht unterscheiden konnte, welche Münzen davon befleckt waren.
But the spices did get mixed up. When I brought them back and told him, he said, “Return what you bought and get the money back.” I did, and he tossed it in with the money he paid the servant girl, since he couldn’t sort out which coins were tainted.
[Ibn Hāniʾ:] Aḥmad gab mir einmal eine Münze und sagte: „Nimm das und kauf mir etwas Bohnen in Wasser.“ 49.17
[Ibn Hāniʾ:] Aḥmad once gave me a coin and said, “Take this and buy me some beans in water.” 49.17
Ḥusn, die Mutter seines Sohnes, gab mir eine weitere Münze und sagte: „Nimm das und kauf mir auch etwas Bohnen.“ Aḥmad fügte hinzu: „Und kauf für die Jungen auch Bohnen in Öl.“ Vom Geld, das ich für die Bohnen in Öl ausgegeben hatte, blieben mir ein oder zwei Ḥabbah als Wechselgeld. Daher sagte ich dem Bohnenverkäufer, er solle mir noch etwas Öl geben. Ich nahm das Öl und goss es über die Bohnen, die ich für Aḥmad gekauft hatte. Als ich das Essen zurückbrachte und es ihm vorsetzte, bemerkte er die Spur von Öl und fragte: „Was ist das?“ Ich sagte: „Von der Münze der Jungen war noch ein Ḥabbah übrig, und den habe ich für Öl für dich ausgegeben.“ „Nimm es weg, du Narr“, sagte er. „Wer hat dir gesagt, dass du das tun sollst? Wann wirst du endlich dazulernen?“ Er aß nichts davon.
Ḥusn, his son’s mother, gave me another coin and said, “Take this and buy some beans for me too.” Aḥmad added, “And buy some beans in oil for the boys.” I ended up with one or two ḥabbahs in change from the coin I had spent on the beans in oil, so I told the bean vendor to give me some more oil. I took the oil and poured it over the beans I had bought for Aḥmad. When I brought the food back and put it in front of him, he noticed the trace of oil and asked, “What’s this?” I said, “There was a ḥabbah left over from the boys’ coin so I spent it on oil for you.” “Take it away, you idiot,” he said. “Who told you to do that? When are you going to learn?” He didn’t eat any of it.
[Al-Simsār:] Ich hörte Aḥmad zu Isḥāq ibn Ibrāhīm al-Naysābūrī sagen: „Geh zu Umm ʿAlī“ – gemeint war seine Tochter – „und nimm, was immer sie dir gibt.“ 49.18
[Al-Simsār:] I heard Aḥmad say to Isḥāq ibn Ibrāhīm al-Naysābūrī, “Go to Umm ʿAlī”—meaning his daughter—“and take whatever she gives you.” 49.18
Isḥāq ging hinein und kam mit einem Huhn zurück. Dann verließen er und ich gemeinsam das Haus.
Isḥāq went in and came back out carrying a chicken. Then he and I left together.
„Was hat Umm ʿAlī gesagt?“, fragte ich ihn.
“What did Umm ʿAlī say?” I asked him.
„Sie sagte, ihr Vater brauche eine Schröpfbehandlung, habe aber kein Geld, und bat sie, mir das Huhn zu geben, damit ich es verkaufe.“ Als wir das Huhn auf den Markt brachten, wurde Isḥāq ein Dirham und zwei Dāniqs dafür angeboten, doch er änderte seine Meinung über den Verkauf und nahm es wieder zurück.
“She said her father needs a cupping but has no money, and asked her to give me the chicken and have me sell it.” When we got the chicken to market, Isḥāq was offered a dirham and two dāniqs for it, but changed his mind about the sale and took it back.
An der Brücke liefen wir Aḥmads Sohn ʿAbd Allāh über den Weg, der im Laden von Ibn Bukhtān saß. Er rief Isḥāq zu sich und fragte: „Warum tragt ihr ein Huhn? Und wem gehört es?“ Ich sagte ihm, dass Umm ʿAlī es uns zum Verkauf gegeben hatte.
At the bridge, we ran across Aḥmad’s son ʿAbd Allāh, who was sitting at Ibn Bukhtān’s shop. He called Isḥāq over and asked, “Why are carrying a chicken? And whose is it?” I told him that Umm ʿAlī had given it to us to sell.
„Wie viel hast du dafür bekommen?“ „Man hat uns einen Dirham und zwei Dāniq geboten.“ „Gib es mir für eineinhalb.“ Isḥāq nahm das Geld und gab ihm das Huhn. Als wir zurückkamen, fragte Umm ʿAlī ihn, wie viel er bekommen habe.
“How much did you get for it?” “We were offered a dirham and two dāniqs.” “Give it to me for one and a half.” Isḥāq took the money and gave him the chicken. When we got back, Umm ʿAlī asked him how much he’d gotten.
„Eineinhalb Dirham.“ „Nur das?“ „Das Angebot, das ich auf dem Markt bekam, betrug nur ein Dirham und zwei Dāniq.“ Da fragte Aḥmad ibn Ḥanbal: „Wer hat es gekauft?“ „Dein Sohn ʿAbd Allāh.“ Als er das hörte, riss Aḥmad das Geld von Umm ʿAlī zurück. „Geh“, rief er mir zu, „und bring es zurück!“ Isḥāq lief eilig zu ʿAbd Allāh zurück.
“One and a half dirhams.” “That’s all?” “The offer I got at the market was only a dirham and two dāniqs.” Then Aḥmad ibn Ḥanbal asked, “Who bought it?” “Your son ʿAbd Allāh.” When he heard that, Aḥmad grabbed the money back from Umm ʿAlī. “Go,” he shouted at me, “and return it!” Isḥāq went running back to ʿAbd Allāh.
„Nimm dein Geld zurück!“, sagte er. „Dein Vater hat mich deswegen angeschrien.“ „Warum hast du ihm gesagt, dass ich es war?“, fragte ʿAbd Allāh, nahm das Geld aber zurück.
“Take your money back!” he said. “Your father shouted at me over it.” “Why did you tell him it was me?” asked ʿAbd Allāh, but took the money back.
Isḥāq setzte die Geschichte fort:
Isḥāq continued the story:
[Isḥāq:] Aḥmad ibn Ḥanbal sagte mir, ich solle zurück zum Markt gehen und seinen Sohn von dort fernhalten. Also verkaufte ich das Huhn an jemanden, den ich nicht kannte, für einen Dirham und ein Drittel, und ging dann zurück zu Aḥmad.
[Isḥāq:] Aḥmad ibn Ḥanbal told me to go back to the market and keep his son out of it. So I sold the chicken to someone I didn’t know for a dirham and a third, and then went back to Aḥmad.
„Du hast es hoffentlich nicht an ʿAbd Allāh verkauft“, sagte er.
“You’d better not have sold it to ʿAbd Allāh,” he said.
„Nein“, antwortete ich. „Ich habe es an einen Fremden verkauft.“ [Al-Simsār:] Die Mutter von ʿAbd Allāh hatte ein Haus neben unserem in der Gasse. Das Haus war Teil des Erbes von Aḥmad, und so verlangte er einen Dirham Miete dafür. Einmal brauchte sie Geld, und ʿAbd Allāh gab es ihr. Danach nahm Aḥmad den Dirham nicht mehr von ihr und sagte, er sei nun verunreinigt.271 49.19
“No,” I replied. “I sold it to a stranger.” [Al-Simsār:] ʿAbd Allāh’s mother had a house next to ours in the lane. The house had been part of Aḥmad’s inheritance, and so he collected a dirham in rent on it. At one point she needed money and ʿAbd Allāh gave it to her. After that, Aḥmad stopped taking the dirham from her, saying that it was now tainted.271 49.19
[Muḥammad ibn ʿAlī:] Ṣāliḥ berichtete, dass ʿAbd al-Raḥmān, der Heiler, seinem Vater, als dieser krank wurde, riet, einen Kürbis zu rösten und den Saft davon zu trinken. 49.20
[Muḥammad ibn ʿAlī:] Ṣāliḥ reported that when his father got sick, ʿAbd al- Raḥmān the healer advised him to roast a gourd and drink the juice. 49.20
„Er sagte mir, ich solle es weder in meinem Haus noch in dem von ʿAbd Allāh kochen“, sagte Ṣāliḥ.
“He told me not to cook it in my house or in ʿAbd Allāh’s,” said Ṣāliḥ.
Ich hörte Abū Bakr al-Marrūdhī sagen, dass er es nahm, es kochte und zu ihm zurückbrachte.
I heard Abū Bakr al-Marrūdhī say that he took it and cooked it and brought it back to him.
[Ibn ʿAyyāsh:] Aḥmad schickte mich, ihm für einen einzigen Dirham Butterschmalz zu kaufen.
[Ibn ʿAyyāsh:] Aḥmad sent me to buy him a single coin’s worth of clarified butter.
Ich brachte es ihm in ein grünes Blatt eingewickelt.272 Er nahm die Butter, gab mir das Blatt zurück und sagte: „Bring es zurück.“ 49.21
I brought it to him wrapped in a green leaf.272 He took the butter, gave me back the leaf, and said, “Return it.” 49.21
[Al-Ṣaḥnāʾī:] Aḥmad ibn Ḥanbal gab mir eine einzige Münze, damit ich Bohnen auf Brot in Brühe kaufe. Ich kam mit viel Bohnen zurück, und er fragte, warum. 49.22
[Al-Ṣaḥnāʾī:] Aḥmad ibn Ḥanbal gave me a single coin to buy some beans on bread in broth. I came back with a lot of beans and he asked why. 49.22
„Es gab zwei Bohnenverkäufer, die sich gegenseitig zu unterbieten versuchten.“ „Nimm es zurück“, sagte er. „Gib dem Verkäufer die Speise zurück und lass ihn das Geld behalten.“ Ich tat, wie er mir geheißen hatte.
“There were two bean vendors trying to undersell each other.” “Take it back,” he said. “Give the vendor the food back and let him keep the money.” I did as he asked.
[Al-Mukharrimī:] Rawḥ ibn ʿUbādah kam zu uns zu Besuch, und Aḥmad ibn Ḥanbal kam, um ihn aufzusuchen. Aḥmad schlief genau hier. Er bewahrte sich etwas Brot im Ärmel auf, trank Wasser aus dem Wasserlauf und wartete draußen, bis Rawḥ erschien.
[Al-Mukharrimī:] Rawḥ ibn ʿUbādah came to stay with us and Aḥmad ibn Ḥanbal came to see him. Aḥmad slept right here. He kept some bread for himself in his sleeve and drank water from the watercourse, and he waited outside for Rawḥ to appear.
Dann erschien Yaḥyā ibn Aktham mit seinem Gefolge. Er setzte sich vor Aḥmad und begann, ihm Fragen zu stellen. Aḥmad blickte unentwegt zu Boden. Als Yaḥyā merkte, dass er nicht antworten würde, stand er auf und ging.273 49.23
Then Yaḥyā ibn Aktham showed up with an entourage. He sat in front of Aḥmad and started asking him questions. Aḥmad just kept looking down. When Yaḥyā realized he wasn’t going to respond, he got up and left.273 49.23
[Jaʿfar ibn Muḥammad:] Jemand aus dem Haus des Aḥmad ibn Ḥanbal kam, um ihm zu sagen, dass sein Sohn krank sei und Butter verlange. Aḥmad gab einem der anwesenden Männer eine Münze und forderte ihn auf, etwas Butter zu kaufen. Der Mann brachte die Butter zurück, eingewickelt in Blätter von Mangold. Sobald Aḥmad sie sah, fragte er: „Woher stammen diese Blätter?“ 49.24
[Jaʿfar ibn Muḥammad:] Someone from Aḥmad ibn Ḥanbal’s house came to tell him that his son was ill and wanted butter. Aḥmad gave a coin to one of the men present and told him to buy some butter. The man brought back some butter wrapped in leaves of chard. As soon as he saw them, Aḥmad asked, “Where did those leaves come from?” 49.24
„Vom Krämer.“ „Hast du ihn um Erlaubnis gebeten, sie zu nehmen?“ „Nein.“ „Bring alles zurück!“ [Ṣāliḥ:] Als ich ein Baby hatte, machte mir einer meiner Freunde ein Geschenk. Monate später beschloss derselbe Freund, nach Basra zu gehen. Er fragte mich, ob mein Vater ein Empfehlungsschreiben an die dortigen Ältesten verfassen würde. Als ich meinen Vater fragte, sagte er: „Ich würde für ihn schreiben, nur hat er dir ein Geschenk gemacht.“ 49.25
“From the grocer.” “Did you ask his permission to take them?” “No.” “Take it all back!” [Ṣāliḥ:] When I had a baby, one of my friends gave me a gift. Months later, the same friend decided to go to Basra. He asked me whether my father would write a letter of introduction to the elders there. When I asked my father he said, “I would write for him except that he gave you a gift.” 49.25
[ʿAbd Allāh:] Hier lebte einst ein alter Mann, der uns erzählte: „Ich bemerkte, dass Aḥmad an Krätze litt. Also brachte ich ihm eine Medizin und sagte ihm, er solle sie auf den Ausschlag auftragen. Er nahm sie zwar, gab sie mir dann aber zurück. Ich fragte ihn, warum, und er sagte: ‚Du studierst Ḥadīth bei mir.‘“274 49.26
[ʿAbd Allāh:] There was once an old man here who told us, “I noticed that Aḥmad was suffering from scabies, so I brought him some medicine and told him to put it on the rash. He took it but then gave it back. I asked him why, and he said, ‘You study Hadith with me.’”274 49.26
[Al-Harawī:] Wir waren an Hushayms Tür, als jemand mit einem Empfehlungsschreiben erschien. Als man ihm die Tür öffnete, damit er eintreten konnte, gingen auch wir hinein, außer Aḥmad, der zurückblieb. Er war damals ein junger Mann, noch nicht einmal zwanzig. 49.27
[Al-Harawī:] We were at Hushaym’s door when someone showed up with a letter of introduction. When they opened the door to let him in, we went in too, except for Aḥmad, who stayed back. He was a young man at the time—not even twenty. 49.27
„Ahmad, komm herein!“, sagten wir.
“Aḥmad, come on in!” we said.
„Niemand hat mir die Erlaubnis gegeben“, antwortete er.
“No one gave me permission,” he replied.
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad ließ das Dach des Hauses, das er an die Weber vermietet hatte, reparieren. Die Reparatur wurde so ausgeführt, dass das Abflussrohr auf die Straße entleerte. Am nächsten Morgen sagte er: „Ruf den Zimmermann und sag ihm, er soll das Rohr so drehen, dass es zum Haus hin entwässert.“ 49.28
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad had some repairs done on the roof of the house he rented out to the weavers. The repairs were done in such a way that the drainpipe emptied into the street. The next morning he said, “Call the carpenter and tell him to turn the pipe so it drains to the house.” 49.28
Ich habe den Schreiner angerufen, und er hat das Rohr versetzt.275
I called the carpenter and he moved the pipe.275
[Al-Ḥarbī:] Ich habe zwei Jahre lang die Hadith-Sitzungen von Aḥmad Ibn Ḥanbal besucht.
[Al-Ḥarbī:] I attended Aḥmad Ibn Ḥanbal’s Hadith sessions for two years.
Wenn er herauskam, um Hadithe vorzutragen, brachte er ein Rohrfederrohr und ein mit rotem Leder überzogenes Tintenfass mit. Fand er in seiner Niederschrift einen Fehler oder eine Auslassung, so verbesserte er sie mit seiner eigenen Feder und Tinte; er war zu gewissenhaft, um auch nur etwas von unseren zu nehmen. Wir fragten ihn, ob er bestimmte Überlieferungen auswendig kenne, und er sagte: „Nein, ich brauche die Niederschrift.“ 49.29
Whenever he came out to recite Hadith, he would bring out a reed pen and an inkpot covered in red leather. If he found an error or an omission in his transcript, he would correct it using his own pen and ink; he was too scrupulous to take any of ours. We would ask if he knew certain reports by heart, and he’d say, “No, I need the transcript.” 49.29
[Al-Ḥarbī:] Wann immer Aḥmad ibn Ḥanbal – Gott erbarme sich seiner – hinausging, um uns zu unterrichten, hatte er stets ein Schilfrohr als Feder und ein mit Leder überzogenes Tintenfass bei sich. Er war zu gewissenhaft, um von unserer Tinte zu nehmen, um ein S oder dergleichen zu korrigieren.276 49.30
[Al-Ḥarbī:] Whenever Aḥmad ibn Ḥanbal—God have mercy on him—came out to teach us, he always had a reed pen and a leather-covered inkpot. He was too scrupulous to take any of our ink to correct an S or any such thing.276 49.30
[Ibn Shabīb:] Ich fragte Aḥmad ibn Ḥanbal einst nach Muḥammad ibn Muʿāwiyah al-Naysābūrī, und er sagte zu mir: „Yaḥyā ibn Yaḥyā ist ein guter Mann.“ 49.31
[Ibn Shabīb:] I once asked Aḥmad ibn Ḥanbal about Muḥammad ibn Muʿāwiyah al-Naysābūrī, and he said to me, “Yaḥyā ibn Yaḥyā is a fine man.” 49.31
[Der Autor:] Ich sage: Hier hat Aḥmad indirekt Muḥammad ibn Muʿawiyah verurteilt, einen bekannten Lügner, indem er einen anderen lobte. In einer anderen Überlieferung verurteilt er ihn, aber hier und an anderen Stellen vermeidet er es, dies zu tun.
[The author:] I say: Here Aḥmad indirectly condemned Muḥammad ibn Muʿawiyah, a known liar, by praising someone else. In another report he condemns him, but here and elsewhere he avoids doing so.
[ʿAbd Allāh:] Ich hörte meinen Vater zu Yaḥyā ibn Maʿīn sagen: „Man erzählt mir, du sagst: ‚Ich hörte Ismāʿīl, den Sohn von ʿUlayyah, berichten.‘“ 49.32
[ʿAbd Allāh:] I heard my father say to Yaḥyā ibn Maʿīn, “People tell me you say, ‘I heard Ismāʿīl, son of ʿUlayyah, report.’” 49.32
„Ja, das sage ich.“ „Nun, lass es. Sag stattdessen ‚Ismāʿīl, Sohn des Ibrāhīm‘. Ich habe gehört, dass er es nicht mag, nach seiner Mutter benannt zu werden.“ Yaḥyā nahm diese Anweisung mit gutem Willen an.
“Yes, I do say that.” “Well, don’t. Say ‘Ismāʿīl, son of Ibrāhīm,’ instead. I’ve heard that he doesn’t like being called after his mother.” Yaḥyā accepted this instruction with good grace.
[Der Autor:] Eine Reihe von Menschen ist allgemein unter den Namen ihrer Mütter bekannt.
[The author:] A number of people are commonly known by their mothers’ names.
Zu diesen gehören Bilāl, Sohn des Ḥamāmah, Muʿādh, Sohn des ʿAfrāʾ, Bashīr, Sohn der al-Khaṣāṣiyah, Ibn Buḥaynah, Yaʿlā, Sohn des Munyah, und viele andere, die alle in meinem Buch „Pollen for the Mind“ erwähnt werden. Wie dem auch sei, Gewissenhaftigkeit gebietet es, Menschen nicht in einer Weise zu bezeichnen, die ihnen missfällt.
These include Bilāl son of Ḥamāmah, Muʿādh son of ʿAfrāʾ, Bashīr son of al- Khaṣāṣiyah, Ibn Buḥaynah, Yaʿlā son of Munyah, and many others, all mentioned in my book Pollen for the Mind. In any event, being scrupulous dictates that one avoid referring to people in a way they dislike.
[Al-Ruhāwī:] Einst traf ich Aḥmad ibn Ḥanbal in Bagdad, und er fragte mich: „Was ist eigentlich aus jenem al-Jawharī geworden, den ihr dort in Ḥarrān habt? Er war gelehrt.“ 49.33
[Al-Ruhāwī:] I once met Aḥmad ibn Ḥanbal in Baghdad and he asked me, “Whatever happened to that man al-Jawharī you have there in Ḥarrān? He was learned.” 49.33
Ich antwortete, dass ich niemanden mit diesem Namen kenne, der in Ḥarrān Hadith lehrt.
I replied that I knew of no one by that name teaching Hadith in Ḥarrān.
„Du weißt, wen ich meine: Er war ein Gefährte von Abū Maʿbad Ḥafṣ ibn Ghaylān.“ „Ich kenne ihn nicht.“ „Komm schon!“, sagte Aḥmad. „Er hat eine Reihe von Söhnen.“ „Meinst du ‚die Eule‘?“ „Ja!“, sagte er. „Lerne von ihm: Er ist zuverlässig.“ [Der Autor:] Der Mann hieß Sulaymān ibn Abī Dāwūd, und man nannte ihn „die Eule“. Aus Gewissenhaftigkeit vermied unser Vorbild Aḥmad es, seinen Beinamen zu verwenden.
“You know who I mean: he was an associate of Abū Maʿbad Ḥafṣ ibn Ghaylān.” “I don’t know him.” “Come on!” said Aḥmad. “He has a number of sons.” “Do you mean ‘the Owl’?” “Yes!” he said. “Learn from him: he’s reliable.” [The author:] The man’s name was Sulaymān ibn Abī Dāwūd and he was called “the Owl.” Out of scrupulosity, our exemplar Aḥmad avoided using his nickname.
[Al-Sijistānī:] Ich fragte einst Aḥmad ibn Ḥanbal nach der Gültigkeit einer Scheidungserklärung, die von einem betrunkenen Mann ausgesprochen wurde. Er sagte: „Frag jemand anderen.“277 49.34
[Al-Sijistānī:] I once asked Aḥmad ibn Ḥanbal about the validity of a declaration of divorce pronounced by a drunken man. He said, “Ask someone else.”277 49.34
[Al-Ḥarbī:] Auf seinem Sterbebett bat Aḥmad darum, dass wir für ihn eine Sühne für ein Gelübde leisten, das er abgelegt hatte, und sagte: „Ich glaube, ich habe es gebrochen.“278 49.35
[Al-Ḥarbī:] On his deathbed Aḥmad asked that we make expiation for him for one vow he had made, saying “I think I broke it.”278 49.35
[Al-Marrūdhī:] Unzählige Male habe ich Aḥmad ibn Ḥanbal nach etwas gefragt, und er sagte: „Ich weiß es nicht.“ 49.36
[Al-Marrūdhī:] More times than I can count, I asked Aḥmad ibn Ḥanbal about something and he said, “I don’t know.” 49.36
[Al-Yamāmī:] Ich hörte Aḥmad ibn Ḥanbal sagen: „Oft habe ich drei Jahre gewartet, bevor ich wusste, was ich über ein rechtliches Problem denken sollte.“ 49.37
[Al-Yamāmī:] I heard Aḥmad ibn Ḥanbal say, “Many times I’ve waited three years before knowing what to think about a problem of law.” 49.37
[Al-Athram:] Ich hörte oft, wie Aḥmad ibn Ḥanbal, wenn ihm jemand eine Frage stellte, sagte, er wisse es nicht. Das sagte er sogar dann, wenn er wusste, was dazu gesagt worden war. Wenn man ihn bat, die Antwort zu geben, die er bevorzugte, wies er darauf hin, dass es darüber eine Meinungsverschiedenheit gebe. Mit seinem Satz „Ich weiß es nicht“ meinte er, dass er nicht wusste, welche Ansicht er wählen sollte. Ich hörte ihn oft sagen: „Ich weiß es nicht“, und dann begann er, Meinungen zu zitieren. 49.38
[Al-Athram:] I often heard Aḥmad ibn Ḥanbal, when someone asked him a question, say that he didn’t know. He would say this even when he was aware of what had been said about it. When asked to give the answer he preferred, he would note that there was a difference of opinion. What he meant when he said “I don’t know” was that he didn’t know which view to choose. I often heard him say, “I don’t know,” and then start citing opinions. 49.38
[Al-Marrūdhī:] Als ich mit Aḥmad im Palast von Ītākh in Samarra war, wies ich auf etwas hin, das an der Wand angebracht worden war.279 Er sagte mir, ich solle nicht hinschauen. 49.39
[Al-Marrūdhī:] When I was with Aḥmad in Ītākh’s palace in Samarra, I pointed out something that had been put up on the wall.279 He told me not to look at it. 49.39
„Aber ich habe es schon getan“, sagte ich.
“But I already did,” I said.
„Dann lass es bleiben.“
“Well, don’t.”