Seine Güte und seine Rücksichtnahme auf andere
His Kindness And His Consideration For Others
[Al-Būshanjī:] Von all den Menschen, die ich zur Zeit Aḥmads gesehen habe, habe ich niemanden getroffen, der so gewissenhaft in der Religion, so sorgfältig, so selbstbeherrscht oder so enthaltsam war wie Aḥmad, noch jemanden, der so gelehrt oder so einsichtsvoll in religiösen Fragen war, noch jemanden, der so großzügig im Wesen, so standhaft im Herzen, so angenehm im Umgang oder so unverkennbar aufrichtig war.196 38.1
[Al-Būshanjī:] Of all the people I saw in Aḥmad’s time, I never met anyone as mindful of religion, as careful, as self-controlled, or as abstinent as Aḥmad, nor anyone as learned or as discerning in matters of religion, nor anyone so generous in spirit, so firm of heart, so congenial in company, or so unmistakably sincere.196 38.1
[ʿAlī ibn al-Madīnī:] Aḥmad ibn Ḥanbal sagte einmal zu mir: „Ich wünschte, ich könnte dich nach Mekka begleiten, doch ich fürchte, ich werde deiner Gesellschaft überdrüssig werden, oder du der meinen.“ 38.2
[ʿAlī ibn al-Madīnī:] Aḥmad ibn Ḥanbal once said to me, “I wish I could accompany you to Mecca, but I’m afraid I’ll get tired of your company, or you of mine.” 38.2
Als ich mich verabschieden wollte, fragte ich ihn, ob er etwas wünsche, und er sagte: „Ich wünsche, dass du Gott fürchtest und das Jenseits im Sinn behältst." [Ḥanbal:] Ich erinnere mich, dass Aḥmad ibn Ḥanbal, wenn er aufstehen wollte, zu jedem, der bei ihm war, sagte: „Mit eurer Erlaubnis." 38.3
When I came to say good-bye, I asked him if he wanted anything and he said, “I want you to remain fearful of God and mindful of the afterlife.” [Ḥanbal:] I remember that whenever Aḥmad ibn Ḥanbal wanted to get up, he would say to whoever was with him, “By your leave.” 38.3
[Al-Sijistānī:] Mit Aḥmad ibn Ḥanbal zusammenzusitzen bedeutete, über das Jenseits zu sprechen; die Angelegenheiten dieser Welt wurden nie erwähnt. Ich habe ihn nie über diese Welt reden sehen. 38.4
[Al-Sijistānī:] Sitting with Aḥmad ibn Ḥanbal meant talking about the next world; the things of this world were never mentioned. I never saw him talk about this world at all. 38.4
[Ibn al-Munādī:] Ich hörte meinen Großvater sagen: „Aḥmad war äußerst bescheiden, dabei großherzig im Wesen; er gehörte zu den nachdenklichsten und rücksichtsvollsten Menschen, die ich je gesehen habe. Er saß oft mit gesenktem Haupt und abgewandten Augen da und mied es, über Unschickliches oder Belangloses zu sprechen. Wenn er sprach, dann, um Ḥadīthe auszutauschen oder das Vorbild der Rechtschaffenen und Entsagenden in Erinnerung zu rufen, und das tat er mit stiller Würde und Beredsamkeit. Begegnete er Menschen, so lächelte er und schenkte ihnen seine volle Aufmerksamkeit. Den angesehenen Gelehrten erwies er große Ehrerbietung, und diese wiederum achteten ihn außerordentlich. Er zeigte die größte Verehrung für Yaḥyā ibn Maʿīn, der etwa sieben Jahre älter war als er.“ 38.5
[Ibn al-Munādī:] I heard my grandfather say, “Aḥmad was extremely modest, but generous in spirit; he was one of the most thoughtful and considerate people I’ve ever seen. He would sit with his head bowed and his eyes averted much of the time, and avoid talking about anything unseemly or frivolous. When he did talk, it was to exchange Hadith or recall the example set by righteous men and renunciants, which he did with quiet dignity and eloquence. When meeting people, he would smile and give them his full attention. He showed great deference to senior men of learning, who in turn respected him enormously. He displayed the greatest veneration for Yaḥyā ibn Maʿīn, who was seven or so years older than he.” 38.5
[ʿAbd Allāh:] Wann immer mein Vater die Moschee verließ, um ins Haus zu kommen, schlug er seine Sandale auf den Boden, damit die Leute ihn kommen hören konnten. Auch räusperte er sich oft, um den Leuten anzukündigen, dass er hereinkam. 38.6
[ʿAbd Allāh:] Whenever my father left the mosque to come into the house, he would slap his sandal against the ground so people could hear him coming. He would often clear his throat, too, to let people know he was coming in. 38.6
[Muhannaʾ:] Ich habe Aḥmad ibn Ḥanbal mehr als ein- oder zweimal gesehen – tatsächlich mehr als drei-, vier- oder fünfmal –, wie er zuließ, dass Leute sein Gesicht, seinen Kopf oder seine Wange küssten. Er sagte nichts, hielt sie aber auch nicht davon ab. Ich sah, wie Sulaymān ibn Dāwūd al-Hāshimī ihn auf den Kopf und die Stirn küsste. Er hielt ihn nicht davon ab und schien auch nicht missbilligend zu sein. Ich sah außerdem Yaʿqūb ibn Ibrāhīm, wie er ihn auf die Stirn und das Gesicht küsste. 38.7
[Muhannaʾ:] I saw Aḥmad ibn Ḥanbal more than once or twice—more than three or four or five times, really—letting people kiss his face, his head, or his cheek. He wouldn’t say anything, but he wouldn’t stop them, either. I saw Sulaymān ibn Dāwūd al-Hāshimī kiss him on the head and forehead. He didn’t stop him and he didn’t seem to disapprove. I also saw Yaʿqūb ibn Ibrāhīm kissing him on the forehead and the face. 38.7
[Al-Khallāl:] Ich fragte Zuhayr ibn Ṣāliḥ, ob er jemals seinen Großvater Aḥmad ibn Ḥanbal gesehen habe. 38.8
[Al-Khallāl:] I asked Zuhayr ibn Ṣāliḥ if he had ever seen his grandfather, Aḥmad ibn Ḥanbal. 38.8
„Ja“, sagte er. „Ich war etwa acht Jahre alt, als ich ihn zum ersten Mal sah. Ich war zehn, als er starb.“197
“Yes,” he said. “I was about eight years old the first time. I was ten when he died.”197
„Erinnerst du dich, wie er war?“ „Meine Schwestern und ich besuchten ihn jeden Freitag. Die Tür zwischen unserem Haus und seinem stand offen. Er schrieb dann einen Zettel an einen Mann, bei dem er Nüsse und Trockenfrüchte kaufte, und bat ihn, jedem von uns Nüsse im Wert von zwei Silbermünzen zu geben. Wir gingen dann hin und holten Nüsse oder Früchte im Wert von zwei Pennys und brachten auch für unsere Schwestern etwas mit.“198
“Do you remember what he was like?” “My sisters and I used to visit him every Friday. The door between our house and his was left open. He used to write a note to a man he bought nuts and dried fruit from and tell him to give each of us two silver pennies’ worth, and we would go and take two pennies’ worth of nuts or fruit and bring something for our sisters too.198
„Oft sah ich ihn in der Sonne sitzen, mit entblößtem Rücken, sodass die Narben zu sehen waren.
“Many times I saw him sitting in the sun with his back exposed and the scars showing.
„Ich hatte einen jüngeren Bruder namens ʿAlī, mit dem Beinamen Abū Ḥafs. Mein Vater wollte ihn beschneiden lassen. Er bereitete viel Essen zu und lud Leute ein, zu kommen. Als die Zeit gekommen war, schickte er auch jemanden, um meinen Großvater einzuladen. Später erzählte mir mein Vater, was dieser gesagt hatte: ‚Ich habe von dieser neuen Sache gehört, die du tust, und ich habe gehört, dass du dabei verschwenderisch warst. Du solltest mit den Armen und Kranken beginnen und sie zuerst speisen.‘ 38."9
“I had a younger brother named ʿAlī, with the nickname Abū Ḥafs. My father wanted to have him circumcised. He prepared a lot of food and invited people to come over. When the time came, he sent someone to invite my grandfather too. Later my father told me what he said: ‘I’ve heard about this new thing you’re doing, and I’ve heard that you’ve been wasteful about it. You should start with the poor and ill and feed them first.’ 38.9
„Am nächsten Tag, als der Schröpfer und die Familienangehörigen eingetroffen waren, ging mein Vater hinein, um meinen Großvater zu benachrichtigen. Mein Großvater kam mit ihm heraus, setzte sich neben den kleinen Jungen und blieb dort, während die Beschneidung vollzogen wurde. Danach holte er zwei geknotete Stoffstücke hervor und gab eines dem Schröpfer und das andere dem Jungen.
“The next day, when the cupper and the family members had arrived, my father went in to tell my grandfather. My grandfather came out with him, sat down next to the little boy, and stayed there while the circumcision took place. Afterward he took out two knotted pieces of cloth and gave one to the cupper and the other to the boy.
Dann ging er zurück in sein Haus. Der Schröpfer sah in den kleinen Beutel und fand einen einzigen Dirham. Wir sahen in die Tasche des Jungen und fanden denselben.
Then he went back into his house. The cupper looked into the little bag and found a single dirham. We looked into the boy’s bag and found the same.
„Wir hatten die meisten Dinge, die wir auf dem Boden ausgebreitet hatten, entfernt und den Jungen auf eine kleine Erhöhung gesetzt, die auf einigen gefärbten Gewändern ruhte. Mein Großvater schien dagegen nichts einzuwenden zu haben.“
“We had removed most of the things we had spread on the floor and put the boy on a little platform resting on some dyed garments. My grandfather didn’t seem to disapprove.
„Einmal kam der Cousin mütterlicherseits meines Großvaters, der die Kunya Abū Aḥmad trug, aus Chorasan und blieb bei meinem Vater. Eines Tages sagte mein Vater nach dem Abendgebet zu mir, ich solle Abū Aḥmad an der Hand nehmen und ihn zu meinem Großvater hineinführen. Ich ging in das Haus meines Großvaters und fand ihn beim Verrichten weiterer Gebete vor, also setzte ich mich. Als er fertig war, fragte er mich, ob Abū Aḥmad angekommen sei. 38.“10
“Once my grandfather’s maternal cousin, who had the kunyah Abū Aḥmad, came from Khurasan and stayed with my father. One day after sunset prayers, my father told me to take Abū Aḥmad by the hand and show him in to my grandfather. I went into my grandfather’s house and found him doing more prayers so I sat down. When he finished, he asked me if Abū Aḥmad had arrived. 38.10
„‚Ja.‘ „‚Sag ihm, er soll hereinkommen.‘ „Ich ging hinaus, fand Abū Aḥmad und brachte ihn herein. Er setzte sich. Mein Großvater rief eine ältere Frau – eine Mieterin von ihm,199 die früher für ihn gearbeitet hatte –, und sie brachte Brot, frische Kräuter, Essig und Salz auf einem Korbtablett heraus.
“‘Yes.’ “‘Tell him to come in.’ “I went out, found Abū Aḥmad, and brought him back in. He sat down. My grandfather called out to an elderly woman—a tenant of his199—who used to work for him, and she brought out some bread, fresh herbs, vinegar, and salt on a wicker tray.
Später brachte sie eine dieser großen Platten heraus und stellte sie vor uns hin. Es war ein Eintopf aus getrocknetem Molkenquark200 mit viel Fleisch und Mangold. Wir begannen zu essen, und er gesellte sich zu uns. Während wir aßen, erkundigte er sich bei Abū Aḥmad nach den Familienmitgliedern, die noch in Khurasan lebten. Mehrmals hatte Abū Aḥmad Schwierigkeiten, das Arabische zu verstehen, und so sprach mein Großvater mit ihm auf Persisch. Die ganze Zeit über suchte er Fleischstücke aus und servierte sie Abū Aḥmad und auch mir. Danach nahm er die Platte selbst hoch, stellte sie beiseite und brachte dann eine Servierschale mit erlesenen Barnī-Datteln und geschälten Walnüssen, die er auf dem Tablett vor uns abstellte. Er aß, und wir aßen ebenfalls, wobei er Abū Aḥmad bediente. Dann wuschen wir uns die Hände, und jeder sorgte für sich selbst.“ [Al-ʿAṭṭār:] Ich schickte meinen kleinen Sohn zusammen mit einer Sklavin, um Aḥmad meine Grüße auszurichten. Er hieß den Jungen willkommen, nahm ihn auf seinen Schoß und stellte ihm Fragen. Außerdem ließ er einen Pudding holen, den er hereinbrachte, dem Jungen vorsetzte und ihn sanft zum Essen ermunterte, wobei er auch die Frau zum Essen einlud. Dann ging er hinaus zu einem Verkäufer von Obst, Nüssen und Süßigkeiten und kam mit Mandeln und Zucker zurück, die in seinen Gewand eingewickelt waren. Er holte alles heraus, wickelte es in ein Taschentuch und reichte es der Dienerin. Dann sagte er zu dem Jungen: „Richte Abū Muḥammad meinen Gruß aus.“ 38.11
Later she brought out one of those big platters and put it in front of us. It was a driedwhey stew200 with lots of meat and chard. We started eating and he joined us. As we ate, he asked Abū Aḥmad about the members of the family who were still in Khurasan. Several times, Abū Aḥmad had trouble understanding things in Arabic and so my grandfather would speak to him in Persian. All the while, he would choose pieces of meat and serve them to Abū Aḥmad and me too. Afterward he picked up the platter himself and put it aside, then brought over a serving dish containing premium Barnī dates and shelled walnuts and put it in front of us on the tray. He ate and we did too, with him serving Abū Aḥmad. Then we washed our hands, with each of us taking care of himself.” [Al-ʿAṭṭār:] I sent my young son, along with a slave woman, to give my regards to Aḥmad. He welcomed the boy, held him in his lap, and asked him questions. He also sent out for a pudding,201 which he brought in, put in front of the boy, and coaxed him to eat, inviting the woman to eat as well. Then he went out to a vendor of fruits, nuts, and sweets, and came back with some almonds and sugar wrapped up in his gown. He took everything out, wrapped it up in a handkerchief, and gave it to the servant. Then he said to the boy, “Tell Abū Muḥammad I said hello.” 38.11
[Al-Marrūdhī:] Ich habe einmal gesehen, wie Aḥmad zwei Dirham in das Becken eines Beschneiders warf. 38.12
[Al-Marrūdhī:] I once saw Aḥmad toss two dirhams into a circumciser’s basin. 38.12
[Al-Maymūnī:] Ich pflegte Aḥmad oft nach etwas zu fragen, und er antwortete: „Zu Diensten!“ 38.13
[Al-Maymūnī:] I would often ask Aḥmad about something and he would say, “At your service!” 38.13
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad war niemals beleidigend. Wenn ihn jemand beschimpfte, ertrug er es geduldig. Anstatt zornig zu werden, sagte er: „Gott genügt uns!“202 38.14
[Al-Marrūdhī:] Aḥmad was never abusive. If anyone was abusive to him, he would bear it patiently. Instead of getting angry, he would say, “May God suffice!”202 38.14
Er trug niemandem etwas nach und sprach nicht unbedacht. Einmal geriet sein Onkel mit den Nachbarn in Streit. Wenn sie kamen, um Aḥmad zu besuchen, empfing er sie so höflich wie immer, ohne Partei zu ergreifen und ohne die Sache seines Onkels zu verteidigen.
He didn’t bear grudges or speak rashly. His uncle once quarreled with the neighbors. When they would come to see Aḥmad, he would receive them as courteously as he always had, without taking sides or arguing his uncle’s part.
Er war sehr demütig und liebte die Armen. Ich habe nie erlebt, dass arme Männer so gut behandelt wurden wie in seiner Gegenwart. Er begegnete ihnen mit besonderer Rücksichtnahme, während er die Wohlhabenden außer Acht ließ. Er war mit einer stillen Würde begabt. Wenn er am späten Nachmittag an seinem gewohnten Platz saß und Rechtsgutachten erteilte, sprach er erst, wenn ihm jemand eine Frage stellte. Ging er in seine Moschee, setzte er sich nicht in die Mitte der Versammlung, sondern dorthin, wo gerade Platz war. Wenn er saß, streckte er niemals sein Bein aus, aus Furcht, anderen gegenüber respektlos zu erscheinen.
He was very humble and loved the poor. I never saw poor men treated as well as they were when sitting in his company. He would treat them with special consideration while disregarding the affluent. He was graced with a quiet dignity. Whenever, in the late afternoon, he would sit in his usual place and give legal opinions, he would not speak until someone asked him a question. If he went out to his mosque, he didn’t go sit in the center of the gathering; instead, he sat wherever there was room. When he sat, he would never extend his leg, for fear of seeming disrespectful of others.
Er war gütig, heiter und entgegenkommend und niemals vulgär oder grob. Was er liebte, liebte er um Gottes willen, und ebenso verhielt es sich mit dem, was er verabscheute. Wenn er jemanden mochte, zeigte er für dessen Wohlergehen dieselbe Sorge wie für sein eigenes und machte dabei keinen Unterschied zwischen seinen eigenen Wünschen und Abneigungen und denen seines Freundes. Dennoch hielt ihn die Freundschaft nie davon ab einzugreifen, wenn jemand, dem er zugetan war, sich schlecht verhielt oder anderen Unrecht tat. Sooft er erfuhr, dass jemand rechtschaffen war, sich selbst zurücknahm, für die Gerechtigkeit eintrat oder der guten Sache diente, erkundigte er sich nach ihm, sprach davon, ihn kennenlernen zu wollen, und zeigte Interesse an seinen Lebensumständen.
He was kind, cheerful, and accommodating, and never vulgar or coarse. What he loved, he loved for the sake of God, and likewise for the things he hated. When he liked someone, he would show as much regard for his well-being as he would for his own, making no distinction between his own wishes and aversions and those of his friend. Even so, friendship never prevented him from intervening when someone he cared for behaved badly or wronged anyone else. Whenever he learned that someone was righteous, or self-denying, or had stood up for justice, or furthered the cause, he would inquire about him, talk about wanting to meet him, and express curiosity about his circumstances.
Er war ein sensibler Mann: Wenn ihm etwas missfiel, ließ er es sich anmerken. Er wurde entrüstet, jedoch nur um Gottes willen; niemals ereiferte er sich um seiner selbst willen oder tat etwas, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Wo immer es um eine Angelegenheit der Religion ging, geriet er so in Zorn, dass er wie ein ganz anderer Mensch erschien:
He was a sensitive man: if he didn’t like something, he showed it. He would become indignant, though only on behalf of God; he would never get angry on his own behalf or do anything to promote his own interests. Wherever a matter of religion was at stake, he would become so incensed that he seemed a different person altogether:
Einer, der sich um Tadel oder Vorwurf nicht kümmerte. Dennoch war er leicht zu ertragen, denn er litt still, ohne sich zu beklagen. Einer seiner Nachbarn – ein Mann, der mit ihm eine Wand teilte – erzählte mir diese Geschichte.
one heedless of blame or reproach. All the same he was easy to live with because he would suffer without complaint. One of his neighbors—a man who shared a wall with him—told me this story.
„Wir hatten einen Taubenschlag mit Tauben darin, der auf Aḥmads Haus hinabblickte. Als Junge kletterte ich dort hinauf und sah zu ihm hinunter. Er ertrug es und sagte nie, ich solle aufhören. Dann ging eines Tages mein Onkel hinauf und sah, dass der Taubenschlag auf Aḥmads Haus hinabblickte.“
“We had a dovecote, with pigeons in it, overlooking Aḥmad’s house. As a boy, I would climb up there and look down at him. He put up with it and never told me to stop. Then one day my uncle went up there and saw that the dovecote overlooked Aḥmad’s house.
„‚Schande über dich!‘, sagte er zu mir. ‚Siehst du nicht, dass du Aḥmad störst?‘ „‚Aber er hat mir gegenüber nie etwas gesagt!‘ „‚Du gibst mir besser diese Vögel, sonst!‘ „Er ließ nicht locker, bis ich ihm die Vögel gab. Dann schlachtete er sie und riss den Taubenschlag nieder.“ [Hārūn ibn Sufyān:] Als Aḥmad ibn Ḥanbal beschloss, das Geld wegzugeben, das al-Mutawakkil ihm gegeben hatte, ging ich zu ihm, und er gab mir zweihundert Dirham. 38.15
“‘Shame on you!’ he said to me. ‘Can’t you see that you’re disturbing Aḥmad?’ “‘But he never said anything to me!’ “‘You’d better give me those birds, or else!’ “He kept after me until I gave him the birds. Then he slaughtered them and tore down the dovecote.” [Hārūn ibn Sufyān:] When Aḥmad ibn Ḥanbal decided to give away the money that al-Mutawakkil had given him, I went to see him and he gave me two hundred dirhams. 38.15
„Ich brauche mehr“, sagte ich zu ihm.
“I need more,” I told him.
„Das ist alles, was es gibt“, sagte er, „aber ich sage dir was: Ich gebe dir dreihundert, und du kannst es weggeben.“ Nachdem ich das Geld genommen hatte, sagte ich: „Aḥmad, ich werde keinen einzigen Dirham an irgendjemanden weggeben.“ Er tat nichts weiter, als zu lächeln.
“That’s all there is,” he said, “but I tell you what I’ll do. I’ll give you three hundred and you can give it away.” After I took the money I said, “Aḥmad, I’m not giving a single dirham away to anyone.” All he did was smile.
[Al-Anmāṭī:] Einmal war ich bei Aḥmad, und er erwähnte einen Hadith, den ich aufschreiben wollte. Er hatte sein Tintenfass vor sich stehen, und ich fragte, ob ich es benutzen dürfe. 38.16
[Al-Anmāṭī:] Once I was at Aḥmad’s and he mentioned a Hadith I wanted to write down. He had his inkwell in front of him, and I asked if I could use it. 38.16
„Natürlich“, sagte er barsch. „Keine Umstände!“203
“Of course,” he said gruffly. “No need to stand on ceremony!”203
[ʿAbd Allāh:] Jemand fragte meinen Vater, warum er nicht mehr Zeit mit Menschen verbringe. 38.17
[ʿAbd Allāh:] Someone asked my father why he didn’t spend more time with people. 38.17
„Weil ich es hasse, mich zu verabschieden“, sagte er.
“Because I hate saying good-bye,” he said.
Ibrāhīm al-Ḥarbī: Aḥmad pflegte zu Hochzeiten, Eheschließungen und Beschneidungen zu gehen, wenn er eingeladen wurde, und aß, was ihm dort vorgesetzt wurde. 38.18
[Ibrāhīm al-Ḥarbī:] Aḥmad would attend marriages, weddings, and circumcisions if invited, and eat what he was served there. 38.18
Einmal hörte ich ihn zu Aḥmad ibn Ḥafṣ al-Wakīʿī sagen: „Ich habe dich sehr gern, Abū ʿAbd al-Raḥmān.“ Dann rezitierte er: „Wir haben Yaḥyā berichten gehört, unter Berufung auf Thawr, unter Berufung auf Ḥabīb ibn ʿUbayd, unter Berufung auf al-Miqdām, dass der Prophet ﷺ sagte: ‚Wenn einer von euch Zuneigung zu einem anderen empfindet, soll er es ihm sagen.‘“ [Hārūn:] Eines Nachts kam Aḥmad ibn Ḥanbal und klopfte an meine Tür. 38.19
I once heard him say to Aḥmad ibn Ḥafṣ al-Wakīʿī, “I’m very fond of you, Abū ʿAbd al-Raḥmān.” Then he recited, “We heard Yaḥyā report, cit ing Thawr, citing Ḥabīb ibn ʿUbayd, citing al-Miqdām, that the Prophet—God bless and keep him— said, ‘When one of you feels affection for another, he should tell him.’” [Hārūn:] One night Aḥmad ibn Ḥanbal came knocking on my door. 38.19
„Wer ist da?“, fragte ich.
“Who is it?” I asked.
„Es ist Aḥmad“, sagte er.
“It’s Aḥmad,” he said.
Ich eilte zur Tür. Er wünschte mir einen guten Abend, und ich erwiderte den Gruß. Dann fragte ich ihn, ob etwas nicht in Ordnung sei.
I rushed to the door. He wished me a good evening and I did likewise. Then I asked him if something was wrong.
„Ja“, sagte er. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“ „Warum?“ „Heute, als ich an dir vorbeiging, hast du im Schatten gesessen und Hadithe rezitiert, während die Leute mit den Stiften und Notizbüchern in der Sonne saßen. Tu das nicht noch einmal! Wenn du lehrst, setze dich unbedingt zu den Leuten, die dir zuhören.“ [Al-Maṣṣīṣī:] Ich war einmal bei Aḥmad ibn Ḥanbal, als man Hadithe rezitierte.
“Yes,” he said. “I’ve been worried about you.” “Why?” “Today, when I walked by you, you were reciting Hadith sitting in the shade while the people holding the pens and notebooks were sitting in the sun. Don’t do that again! When you teach, make sure to sit with the people who are listening to you.” [Al-Maṣṣīṣī:] I was once at Aḥmad ibn Ḥanbal’s when they were reciting Hadith.
Muḥammad ibn Yaḥyā l-Naysābūrī trug einen schwachen Bericht vor, und Aḥmad sagte: „Führe solche Berichte nicht an.“ 38.20
Muḥammad ibn Yaḥyā l-Naysābūrī recited a weak report, and Aḥmad said, “Don’t cite reports like that.” 38.20
Muḥammad ibn Yaḥyā sah beschämt aus, doch dann sagte Aḥmad: „Ich habe das nur aus Respekt vor dir gesagt.“ [Aḥmad ibn al-Ḥakam:] Aḥmad ibn Ḥanbal kam nach Kufa, um Ḥadīth zu studieren. Er kam regelmäßig, um Wakīʿ ibn al-Jarrāḥ zu hören, und hörte von ihm eine große Zahl von Überlieferungen. 38.21
Muḥammad ibn Yaḥyā looked abashed, but then Aḥmad said, “I said that only out of respect for you.” [Aḥmad ibn al-Ḥakam:] Aḥmad ibn Ḥanbal came to Kufa to study Hadith. He came regularly to hear Wakīʿ ibn al-Jarrāḥ and heard a great many reports from him. 38.21
[Isḥāq ibn Hāniʾ:] Wir waren einmal im Haus von Aḥmad zusammen mit al-Marrūdhī und Muhannaʾ ibn Yaḥyā l-Shāmī. Es klopfte an der Tür, und jemand rief: „Ist al-Marrūdhī hier?“ 38.22
[Isḥāq ibn Hāniʾ:] We were once at Aḥmad’s house with al-Marrūdhī and Muhannaʾ ibn Yaḥyā l-Shāmī. There was a knock on the door and someone called out, “Is al-Marrūdhī here?” 38.22
Da al-Marrūdhī nicht wollte, dass jemand wusste, wo er sich befand, legte Muhannaʾ ibn Yaḥyā seinen Finger auf die Handfläche204 und rief zurück: „Al-Marrūdhī ist nicht hier.
Since al-Marrūdhī didn’t want anyone to know where he was, Muhannaʾ ibn Yaḥyā put his finger on the palm of his hand204 and called back, “Al-Marrūdhī’s not here.
„Was sollte er hier überhaupt tun?“ Aḥmad lachte und schien nicht missbilligend.
What would he be doing here anyway?” Aḥmad laughed and did not seem to disapprove.