10.3.1 Ziel der Rechtsprechung
10.3.1 Objective of the Judiciary
Die Grundlage der Rechtsprechung beruht auf drei Prinzipien:
The basis of the Judiciary is set in three principles :
1) Dass die Anwendung des islamischen Urteils in jeder einzelnen Angelegenheit verpflichtend ist,.
1) That the application of the Islamic judgement on each and every issue is obligatory,.
2) Dass es verboten ist, einer anderen Scharia als dem Islam zu folgen, und
2) That it is forbidden to follow any Shari‘ah other than Islam, and.
3) Jedes Gesetz (Scharia) außer dem Islam ist Kufr (Unglaube) und Taghut (Trug).
3)Any Shari'ah other than Islam is kufr (disbelief) and taghut (falsehood).
Im Rahmen dieser Grundsätze arbeitet das Justizsystem des Islamischen Staates, und auf ihrer Grundlage wird die Begriffsbestimmung der Rechtsprechung (‚al-Qadha‘) aus der Scharia abgeleitet.
It is within the framework of these that the Judicial System of the Islamic State operates, and it is based around these that the definition of the judiciary (‘al-Qadha’) is established from the Shari‘ah.
Somit lautet die Definition und der Zweck der Rechtsprechung: „Den rechtmäßigen Richtern zu ermöglichen, über die göttlichen Vorschriften zu jeder Situation ihre Urteile abzugeben, mit der Befugnis, diese durchzusetzen."
Thus, the definition and purpose of the judiciary is, “to allow the legitimate judges to provide the opinions about the divine rules on any situation, with the authority to enforce them.”.
Belege für die Rechtmäßigkeit des Richteramtes Die Grundlage des Justizwesens und seine Rechtmäßigkeit ergeben sich aus dem Qur'an und der Sunnah. Was den Qur'an betrifft, so spricht Allah (SWT):
Evidences for the Legitimacy of the Judiciary The foundation of the judiciary system and its lawfulness are derived from the Qur’an and the Sunnah. As for the Qur’an, Allah (swt) says,.
„Nein, bei deinem Herrn, sie werden nicht (wahrhaft) glauben, bis sie dich zum Richter machen über das, worüber sie untereinander streiten, und in sich selbst keinen Widerwillen gegen das finden, was du entscheidest, und sich vollständig unterwerfen.“ [TMQ 4:65]. „Wahrlich, Wir haben dir die Schrift mit der Wahrheit herabgesandt, damit du zwischen den Menschen richtest nach dem, was Allah dir gezeigt hat.“ [TMQ 4:105].
“But no, by your Lord, they will not believe (in truth) until they make you judge of what is in dispute between them and find within themselves no dislike of that which you decide, and submit with full submission.” [TMQ 4:65]. “Lo! We reveal unto you the scripture with the truth, that you may judge between mankind by that which Allah has shown you.” [TMQ 4:105].
„Richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen, indem du dich von der Wahrheit abwendest, die zu dir gekommen ist.“ [TMQ 5:51].
“So judge between them by whatever Allah has revealed, and follow not their desires away from the truth which has come to you.” [TMQ 5:51].
Diese Ayat zeigen eindeutig, dass es erlaubt ist, zwischen den Menschen zu richten, und dass es sogar Pflicht (Fard) ist, dies allein nach dem System Allahs (SWT) zu tun.
These ayat clearly indicate that it is legitimate to judge between the people and indeed that it is fard (obligatory) to do so, referring only to the system of Allah (swt).
Was die Sunnah betrifft, so war der Gesandte Allahs (saw) selbst für das Rechtswesen zuständig und urteilte zwischen den Menschen. Muslim überlieferte von ‘A’isha (ra), der Ehefrau des Gesandten Allahs ﷺ, dass sie sagte: „Sa‘ad ibn Abi Waqqas und ‘Abd ibn Zam‘a stritten miteinander um einen kleinen Jungen. Sa‘ad sagte: ‚O Gesandter Allahs, er ist der Sohn meines Bruders ‘Utbah ibn Abi Waqqas, denn dieser hat deutlich gemacht, dass er sein Sohn sei. Schau auf seine Ähnlichkeit.‘ ‘Abd ibn Zam‘a sagte: ‚Gesandter Allahs, er ist mein Bruder, denn er wurde im Bett meines Vaters von seiner Sklavin geboren.‘ Der Gesandte Allahs ﷺ betrachtete seine Ähnlichkeit und fand eine deutliche Ähnlichkeit mit ‘Utbah, doch sagte er: ‚Er gehört dir, o ‘Abd ibn Zam‘a, denn das Kind wird dem zugeschrieben, in dessen Bett es geboren wurde, und die Steinigung gebührt dem Ehebrecher.‘“
As for the Sunnah, the Messenger of Allah (saw) was himself in charge of the Judicial System and he judged between people. Muslim reported on the authority of ‘A’isha (ra), wife of the Messenger of Allah (saw), that she said, “Sa‘ad ibn Abi Waqqas and Abd ibn Zama‘a disputed with each other over a young boy. Sa‘ad said: Oh Messenger of Allah, he is the son of my brother Utbah ibn Abi Waqqas as he made explicit that he was his son. Look at his resemblance. Abd ibn Zama‘a said: Messenger of Allah, he is my brother as he was born on the bed of my father from his slave-girl. Allah’s Messenger (saw) looked at his resemblance and found a clear resemblance with Utbah, but he said: He is yours O Abd ibn Zama‘a, for the child is to be attributed to one on whose bed it is born, and stoning is for the adulterer.”.
Dies ist ein Beweis dafür, dass Muhammad ﷺ zwischen den Menschen richtete und dass sein Urteil Autorität besaß, umgesetzt zu werden.
This is proof that Muhammad (saw) judged between the people, and that his judgement carried authority to be implemented.
Weitere Belege für die Rechtsprechung in der Sunnah.
Other Evidences of the Judiciary in Sunnah.
Abu Daud, Tirmidhi, Nissai und Ibn Majah überliefern: Buraida sagte: Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Die Richter sind drei: Zwei davon werden ins Höllenfeuer kommen, und einer wird ins Paradies kommen. Einer kennt die Wahrheit und richtet mit ihr – er ist im Paradies. Einer kennt die Wahrheit, richtet aber nicht nach ihr – er wird ins Höllenfeuer kommen. Der Dritte kennt die Wahrheit nicht und richtet unter den Menschen in Unwissenheit – er wird ins Höllenfeuer kommen.“
Abu Daud, Tirmidhi, Nissai, and Ibn Majah reported : Buraida said, The Messenger of Allah (saw) said, “The judges are three, two of them will go to the Hellfire and one will go to the Paradise. One knows the truth and he judges with it - he is in the paradise, one knows the truth and doesn’t judge by it, he will go to the Hellfire. The other doesn’t know the truth and judges between the people with ignorance - he will go to the Hellfire.”.
Ahmad und Abu Daud berichteten: Ali (ra) sagte, der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „O Ali, wenn zwei Menschen zu dir kommen, um dich zwischen ihnen richten zu lassen, dann richte nicht über den Ersten, bevor du die Worte des Zweiten gehört hast, damit du weißt, wie du richten sollst.“
Ahmad and Abu Daud reported : Ali (ra) said the Messenger of Allah said, “Oh Ali, if two people come to ask you to judge between them, do not judge to the first one until you hear the word of the second one in order that you may know how to judge.”.
Bukhari, Muslim und Ahmad überlieferten: Umm Salamah sagte: „Zwei Männer stritten sich über ein Erbe und kamen zum Gesandten Allahs ﷺ, ohne dass einer von beiden einen Beweis hatte. Er ﷺ sagte: Ihr beide tragt euren Streit vor mich, und ich bin nur ein Mensch wie ihr, und einer von euch mag beredter in seiner Rede sein als der andere, so dass ich zu seinen Gunsten urteilen könnte. Und wenn ich ihm etwas zusspreche, das ihm nicht zusteht, und ich es ihm als Recht von seinem Bruder zuerkenne, so soll er es nicht nehmen, denn was ich ihm gebe, wird ein Stück des Höllenfeuers in seinem Bauch sein, und er wird am Tag des Gerichts mit gebeugtem Nacken kommen.“ Da weinten beide Männer, und einer von ihnen sagte: „Ich überlasse meinen Anteil meinem Bruder.“ Der Prophet ﷺ sprach: „Geht nun gemeinsam hin, teilt das Erbe unter euch und sucht das Recht bei euch beiden, und sagt jeder zum anderen: ‚Möge Allah dir vergeben‘, und gestattet ihm, was er nimmt, damit ihr beide belohnt werdet.“
Bukhari, Muslim and Ahmad reported : Umm Salamah said, “Two men disputed about the inheritance and came to the Messenger of Allah (saw), neither having any proof. He (saw) said : Both of you bring your dispute to me and I am a man like you and one of you may have more eloquent speech, so I may judge in his favour. And if I judge for him something that does not belong to him and I take it as a right from his brother, he should not take it because whatever I give to him it will be a piece of Hellfire in his stomach and he will come bowing his neck on the Day of Judgement. Both of the men cried, and one man said, I give my share to my brother. The Prophet (saw) said go now together and divide the inheritance between you and seek the right from both of you and each one of you say to the other ‘May Allah forgive you’, and permit him what he takes in order for both of you to be rewarded.”.
Baihaqi, Darqutni und Tabarani überlieferten: Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Wen Allah prüft, indem er ihn zum Richter macht, der soll nicht zulassen, dass eine Partei eines Streites in seiner Nähe sitzt, ohne die andere Partei ebenfalls in seine Nähe zu bringen. Und er soll Allah fürchten durch sein Sitzen, sein Blicken auf beide und sein Urteilen zwischen ihnen. Er soll sich davor hüten, auf den einen herabzublicken, als wäre der andere höher, er soll sich davor hüten, den einen anzuschreien und den anderen nicht, und er soll sich um beide gleichermaßen sorgen.“
Baihaqi, Darqutni and Tabarani reported : The Messenger of Allah (saw) said, “Whoever Allah tests by letting him become a judge, should not let one party of a dispute sit near him without bringing the other party to sit near him. And he should fear Allah by his sitting, his looking to both of them and his judging to them. He should be careful not to look down to one as if the other was higher, he should be careful not to shout to one and not the other, and he should be careful of both of them.”.
Muslim, Abu Daud und Al-Nissai überliefern: Ibn Abbas sagte: „Der Gesandte Allahs ﷺ urteilte zwischen den Menschen aufgrund von Eid und Zeugen.“
Muslim, Abu Daud and Al-Nissai reported : Ibn Abbas said, “The Messenger of Allah (saw) judged between the people by oath and witnesses.”.
Mawardi, in „The Etiquette of the Judge“ (Adab al-Qadi), Bd. 1, S. 123: „Der Gesandte Allahs ﷺ setzte im Islamischen Staat Richter ein; einer von ihnen war Imam Ali, einer war Mu‘adh ibn Jabal und einer war Abu Musa al-Ash‘ari.“
Mawardi, in ‘The Etiquette of the Judge’, vol.1, p.123 : “The Messenger of Allah (saw) appointed judges in the Islamic State; one of them was Imam Ali, one was Mu‘adh ibn Jabal and one was Abu Musa al-Ash‘ari.”.
Muslim berichtet: Abu Hurayrah sagte: „Der Gesandte Allahs ﷺ kam an einem Haufen Nahrungsmittel vorbei. Als er seine Hand hineinsteckte, wurden seine Finger nass. Da sagte er zum Verkäufer: ‚Was ist das?‘ Dieser antwortete: ‚O Gesandter Allahs, es ist vom Regen nass geworden.‘ Da sagte er ﷺ: ‚Warum legst du es nicht oben hin, damit die Leute es sehen können? Wer uns betrügt, gehört nicht zu uns.‘“ All diese Ahadith belegen eindeutig die Rechtmäßigkeit der Rechtsprechung und erläutern aus verschiedenen Blickwinkeln einige Elemente des Justizsystems des Islamischen Staates.
Muslim reported : Abu Hurayrah said, “The Messenger of Allah (saw) passed by a heap of food, as he put his hand inside it his fingers got wet, so he said to the vendor: What is this? He said : It was dampened by the rain O Messenger of Allah. He (saw) said : Why don’t you put it on the top so that people can see it? He who cheats us is not one of us.” All these ahadith clearly state the authenticity of judging and explain from different angles some of the elements of the Judicial System of the Islamic State:
Die Ahadith zeigen, dass Menschen dazu angespornt werden, Richter zu werden, aufgrund der Belohnung des Richters.
The ahadith indicate that people are motivated to become judges, due to the reward of the judge.
Die Ahadith schrecken jene Menschen ab, die Richter werden wollen, obwohl sie dazu nicht befähigt sind.
The ahadith make terrified those people who want to become judges if they are not capable.
Die Ahadith zeigen uns die Grundlage (Usul) des Streitens und die Grundlage des Richtens. So sagte der Gesandte Allahs ﷺ zu ʿAlī, er solle nicht richten, bevor er die Aussage beider Parteien gehört habe. Sie zeigen, dass wir ein Gericht haben müssen, in dem beide Parteien gemeinsam Platz nehmen, und dass der Richter beide Parteien anhören muss. Er sagte: Fürchte Allah in der Art, wie du sie anschaust, wie du mit ihnen sprichst und wie du zwischen ihnen richtest.
The ahadith show us the usul (source) of disputing and the usul of judging, e.g. the Messenger of Allah (saw) told ‘Ali not to judge until he heard the statement of both parties. They show that we must have a court where both parties sit together and that the judge must listen to both parties. He said fear Allah at the way you look at them, talk to them and the way you judge between them.
Sie zeigen die Grundlage für die Bestellung eines Stellvertreters. Denn aufgrund der Aussage: „Hüte dich vor denen mit gewandter Zunge“; ist es erlaubt, jemanden zu bestellen, der in deinem Namen spricht.
They show the foundation of appointing a representative. Because of the saying, ‘Be careful of those with good tongues’; so it is permissible to appoint someone to speak on your behalf.
Sie belegen, dass der Gesandte Allahs ﷺ Eide und Zeugen heranzog und dass diese Beweismittel sind, die bei der Feststellung von Rechtsfällen herangezogen werden können.
They prove that the Messenger of Allah (saw) took oaths and witnesses and that they are evidences which can be used in proving cases.
Sie nennen Arten von Richtern, z. B. den Qadi Muhtasib – derjenige, der Gerechtigkeit und faire Geschäftspraktiken auf dem Marktplatz durchsetzt.
They state types of judges, e.g. Qadi Muhtasib - who establishes justice and fair dealing in the market place.
Sie belegen die Rechtmäßigkeit der Bestellung von Richtern, laut al-Mawardi, mit Imam ʿAlī und Muʿādh ibn Jabal.
They state the authenticity of appointing judges, as per Mawardi - Imam ‘Ali and Mu‘adh ibn Jabal.