7.3.7 Wirtschaftliche Entwicklung
7.3.7 Economic Development
Die Wege zur Vermehrung des Reichtums sind eine eigenständige Frage, getrennt von der Deckung der Bedürfnisse, da es um die Erzeugung des Reichtums geht und nicht um die menschlichen Bedürfnisse. Daher unterscheidet sie sich von einem Land zum anderen. In den muslimischen Ländern wird sie vor allem dadurch angegangen und behandelt, dass man Wege findet, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu verbessern und eine industrielle Revolution auszulösen, sodass die Industrie zur wichtigsten Methode der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wachstums wird und die kommerzielle Produktivität steigt. Dieser Ansatz lässt sich in vier Abschnitte unterteilen:
The ways of increasing the wealth are a separate issue from providing the needs, as it deals with generating the wealth and not with the human needs, so it differs from one country to another. In Muslim countries, it is approached and dealt with chiefly by finding ways in which to improve the agricultural products, to launch an industrial revolution, so that industry becomes the main method used in economic development and growth, ant to increase commercial productivity. This approach may be divided into four sections :
Die Agrarpolitik.
The agricultural policy.
Die Industriepolitik.
The industrial policy.
Die Finanzierung von Projekten.
The financing of projects.
Einen externen Markt schaffen.
Creating an external market.
Die Agrarpolitik
The Agricultural Policy
Dies beruht auf der Steigerung des Ertrags und der Vielfalt landwirtschaftlicher Erzeugnisse und folgt üblicherweise zwei Methoden: a) der Suche nach Mitteln zur Steigerung der Produktivität des Landes und b) der Vergrößerung der landwirtschaftlichen Nutzflächen als Methode der Expansion.
This is based on increasing the yield and variety of farm produce, and usually follows two methods : a) finding means of increasing productivity of the land, and b) increasing the farming lands as a method of expansion.
Diese werden durch den Einsatz moderner und ausgereifter Maschinen und Chemikalien sowie durch die Bereitstellung hochwertigen Saatguts durchgeführt. Der Staat sollte den Landwirten, die nicht in der Lage sind, die benötigten Maschinen, Samen und Chemikalien zu kaufen, Zuschüsse (anstatt Darlehen) gewähren und diejenigen, die dazu in der Lage sind, dazu ermutigen, solche Materialien zu erwerben.
These take place by using modern and sophisticated machinery, chemicals and by providing high quality seed. The State should provide grants (as opposed to loans) to the farmers who are unable to buy what they need in terms of machines, seed and chemicals, and it should also encourage those who are able, to buy such materials.
Die Ausweitung erfolgt, indem die Wiederbelebung von brachliegendem Land und dessen Bebauung gefördert werden. Der Staat soll Lehnsländereien, die unsachgemäß genutzt werden oder ungenutzt bleiben, Bauern übertragen, die arbeitsfähig sind, aber kein oder nur wenig Land besitzen, und zwar aus Ländereien, die unter seiner Kontrolle stehen. Wer sein Land drei aufeinanderfolgende Jahre vernachlässigt, würde gezwungen, es an den Staat abzugeben, der es Menschen zuweisen würde, die es nutzbar machen. Imam Abu Yusuf überlieferte: „Muhammad ibn Ishaque berichtete mir, dass ‘Umar ibn al-Khattab, als er die Menschen von der Kanzel aus ansprach, sagte: ‘Wer ein totes Land erhält, dem gehört es, und wer eine Grenzmauer errichtet, hat nach drei Jahren kein Recht mehr darauf. Dies war so, weil die Menschen Land einfriedeten, das sie nicht bebauten.’“ (Kitab al-Kharaj).
The expansion takes place by encouraging the revival of barren land and cultivating it. The State should grant feudal lands which are improperly used or left unused, to farmers who are able to work but have no land or little land, and from lands that are under its control. Anyone neglecting his land for three consecutive years would be forced to give it up to the State, which would allocate it to people who would make use of it. Imam Abu Yusuf narrated that : “Muhammad ibn Ishaque related to me that ‘Umar ibn al-Khattab said addressing the people on the pulpit : ‘Whoever receives a dead land, (it) would belong to him and whoever constructs a boundary wall, has no right over it after three years. This was because the people used to enclose land which they did not cultivate.’” (Kitab al-Kharaj).
Die Industriepolitik
The Industrial Policy
Das Hauptziel der Industriepolitik ist es, das Land zu einer Industrienation zu machen. Der direkte Weg, dieses Ziel zu erreichen, besteht zunächst darin, die Maschinen zu fertigen; danach können weitere Industriezweige aufgebaut werden. Der Vorrang sollte dem Bau von Fabriken zukommen, die Maschinen herstellen. Es gibt keinen anderen Weg, das Land zu einer industriellen Kraft zu machen. Erst dann können Industriezweige entstehen, die auf den vor Ort hergestellten Maschinen beruhen.
The main aim of the industrial policy is to make the country an industrial one. The direct route towards achieving such an aim is to first of all manufacture the machines; then other industries can be introduced. The priority would be given to build factories to manufacture machines. There is no other way to turn the country into an industrial force. Only then can industries which rely on the machines produced (i.e. manufactured) locally, be established.
Die Behauptung, dass die Herstellung von Maschinen viel Zeit in Anspruch nehme und dass man deshalb mit der Einführung der Leichtindustrien beginnen solle, ist haltlos und ein Rezept für eine Katastrophe; es ist ein Plan, den der Westen ausgeheckt hat, um die Hauptinitiative der islamischen Welt zu behindern und sie darauf festzuhalten, sich auf Konsumgüterindustrien zu konzentrieren und als Absatzmarkt für westliche Industrien zu dienen.
To claim that the manufacturing of machines takes a long time and that we should begin by introducing the light industries, is baseless and a recipe for disaster; it is a plan schemed by the West to impede the main initiative of the Islamic world, and to keep it concentrating on consumer goods industries and as a market for Western industries.
Ebenso ist es falsch zu glauben, dieses Vorhaben sei undurchführbar, weil es Industriefachkräfte erfordere, die nicht verfügbar seien. Erstens haben die muslimischen Länder einen großen Überschuss an ausgebildetem und qualifiziertem Personal, das keine Arbeit findet, weil es in ihren eigenen Ländern weder die Technologie noch die Industrie gibt. Dieses Personal würde der Islamische Staat für die Teilnahme am Industrialisierungsprozess einsetzen. Darüber hinaus haben die industrialisierten Länder einen Überschuss an Industriellen, Ingenieuren und Technikern, die verpflichtet werden können, während die muslimische Jugend ausgebildet wird, um sich solches Wissen anzueignen.
It is also wrong to believe that this venture is unfeasible because it requires industrial personnel which are not available. Firstly, Muslim countries have a large surplus of trained and qualified personnel who have no jobs due to unavailability of technology and industry in their own countries. These people would be used by the Islamic State for participation in the industrialisation process. Additionally, industrialised countries have a surplus of industrialists, engineers and technicians who can be contracted while the Muslim youth are trained to acquire such knowledge.
Finanzierung der Projekte
Financing the Projects
Die Wirtschaftspolitik im Islam hat zweifellos bestimmt, welche Projekte der Staat übernehmen soll und welche den Einzelnen überlassen werden. Die Agrarpolitik fällt in den privaten Sektor, und in diesem Bereich hat der öffentliche Sektor keinen Platz, außer darin, Landwirten Zuschüsse zu gewähren und Bauprojekte und Erschließungen zu finanzieren, etwa Dämme, Kanäle und Wasserläufe.
The economic policy in Islam has undoubtedly determined the projects which the State should adopt, and those which the individuals should adopt. The agricultural policy falls into the private sector, and there is no place for the public sector in this area, except in offering farmers grants and financing building projects and developments, like dams, canals and channels.
Die Industriepolitik steht auch dem Privatsektor offen, mit Ausnahme von Industrien, die an Ressourcen gebunden sind, die unter öffentlichem Eigentum stehen, wie etwa Öle, Grundmineralien usw. Solche Industrien müssen dem öffentlichen (d. h. staatlich betriebenen) Sektor zugeordnet sein. Selbstverständlich benötigen diese Projekte, seien sie öffentlich oder privat, eine Finanzierung.
The industrial policy is open to the private sector as well, except where the industries are linked to resources that fall under the public ownership, like oils, basic minerals etc. Such industries must fall under the public (i.e. state run) sector. Naturally, these projects, whether public or private, require financing.
Was den Privatsektor betrifft, so liegt es am Einzelnen, am Unternehmen oder an den Partnern, ihre Projekte auf jede Weise zu finanzieren, die sie für richtig halten, sofern es auf legalem Wege geschieht (d. h. auf dem Wege, den die Scharia erlaubt).
As far as the private sector is concerned, it is up to the individual, the company or the partners to finance their projects in any way they deem fit by legal means (i.e. by what the Shari‘ah permits).
Was den öffentlichen Sektor betrifft, so sollte er nicht auf Kredite aus dem Ausland zurückgreifen, um seine Projekte zu finanzieren, denn dies führt zu wachsendem ausländischem Einfluss und auch zu wachsender Armut, wie es gegenwärtig in Ländern der Dritten Welt zu beobachten ist, deren Volkswirtschaften durch solche Kredite gelähmt sind. Außerdem unterliegen solche Kredite in der Regel dem Zins, der im Islam verboten ist. Daher sollte der Staat seine eigenen Projekte finanzieren, selbst indem er diejenigen besteuert, die es sich leisten können, um ausreichend Mittel zu beschaffen, um die industrielle Revolution anzustoßen. Das islamische Urteil über Steuerprojekte sollte gelten, falls solche Maßnahmen ergriffen würden, sodass arme Menschen nicht besteuert würden.
As for the public sector, it should not resort to overseas loans to finance its projects, for this leads to increasing foreign influence, and also to increasing poverty, which is the result currently seen in Third World countries, whose economies are crippled by such loans. Besides, such loans are generally subject to interest, which is forbidden in Islam. Therefore, the State should finance its own projects even by imposing taxes upon those who can afford it, in order to raise sufficient funds to launch the industrial revolution. The Islamic verdict on taxation projects should apply if such measures were to be taken, such that poor people would not be subject to the taxation.
Erschließung der ausländischen Märkte
Establishing the Foreign Markets
Die Vermarktung von Waren gehört zu den wichtigsten Faktoren, die Reichtum erzeugen. Viele Länder haben in der Vergangenheit und in der Gegenwart große Sorgfalt darauf verwendet, Märkte für ihre Güter und Produkte zu finden. Auf dieser Grundlage sind zahlreiche Wirtschaftsimperien entstanden. Es ist daher unerlässlich, dass der Islamische Staat seine Waren und Produkte vermarktet. Dies sollte jedoch kein Selbstzweck sein, sondern ein Mittel, um den Kauf von Gütern zu ermöglichen, die für die industrielle Revolution notwendig sind, um harte Währung zu erwerben oder um muslimische Jugendliche zum Erwerb der notwendigen Ausbildung zu entsenden, etwa im Bauingenieurwesen, in der Medizin usw.
Marketing goods is one of the major factors that generate wealth. Many countries have taken great care, past and present in finding markets for their goods and products. Many economic empires have been established on such a basis. It is essential therefore for the Islamic State to market its goods and products. However, this should not be an aim but a means to helping the purchase of goods necessary for the industrial revolution, to acquire hard currency or to send the Muslim youth to acquire the necessary education such as civil engineering, medicine etc.
Auf dieser Grundlage sollte die Politik der Erschließung ausländischer Märkte verfolgt werden, d. h. auf kommerzieller und industrieller Basis. Das Augenmerk sollte nicht auf die Handelsbilanz mit den verschiedenen Ländern gerichtet sein. Es ist unerheblich, ob unsere Exporte geringer, größer oder gleich unseren Importen sind, solange die Ziele des Wirtschaftssystems, der Außenpolitik und anderer verpflichtender Erwägungen des Staates erreicht werden, indem man zugleich kommerziell und industriell tätig ist, unabhängig davon, ob die Handelsbilanz zu unseren Gunsten ausfällt oder nicht. Allerdings ist zu beachten, dass die Grundlage, auf der der Islamische Staat seinen Handel betreibt, von jeder anderen Grundlage in der Welt abweicht. Alle anderen Länder handeln auf der Grundlage der Herkunft der Waren und nicht der Herkunft des Geschäftsmannes. Der Staat gründet seinen Handel auf die Herkunft des Händlers, nicht auf die Herkunft der hergestellten oder erzeugten Waren. Dies sollte beim Aufbau von Handelsbeziehungen berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird sich der Islamische Staat beispielsweise nicht an Handel mit Ländern beteiligen, die ihm feindlich gesinnt sind oder mit ihm im Krieg liegen. Die Geschäftsleute des Staates sind seine Bürger, und sie handeln mit anderen auf der Grundlage des freien Handels mit Waren, die nach der Scharia erlaubt sind; andere Geschäftsleute hingegen handeln entsprechend der Außenpolitik ihres Landes.
On this basis, the policy of establishing foreign markets should be pursued, i.e. on a commercial and industrial basis. Attention should not be focused on the trade balance with the different countries. It is insignificant for our exports to be less, more or equal to our imports, as long as the objectives of the Economic System, the foreign policy and other obligatory considerations of the State are achieved, by being commercial and industrial at the same time, whether the trade balance were to our advantage or not. However, it should be noted that the basis followed by the Islamic State in its trading is different from any other in the world. All other countries deal on the basis of where the goods originate from and not where the businessman comes from. The State bases its trading on the traders origin, not on the origin of the manufactured or produced goods. This should be taken into consideration while establishing trading relations. In this way, the Islamic State will not for example, be involved in any trade with countries who are hostile to it, or at war with it.The businessmen of the State are its citizens, and they deal with others on the basis of free trade on goods that are legal according to the Shari‘ah; whereas other businessmen trade according to the foreign policy of their country.