Artikel 37
Article 37
Die Übernahme (Tabannī) durch den Khalifah unterliegt den Regeln der Scharia. Es ist ihm untersagt, eine Regel zu übernehmen, die nicht auf legitime Weise aus den scharʿī-Belegen abgeleitet wurde, und er ist an das gebunden, was er von den Regeln übernommen hat, sowie an das, wozu er sich hinsichtlich der Methode der Ableitung verpflichtet hat. Er darf also keine Regel übernehmen, die nach einer Methode abgeleitet wurde, die der von ihm übernommenen Methode widerspricht, und er kann keinen Befehl erteilen, der den Regeln widerspricht, die er übernommen hat.
The Khalifah’s adoption is restricted by the Shari’ah rules; he is prohibited to adopt any rule which is not derived according to a legitimate deduction from the Shari’ah evidences, and he is restricted with what he adopted of the rules, and by what he bound himself to with respect to the method of derivation. So he is not permitted to adopt a rule which has been derived according to a methodology which contradicts the methodology he adopted, and he cannot give an order which contradicts the rules that he had adopted.
Der erste Punkt in diesem Artikel ist, dass der Khalifah bei der Übernahme von Regeln darauf beschränkt ist, Regeln aus der Shari'ah zu übernehmen; mit anderen Worten, er ist durch die islamische Shari'ah bei der Gesetzgebung und beim Erlassen von Gesetzen gebunden. Daher ist es ihm nicht erlaubt, etwas zu übernehmen, das dem widerspricht, da es sich dann um Regeln des Kufr (Unglaubens) handeln würde. Wenn er Regeln übernähme, die nicht aus den islamischen Regeln stammen, und er wüsste, dass das, was er übernommen hat, etwas anderes als die islamische Shari'ah ist, dann gelten die Worte Allahs (SWT):
There are two issues in this article: the first being that the Khalifah is restricted in the adoption of rules to adopting from the Shari’ah rules; in other words, he is restricted by the Islamic Shari’ah in legislation and enacting laws. Therefore, it is not permitted for him to adopt anything which contradicts that since they would be the rules of Kufr (disbelief); if he adopted rules from other than the Islamic rules, and he knew that what he had adopted was something other than the Islamic Shari’ah, then the words of Allah (swt).
„Und wer nicht nach dem urteilt, was Allah herabgesandt hat – das sind diejenigen, die die Ungläubigen sind.“ (TMQ 5:44) Wenn er also an die Regel glaubt, die er übernommen hat, dann begeht er Unglauben und fällt vom Islam ab. Glaubt er nicht an sie, übernimmt sie jedoch in der Annahme, dass sie dem Islam nicht widerspricht, so wie die osmanischen Khulafaa’ in ihren letzten Tagen handelten, dann ist es ihm zwar verboten, er begeht aber keinen Unglauben. Hat er einen Anschein von einem Beweis, etwa wenn er eine Regel ohne Beleg festlegt, aufgrund eines Nutzens, den er zu erkennen glaubt, und sich auf die Regel der Al-Masalih Al-Mursalah, das „Verhindern der Mittel“ oder „der Mittel der Handlungen“ oder etwas Ähnliches stützt, dann ist es ihm nicht verboten und er begeht auch keinen Unglauben, wenn er glaubt, dass diese Regeln Schari’ah-Regeln und Beweise sind. Dennoch irrt er, und was er abgeleitet hat, wird von allen Muslimen als Schari’ah-Regel angesehen; es ist verpflichtend, ihm zu gehorchen, wenn der Khalifah es übernimmt, da es eine Schari’ah-Regel ist, und es hätte den Anschein eines Beweises, auch wenn er sich im Beweis irrt, da er wie derjenige ist, der sich bei der Ableitung aus den Beweisen irrt. Jedenfalls ist es für den Khalifah verpflichtend, seine Übernahme auf die islamische Schari’ah zu beschränken und sich selbst auf die Übernahme von Schari’ah-Regeln zu beschränken, die durch eine korrekte Ableitung aus den Schari’ah-Beweisen gewonnen wurden. Der Beweis hierfür:
“And whoever does not judge by what Allah has revealed - then it is those who are the disbelievers.” (TMQ 5:44) apply to him, so if he believed in the rule that he had adopted, then he would commit disbelief and apostatise from Islam. If he did not believe in it, but he took it upon the basis that it did not contradict Islam, in the same manner that the Ottoman Khulafaa’ acted during their final days, then it would be forbidden for him but he wouldn’t commit disbelief. If he had a semblance of an evidence, such as the one who legislates a rule which has no evidence, due to a benefit that he thinks is there, and relies upon the rule of Al-Masalih Al-Mursalah, or the “preventing the means” or “the means of the actions” or anything similar, then if he thought that these rules were Shari’ah rules and evidences, it wouldn’t be forbidden for him and nor would he commit disbelief. However, he is mistaken, and what he has derived is considered a Shari’ah rule by all of the Muslims, and it is obligatory to obey it if the Khalifah adopts it, since it is a Shari’ah rule, and it would have a semblance of an evidence even if he was mistaken in the evidence, since he is like the one who is mistaken in the deduction from the evidences. In any case, it is obligatory for the Khalifah to restrict his adoption to the Islamic Shari’ah, and to restrict himself to adoption of Shari’ah rules derived by a correct deduction from the Shari’ah evidences. The evidence for this:
Erstens: Allah (swt) hat jedem Muslim, ob er nun Khalifah ist oder nicht, zur Pflicht gemacht, alle seine Handlungen nach den Regeln der Shari'ah auszurichten; Allah (swt) sagt: „Nein, bei deinem Herrn, sie werden nicht [wahrhaft] glauben, bis sie dich, [O Muhammad] ﷺ, in dem, worüber sie unter sich uneins sind, zum Richter machen.“ (TMQ 4:65). Das Ausrichten der Handlungen nach den Regeln der Shari'ah erfordert die Übernahme einer bestimmten Regel, wenn es mehrere Auffassungen über die Aussage des Gesetzgebers gibt; anders gesagt, wenn die Regel der Shari'ah mehrdeutig ist. Die Übernahme einer bestimmten Regel bei jenen Fragen, zu denen es mehrere Meinungen gibt, ist daher dem Muslim geboten, wenn er die Handlung ausführen will, das heißt, wenn er die Regel anwenden will; und ebenso ist sie dem Khalifah geboten, wenn er seine Handlung ausführen will, und das ist die Regel.
Firstly: What Allah (swt) obligated upon every Muslim, whether they were the Khalifah or not, to conduct all of their actions according to the Shari’ah rules; Allah (swt) says. “But no, by your Lord, they will not [truly] believe until they make you, [O Muhammad], judge concerning that over which they dispute among themselves.” (TMQ 4:65). Conducting the actions according to the Shari’ah rules necessitates the adoption of a specific rule when there are a number of understandings of the address of the Legislator; in other words, when the Shari’ah rule is numerous. So adoption of a specific rule in those issues where there are a number of opinions is obligatory upon the Muslim when he wants to undertake the action, in other words, when he wants to apply the rule, and so it is obligatory upon the Khalifah when he wants to carry out his action and that is the rule.
Zweitens: Der Wortlaut des Treueeids, auf den der Khalifah verpflichtet wird, verpflichtet ihn, an die islamische Scharia festzuhalten, da es ein Eid auf das Buch und die Sunnah ist. Daher ist es ihm nicht erlaubt, diese beiden zu verlassen. Wer hingegen absichtlich von diesen beiden abweicht, begeht Unglauben (Kufr), und wenn es unabsichtlich geschah, ist er sündig.
Secondly: The text of the pledge of allegiance which the Khalifah is contracted upon, obliges him to adhere to the Islamic Shari’ah, since it is a pledge upon the Book and the Sunnah, and so it is not permitted for him to leave these two - rather whoever intentionally goes outside these two commits disbelief and if it was unintentional then he would be sinful.
Drittens: Der Khalifah wird eingesetzt, um die Scharia umzusetzen, und daher ist es ihm nicht erlaubt, den Muslimen irgendetwas von außerhalb der Scharia aufzuerlegen, da die Scharia eine solche Handlung in eindeutiger Weise verbietet, und zwar in einem Maße, dass demjenigen, der etwas anderes als den Islam umsetzt, sein Iman aberkannt wird. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es sich um ein entschieden verbotenes Handeln handelt. Das bedeutet, dass der Khalifah in seiner Übernahme der Regeln eingeschränkt ist, das heißt, in seiner Abfassung der Gesetze allein nach den Regeln der Scharia. Wenn er Gesetze auf der Grundlage von irgendetwas anderem erlässt, so begeht er Kufr, sofern er daran glaubt, und ist sündhaft, sofern er nicht daran glaubt.
Thirdly: The Khalifah is appointed in order to implement the Shari’ah, and so it is not permitted for him to implement anything from outside the Shari’ah upon the Muslims, since the Shari’ah prohibits such an action in a decisive manner which reaches the level whereby the one who implements other than Islam has their Iman negated, which is an indication for it being decisively prohibited. This means that the Khalifah is restricted in his adoption of the rules, in other words, in his drafting of the laws according to the Shari’ah rules alone, and if he drafts any laws based upon anything else, then he will commit disbelief if he believes in it, and will be sinful if he doesn’t.
Diese drei Belege sind der Beweis für die erste Frage in diesem Artikel. Was die zweite Frage des Artikels betrifft, nämlich dass der Khalifah durch das eingeschränkt ist, was er übernommen hat, und durch das, woran er sich hinsichtlich einer Methode der Ableitung hält, so ist der Beweis hierfür folgender: Die Schari'ah-Regel, die der Khalifah umsetzt, ist die Schari'ah-Regel für ihn und nicht für andere; anders gesagt ist es die Schari'ah-Regel, die er übernommen hat, damit seine Handlungen in Übereinstimmung mit ihr erfolgen, und nicht irgendeine Schari'ah-Regel. Wenn der Khalifah also eine Regel abgeleitet oder darin einem anderen gefolgt wäre, dann wäre diese Schari'ah-Regel für ihn die Regel Allahs (swt), und er wäre durch diese Schari'ah-Regel gebunden, indem er sie für die Muslime übernimmt. Es wäre ihm nicht erlaubt, etwas anderes zu übernehmen, da es nicht als die Regel Allahs (swt) für ihn gelten würde, weil es in Bezug auf ihn keine Schari'ah-Regel wäre, und folglich wäre es auch in Bezug auf die Muslime keine Schari'ah-Regel. Daher wären die Anordnungen, die er für die Untertanen erlässt, an diese Schari'ah-Regel gebunden, die er übernommen hat, und es ist ihm nicht erlaubt, Anordnungen zu erlassen, die dem widersprechen, was er an Regeln übernommen hat. Denn jene Anordnung, die er erlassen hat, würde nicht als die Regel Allahs (swt) für ihn gelten und somit nicht als Schari'ah-Regel in Bezug auf ihn; dann wäre sie auch keine Schari'ah-Regel in Bezug auf die Muslime, und in diesem Fall wäre es so, als hätte er eine Anordnung erlassen, die nicht auf der Schari'ah-Regel beruht. Aus diesem Grund ist es ihm nicht erlaubt, irgendeine Anordnung zu erlassen, die dem widerspricht, was er an Regeln übernommen hat.
These three evidences are the proof for the first issue in this article. As for the second issue of the article which is that the Khalifah is restricted by what he has adopted and by what he adheres to in terms of a method of deduction, the proof for this is that the Shari’ah rule which the Khalifah implements is the Shari’ah rule for him, and not for others; in other words, the Shari’ah rule which he adopted in order for his actions to proceed in accordance with and not any Shari’ah rule. So if the Khalifah deduced a rule, or followed someone else in it, that Shari’ah rule would be the rule of Allah (swt) for him, and he would be restricted by this Shari’ah rule in his adoption of it for the Muslims. It would not be permitted for him to adopt anything different to it, since it would not be considered to be the rule of Allah (swt) for him, because it would not be a Shari’ah rule with respect to him, and accordingly it would not be a Shari’ah rule with respect to the Muslims. Therefore, his orders that he issued for the sake of the subjects would be restricted according to this Shari’ah rule which he had adopted, and it is not permitted for him to issue orders which contradict whatever he had adopted from the rules. This is because that order which he issued would not be considered the rule of Allah (swt) for him, and so would not be considered a Shari’ah rule with respect to him, and then it would not be a Shari’ah rule in respect to the Muslims, in which case, it would be as though he had issued an order which was not based upon the Shari’ah rule. Due to this, it is not permitted for him to issue any order which contradicts what he adopted from the rules.
Ferner führt die Methode der Ableitung zu einer Veränderung im Verständnis der Schari'a-Regel. Wenn der Khalifah die Illah nur dann als Schari'a-Illah betrachtet, wenn sie aus einem Schari'a-Text abgeleitet ist, und er die Maslahah nicht als Schari'a-Illah ansieht und die Al-Masalih Al-Mursalah nicht als Schari'a-Beweis gelten lässt, so bedeutet das, dass er für sich selbst eine Methode der Ableitung festgelegt hat. In diesem Fall ist es für ihn verpflichtend, an diese gebunden zu sein, und es wäre nicht zulässig, dass er eine Regel übernimmt, deren Beweis auf Al-Masalih Al-Mursalah beruht, oder einen Analogieschluss auf der Grundlage einer Illah zieht, die nicht aus einem Schari'a-Text abgeleitet wurde. Denn diese Regel würde für ihn nicht als Schari'a-Regel gelten, da er ihren Beweis nicht als Schari'a-Beweis anerkennt; nach seiner Auffassung wäre sie daher keine Schari'a-Regel. Solange sie für den Khalifah nicht als Schari'a-Regel gilt, gilt sie auch für die Muslime nicht als Schari'a-Regel, und es wäre so, als hätte er eine Regel von außerhalb der Schari'a-Regeln übernommen, was ihm untersagt ist. Wenn der Khalifah jedoch ein Muqallid (jemand, der dem Ijtihad einer anderen Person folgt) oder in einer Sache ein Mujtahid ist und nicht ein Mujtahid Mutlaq oder Mujtahid Madhhab, und er keine bestimmte Methode der Ableitung hat, dann wäre es ihm erlaubt, jede Schari'a-Regel zu übernehmen, sofern sie einen Beweis hat, wobei dieser Beweis lediglich den Anschein eines Beweises haben muss. Bei der Übernahme der Regeln wäre er durch nichts eingeschränkt; er wäre lediglich dadurch gebunden, was er an Anordnungen erlässt, dass diese nur gemäß dem erlassen werden dürfen, was er aus den Regeln übernommen hat.
Also, the method of deduction causes a change in the understanding of the Shari’ah rule, so if the Khalifah considered the Illah to be a Shari’ah Illah if it is derived from a Shari’ah text, and he does not think that Maslahah is a Shari’ah Illah, and he does not consider Al-Masalih Al-Mursalah to be a Shari’ah evidence, then it means that he has specified a method of deduction for himself. In which case, it would be obligatory for him to be restricted by it, and it would not be correct for him to adopt a rule whose evidence was based upon Al-Masalih Al-Mursalah, or to take an analogy based upon an Illah which was not derived from a Shari’ah text, since that rule would not be considered a Shari’ah rule for him as he does not recognise its evidence as a Shari’ah evidence, in which case in his view, it would not be a Shari’ah rule. As long as it is not considered to be a Shari’ah rule for the Khalifah, then it would not be a Shari’ah rule for the Muslims and so it would be as if he adopted a rule from other than the Shari’ah rules, which is prohibited for him. If the Khalifah was a Muqallid (someone who follows another person’s Ijtihad), or a Mujtahid in an issue and not a Mujtahid Mutlaq or Mujtahid Madhhab, and he did not have a specific method of deduction, then he would be permitted to adopt any Shari’ah rule as long as it has an evidence, as long as that evidence is a semblance of an evidence; he would not be restricted by anything in his adoption of the rules but rather he would only be restricted by what he issued in terms of orders such that they should not be issued except according to what he had adopted from the rules.