Artikel 42
Article 42
Der Khalif ernennt einen oder mehrere Stellvertreter für sich, die die Aufgaben der Herrschaft tragen. Er überträgt ihnen die Führung der Angelegenheiten, und sie führen diese nach ihrer eigenen Meinung und ihrem Ijtihad. Mit dem Tod des Khalifen endet die Rolle seiner Stellvertreter, und sie setzen ihre Tätigkeit nicht fort, außer für die Zeit des vorläufigen Führers.
The Khalifah appoints a delegated assistant or more for himself, who carry the responsibilities of ruling. So he delegates to them the management of affairs, where they conduct them according to their opinion and Ijtihad. On the death of the Khalifah, the role of his assistants ends, and they do not continue in their work except for the period of the temporary leader.
Der Beweis für diesen Artikel ist das, was At-Tirmidhi überliefert hat: Der Gesandte Allahs ﷺ sagte.
The proof for this article is what Al-Tirmidhi narrated; the Messenger (pbuh) said.
. » وَأَمَّا وَزِيرَايَ مِنْ أَهْلِ الأَرْضِ فَأَبُو بَكْرٍ وعُمَرُ «.
. » وَأَمَّا وَزِيرَايَ مِنْ أَهْلِ الأَرْضِ فَأَبُو بَكْرٍ وعُمَرُ «.
„Meine beiden Minister in der Welt sind Abu Bakr und Umar“ (überliefert von Al-Hakim und At-Tirmidhi von Abu Said Al-Khudri). Diese Überlieferung wurde von den Fuqaha’ verwendet und von den meisten Gelehrten angenommen; sie ist somit eine Hasan-Überlieferung und damit ein schari’atischer Beleg dafür, dass der Khalifah Gehilfen ernennen kann. Die Überlieferung verwendet das Wort „Minister“ in seiner sprachlichen Bedeutung, nämlich Gehilfe, und der Qur’an gebraucht es in dieser Bedeutung; Allah (swt) sagt: „Und ernenne mir einen Minister aus meiner Familie“ (TMQ 20:29), das heißt, einen Gehilfen. Und das Ministeramt bestand zur Zeit des Gesandten (ﷺ), und sein Beleg ist der Wortlaut der Überlieferung von At-Tirmidhi. Allerdings war es der Gesandte (ﷺ), der regierte, und nichts deutet darauf hin, dass er Abu Bakr (ra) und Umar (ra) beauftragte, das auszuführen, was er an Regierungshandlungen vollzog; doch dass er sie zu Ministern machte, zeigt, dass er sie beauftragte, ihm zu helfen; mit anderen Worten, beide wurden beauftragt, das auszuführen, was er an Regierungshandlungen vollzog. Nach dem Tod des Gesandten (ﷺ) war Umar (ra) der Minister des Abu Bakr (ra) und führte aus, was der Khalifah an Regierungshandlungen auszuführen pflegte; und dies war so offensichtlich, dass einige zu Abu Bakr (ra) sagten: „Wir wissen nicht, ob Umar der Khalifah ist oder du“, überliefert von Ibn Hanbal in Fada’il Al-Sahabah von Nafi’. Nach dem Tod des Abu Bakr (ra) waren ’Uthman (ra) und ’Ali (ra) die Minister des Umar (ra), und jeder von ihnen führte aus, was Umar (ra) an Regierungshandlungen tat, nur dass die Ausstrahlung der Persönlichkeit des Umar (ra) bewirkte, dass die Handlungen der Unterstützung durch die beiden Minister nicht so offensichtlich waren wie die des Umar (ra) gegenüber Abu Bakr (ra), wenngleich wegen der Ausstrahlung der Persönlichkeit des ’Ali (ra) deutlich war, dass er diese Handlungen zur Zeit des Umar (ra) ausführte. Nach dem Tod des Umar (ra) waren ’Ali (ra) und Marwan b. Al-Hakam (ra) die beiden Minister des ’Uthman (ra). Jedoch war ’Ali (ra) mit einigen der Handlungen nicht einverstanden, weshalb sein Wirken unter ’Uthman (ra) nicht hervortrat, da er einem Zurückgezogenen ähnlich war. Marwan (ra) hingegen trat bei der Übernahme des Ministeramtes deutlich in Erscheinung, mit anderen Worten: bei den Aufgaben des Regierens.
“My two ministers in the World are Abu Bakr and Umar” (reported by Al-Hakim and Al-Tirmidhi from Abu Said Al-Khudri). This narration has been used by the Fuqaha’ and has been accepted by most of the scholars, so it is a Hasan narration and accordingly is a Shari’ah evidence that the Khalifah can appoint assistants. The narration used the word “minister” in the linguistic meaning, which is assistant, and the Quran uses it with this meaning; Allah (swt) said. “And appoint for me a minister from my family.” (TMQ 20:29), in other words, an assistant. And the ministry was present during the time of the Messenger (pbuh) , and its proof is the text of the narration from Al-Tirmidhi. However, it was the Messenger (pbuh) who was the one who ruled, and there is nothing which indicates that he made Abu Bakr (ra) and Umar (ra) carry out what he did from ruling, but making them into ministers indicates that he commissioned them to assist him; in other words, commission for both of them to carry out what he did from ruling. After the death of the Messenger (pbuh) , Umar (ra) was the minister of Abu Bakr (ra), and used to carry out what the Khalifah used to carry out in terms of ruling, and that was apparent to the point that some of them used to say to Abu Bakr (ra), “We don’t know whether Umar is the Khalifah or you” reported by Ibn Hanbal in Fada’il Al-Sahabah from Nafi’. After the death of Abu Bakr (ra), ’Uthman (ra) and ’Ali (ra) were the ministers of Umar (ra), and each of them carried out what Umar (ra) did in terms of ruling, except that the power of the personality of Umar (ra) meant that the actions of assistance of the two ministers were not so apparent as that of Umar (ra) with Abu Bakr (ra), although due to the power of the personality of ’Ali (ra), it was clear that he carried out these actions in the time of Umar (ra). After the death of Umar (ra), ’Ali (ra) and Marwan b. Al- Hakam (ra) were the two ministers of ’Uthman (ra). However, ’Ali (ra) was not content with some of the actions, and so his work with ’Uthman (ra) was not prominent since he was similar to someone withdrawn. On the other hand, Marwan (ra) was apparent in his undertaking of the ministry, in other words, the actions of ruling.
Der Kalif würde die Führung der Angelegenheiten an seinen Wesir delegieren, und dies geschah bei jedem Kalifen unter den rechtgeleiteten Kalifen, sodass ihr Gehilfe (Wesir) anwesend war, wenngleich die Art, wie die Gehilfen die Führung der Angelegenheiten ausübten, von einem zum anderen verschieden war. Aus der sprachlichen Bedeutung des Wortes „Wesir“ bzw. Gehilfe des Kalifen versteht man, dass es sich um einen Gehilfen für die Handlungen des Kalifen handelt, und da das Wort ohne jede Einschränkung allgemein gebraucht wird, bedeutet es einen Gehilfen des Kalifen in allen Handlungen des Kalifats. Dies ist es, was aus der Überlieferung verstanden wird, und es wird durch das gestützt, was sich bei ʿUmar (ra) und Abū Bakr (ra) ereignete. Die scharʿi-Bedeutung des Wortes ist daher: derjenige, der den Kalifen in allen Handlungen des Kalifats unterstützt. Er besitzt jedoch nicht selbst die verpflichtenden Befugnisse des Kalifen. Vielmehr gilt: Wenn der Kalif sagt „Ich habe so-und-so zu meinem Wesir ernannt“ oder „als meinen Gehilfen“ oder „handle in meinem Namen in dem, was ich regiere“ oder etwas Ähnliches, dann besitzt die Person als sein Stellvertreter alle verpflichtenden Befugnisse des Kalifen. In Al-Ahkām As-Sultāniyyah nannte Al-Māwardī sie den „delegierten Wesir“ (Wazīr Tafwīd) und definierte ihn in diesem Sinne, indem er sagte: „Was den delegierten Wesir betrifft, so hat er sein Wesirat vom Imam übernommen, der ihn ermächtigte, die Angelegenheiten nach seiner Ansicht zu führen und gemäß seinem Ijtihad vorzugehen.“ Es ist jedoch notwendig, dass der Kalif von jeder Handlung unterrichtet ist, die der delegierte Wesir unternimmt, da dieser ein Gehilfe und kein Kalif ist und somit nicht unabhängig handelt; vielmehr überprüft der Kalif jede seiner Handlungen, seien sie klein oder groß.
The Khalifah would delegate the management of affairs to his minister, and this occurred with each Khalifah from the righteous Khulafaa’ in that their assistant (minister) was present, though how the assistants practised the management of affairs differed from one to the other. It is understood from the linguistic meaning of the word “minister”, or assistant to the Khalifah, that it means an assistant for the actions of the Khalifah, and since the word came general without any restrictions, then it means assistant for the Khalifah in all of the actions of the Khilafah. This is what is understood from the narration, and is supported by what occurred with Umar (ra) and Abu Bakr (ra), and so the Shari’ah meaning of the word is the one who assists the Khalifah in all the actions of the Khilafah. However, he does not possess the mandatory powers of the Khalifah himself. Rather, if the Khalifah said “I have appointed so and so as a minister for me”, or “as an assistant for me”, or “act on my behalf in what I govern”, or anything similar, then the person would have all the mandatory powers of the Khalifah as his representative. In Al-Ahkam As- Sultaniyyah, Al-Mawardi called them the “delegated minister” (Wazeer Tafweed), and defined it with this meaning, saying, “As for the delegated minister, he has taken his ministry from the Imam who authorised him to manage the affairs according to his opinion, and for them to proceed according to his Ijtihad”. It is however necessary that the Khalifah is aware of every action that the delegated minister undertakes, since he is an assistant and not a Khalifah, and so he is not independent; rather the Khalifah inspects every action of him, whether it was small or big.
Diese scharia-rechtliche Wirklichkeit des Beraters bzw. Ministers unterscheidet sich völlig von der Wirklichkeit des Ministers im demokratischen System. Denn das Kabinett im demokratischen System ist die Regierung, und es ist eine Gruppe von Personen, die mit ihrem Merkmal als bestimmte Gruppe zum Herrschen eingesetzt ist, da das Herrschen für sie als Gruppe und nicht für den Einzelnen gilt; mit anderen Worten, die Führung ist kollektiv und nicht individuell. Der Herrscher, der alle Herrschaftsgewalt besitzt, ist somit das Kabinett bzw. die Gruppe der Minister insgesamt, und keiner von ihnen besitzt die Gewalt absolut, sondern die Herrschaftsgewalt liegt kollektiv im Kabinett. Was den einzelnen Minister betrifft, so wird er bestimmt, sich auf einen bestimmten Bereich der Herrschaft zu spezialisieren, in dem er die verbindlichen Befugnisse besitzt, die das Kabinett insgesamt für ihn festgelegt hat; und welche Befugnisse in diesem Bereich ihm nicht übertragen wurden, verbleiben beim Kabinett und nicht bei ihm.
This Shari’ah reality of the assistant or minister differs completely with the reality of the minister in the democratic system. Since the cabinet in the democratic system is the government, and it is a group of people established with its characteristic as a specific group for ruling, as the ruling for them is for the group and not for the individual; in other words, the leadership is collective and not individual. So the ruler who possesses all power of ruling is the cabinet or the group of ministers collectively, and no single one of them possesses the power absolutely, but rather the power of ruling is in the cabinet collectively. As for the individual minister, he is appointed to specialise in a particular section of ruling, in which he possesses the mandatory powers that the cabinet as a whole determined for him, and whatever powers in this section were not given to him remain with the cabinet and not him.
Im Islam gibt es kein Kabinett von Ministern, die die Macht gemeinsam ausüben (nach dem demokratischen Modell); vielmehr liegt die Führung beim Khalifen, dem die Ummah den Bay'a gibt, damit er sie nach dem Buch Allahs (swt) und der Sunnah Seines Gesandten ﷺ regiert. Der Khalif ernennt für sich Minister (Minister der Tafwid), denen er allgemeine Vollmacht erteilt, in seinem Namen zu handeln, und die ihn im Allgemeinen bei der Wahrnehmung der Verantwortung des Khilafah unterstützen. Sie sind somit Minister im sprachlichen Sinne, das heißt Gehilfen des Khalifen in den Aufgaben, mit denen sie betraut sind.
In Islam, there is no cabinet of ministers who hold the power collectively (on the democratic model); rather the leadership is for the Khalifah who is given Bay’a by the Ummah in order to rule them by the Book of Allah (swt) and the Sunnah of His Messenger . The Khalifah appoints ministers for himself (ministers of Tafwid) who are given general authorisation to act on his behalf and generally support the Khalifah in carrying the responsibilities of the Khilafah, and so they are ministers according to the linguistic meaning, or in other words, assistants of the Khalifah in what they are charged with.
Dementsprechend ist der große Unterschied zwischen dem Wort „Minister“ bzw. „Ministerium“ im islamischen System und dem Wort „Minister“ bzw. „Ministerium“ im demokratischen System deutlich geworden. Da die Bedeutung, die aus dem demokratischen Verständnis des Wortes „Minister“ hervorgeht, in den Köpfen der Menschen vorherrscht und bei seiner Verwendung allein die demokratische Bedeutung in den Sinn kommt, ist es, um Verwirrung zu vermeiden und allein die Bedeutung im Sinne der Scharia festzulegen, nicht richtig, den Begriff „Minister“ allein für den Gehilfen des Kalifen zu verwenden, ohne ihn näher zu bestimmen. Vielmehr sollte der Begriff „Gehilfe“ in seiner eigentlichen Bedeutung verwendet werden, oder die Begriffe „Minister“ und „Ministerium“ sollten so näher bestimmt werden, dass sie vom demokratischen Verständnis gelöst sind und allein die islamische Bedeutung verstanden wird, etwa durch die Bezeichnung „Minister der Befugnisübertragung“ (Wazir Al-Tafwid).
Accordingly the wide difference between the word “minister” and “ministry” in the system of Islam, and the word “minister” and “ministry” in the system of democracy, has become clear. Since the meaning that is understood from the democratic meaning of the word “minister” is dominant in the minds of the people, and when it is used the only thing that comes to mind is the democratic meaning, in order to avoid confusion and to specify the Shari’ah meaning alone, it is not correct to use the term “minister” alone for the assistant of the Khalifah without specifying it. Rather, the term “assistant” should be used in its real meaning, or the term “minister” and “ministry” should be specified such that it is removed from the democratic understanding, and the Islamic meaning alone is understood, such as using the term “minister of authorisation” (Wazir Al-Tafwid).
Der Gehilfe wird auf Anordnung des Khalifen ernannt und abgesetzt. Mit dem Tod des Khalifen endet die Rolle der Gehilfen; sie bleiben nur bis zum Ende der Amtszeit des vorübergehenden Herrschers im Amt. Danach benötigen sie eine neue Ermächtigung durch den neuen Khalifen, um ihre Rolle fortzuführen, und sie müssen nicht förmlich abgesetzt werden, da ihre Rolle mit dem Tod des Khalifen endete, der sie als Gehilfen eingesetzt hatte.
The assistant is appointed and removed at the order of the Khalifah. At the death of the Khalifah, the assistants’ role comes to an end, and they only continue through to the end of the period of the temporary leader. They then require a new authorisation from the new Khalifah in order to continue in their role, and they do not require to be formally removed since their role ended with the death of the Khalifah who took them as assistants.