13. Prophetische Biografie (Sīrah) und Geschichte
13. Prophetic Biography (sīrah) And History
Als erstes und vorrangigstes Gebiet, dem in der islamischen Geschichte Vorrang eingeräumt wurde, galt die Sīrah des Propheten ﷺ und die darauf folgenden Feldzüge (Maghāzī). Dafür stützte man sich auf Überlieferungen (Aḥādīth), die von den Gefährten (Ṣaḥābah), den Nachfolgern (Tābiʿūn) und denen, die nach ihnen kamen, über das Leben des Propheten ﷺ berichtet wurden: von seiner Geburt, seiner frühen Jugend und seinem Ruf zum Islam bis hin zum Dschihād und zu den Feldzügen gegen die Mušrikīn sowie zu seinen Eroberungen. Kurz gesagt: Berichte über den Propheten ﷺ von seiner Geburt bis zu seinem Tod.
The first and foremost thing that was given priority in the Islamic history was the Sīrah of the Prophet and the subsequent military campaigns (maghazi) that followed. For this, reliance was placed on ahadīth narrated by the Sahabah, Tabi'een and those who came after them concerning the life of the Prophet ; from his birth, his early life, and his Call to Islam to the Jihad and military expeditions against the Mushrikin and his conquests. In short, reports concerning the Prophet from his birth till his death.
Die Geschichte des Lebens des Propheten ﷺ war Teil der überlieferten Ahadith. Solche Ahadith waren ungeordnet in der Zeit, als der Muhaddith alle Überlieferungen, die ihn erreichten, sammelte und ohne jede Ordnung oder Gliederung lernte. Als die Ahadith nach Kapiteln geordnet wurden, wurden die Feldzüge in eigenen Kapiteln zusammengefasst. Diese lösten sich dann vom Hadith-Corpus ab, und es wurden eigene Bücher über sie verfasst, obwohl die Muhaddithin sie weiterhin in ihre Kapitel aufnahmen. So gibt es bei Bukhari das Buch der Feldzüge (Kitab al-Maghazi) und bei Muslim das Buch des Dschihad und der Feldzüge (Kitab al-Dschihad wa al-Siyar).
The history of the Prophet's life was a part of the reported ahadīth. Such ahadīth used to be miscellaneous in the days when the Muhaddith would compile all the reports that reached him and learn them without any order or arrangement. When ahadīth came to be arranged according to chapters, the military campaigns were brought together in separate chapters. These then became separated from the hadīth and specific books were written on them although the muhaddithin continued to include them within their chapters. So, in Bukhari there is the Book of Military Expeditions (kitab al-Maghazi) and in Muslim the Book of Jihad and Military Campaigns (kitab al jihad wa al-siyar).
Obwohl viele über die Sīrah geschrieben haben, ist das erste erhaltene Werk unter den frühen Verfassern das Kitāb al-Maghāzī von Ibn Ishāq. Sein Autor, Muhammad ibn Ishāq ibn Yasār (gest. 153 n. H.), gilt als der bekannteste unter jenen, die mit den Maghāzī in Verbindung gebracht werden, so sehr, dass al-Shāfi'ī überliefert wird, er habe gesagt: „Wer ein Experte für die Maghāzī werden will, der soll sich auf Muhammad ibn Ishāq stützen.“ Nach Ibn Ishāq ist der zweite frühe Verfasser al-Wāqidī. Muhammad ibn 'Umar ibn Wāqid al-Wāqidī (gest. 209 n. H.) galt als jemand, dessen Wissen über die Maghāzī dem des Ibn Ishāq nahekam. Er war sehr bewandert in Geschichte und Hadīth, doch wird von ihm überliefert, dass er in späteren Jahren begann, seine Berichte durcheinanderzubringen. Deshalb haben viele Muhaddithūn ihn als schwach eingestuft. Al-Bukhārī sagt über ihn: „Seine Ahādīth sind zurückzuweisen (munkar al-hadīth)“. Sie stellten jedoch die Tiefe seines Wissens über die Maghāzī nicht in Frage. So sagt Ahmad ibn Hanbal über ihn: „Er ist gut informiert über die Maghāzī.“ Er hat ein Buch über die Maghāzī verfasst, aus dem Ibn Sa'd in seinem Werk al-Tabaqāt (Die Generationen) bei seiner Behandlung der Sīrah zitiert. Ebenso zitiert auch al-Ṭabarī daraus. Zwei der berühmtesten Verfasser der Sīrah sind Ibn Hishām (gest. 218 n. H.) und Muhammad ibn Sa'd (gest. 230 n. H.).
Though many have written about the Sīrah, the first book that is existent from amongst the early compilers is the kitab al-Maghazi of Ibn Ishaq. Its author, Muhammad ibn Ishaq ibn Yassaar (d.153 A.H.) is considered the most well known of the ones who were associated with the maghazi, to the extent that Shafi'i is reported to have said: ' Whosoever wishes to be an expert in the maghazi, he should depend on Muhammad ibn Ishaq'. After Ibn Ishaq, the second early author is al-Waqidi. Muhammad ibn 'Umar ibn Waqid al-Waqidi (d.209 A.H.) was considered to have an extensive knowledge of the maghazi which approximated to that of Ibn Ishaq. He was very knowledgable in history and hadīth though it is reported about him that in later years he began to get his reports muddled. That is why many muhaddithin have branded him as weak, Bukhari says of him: ' His ahadīth are to be rejected (munkar al-hadīth)'. However they did not impugn the depth of his knowledge concerning the maghazi. Thus, Ahmad ibn Hanbal says about him: 'He is well-informed about the maghazi'. He has compiled a book on maghazi from which Ibn Saa'd quotes in his book al-Tabaqat (The Generations) in his discussion of the Sīrah. Likewise, Tabari also quotes from it. Two of the most famous compilers of the Sīrah are Ibn Hisham (d.218 A.H.) and Muhammad ibn Sa'ad (d.230 A.H.).
Bis heute haben Muslime ihre Aufmerksamkeit der Sīrah gewidmet. Die Sīrah gilt als eine der wichtigsten Dinge, denen Muslime sorgfältige Beachtung schenken sollten, da sie Berichte über den Gesandten Allahs ﷺ enthält, und zwar über seine Handlungen, seine Worte, sein Schweigen und seine Beschreibung; wie der Qur'an ist sie insgesamt Gesetzgebung. Daher ist die Sīrah eines der konstituierenden Elemente der Gesetzgebung, und deshalb wird sie als Teil der Ḥadīth-Literatur betrachtet. Was an ihr hinsichtlich der Überlieferung und des Inhalts als authentisch über den Propheten ﷺ erwiesen ist, gilt als scharia-rechtlicher Beweis, weil es aus der Sunnah stammt, ganz abgesehen davon, dass wir von Allah {…} angewiesen sind, dem Gesandten ﷺ nachzueifern. Allah {…} sagte:
To this day Muslims have continued to devote their attention to the Sīrah. The Sīrah is considered one of the most important things to which Muslims should pay careful attention because it contains reports concerning the Messenger in terms of his actions, sayings, silence and description; like the Qur’ān all of it is legislation. Therefore the Sīrah is one of the constituent elements of legislation and that is why it is considered part of the hadīth (literature). Whatever is proven to be authentic from it concerning the Prophet , in terms of its transmission and meaning, it is considered as a Sharī’ah evidence because it is from the Sunnah, not to speak of the fact that we are commanded by Allah to emulate the Messenger . Allah said:
Wahrlich, im Gesandten Allahs ﷺ habt ihr ein gutes Vorbild. [TMQ Ahzaab: 21]
“Indeed in the Messenger of Allah (saw) you have a good example” [TMQ Ahzaab: 21]
Daher ist es eine Angelegenheit der Scharia, sich der Sīrah zu widmen und sie zu verfolgen. Der Unterschied zwischen der Methode, die die Früheren bei der Zusammenstellung der Sīrah und der Geschichte anwandten, und der Methode derer, die in späteren Zeiten kamen, besteht jedoch darin, dass die Methode der Früheren auf der Überlieferung von Berichten beruhte. Die Historiker begannen mit der mündlichen Weitergabe; die erste Generation, die die Handlungen des Gesandten ﷺ miterlebt oder davon gehört hatte und sie weitergab, begann, sie anderen zu übermitteln, und diese Aufgabe übernahm die nachfolgende Generation. Einige von ihnen schrieben Ahadith auf in einer ungeordneten Weise, was noch heute in den Hadith-Büchern zu sehen ist. Erst mit dem Beginn des zweiten Jahrhunderts (n. H.) finden wir einige Gelehrte, die anfingen, die biographischen Berichte zu sammeln und zusammenzustellen und sie nach der Methode der Überlieferung schriftlich festzuhalten, indem sie den Namen des Überlieferers und desjenigen, der von ihm überlieferte, nannten, genau so, wie es bei der Überlieferung von Hadithen geschah. So sind die Hadith-Gelehrten und Kritiker aufgrund ihres Wissens über die Überlieferer und die Überlieferungskette in der Lage, die authentischen und annehmbaren biographischen Berichte von den schwachen und unzulässigen zu unterscheiden. Und dies ist das Verfahren, auf das man sich beim Zitieren aus der Sīrah stützt, sofern es authentisch ist, im Gegensatz zu den modernen Autoren der Sīrah, die lediglich Ereignisse aufzählen, ohne deren Überlieferer zu nennen. Deshalb werden ihre Bücher nicht als Quelle der Sīrah herangezogen, außer wenn der Autor zum Zeitpunkt des Schreibens bestätigt, dass die überlieferten Berichte tatsächlich aus den Sīrah-Berichten stammen und vertrauenswürdig sind. Tut er dies nicht, wird seine Aussage nicht zitiert, sondern das von ihm erwähnte Ereignis wird auf die Sīrah-Bücher zurückgeführt, die nach der Methode der Überlieferung weitergegeben wurden, oder auf die Hadith-Bücher. Dies, weil Berichte über den Propheten ﷺ aus der Sunnah nur dann angenommen werden, wenn sie authentisch sind.
Therefore, devoting ones attention to the Sīrah and its pursuance is a Sharī’ah matter. However, the difference between the method employed in compiling the Sīrah by the ancients and those who came in later periods is that: the method of the ancients in compilation of the Sīrah and history used to depend on the narration of reports. The historians started with the oral transmission; the first generation which witnessed the actions of the Messenger or heard about it and transmitted it began to transmit it to others, the burden of which was assumed by the generation that came after. And some of them wrote down ahadīth in a miscellaneous manner which can be seen in the books of hadīth even today. Not till the advent of the second century (Hijri) do we find some scholars beginning to compile and put together the biographical reports and put them down in writing according to the method of narration, by mentioning the name of the transmitter and the one who transmitted from him, exactly as it was done in the (transmission) of hadīth. Thus, hadīth scholars and critics are able to know the authentic and acceptable biographical reports from the weak and inadmissible ones due to their knowledge of the transmitters and the chain of transmission. And this is the procedure which is relied upon when quoting from the Sīrah, as long as it is authentic, contrary to the modern authors of the Sīrah who only enumerate events without mentioning their transmitters. That is why their books are not relied upon as a source of Sīrah except when the author verifies at the time of writing that the transmitted reports are indeed from the Sīrah reports and are trustworthy. If he does not then his statement is not quoted but the event which he mentions is traced back to the books of Sīrah which have been transmitted according to the method of narration or to the books of hadīth. This is because reports concerning the Prophet from the Sunnah are not taken except when they are authentic.