6. Das Erlernen der Schari'a-Regel
6. Learning The Sharī’ah Rule
Der Mustafti (derjenige, der ein Rechtsgutachten erbittet) ist kein Muqallid, denn der Muqallid ist derjenige, der die Rechtsbestimmung der Scharia annimmt und danach handelt. Der Mustafti hingegen ist derjenige, der das Urteil der Scharia von einer Person erlernt, die dieses Urteil kennt, sei es ein Mudschtahid oder nicht, und ob der Mustafti es lernt, um es auszuüben, oder nur um des Wissens willen. Mustafti ist jeder, der die Regel Allahs in Bezug auf eine Angelegenheit kennenlernen will. Wer also in Bezug auf ein Urteil kein Mudschtahid ist, ist in Bezug auf dieses Urteil ein Mustafti. Wer somit in keiner Angelegenheit ein Mudschtahid ist, ist in allen Angelegenheiten ein Mustafti. Wer in bestimmten Angelegenheiten ein Mudschtahid ist, ist in den Angelegenheiten, in denen er keinen Idschtihād ausgeübt hat, ein Mustafti. Wer die Regel Allahs einem Mustafti erklärt, ist ein Mufti. Im Arabischen heißt es:
The one who seeks a legal verdict (mustafti) is not a muqallid, because the muqallid is one who adopts the Sharī’ah rule and acts upon it. As for the mustafti (one who seeks a legal verdict), he is the one who learns the hukm Shar’i from a person who knows this hukm, whether that person is a mujtahid or not, and whether the mustafti learned it in order to practise it or just for the sake of knowledge. The mustafti is anyone who seeks to know the rule of Allah pertaining to an issue. So anyone who is not a mujtahid with regard to a hukm is a seeker of a legal verdict in regard to that hukm. Thus the one who is not a mujtahid in any issue he is a mustafti (seeker of a legal verdict) in all issues. Whoever is a mujtahid in certain issues he is a mustafti in the issues he has not exercised Ijtihād in. As for the one who explains the rule of Allah to a mustafti (seeker of a legal verdict) he is a mufti. It is said in the Arabic language:
Er gab ein Rechtsgutachten zu einer Frage: Er erklärte deren Urteil.
He gave a legal verdict pertaining to an issue: he explained its rule.’
Und wenn jemand von einem ‚Alim ein Gutachten zu einer Frage erbittet, bedeutet das, dass er ihn bittet, ein Rechtsgutachten dazu zu erteilen. Die Rechtsgutachten der Sahaba und der Tabi'un sind die Regeln, die sie den Menschen erläutert haben. Und da das Wissen um die Regel Allahs eine Fard ist, muss es Menschen geben, ob Mujtahidun oder nicht, die anderen die Regeln der Scharia beibringen können, unabhängig davon, ob sie die Regeln mit oder ohne die Belege lehren. Da es nicht zur Bedingung gemacht wird, dass derjenige, der die Regeln lehrt, ein Mujtahid sein muss, so wie es nicht zur Bedingung gemacht wird, dass der Muslim, der anderen lehrt, die Belege erläutert, ist es erlaubt, dass jemand, der ein Hukm kennt, es anderen lehrt, sobald er sich mit diesem Hukm vertraut gemacht hat. Ferner ist es, weil es nicht zur Bedingung gemacht wird, dass derjenige, der den Menschen Rechtsgutachten zu den Regeln der Scharia erteilt oder sie selbst unterrichtet, ein Mujtahid sein muss, sondern es vielmehr einem Nicht-Mujtahid erlaubt ist, der mit dem Hukm eines Mujtahid vertraut ist, ein Rechtsgutachten unter Verwendung dieses Hukm zu erteilen, denn er ist ein Überträger des Hukm, selbst wenn er dies nicht ausdrücklich erklärt. Bei dieser Handlung besteht kein Unterschied zwischen einem ‚Alim und anderen, so wie bei der Überlieferung von Ahadith. So wie es nicht zur Bedingung gemacht wird, dass der Überlieferer eines Hadith ein ‚Alim ist, wird es auch nicht zur Bedingung gemacht, dass derjenige, der einen Hukm Schar'i an andere weitergibt, ein ‚Alim ist. Umso mehr (min bab al-awla) gilt also, dass es nicht zur Bedingung gemacht werden sollte, dass er ein Mujtahid ist. Allerdings wird vorausgesetzt, dass er den Hukm, den er weitergibt, klar und genau kennt, da er ihn nicht anderen vermitteln kann, wenn er nicht präzise ist und ihn nicht richtig überliefern kann. Ebenso wird es für denjenigen, der Menschen den Hukm Schar'i lehrt oder ihnen Rechtsgutachten erteilt, nicht zur Bedingung gemacht, ihnen die Belege beizubringen oder sie zu übermitteln. Vielmehr ist es ihm erlaubt, sich darauf zu beschränken, nur den Hukm Schar'i zu übermitteln, ohne den Beleg anzuführen. e, es ist ihm erlaubt, ein Fatwa mit dem Hukm Shar'i zu erteilen und es den Menschen zu lehren, ohne ihnen die Beweise darzulegen. Er ist jedoch verpflichtet, ihnen zu erklären, dass das, was er ihnen übermittelt, ein Hukm Shar'i oder die Ableitung (Istinbat) eines anderen ist, d. h. eines bestimmten Mujtahid. Wenn er jedoch eine Meinung vermittelt und zu ihnen sagt:
And he sought a legal opinion from an ‘alim regarding an issue means he requested him to give a legal opinion about it. The legal opinions of the Sahabah and the Tabi’een are the rules they clarified to the people. And since having knowledge of Allah’s rule is a fard, there must be people, whether mujtahids or not who can teach the Sharī’ah rules to others, irrespective of whether they teach the people the rules with or without the evidences. Since it is not stipulated that the one who teaches the rules should be a mujtahid, just as it is not stipulated for the Muslim who teaches others to clarify the evidences, it is allowed for someone who knows a hukm to teach it to others when he becomes conversant about that hukm. Furthermore, because it is not stipulated for the one who gives legal opinions to people regarding the Sharī’ah rules or teaches them himself to be a mujtahid, on the contrary it is permitted for a non-mujtahid, who is acquainted with the Sharī’ah rule of a mujtahid to deliver a legal opinion using that hukm because he is a carrier of the hukm even if he does not declare about this. In performing this action there is no difference between an ‘alim and others, such as in the reporting of ahadīth. Just as it is not stipulated that the transmitter of a hadīth be an ‘alim it is not stipulated either for the one who conveys a hukm Shar’i to others to be an ‘alim. So it is by greater reason (min bab al-awla) that there should be no stipulation for him to be a mujtahid. Even though it is stipulated that he should know the hukm that he conveys in a clear and accurate manner since he cannot convey it to others if he is not precise and unable to convey it properly. Likewise, it is not stipulated for the person who teaches people the hukm Shar’i or gives them legal opinions to teach them the evidence or convey it to them, Rather it is allowed for him to limit himself just to conveying the hukm Shar’i without quoting the evidence. i.e, it is permitted for him to give fatwa with the hukm Shar’i and teach it to people without clarifying them the evidence. However, he is required to explain to them that what he transmits to them is a hukm Shar’i or the inference (istinbat) of someone else i.e, of a certain mujtahid. However if he conveys an opinion and he says to them:
„O ihr, die ihr glaubt! Wenn ein Fasiq (ein Frevler) mit einer Nachricht zu euch kommt, so prüft sie nach.“ [TMQ Hujuraat: 6]
“O you who believe! If a fasiq (rebellious person) comes to you with a news, verify it” [TMQ Hujuraat: 6]
Die Verwendung der Wörter „fāsiq“ (Frevler) und „naba“ (Nachricht) in ihrer unbestimmten Form (als Verbalsubstantiv) zeigt an, dass die Menschen, wenn ein beliebiger Frevler mit irgendeiner Nachricht kommt, davon absehen sollen, das zu übernehmen, was er sagt, und die Sache überprüfen sollen, um die wahre Wirklichkeit zu ergründen, und nicht einfach das annehmen sollen, was er sagt. Die gegenteilige Bedeutung (mafhūm al-mukhālafa) dieses Verses besagt, dass die Aussage des rechtschaffenen und gerechten (ʿadl) Menschen angenommen wird, sei es zum Zweck der Erteilung von Rechtsgutachten oder der Erlangung von Wissen.
The use of the word ‘fasiq’ (transgressor) and ‘naba’ (news) in their indefinite (verbal noun) forms indicate that when any fasiq (transgressor) comes with any news, the people should desist from adopting what he says and seek to verify the matter and discover the true reality and not simply accept what he says. The opposite meaning (mafhum al-mukhalafa) of this verse is that the statement of the upright and just (‘adl) person is taken whether for the purpose of giving legal opinions or acquiring knowledge.