4.2 Ableitung von Belegen aus der Sunnah
4.2 Inferring Evidences From The Sunnah
Es ist bekannt, dass die Sunnah die Worte, Handlungen und die stillschweigende Billigung des Gesandten ﷺ ist, und dass es verpflichtend ist, der Sunnah ebenso zu folgen wie dem Qur'an. Es muss jedoch feststehen, dass der Gesandte ﷺ diese Aussage getätigt, diese Handlung vollzogen oder zu dieser Aussage bzw. Handlung geschwiegen hat. Ist die Sunnah erwiesen, so ist es richtig, aus ihr Beweise für die Regeln und Glaubenssätze der Scharia abzuleiten. Es ist ein Beweis dafür, dass das durch die Sunnah Festgestellte eine Scharia-Regel oder einer der Glaubensartikel ist. Die Authentizität der Sunnah ist jedoch entweder definitiv (qat'i), etwa wenn eine Gruppe der Tabi'in-Tabi'in von einer Gruppe der Tabi'in überliefert, die von einer Gruppe der Sahaba überliefert hat, welche es vom Propheten ﷺ berichtet hat, unter der Bedingung, dass jede Gruppe eine ausreichende Anzahl umfasst, um eine Übereinkunft auf eine Lüge auszuschließen. Dies ist die mutawatir Sunnah (überlieferte Sunnah) bzw. der mutawatir-Bericht. Die Authentizität der Sunnah kann auch spekulativ (zanni) sein, etwa wenn ein einzelner Überlieferer oder einzelne Überlieferer von einem Tabi'in-Tabi'in von einem einzelnen Tabi'in oder einzelnen Tabi'in überliefern, die von einem einzelnen Sahabi oder einzelnen Sahaba überliefert haben, die vom Propheten ﷺ berichteten. Demzufolge umfasst die Sunnah hinsichtlich ihrer Ableitung zwei Kategorien: den mutawatir-Bericht und den Einzelbericht (khabar al-ahad). Was den mashhur bzw. mustafid betrifft, so ist es ein Bericht, der über einzelne Überlieferer vom Propheten ﷺ übermittelt wurde, und dann im Zeitalter der Tabi'in oder der Tabi'in-Tabi'in weithin bekannt wurde. Er gehört zu den Einzelberichten (khabar al-ahad) und ist keine dritte Kategorie. Der Grund ist, dass er hinsichtlich seiner Ableitung nicht über dem Rang eines khabar al-ahad steht und keinesfalls den Rang eines mutawatir erreicht. Solange die Überlieferung in irgendeiner Stufe – sei es bei den Gefährten (Sahaba), den Nachfolgern (Tabi'in) oder den Nachfolgern der Nachfolger (Tabi' at-Tabi'in) – Überlieferer enthält, die allein berichten, gilt sie als Einzelüberlieferung (Ahad), selbst wenn die letzten beiden Stufen aus Gruppen bestehen. Die Sunna ist also entweder mutawatir (vielfach überliefert) oder ahad (Einzelüberlieferung); eine dritte Kategorie gibt es nicht.
It is known that the Sunnah is the speech, actions and silence of the Messenger and that it is obligatory to adhere to the Sunnah like the Qur’ān. However, it has to be established that the Messenger is the one who has said this saying, that he performed this action or was silent over this saying or action. And when the Sunnah has been proven, then it is correct to educe proofs from it for the Sharī’ah rules and beliefs. It is a proof to say that this thing established by the Sunnah is a Sharī’ah rule or one of the articles of belief. However, the authenticity of the Sunnah is either definite (qat'i), such as when a group of tabi-Tabi’een transmit from a group of Tabi’een from a group of Sahabah who narrated it about the Prophet on the condition that each group is composed of a sufficient number such as to preclude the possibility of an agreement on a lie, This is the mutawatir Sunnah (recurrently transmitted sunnah) or the mutawatir report. The authenticity of the Sunnah can be speculative (zanni), such as when a single narrator or separate single narrators transmit from a tabi'i-Tabi’een from a single tabi'i or separate single tabi'i's from a single Sahabi or separate single sahabas who narrated from the Prophet . Consequently, the Sunnah, with respect to its eduction, comprises of two categories; the mutawatir report and the solitary report (khabar al-ahad). As for the mash-hur or mustafid, it is the report transmitted via single narrators who narrated from the Prophet , then the report became widely known in the age of the Tabi’een or the tabi-Tabi’een, It is one of the solitary reports (khabar al-ahad), and it is not a third category. The reason is that in eduction it is not higher than the level of a khabar al-ahad, It definitely does not reach the level of mutawatir. As long as the transmission has the presence of solitary transmitters at any tier whether among the Sahabah, Tabi’een or Tabi Tabi’een, then it is considered a solitary report even if the last two tiers composed of groups. Thus, the Sunnah is either mutawatir (recurrect) or ahad (solitary), there is no third category.
Der Khabar al-Ahad ist, wenn er sahih (authentisch) oder hasan (gut) ist, ein Beweis für alle Regeln der Scharia, und es ist verpflichtend, nach ihnen zu handeln, sei es, dass die Regeln den Gottesdienst (ʿIbādāt), die Rechtsgeschäfte (Muʿāmalāt) oder die Strafen (ʿUqūbāt) betreffen. Auch das Ableiten von Beweisen aus ihm ist erlaubt. Die Verwendung von Einzelberichten zur Festlegung von Scharia-Regeln ist erwiesen, und die Gefährten hatten auch einen Konsens (Ijmāʿ) darüber. Der Beleg dafür ist, dass die Scharia die Zeugenaussage zur Entscheidung eines Rechtsfalls anerkennt, und das ist ein Einzelbericht. Daher wird die Annahme der Überlieferung einer Sunna und die Annahme des Einzelberichts mit der Annahme einer Zeugenaussage verglichen. Dies deshalb, weil durch den Wortlaut des Edlen Qur'ān bewiesen ist, dass ein Urteil gefällt werden kann auf der Grundlage von zwei männlichen Zeugen oder einem Mann und zwei Frauen in Geldangelegenheiten, auf der Grundlage von Zeugenaussagen von vier Zeugen bei Unzucht (Zinā) und zwei Zeugen bei Hadd-Strafen und Vergeltung (Qisās). Der Gesandte Allahs ﷺ fällte ein Urteil auf der Grundlage der Aussage eines einzigen Zeugen und des Eides des Anspruchsberechtigten (Sāhib al-Haqq), und er nahm die Aussage einer einzigen Frau bezüglich des Stillens an, und all dies sind Einzelberichte. Alle Gefährten stimmten dem zu, und es gibt keine Überlieferung, die das Gegenteil belegt. Das Urteil ist bindend aufgrund des Übergewichts der Wahrheit über die Lüge, solange die Ungewissheiten, die den Bericht als Lüge verdächtig machen, nicht vorhanden oder nicht erwiesen sind. Diese Bindung ist nichts anderes als das Handeln nach dem Einzelbericht. Durch Qiyās (Analogie) ist es für uns verpflichtend, nach dem Einzelbericht zu handeln, der über den Propheten ﷺ überliefert wird, damit die Wahrheit überwiegt, solange der Überlieferer gerecht (ʿAdl), vertrauenswürdig (Thiqa) und genau (Thābit) ist und er den Menschen, von dem er den Bericht überliefert hat, getroffen hat. Dann ist der Zweifel an einer möglichen Lüge nicht vorhanden, und dieser Zweifel ist nicht erwiesen. Die Annahme eines Einzelberichts (Khabar al-Wahid) über den Gesandten ﷺ und das Ableiten von Belegen daraus für eine Bestimmung (Hukm) gleicht also der Annahme eines Zeugnisses und dem Fällen des Urteils entsprechend dem gefällten Richterspruch. Daher ist der Einzelbericht ebenfalls ein Beweis, wie der Qur'an es angedeutet hat.
The khabar al-ahad, if it is Sahih (sound) or hasan (good), is considered a proof for all of the Sharī’ah rules and it is obligatory to act upon them whether the rules pertain to worships ('ibadat), transactions (mu'amalat) or punishments ('uqubat). Inferring evidences from it is also allowed. The use of solitary reports in establishing Sharī’ah rules is proven, and the Sahabah also had a consensus (ijma') on it. The evidence for this is that the Sharī’ah has recognised testimony in establishing a legal case, which is a solitary report, so accepting the narration of a Sunnah and accepting the solitary report is compared with the acceptance of a testimony. This is because it has been proven by the text of the Noble Qur’ān that a ruling can be passed on the basis; of two male witnesses or one man and two female witnesses regarding money, on the basis of testimonies by four witnesses in zina and two witnesses for hadd punishments and equal retribution (qisaas), The Messenger of Allah passed judgement on the basis of a testimony by one witness and the oath of the sahib al-haqq, and he accepted the testimony of one woman regarding suckling and all of these are solitary reports. All the Sahabah agreed on this and there is no narration that proves otherwise. The judgment is binding by the preponderance of the truth over the lie as long as the uncertainities which make the report to be suspected as a lie are absent or not proven. This binding (ruling) is nothing other than acting upon the solitary report. By qiyas (analogy) it is obligatory upon us that we act upon the solitary report narrated about the Prophet to outweigh the truth as long as the narrator is just ('adl), trustworthy (thiqa) and accurate (thabit) and he has met the person from which he has narrated the report. Then the doubt of suspected lying is absent and this doubt is not proven. So the acceptance of the solitary report about the Messenger and inferring evidences from it for a hukm is like the acceptance a testimony and giving the ruling according to the judgement that has been passed. Therefore, the solitary report is also a proof as the Qur’ān has indicated.
Zusätzlich dazu sagte der Gesandte ﷺ:
In addition to this the Messenger said:
„Möge Allah einen Diener mit Glanz erfüllen, der meine Worte hört, sie auswendig lernt und weitergibt. Vielleicht ist derjenige, der das Wissen trägt, kein Faqih, und vielleicht überbringt er das Wissen an jemanden, der kundiger ist als er." [Sunan Ibn majah on Behalf of Anas ibn malik]
“May Allah make a servant radiant, the one who hears my saying and memorises it and deliver/transmits it. Perhaps the one carrying the knowledge is not a faqih and perhaps he will carry the knowledge to someone who is more knowledgeable than him” [Sunan Ibn majah on Behalf of Anas ibn malik]
Der Gesandte ﷺ sagte: „Möge Allah einen Diener strahlend machen" und nicht „Diener". Das Wort „Diener" (ʿabdan) ist allgemein und trifft auf eine oder mehrere Personen zu. Er lobt also den Einzelnen und wiederum andere Einzelne dafür, dass sie sein Ḥadīth überliefern.
The Messenger PBUH says 'may Allah make a servant radiant' and not 'servants'. A servant ('abdan) is generic applicable to one or more persons. So he is praising the single and other single persons for transmitting his hadīth.
Darüber hinaus ruft der Prophet ﷺ dazu auf, seine Aussprüche auswendig zu lernen und weiterzugeben. Daher ist es für jeden Muslim, der davon hört, fard (eine Pflicht), sie weiterzugeben, sei es an eine einzelne Person oder an mehrere. Seine Überbringung und Weitergabe des Ausspruchs des Propheten ﷺ an andere hätte jedoch keine Wirkung, wenn seine Aussage nicht angenommen wird. Der Aufruf des Propheten ﷺ, seine Aussprüche weiterzugeben, ist deshalb zugleich ein Aufruf, sie anzunehmen, solange die Person, der das Hadith überliefert wird, glaubt, dass dies die Rede des Gesandten ﷺ ist, das heißt, solange der Überlieferer vertrauenswürdig, ehrlich, gottesfürchtig und genau ist und weiß, was er überliefert und was er auslässt, bis der Verdacht der Lüge ausgeräumt ist und die Wahrheit überwiegt. Dies zeigt, dass der Einzelbericht (khabar al-wahid) ein Beweis aus dem eindeutigen Text der Sunna ist und gemäß dem, worauf die Sunna hinweist.
Moreover, the Prophet PBUH is calling people to memorise his sayings and transmit it. So it is fard on every Muslim who hears it (whether one or more persons) to transmit it, and his delivery and transmission of the Prophet's saying to others will have no effect if his statement is not accepted. So the call of the Prophet PBUH to transmit his sayings is a call for it to be accepted as long as the person to whom the hadīth is transmitted believes that this is the speech of the Messenger PBUH i.e as long as the transmitter is trustworthy, honest, God fearing, accurate and he knows what he is conveying and what he is leaving out, until the suspicion of lying is gone and the truth is preponderant. This shows that the solitary report is a proof from the explicit text of the Sunnah and according to what the Sunnah has indicated.
Darüber hinaus entsandte der Prophet ﷺ einst zwölf Gesandte zu zwölf Königen, um sie zum Islam einzuladen. Jeder Gesandte wurde einer einzelnen Person in die Richtung geschickt, in die er entsandt wurde. Wäre die Übermittlung (tabligh) der Da’wah nicht verpflichtend durch einen einzelnen Bericht, so hätte sich der Gesandte ﷺ nicht damit zufriedengegeben, nur eine Person zur Übermittlung des Islam zu schicken. Dies ist ein eindeutiger Beweis aus dem Handeln des Gesandten ﷺ dafür, dass der einzelne Bericht ein Beweis bei der Übermittlung des Islam ist. Der Gesandte ﷺ pflegte Briefe an Statthalter in der Hand einzelner Boten zu senden, und es kam keinem seiner Statthalter in den Sinn, die Ausführung seines Befehls zu unterlassen, weil der Bote eine einzelne Person war. Vielmehr hielten sie sich an das, was der Bote vom Propheten ﷺ an Bestimmungen und Anordnungen überbrachte. Auch dies ist ein eindeutiger Beweis aus dem Handeln des Gesandten ﷺ dafür, dass der einzelne Bericht ein Beweis ist, der uns verpflichtet, nach den Regeln der Scharia zu handeln, und ein Beweis für die Gebote und Verbote des Propheten ﷺ ist. Andernfalls hätte sich der Gesandte ﷺ nicht damit zufriedengegeben, nur eine Person zum Statthalter zu schicken.