25. Dar Al-Kufr und Dar Al-Islam
25. Dar Al-kufr And Dar Al-islam
Das Wort „dar“ bedeutet im Arabischen die Raststätte, das Haus und das Land. „Dar“ wird in der Sprache auch für einen Stamm verwendet, und das Land des Krieges (dar al-harb) ist das Land des Feindes. Es besteht kein Streit darüber, dass das Land der Ungläubigen, in dem die Ungläubigen wohnen und darin mit Unglauben herrschen, das Land des Krieges und das Land des Unglaubens ist. Ebenso besteht kein Streit darüber, dass das Land des Schlachtfeldes, das die Muslime als Beute genommen haben und in dem sie die Regeln des Islam noch nicht eingeführt haben, das Land des Krieges und das Land des Kufr ist, selbst wenn es unter der Hand von Muslimen steht. Deshalb sagen die Fuqaha (Rechtsgelehrten): „Wird die Beute im Land des Krieges verteilt, so ist es demjenigen, der seinen Anteil genommen hat, erlaubt, darüber durch Handel und auf andere Weise zu verfügen.“ Die Bezeichnungen „Dar al-Kufr“ und „Dar al-Harb“ haben eine Bedeutung, die auf das Land des Feindes und das Land der Schlacht angewendet wird. Ebenso besteht kein Streit darüber, dass das Land des Islam (Dar al-Islam) das Land ist, das sich den Regeln des Islam unterwirft und in dem Muslime herrschen, unabhängig davon, ob seine Einwohner Muslime oder Dhimmis sind. Die Fuqaha sagen außerdem, dass Dar al-Kufr durch das Hervortreten der Regeln des Islam darin zum Dar al-Islam wird; sie waren jedoch uneins darüber, wie das Dar al-Islam zum Dar al-Kufr wird. Einige Mujtahidun sagten, dass das Dar al-Islam nur unter drei Bedingungen zum Dar al-Kufr werde: Erstens das Hervortreten der Regeln des Unglaubens darin. Zweitens, dass es an das Dar al-Kufr grenzt. Drittens, dass darin kein Muslim oder Dhimmi mehr verbleibt, der durch die erste Sicherheit geschützt ist, nämlich die Sicherheit der Muslime. Diese Aussage stützt sich nicht auf einen Beweis; sie ist vielmehr lediglich die Beschreibung des Zustands des Landes. Die offensichtliche Wirklichkeit (dhahir) ist, dass, wenn es zu Kämpfen zwischen Muslimen und Ungläubigen kommt und die Ungläubigen das Land der Muslime einnehmen, sodass der Krieg darauf andauert, in dieser Lage angenommen wird, dass das Dar al-Islam zum Dar al-Kufr geworden und erobert worden ist. Einige Mujtahidun sagten, dass das Dar al-Islam durch das Erscheinen des Kufr darin zu einem Dar al-Kufr werde. Der Grund für diese Aussage ist, dass unser Ausdruck Dar al-Islam und Dar al-Kufr sich auf den Islam und auf den Kufr bezieht. Das Land steht nur dann mit dem Islam oder dem Kufr in Beziehung, wenn der Islam oder der Kufr darin erscheint, so wie das Paradies Dar as-Salaam (Haus des Friedens) und das Feuer Dar al-Bawar (Haus des Verderbens) genannt wird, aufgrund des Friedens im Paradies und des Verderbens im Feuer. Das Erscheinen des Islam oder des Kufr geschieht durch das Erscheinen ihrer Regeln; wenn also die Regeln des Kufr in einem Land erscheinen, ist es zu einem Dar al-Kufr geworden, und die Beziehung ist richtig. Entsprechend wird das Land durch das Erscheinen der Regeln des Islam darin zu einem Dar al-Islam, ohne weitere Bedingungen, und ebenso wird es durch das Erscheinen der Regeln des Kufr darin zu einem Dar al-Kufr.
The “dar” in the language is the halting place, the house and the land. The “dar” is used in the language upon the tribe, and the land of war (dar al-harb) is the land of the enemy. There is no disagreement that the land of the disbelievers in which the disbelievers reside and rule therein by disbelief is the land of war and the land of disbelief. Similarly there is no disagreement that the land of the battlefield which the Muslims took as booty wherein they have not yet established the rules of Islam is the land of war and the land of kufr even if it were under the hand of Muslims. This is why the fuqaha (jurisprudents) say: ‘If the booty is divided in the land of war, it is allowed for the one who took his portion to dispose it via trade and otherwise.’ The word ‘dar al-kufr’ and ‘dar al-harb’ have one meaning which is used upon the land of the enemy and the land of the battle. Similarly there is no disagreement that the land of Islam (Dar al-Islam) is the land that submits to the rules of Islam and Muslims rule in it, whether its inhabitants are Muslims or dhimmis. The fuqaha also say that Dar al-Kufr becomes Dar al-Islam by the appearance of the rules of Islam in it; however they differed as to how Dar al-Islam becomes Dar al-Kufr. Some mujtahideen said that Dar al-Islam does not become a Dar al-Kufr except by three conditions: firstly, the appearance of the rules of kufr in it. Secondly, that it comes to border the Dar al-Kufr. Thirdly, that there does not remain in it any Muslim or dhimmi secured by the first security which is the security of Muslims. This statement is not based upon evidence; rather it is merely the description of the reality of the land. The reality (dhahir) is that when there occurs fighting between Muslims and disbelievers and the disbelievers take the land of Muslims so the war continues upon it, in this situation it is considered that the Dar al-Islam became a Dar al-Kufr and has been conquered. Some mujtahideen said that the Dar al-Islam becomes a Dar al-Kufr by the appearance of kufr therein. The reason of this statement is that our saying Dar al-Islam and Dar al-Kufr is related to Islam and to kufr. The land is only related to Islam or kufr by the appearance of Islam or kufr in it just as Paradise is called the abode of peace (dar as-salaam) and the Fire is the abode of destruction (dar al-bawar) due to the existence of peace in Paradise and destruction in the Fire. The appearance of Islam or kufr is by the appearance of their rules so if the rules of kufr appear in a land it has become a Dar al-Kufr and the relationship is correct. Accordingly the land becomes a Dar al-Islam by the appearance of the rules of Islam within it without other conditions, and similarly it becomes Dar al-Kufr by the appearance of the rules of kufr within it.
Solange es um die Wirklichkeit des Landes geht, spielt die Frage, ob das Land an das Dar al-Kufr, also das Dar al-Harb, grenzt oder nicht, bei seiner Beurteilung keine Rolle, da alle Grenzen der islamischen Länder an das Dar al-Harb, also das Dar al-Kufr, grenzen. Dennoch sind sie aufgrund des Ijma' der Sahaba Dar al-Islam. Wäre dies eine Bedingung, so würden alle Grenzen zu Dar al-Kufr. Auch das Versäumnis, die Sicherheit zu berücksichtigen, die Sicherheit der Muslime, wenn man jenes Land als Dar al-Islam ansieht, führt dazu, die islamischen Länder als unter der Herrschaft von Ungläubigen stehend und deren Sicherheit als Dar al-Islam zu betrachten, obwohl sie, wenn sie nach dem Islam regieren, als Dar al-Islam gelten, obwohl die Muslime unter der Sicherheit der Ungläubigen stehen und nicht unter der Sicherheit der Muslime. Die Wahrheit ist: Bei der Beurteilung des Landes als Dar al-Islam oder Dar al-Kufr müssen zwei Dinge betrachtet werden: erstens die Herrschaft nach dem Islam und zweitens die Sicherheit durch die Sicherheit der Muslime, also durch ihre Autorität. Vereint das Land diese beiden Elemente, das heißt, es herrscht nach dem Islam und die Sicherheit beruht auf der Sicherheit der Muslime, also auf ihrer Autorität, so wird es zu einem Dar al-Islam und wandelt sich von einem Dar al-Kufr zu einem Dar al-Islam. Verliert es hingegen eines der beiden, so wird es nicht zum Dar al-Islam. Ebenso gilt: Regiert das Dar al-Islam nicht nach der Herrschaft des Islam, so ist es ein Dar al-Kufr. Gleiches gilt, wenn es nach dem Islam regiert, seine Sicherheit aber nicht auf der Sicherheit der Muslime, also ihrer Autorität, beruht, sondern auf der Sicherheit der Ungläubigen, also ihrer Autorität; dann wird es ebenfalls zu einem Dar al-Kufr. Daher sind heute alle Länder der Muslime Dar al-Kufr, weil sie nicht nach dem Islam regieren. Ebenso bleibt es ein Dar al-Kufr, wenn Ungläubige dort einen Muslim einsetzen, der nach den Regeln des Islam herrscht, er jedoch unter ihrer Autorität steht, sodass seine Sicherheit auf ihrer Sicherheit beruht; es bleibt ein Dar al-Kufr. Um das Land der Muslime in ein Dar al-Islam zu verwandeln, muss die Herrschaft des Islam dort errichtet werden, und seine Sicherheit muss die Sicherheit der Muslime sein. e. durch deren Autorität. Dementsprechend zeigt die Wirklichkeit der Länder, dass sie mit Kufr oder Islam beschrieben wird, mit Blick auf die Herrschaft und mit Blick auf die Sicherheit, denn dies gehört zu den Erfordernissen der Herrschaft. Verliert das Dar al-Islam die Herrschaft durch den Islam oder ist die Autorität nicht in den Händen der Muslime, so wird es durch den Verlust einer dieser beiden Bedingungen zum Dar al-Kufr. Die Bedingung dafür, dass das Land ein Dar al-Islam bleibt, ist seine Herrschaft nach dem Islam und seine Autorität in den Händen der Muslime. Das Dar al-Kufr hingegen wird nur dann zu einem Dar al-Islam, wenn es nach dem Islam regiert wird und seine Autorität in den Händen der Muslime liegt; werden diese beiden Dinge nicht erfüllt, bleibt es ein Dar al-Kufr. Die Herrschaft nach dem Islam und die Autorität in den Händen der Muslime sind beide verpflichtend, wenn das Land als Dar al-Islam bezeichnet werden soll.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Eigenschaft eines Landes, ein Dar al-Kufr oder ein Dar al-Islam zu sein, mit der Wirklichkeit des Landes zusammenhängt. Das Wort „Land“ (arḍ) wird im Sprachgebrauch auf den Stamm angewendet, und Dar al-Harb ist das Land des Feindes. Wir sagen Dar al-Harb und Dar al-Islam, und wir sagen Dar al-Kufr und Dar al-Islam; beides hat dieselbe Bedeutung. Dies liegt daran, dass den Muslimen befohlen ist, Krieg zu führen, d. h. zu kämpfen, bis die Menschen sagen: „Es gibt keinen Gott außer Allah“, oder bis sie sich den Regeln des Islam unterwerfen. Unterwerfen sie sich den Regeln des Islam, so wird der Kampf von ihnen aufgehoben, selbst wenn sie Ungläubige bleiben. Treten sie nicht unter die Herrschaft des Islam, so wird gegen sie gekämpft. Der Grund für den Kampf gegen sie ist ihr Unglaube, da sie dem da‛wah nicht folgen, und der Grund für das Einstellen des Kampfes ist ihre Annahme der Regeln des Islam. Werden sie vom Islam beherrscht und bleiben sie dennoch Ungläubige, so besteht der Grund für das Einstellen des Kampfes fort, und die Beendigung des Krieges ist geboten. Dies zeigt, dass ihre Herrschaft durch den Islam es ist, die ihr Land von einem Dar al-Kufr in ein Dar al-Islam verwandelt. Die Herrschaft des Islam ist also das, wovon das Fortdauern oder Beenden des Krieges abhängt, was zeigt, dass die Eigenschaft, die bestimmt, ob das Land ein Dar al-Islam oder ein Dar al-Kufr ist, die Herrschaft durch den Islam ist. Die Bedeutung von „Herrschaft“, also Autorität, besteht darin, dass die innere und äußere Sicherheit durch sie gewährleistet wird, das heißt durch die Autorität des Islam; andernfalls wäre sie von ihrer Eigenschaft als Herrschaft getrennt. Dementsprechend sind die Herrschaft durch den Islam und die Sicherheit jene Dinge, die zu seinen notwendigen Merkmalen gehören und die beiden Angelegenheiten sind, welche die Eigenschaft des Landes als Dar al-Islam oder Dar al-Kufr bestimmen. Der Beweis dafür ist auch, dass, wenn der Khalifat, also das Staatsoberhaupt, nicht durch den Islam herrscht und nach den Regeln des Unglaubens regiert, es den Muslimen zur Pflicht wird, gegen ihn zu kämpfen, bis er durch den Islam herrscht. Ebenso wird es dem Imam zur Pflicht, gegen die Muslime zu kämpfen, wenn sie die Regeln des Islam verlassen, bis sie zu den Regeln des Islam zurückkehren. Dies wird auch dadurch deutlich, dass die Anwendung der Regeln des Islam zum Krieg gegen denjenigen führt, der nicht nach ihnen regiert, selbst wenn er ein Muslim ist. Daran erkennt man das Zeichen, woran bekannt wird, dass das Land ein Dar al-Kufr ist. Dar al-Kufr und Dar al-Harb haben eine gleiche Bedeutung, und zwar aufgrund der Beziehung des Landes zu einer bestimmten Verbindung und ihrer Eigenschaft. Dar al-Kufr steht also in Beziehung zum Kufr, das Land selbst wird jedoch nicht mit Kufr beschrieben, sondern die Beschreibung ergibt sich aus seiner Herrschaft. Ebenso wird das Dar al-Islam nicht durch den Islam beschrieben, sondern nur seine Herrschaft wird so beschrieben. Hinzu kommt, dass ein erobertes Land, in dem alle Menschen Ungläubige sind, das aber vom Islam regiert wird, ohne Zweifel zu einem Dar al-Islam wird.