„Umar antwortete: „Du musst mir einen Beweis für diese Angelegenheit bringen, sonst werde ich dich bestrafen.“ Abu Musa kam zu uns, während wir saßen, und sein Gesicht war schweißbedeckt. Wir sagten: „Was ist mit dir los?“ Da berichtete er uns und fragte: „Hat einer von euch dieses Hadith gehört?“ Wir erwiderten: „Ja, wir alle haben dieses Hadith gehört.“ Also schickten wir einen Mann von uns, bis er zu Umar kam und es ihm erzählte. ʿAlī sagte: „Wenn ich von dem Propheten Allahs ﷺ ein Hadith gehört hätte, durch das Allah mir Nutzen gebracht hat, und wenn jemand mit mir darüber sprechen würde, würde ich von ihm einen Eid verlangen, und wenn er ihn leistete, würde ich ihm vertrauen.“ Hieraus sehen wir die Sorgfalt der Sahabah in der Überlieferung von Ḥadīth und die äußerste Sorgfalt, die sie bei der Annahme von Berichten walten ließen. Es wird sogar überliefert, dass Umar der Überlieferung der Fāṭima bint Qays (welche besagt, dass einer Frau, die mit drei Talāq-Aussprüchen unwiderruflich geschieden wurde, kein Unterhalt (nafaqa) und keine Unterkunft zusteht) nicht viel Beachtung schenkte. Er sagte: „Wir werden das Buch unseres Herrn und die Sunnah unseres Propheten ﷺ nicht um der Worte einer Frau willen verlassen, denn wir wissen nicht, ob sie es sich eingeprägt oder vergessen hat.“ Damit ist nicht gemeint, dass Umar ihr Ḥadīth deshalb aufgab, weil sie eine Frau ist; vielmehr bedeutet es, dass wir das Buch und die Sunnah nicht um der Worte eines Menschen willen verlassen werden, bei dem nicht bekannt ist, ob er es sich eingeprägt oder vergessen hat. Die ʿIlla (Begründung) ist, ob sie es sich eingeprägt hat oder nicht, und nicht, dass sie eine Frau war.
‘Umar replied: “You must bring me an evidence about this matter otherwise I will punish you.” Abu Musa came to us while we were sitting down and his face was sweaty. We said: “What is the matter with you?” So he informed us and asked: “Did anyone of you hear this Hadith?” We replied: “Yes, all of us have heard this (Hadith).” So we sent a man from amongst us till he came to Umar and told him. Ali said: “If I heard a Hadith from the Prophet of Allah which Allah benefited me with it, and if anyone talked to me about it, I would ask for an oath from him, and if he gave it to me then I would trust him.” From this we see the care of the Sahabah in the narration of hadīth and the extreme care they excercised in accepting reports. It has even been narrated that Umar did not give much attention to the narration of Fatimah ibn Qays (which states) that there is no maintenance (nafaqa) or lodging for the woman who has been irrevocably divorced with three pronouncements. He said: We shall not abandon the Book of our Lord or the Sunnah of our Prophet for the speech of a woman for we do not know if she has memorised it or forgotten it. This does not mean (that Umar left her hadīth because) she is a woman, rather what it means is that we will not leave the Book and Sunnah for the speech of someone for whom it is not known whether she has memorised it or forgotten it. The illah (reason) is whether she memorised it or not, and not because she was a woman.
Als nach der Ermordung Uthmans die Fitna (Bürgerkrieg) ausbrach und die Muslime untereinander uneins wurden, bildeten sich infolgedessen verschiedene Gruppen. Die Aufmerksamkeit jeder Gruppe richtete sich darauf, Beweise abzuleiten und Ahadith zu überliefern, die ihre Behauptungen stützten. Manche von ihnen erfanden selbst einen Hadith, wenn sie einen benötigten, um eine Aussage zu untermauern oder einen Beweis für etwas zu erbringen. In dieser Zeit der Unordnung breiteten sich solche Erfindungen stark aus. Nachdem die Fitna (Bürgerkrieg) abgeklungen war, machten sich die Muslime daran, die Ahadith zu überprüfen, und stellten fest, dass sich die Erfindungen weit verbreitet hatten. Daher bemühten sie sich intensiv, die Fälschungen von den echten (Sahih) Ahadith zu trennen.
When the fitna (civil war) ensued after the murder of Uthman and Muslims started to disagree among themselves and different groups were formed as a result. The attention of every group was devoted to deducing evidences and reporting ahadīth which supported their claims. Some of them when they needed a hadīth to support a saying or establish proof for something, they would themselves fabricate a hadīth. There was a proliferation of such fabrications during this period of disorder. After the fitna (civil war) had abated the Muslims embarked upon checking the ahadīth, they found that those fabrications had become widespread. So they worked hard to separate the fabrications from the sound (Sahih) ahadīth.
Und als die Zeit der Sahaba zu Ende ging und die Tabi'un nach ihnen kamen, folgten sie derselben Methode, und sie folgten den edlen Sahaba in ihrer Sorgfalt um das Hadith und dessen Verbreitung auf dem Wege der Überlieferung, bis zur Regierungszeit des gerechten Khalifen 'Umar ibn 'Abd al-'Aziz zu Beginn des zweiten Jahrhunderts der Hidschra. Er ordnete an, dass das Hadith niedergeschrieben werde. Al-Bukhari sagte in seinem Sahih im Kitab al-'Ilm (Das Buch des Wissens), dass 'Umar ibn 'Abd al-'Aziz an Abu Bakr ibn Hazm schrieb: „Suche nach dem, was du an Ahadith des Gesandten Allahs ﷺ finden kannst, und schreibe sie nieder. Ich fürchte um den Verlust der Wissensträger und das Schwinden der Zahl der Gelehrten. Nimm nichts anderes an als das Hadith des Propheten ﷺ, damit du das Wissen verbreitest und dich hinsetzt, um jene zu lehren, die kein Wissen haben, bis sie Wissen erlangen. Wahrlich, das Wissen vergeht nicht, solange es nicht verborgen gehalten wird."
And when the age of the Sahabah had come to an end and the Tabi'un came after them they followed on the same method and they followed the noble Sahabah in their attention to the hadīth and its spread through the medium of narration until the reign of the just Khalifah 'Umar ibn 'Abd al-'Aziz in the beginning of the second Hijri century, He ordered the hadīth to be written down. Bukhari said in his Sahih in the kitab al-'ilm (The Book of Knowledge) that 'Umar ibn 'Abd al-'Aziz wrote to Abu Bakr ibn Hazm: 'Look for what you can find of the ahadīth of the Messenger of Allah and write them down. I fear for the loss of the lessons of knowledge and the dwindling numbers of the scholars. Do not accept anything other than the hadīth of the Prophet so that you may dissiminate knowledge and sit down to teach those who do not have knowldge until they have knowldge. Verily, knowledge does not perish unless it is kept secret'.
Ebenso schrieb er an seine ʿĀmils (Distriktgouverneure) in den großen Städten, dass sie den Ahadīth nachgehen sollten.
Likewise, he wrote to his 'Amils (district governors) in Major towns to pursue the ahadīth.
Als Erster, der die Überlieferungen (ḥadīth) auf Anordnung von ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz niederschrieb, war Muḥammad ibn Muslim ibn ʿUbaid Allāh ibn ʿAbd Allāh ibn Shihāb az-Zuhrī. Er eignete sich Wissen von einer Gruppe junger Gefährten und von angesehenen Nachfolgern der Gefährten an. Danach verbreitete sich das Niederschreiben von ḥadīth in der Generation, die auf die Generation az-Zuhrīs folgte. Zu denjenigen, die ḥadīth sammelten, gehörten Ibn Ǧurarǧ in Mekka, Mālik in Medina, Ḥammād ibn Salama in Basra, Sufyān ath-Thaurī in Kufa, al-Awzāʿī in der Region al-Schām und andere in den verschiedenen islamischen Ländern. Die Sammlungen dieser Gelehrten vermischten sich mit den Aussprüchen der Gefährten und den Rechtsgutachten (fatwās) der Nachfolger. All dies geschah im zweiten Jahrhundert nach der Hijra. Anfang des dritten Jahrhunderts begannen dann die Überlieferer von ḥadīth, eigene Sammlungen und Abhandlungen zu verfassen. Das Sammeln von ḥadīth setzte sich ununterbrochen fort bis zum Auftreten des Imams al-Buḫārī. Er zeichnete sich in der Wissenschaft des ḥadīth aus und verfasste sein berühmtes Werk Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, in dem er jene ḥadīth anführte, die er als authentisch erachtete. Ihm folgte Muslim ibn al-Ḥaǧǧāǧ, ein Schüler al-Buḫārīs, der sein bekanntes Werk Ṣaḥīḥ Muslim schrieb. Diese beiden Werke werden als die „Ṣaḥīḥayn“ (die beiden authentischen Werke) bezeichnet.
The first one to record the hadīth in accordance with the order of 'Umar ibn 'Abd al-'Aziz was Muhammad ibn Muslim ibn 'Ubayd Allah ibn 'Abd Allah ibn Shihab az-Zuhri. He learned knowledge from a group of young Sahabah and senior Tabi’een. Then the recording of hadīth became widespread in the generation which followed the generation of az-Zuhri. From among those who collected the hadīth they were Ibn Jurayj in Makkah, Malik in Madinah, Hammad ibn Salama in Basra, Sufyan al-Thawri in Kufa, Al-Awza’i in the al-Sham region and others in the various Islamic lands. The hadīth collections of those people were mixed with the sayings of Sahabah and the fatwas (legal verdicts) of the Tabi’een. All this was in the second century A.H (After Hijra). Then the transmitters of hadīth began to write their own compilations and compositions in the beginning of the third century. Compilation of hadīth continued consecutively until the appearance of Imam Bukhari. He was distinguished in the science of hadīth and he wrote his renowned book ; Sahih al-Bukhari in which he quoted those hadīth which he perceived to be authentic. He was followed in his tracks by Muslim ibn al-Hajjaj who was a student of Bukhari. He wrote his famous book: Sahih Muslim. Those two works are designated as the 'Sahihayn' (the two Sahih works).
Als die Imame der Hadith-Überlieferung begannen, die Ḥadīthe niederzuschreiben, zeichneten sie diese so auf, wie sie sie vorfanden. Sie ließen in der Mehrzahl der Fälle nichts von dem weg, was zu ihnen gelangt war, außer dem, was als erfunden und zusammengedichtet bekannt war. Sie stellten sie mit ihren Isnāden so zusammen, wie sie sie vorgefunden hatten, und untersuchten dann genau den Status der Überlieferer, bis sie sicher waren, wessen Überlieferung angenommen werden kann, wessen Überlieferung zurückzuweisen ist und wessen Überlieferung sie nicht annehmen konnten. Dem folgten sie mit einer Untersuchung des Berichts und des Status der Überlieferung nach, denn nicht alles, was von einem Überlieferer berichtet wird, der sich durch Vertrauenswürdigkeit und Genauigkeit auszeichnet, kann übernommen werden, da auch er für Vergesslichkeit oder Irrtum anfällig ist.
When the imams of hadīth began to record the hadīth, they recorded them in the manner in which they found them. They did not omit anything that reached them in the majority of cases except what was known to be fabricated and concocted. They compiled them with their isnāds as they found them, and then they rigorously investigated the status of the transmitters until they were certain of whose narration could be accepted, and whose narration is to be rejected and whose narration they could notaccept. They followed that up with a study of the report and the status of the narration because everything that is narrated by a transmitter who is characterised with trustworthiness and accuracy cannot be taken because he is susceptible to forgetfulness or error.
Hadīth war ein weites Feld, das alle islamischen Disziplinen umfasste. Es schloss die tafsīr (Koranexegese), die Gesetzgebung und die Sīrah ein. Der Überlieferer des Hadīths erzählte einen Hadīth, der die tafsīr eines Verses des Edlen Korans enthielt, oder einen Hadīth, der eine Entscheidung zu einem Vorfall enthielt, oder er erzählte einen Hadīth, der eine der Schlachten erwähnte, und so weiter. Als die Muslime begannen, die Ahadīth zu sammeln, und der Hadīth niedergeschrieben wurde, begann in den verschiedenen Städten des Staates die Sammlung von Hadīth. Die Sammlung von Hadīth sonderte die Ḥadīthe des Gesandten Allahs ﷺ von allem anderen ab. Dadurch wurde der Hadīth unabhängig von der Fiqh, genauso wie er unabhängig von der tafsīr wurde. Dies geschah am Ende der ersten zweihundert Jahre. Danach war die Bewegung zur Sammlung von Hadīth lebendig, und die Sammler trennten die authentischen Ḥadīthe von den schwachen, beschrieben die Männer (Überlieferer) und fällten ein Urteil, ob zu ihren Gunsten oder gegen sie.
Hadīth was a broad topic which encompassed all the Islamic disciplines. It included tafsīr (Qur’ānic exegesis), legislation and the Sīrah. The hadīth transmitter would narrate a hadīth which would include the tafsīr of an ayah of the Noble Qur’ān, or a hadīth which contained a ruling on an incident, or he would narrate a hadīth which would mention one of the battles, and so on and so forth. When the Muslims began to collect the ahadīth and the hadīth came to be put down in writing, the compilation of hadīth began in the various cities of the State. The compilation of hadīth singled out the hadīth of the Messenger from everything other than it. Due to this the hadīth became independent from the fiqh just as it became independent from the tafsīr. This was at the end of the first two hundred years. Afterwards the movement for the collection of hadīth was active and the compilers separated the sound hadīth from the weak ones, describing the men (transmitters) and passing a ruling whether in favour or against them.