Hujjiyat (Beweiskraft/Gültigkeit als Beleg) des Al-Istishaab und die Adillah (Belege) für dessen Anwendung
Hujjiyat (proof Of Validity Of) Al-istishaab And The Adillah For Utilising It
1 – Die festgestellte Rechtsentscheidung (Hukm Ath-Thaabit) aus der Vergangenheit bleibt bestehen, solange die Änderung dieses Hukm nicht gesichert bestätigt ist. Denn eine durch Gewissheit (Yaqeen) festgestellte Angelegenheit verschwindet nur durch Gewissheit.
1 – The Hukm Ath-Thaabit (established ruling) in the past remains as longs as the change of that Hukm has not been confirmed. That is because the matter established by certainty (Yaqeen) does not go away except by certainty.
Wer die Waschung (Wudu') für das Gebet vollzieht und dann Zweifel daran hat, ob sie gebrochen wurde, betet mit seiner Waschung so viel, wie er beten möchte. Das liegt daran, dass überliefert wurde, dass ein Mann mit Zweifel zum Gesandten Allahs ﷺ kam und sagte: „Der Mensch meint, dass etwas in seinem Gebet geschieht.“ Da sagte er ﷺ:
So the one who makes Wudoo’ for the Salaah and then has doubt in respect to breaking the Wudoo’, prays with his Wudoo’ as much as he wishes to pray. That is because it has been related that a man came to the Messenger of Allah (saw) with doubt and said: “The person perceives that something happens in his Salaah”. He (saw) said:
„Er geht nicht (mit Nachdruck) fort, bis er ein Geräusch hört oder einen Geruch wahrnimmt“ (überliefert von Muslim).
“He does not (with emphasis) leave until he hears a sound or finds a smell” (Related by Muslim).
Daher hat die Fortdauer bzw. das Fortbestehen einer Sache, deren Vorhandensein feststeht, Vorrang vor ihrem Nichtvorhandensein, während ein Zweifel daran sie nicht aufhebt. Dies ist es, worauf das Ḥadīth des Gesandten Allahs ﷺ hinweist, und daher wird die Istiṣḥāb der Wudū' aus der Vergangenheit nicht durch einen Zweifel (Shakk) in der Gegenwart aufgehoben, sondern sie bleibt bestehen. Ist die Person sich jedoch sicher, dass das, was sie ungültig macht, eingetreten ist, so besteht sie nicht mehr.
Therefore, the continuance or remaining of a matter that has been determined to be present remains predominant over its absence whilst doubt in respect to it does not remove it. This is what the Hadeeth of the Messenger of Allah (saw) has guided to and as such the Istishaab of the Wudoo’ from the past is not removed by doubt (Shakk) in the present but rather it remains present. Then if the person is certain about the occurrence of that which invalidates it, it is no longer present.
2 – Der Gesandte Allahs ﷺ sagte:
2 – The Messenger of Allah (saw) said:
„Wahrlich, ich bin nur ein Mensch, und Streitfälle werden vor mich gebracht. Vielleicht ist der eine von ihnen beredter als der andere, und so glaube ich ihm, dass er die Wahrheit sagt, und entscheide zu seinen Gunsten. Wem ich also zum Nachteil des Rechts eines Muslims zu seinen Gunsten entscheide, dem wird es nur ein Stück des Höllenfeuers sein …“ (Al-Bukhari)
“Verily I am only a man and disputes are presented before me. So it might be that some of them are more eloquent than others and so I believe him to be truthful and judge in his favour. So the one whom I have judged in his favour at the expense of a Muslim’s right then it will only be a piece of the hell-fire…” (Al-Bukhari)
Dies begründet das Urteilen nach dem Offensichtlichen, also dem, was im Streitfall vorgebracht wird. Das Offensichtliche ist das, bei dem der Hukm einer Sache in der Vergangenheit bereits feststand; daher muss das Urteil dem Offensichtlichen entsprechen. Behauptet dann jemand das Gegenteil des Offensichtlichen, so muss er einen Daleel beibringen, der seine Behauptung stützt. Andernfalls bleibt die Sache in Bezug auf den Hukm so, wie sie in der Vergangenheit war, und dies stellt die Wirklichkeit von Al-Istishaab dar. Al-Istishaab ist das Urteilen über eine Sache in der Gegenwart auf der Grundlage ihrer Bestätigung (beziehungsweise Feststellung) in der Vergangenheit, also zuvor.
This establishes passing judgment upon what is apparent i.e. that which is heard in the dispute. The apparent matter is that which the Hukm of a matter has been confirmed for it in the past and so the Hukm must be in accordance to what is apparent. If someone then claims the contrary to what is apparent, then he must bring a Daleel that supports his claim. Otherwise the matter stays as it was in the past in respect to the Hukm and this represents the reality of Al-Istishaab. It is the passing of judgment upon a matter in the present based upon its affirmation (or having been established) in the past i.e. previously.
3 – Wenn das, was in der Vergangenheit hinsichtlich des Bestehens einer Sache, einer Eigenschaft oder eines Dings festgestellt oder bestätigt wurde, und dessen Verschwinden nicht offenkundig geworden ist, dann ist es durch Daroorah (Notwendigkeit) erforderlich, anzunehmen (Zhann), dass es in der Gegenwart so fortbesteht, wie es zuvor war. Dies gilt in dem Fall, in dem es für die Ahkaam Ash-Shar'iyah Waajib ist, mit Zhann zu arbeiten, und zwar in dem Fall, in dem die Ahkaam Ash-Shar'iyah auf Ghalabat Azh-Zhann (überwiegende Wahrscheinlichkeit) aufgebaut sind, und wo Al-Istishaab bedeutet, das Hukm über die Sache in der Gegenwart zu fällen, gestützt auf ihre Bestätigung und ihre Feststellung in der Vergangenheit.
3 – If that which has been established or confirmed in the past in terms of the existence of a matter, description or thing, and its disappearance has not become apparent, then it is necessary by Daroorah (necessity) for to be thought (Zhann) to be remaining in the present time, as it had been before that. This is in the case where working with Zhann in respect to the Ahkaam Ash-Shar’iyah is Waajib in the case where the Ahkaam Ash-Shar’iyah are built upon Ghalabat Azh-Zhann (preponderance/what is most likely) and where Al-Istishaab represents passing the Hukm upon the matter in the present based upon its confirmation and having been established in the past.
Diese drei Punkte stellen einen Daleel (Beleg) dafür dar, dass die Istishaab als eine Qaa'idah Shar'iyah (islamrechtliche Grundregel) angewendet werden soll. Das bedeutet, dass es erlaubt ist, auf ihr Verzweigungen (At-Tafree') vorzunehmen. Daher gilt: Bei dem, dessen Vorhandensein oder Bestehen festgestellt oder bestätigt wurde und dessen Verschwinden sich nicht offenbart hat, ist sein Fortbestehen oder Fortdauern vorherrschend (Ghalaba 'Alaa zh-Zhann).