„ʿAbasa“ (Das Stirnrunzeln) 1–42
`Abasa (The Frowning) 1-42
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
In the Name of God, the Lord of Grace, the Ever Merciful.
Er runzelte die Stirn und wandte sich ab (1)
He frowned and turned away (1)
als der Blinde zu ihm kam. (2)
when the blind man came to him. (2)
„Woran konntest du das erkennen? Vielleicht wollte er sich reinigen. (3)"
How could you tell? He might have sought to purify himself. (3)
Er hätte sich vielleicht ermahnen lassen, und die Ermahnung hätte ihm vielleicht genützt. (4)
He might have been reminded and the reminder might have profited him. (4)
Aber wer sich selbst für autark hält (5)
But to the one who considered himself self- sufficient (5)
Du warst ganz Aufmerksamkeit. (6)
you were all attention. (6)
Doch wäre es nicht deine Schuld, wenn er ungereinigt bliebe. (7)
Yet the fault would not be yours if he remained uncleansed. (7)
Wer aber mit Eifer zu dir kommt, (8)
As to him who comes to you with zeal, (8)
und mit einem Gefühl der Furcht in seinem Herzen, (9)
and with a feeling of fear in his heart, (9)
ihn ignorierst du. (10)
him you ignore. (10)
Nein, gewiss! Dies ist eine Ermahnung. (11)
No indeed! This is an admonition. (11)
Wer will, behalte es im Gedächtnis. (12)
Let him who will, bear it in mind. (12)
Es steht auf geehrten Blättern, (13)
It is written on honoured pages, (13)
erhaben, gereinigt, (14)
exalted, purified, (14)
„durch die Hände edler und frommer Schreiber." (15-16)
by the hands of noble and devout scribes. (15-16)
Verdammt sei der Mensch! Wie undankbar er ist! (17)
Perish man! How ungrateful he is! (17)
Woraus hat Gott ihn erschaffen? (18)
Of what did God create him? (18)
aus einem Tropfen Samen. Er erschuf ihn und bildete ihn wohlgeformt. (19)
Of a drop of sperm. He created him and proportioned him. (19)
Er macht ihm seinen Weg leicht. (20)
He makes his path smooth for him. (20)
Dann lässt Er ihn sterben und legt ihn in sein Grab. (21)
He then causes him to die and puts him in his grave. (21)
Er wird ihn gewiss wieder zum Leben erwecken, wann immer Er will. (22)
He will surely bring him back to life when He pleases. (22)
Doch keineswegs hat der Mensch Seinen Befehl erfüllt.
But by no means has man fulfilled His bidding.
(23)
(23)
Der Mensch möge über die Speise nachdenken, die er isst: (24)
Let man reflect on the food he eats: (24)
Wie Wir den Regen in Strömen herabgießen,
how We pour down the rain in torrents, (25)
und lässt die Erde in Spalten aufbrechen; (26)
and cleave the earth in fissures; (26)
Wie lassen Wir das Getreide hervorkommen? (27)
how We bring forth the corn, (27)
die Weintrauben und das frische Grün, (28)
the grapes, and the fresh vegetation, (28)
Die Olive und die Dattelpalme (29)
the olive and the palm, (29)
die dicht bewachsenen Gärten, (30)
the dense-treed gardens, (30)
die Obstbäume und die grünen Weiden, (31)
the fruit-trees and the green pastures, (31)
zum Genuss für euch und euer Vieh. (32)
for you and your cattle to delight in. (32)
Doch wenn der überwältigende Schall ertönt, (33)
But when the stunning blast is sounded, (33)
An jenem Tag wird jeder seinen Bruder im Stich lassen, (34)
on that day everyone will forsake his brother, (34)
seine Mutter und sein Vater, (35)
his mother and his father, (35)
seine Frau und seine Kinder: (36)
his wife and his children: (36)
Jeder von ihnen wird an jenem Tag genug eigene Sorgen haben. (37)
for each one of them will on that day have enough preoccupations of his own. (37)
An jenem Tag werden manche Gesichter strahlend sein,
Some faces on that day shall be beaming, (38)
lächelnd und fröhlich. (39)
smiling and joyful. (39)
Und andere Gesichter werden an jenem Tag mit Staub bedeckt sein, (40)
Some other faces on that day shall be covered with dust, (40)
von Dunkelheit verhüllt. (41)
veiled with darkness. (41)
Dies werden die Gesichter der Ungläubigen sein, der Verstockten in der Sünde. (42)
These shall be the faces of the unbelievers, the hardened in sin. (42)
Überblick
Overview
Diese Sure behandelt bestimmte Grundsätze von höchster Bedeutung. Sie ist einzigartig in ihren Bildern und den Eindrücken, die sie hinterlässt. Darüber hinaus verbindet sie ihre ausgeprägte geistliche Wirkung mit einem hervorragenden musikalischen Rhythmus.
This sūrah discusses certain principles of grave importance. It is unique in its images and the impressions it leaves. Furthermore, it combines its marked spiritual effect with superb musical rhythm.
Der erste Teil behandelt einen bestimmten Vorfall, der sich in den frühen Tagen des Islams ereignete.
Its first part treats a certain incident which took place in the early days of Islam.
Der Prophet (Friede sei mit ihm) war gerade mit einigen Würdenträgern der Quraisch beschäftigt, denen er die islamische Botschaft erklärte, als Ibn Umm Maktūm, ein armer blinder Mann, ihn unterbrach. Ohne zu wissen, dass der Prophet beschäftigt war, bat der Blinde ihn immer wieder, ihm einige Verse aus dem Qur'an beizubringen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) war über diese Unterbrechung nicht sehr erfreut. Er runzelte die Stirn und wandte sich von Ibn Umm Maktūm ab. Diese Sure beginnt mit einer Kritik am Verhalten des Propheten in diesem Vorfall. Sie legt klar die Werte und Grundsätze fest, auf denen die islamische Gesellschaft gründet, und benennt das wahre Wesen der Botschaft des Islam. „Er runzelte die Stirn und wandte sich ab, als der Blinde zu ihm kam. Wie könntest du wissen, ob er nicht vielleicht danach strebte, sich zu reinigen? Oder ob er ermahnt worden wäre und die Ermahnung ihm genützt hätte? Dem aber, der sich selbst für genügsam hielt, schenktest du all deine Aufmerksamkeit. Doch dir würde es nicht zur Last gelegt, wenn er sich nicht reinigen ließe. Wer aber zu dir mit Eifer kommt und mit Furcht im Herzen, den vernachlässigst du. Nein, keineswegs! Dies ist eine Ermahnung. Wer will, möge sie behalten. Sie steht auf geehrten Blättern, erhaben, rein, in den Händen edler und frommer Schreiber.“ (Verse 1–16)
The Prophet (peace be upon him) was busy with a few Quraysh dignitaries, explaining to them the Islamic message, when Ibn Umm Maktūm, a poor blind man, interrupted him. Unaware that the Prophet was busy, the blind man asked him repeatedly to teach him some verses from the Qur’ān. The Prophet (peace be upon him) was not very pleased at this interruption. He frowned and turned away from Ibn Umm Maktūm. This sūrah opens by criticizing the Prophet’s behaviour in this incident. It lays down clearly the values and principles upon which Islamic society is founded and states the true nature of the message of Islam. “He frowned and turned away when the blind man came to him. How could you tell? He might have sought to purify himself. He might have been reminded and the reminder might have profited him. But to the one who considered himself self-sufficient you were all attention. Yet the fault would not be yours if he remained uncleansed. As to him who comes to you with zeal, and with a feeling of fear in his heart, him you ignore. No indeed! This is an admonition. Let him who will, bear it in mind. It is written on honoured pages, exalted, purified, by the hands of noble and devout scribes.” (Verses 1-16)
Die Grundlage der sozialen Werte
The Basis of Social Values
Er runzelte die Stirn und wandte sich ab, als der Blinde zu ihm kam. Woran konntest du das erkennen?
He frowned and turned away when the blind man came to him. How could you tell?
Vielleicht hat er danach getrachtet, sich zu läutern. Vielleicht hat er sich ermahnen lassen, und die Ermahnung hätte ihm genützt. Doch dem, der sich für selbstgenügsam hält, schenktest du deine ganze Aufmerksamkeit. Doch es wäre nicht deine Schuld, wenn er ungeläutert bleibt. Wer aber zu dir kommt, voller Eifer und mit Furcht im Herzen, dem wendest du dich nicht zu. Keineswegs! Dies ist eine Ermahnung. Wer will, der behalte sie im Gedächtnis. Sie steht auf geehrten Blättern, erhaben, rein, in den Händen edler und frommer Schreiber. (Verse 1-16)
He might have sought to purify himself. He might have been reminded and the reminder might have profited him. But to the one who considered himself self- sufficient you were all attention. Yet the fault would not be yours if he remained uncleansed. As to him who comes to you with zeal and with a feeling of fear in his heart, him you ignore. No indeed! This is an admonition. Let him who will, bear it in mind. It is written on honoured pages, exalted, purified, by the hands of noble and devout scribes. (Verses 1-16)
Die göttlichen Anweisungen, die auf dieses Ereignis folgten, reichen weit tiefer, als es auf den ersten Blick scheint. Sie sind in der Tat ein Wunder. Diese Anweisungen, die Grundsätze, die sie festlegen wollen, und der Wandel, den sie in der menschlichen Gesellschaft bewirken wollen, sind vielleicht das bedeutendste Wunder des Islams. Doch werden die Anweisungen hier als unmittelbarer Kommentar zu einem einzelnen Ereignis gegeben. Es gehört zur Methode des Qur'ān, einzelne Ereignisse zu nutzen, um grundlegende und dauerhafte Prinzipien festzulegen. Die hier etablierten Prinzipien und ihre praktischen Auswirkungen, wie sie in der frühen islamischen Gesellschaft sichtbar wurden, sind in der Tat das Wesen des Islams. Sie stellen die Wahrheit dar, die der Islam und alle göttlichen Religionen, die ihm vorausgingen, im menschlichen Leben verankern wollen.
The divine instructions which followed this incident are much more far reaching than appears at first sight. They are indeed a miracle. These instructions, the principles they seek to establish and the change they aim to accomplish in human society are, perhaps, the most important miracle of Islam. But the instructions are made here as a direct comment on a single incident. It is part of the Qur’ānic method to make use of isolated incidents in order to lay down fundamental and permanent principles. The principles established here and their practical effects, as seen in the early Islamic society, are indeed the essence of Islam. They constitute the truth which Islam, and all divine religions that preceded it, seek to plant in human life.
Wer hat Vorrang?
Who Takes Priority?
Betrachten wir nun den Vorfall selbst. Ibn Umm Maktūm, ein armer blinder Mann, kommt zum Propheten ﷺ zu einer Zeit, in der dieser mit einer Gruppe der mächtigsten und einflussreichsten Persönlichkeiten Makkas beschäftigt ist, darunter ʿUtbah und Shaybah, die Söhne von Rabīʿah, Abū Jahl, ʿAmr ibn Hishām, Umayyah ibn Khalaf und al-Walīd ibn al-Mughīrah. Anwesend ist auch al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, der Onkel des Propheten ﷺ. Es ist ein entscheidendes Treffen. Der Prophet ﷺ erklärt ihnen die Botschaft des Islam und hofft auf eine wohlwollende Antwort. Er ist überzeugt, dass die Sache des Islam aus einer solchen Antwort großen Gewinn ziehen würde. Der Islam steht in Makkah vor schwierigen Zeiten. Eben jene Personen setzen ihren ganzen Reichtum, ihre Macht und ihren Einfluss ein, um seine Ausbreitung zu verhindern und die Menschen davon abzuhalten, ihn anzunehmen. Sie haben es geschafft, den Islam in Makkah zum Stillstand zu bringen und sein Fortschreiten andernorts zu behindern. Außerhalb Makkas haben die anderen Stämme eine abwartende Haltung eingenommen. Denn sie empfinden dies als ihre beste Position in einer Gesellschaft, die der Haltung des Stammes größte Bedeutung beimisst. Sie sind sich bewusst, dass gegen Muḥammad, den Propheten des Islam, seine eigenen Verwandten stehen, die, theoretisch betrachtet, seine eifrigsten Unterstützer sein müssten.
Let us now consider the incident itself. Ibn Umm Maktūm, a poor blind man, comes to the Prophet (peace be upon him) at a time when he is busy with a group of the most powerful and influential personalities in Makkah, including ‘Utbah and Shaybah, sons of Rabī`ah, Abū Jahl, `Amr ibn Hishām, Umayyah ibn Khalaf, al- Walīd ibn al-Mughīrah. Also present is al-`Abbās ibn `Abd al-Muţţalib, the Prophet’s uncle. It is a crucial meeting. The Prophet explains the message of Islam to them and hopes for a favourable response. He feels that the cause of Islam stands to gain much by such a response. Islam is facing a hard time in Makkah. Those very people have been using all their wealth, power and influence to check its advancement, and stop people from accepting it. They have managed to freeze Islam in Makkah and hinder its progress elsewhere. Outside Makkah, the other tribes have adopted an attitude of wait and see. For they feel this to be their best stand in a society which gives paramount importance to the tribe’s attitude. They are aware that against Muĥammad, the Prophet of Islam, stand his own kinsmen, who, theoretically speaking, should be his most ardent supporters.
Es muss betont werden, dass, wenn wir sagen, der Prophet ﷺ beschäftige sich mit diesen Menschen, er dabei kein persönliches Interesse an ihnen hat. Er wirkt schlicht für den Islam.
It must be emphasized that when we say that the Prophet is busy with these people, he has no personal interest in them. He is simply working for Islam.
Ein Tadel und ein Grundsatz
A Reproach And A Principle
Der Prophet war von diesen göttlichen Anweisungen und von dem Tadel Gottes zutiefst bewegt ﷺ. Während seines ganzen Lebens setzte er sich unermüdlich dafür ein, dieses große Prinzip in der islamischen Gesellschaft zu verankern ﷺ.
The Prophet was deeply touched by these divine instructions and by God’s reproof. Throughout his life, he worked tirelessly for the establishment of this great principle in Islamic society.
Die erste Handlung, die er unternahm, bestand darin, diese Anweisungen und den Tadel öffentlich bekanntzugeben. Dies allein ist schon etwas sehr Großes. Von welchem Standpunkt aus man es auch betrachtet: Keine andere Person als ein Gesandter Gottes hätte öffentlich verkündet, dass er für seinen Fehltritt so scharf getadelt worden war. Für jeden anderen großen Mann wäre es genug gewesen, seinen Irrtum zu erkennen und künftige Wiederholungen zu vermeiden. Beim Gesandten Gottes ﷺ jedoch nehmen die Dinge andere Dimensionen an. Keine andere Person als der Gesandte Gottes ﷺ hätte unter den Umständen, in denen sich der Islam damals befand, den Mut aufbringen können, diese Erklärung abzugeben und damit die Oberhäupter der Quraisch herauszufordern, die sehr stolz auf ihre Abstammung, ihre Macht und ihren Reichtum waren.
The first action he took was to announce these instructions and the reproof in public. This in itself is something very great. Taken from any point of view, no person other than a messenger from God would have announced in public that he had been censured so strongly for his slip. It would have been enough for any other great man to recognize his mistake and to avoid any repetition in the future. With God’s Messenger however, things acquire different proportions. No person other than God’s Messenger could have had the courage, in such circumstances as Islam was facing, to make this declaration, challenging with it the masters of the Quraysh, who were very proud of their lineage, power and wealth.
Zu dieser Zeit waren dies die einzigen Gesichtspunkte von wirklicher Bedeutung in der Gesellschaft Makkas, in der die Menschen fragten: „Warum wurde dieser Qur’ān nicht einem bedeutenden Mann aus den beiden Städten offenbart?“ (43: 31) Sie kannten natürlich Muĥammads Abstammung und dass er ein Nachkomme der edelsten Familie Arabiens war. Seine Vorfahren waren Herren über Makkah. Dennoch stellten sie die Frage, weil Muĥammad selbst vor seinem Prophetentum keine Position der Macht in Makkah innehatte.
These were, at the time, the only considerations of any importance in Makkan society, where people wondered: “Why was this Qur’ān not revealed to some great man from the two towns?” (43: 31) They were, of course, aware of Muĥammad’s lineage, and that he was a descendant of the noblest family in Arabia. His ancestors were masters of Makkah. They nonetheless asked the question because Muĥammad himself did not occupy a position of power in Makkah before his prophethood.
Einen neuen Wert vermitteln
Instilling a New Value
Seitdem sind die Werte, die mit diesem großen Grundsatz verbunden sind, vorherrschend geworden. Ihre Durchsetzung war jedoch keineswegs leicht, weder in der arabischen Gesellschaft noch in den Köpfen der Muslime selbst. Durch seine Handlungen und Weisungen, geprägt von der tiefen Wirkung, die die göttlichen Anweisungen in dieser Sure auf ihn hinterlassen hatten, vermochte der Prophet ﷺ diesen grundlegenden islamischen Grundsatz in die Gewissen seiner Gefährten und in das Leben der von ihm gegründeten islamischen Gesellschaft einzupflanzen. Er kümmerte sich mit unermüdlicher Sorgfalt um dieses neue Pflänzchen, bis es tiefe Wurzeln geschlagen und seine Zweige weit ausgebreitet hatte.
Since then the values attached to this great principle have become supreme. Their ascendancy, however, was by no means easy, neither in the Arabian society, nor in the minds of the Muslims themselves. Through his actions and directives, coloured by the profound effect the divine instructions in this sūrah left on him, the Prophet was able to implant this basic Islamic principle into his Companions’ consciences and into the life of the Islamic society he had established. He looked after his new plant with unfailing care until it had established deep roots and spread its branches wide.
Daher blieb dieser Grundsatz über Jahrhunderte hinweg das leitende Prinzip der muslimischen Gemeinschaft.
Hence why this principle remained for centuries the guiding principle of the Muslim community.
Nach diesem Vorfall empfing der Prophet ﷺ Ibn Umm Maktūm stets herzlich.
After this incident the Prophet always welcomed Ibn Umm Maktūm warmly.
Jedes Mal, wenn er ihn traf, sagte er: „Willkommen dem Mann, um dessentwillen mein Herr mich zurechtgewiesen hat.“ Zweimal setzte er ihn als seinen Stellvertreter in Madinah ein, wenn er selbst abwesend sein musste.
Whenever he met him, he said: “Welcome to the man for whose sake my Lord reproved me.” Twice, he appointed him as his deputy governor in Madinah when he himself had to be away.
Der Prophet verheiratete seine eigene Cousine Zaynab bint Jaĥsh aus dem Stamm der Asad mit seinem ehemaligen Sklaven Zayd ibn Ĥārithah. Die Ehe ist stets eine sehr heikle Angelegenheit gewesen, und das galt zu jener Zeit auf der Arabischen Halbinsel in besonderem Maße. Das Ziel des Propheten ﷺ war es, allen gesellschaftlichen Werten und Maßstäben, die auf weltlichen Erwägungen beruhten, einen tödlichen Schlag zu versetzen.
The Prophet married his own cousin Zaynab bint Jaĥsh of the Asad clan to his former slave Zayd ibn Ĥārithah. Marriage has always been a very delicate issue, and it was particularly so in the Arabian Peninsula at that time. The Prophet’s motive was to deal a deadly blow to all the social values and standards based on worldly considerations.
Das Prinzip in der Praxis
The Principle In Practice
Mit dieser göttlichen Weisung und der Rechtleitung des Propheten ﷺ wurde auf einzigartige Weise die Wiedergeburt der Menschheit vollbracht. So entstand eine neue Gesellschaft, die ihre Werte und Maßstäbe vom Himmel bezog und auf der Erde lebte, ohne von irdischen Beschränkungen behindert zu werden. Dies ist das größte Wunder des Islam, ein Wunder, das nur durch den Willen Gottes und durch das Handeln des Propheten ﷺ geschehen konnte. Dieses Wunder ist an sich schon der Beweis dafür, dass der Islam eine von Gott offenbarte Religion ist und dass der Mann, der sie uns überbracht hat, Sein Gesandter ﷺ war.
With this divine instruction and the Prophet’s guidance, the rebirth of humanity was accomplished in a unique manner. Thus a new society came into existence, which imported its values and standards from heaven, and lived on earth, unhampered by earthly restrictions. This is the greatest miracle of Islam; a miracle which could not have happened except by God’s will, and through the Prophet’s actions. This miracle is, in itself, proof that Islam is a religion revealed by God, and that the man who conveyed it to us was His Messenger.
Es entsprach dem göttlichen Willen, dass die Führung der islamischen Gemeinschaft nach dem Tod des Propheten ⹁nacheinander Abū Bakr und ʿUmar übertragen wurde, jenen beiden, die sich des wahren Wesens des Islam am tiefsten bewusst waren und von der Leitung des Propheten am eindrücklichsten geprägt waren. In der Tat übertrafen Abū Bakr und ʿUmar alle anderen in ihrer Liebe zum Propheten ﷺ und in ihrem Entschluss, seinen Fußstapfen sehr genau zu folgen.
It was divine will that leadership of the Islamic society, after the Prophet’s death, should be assigned successively to Abū Bakr and `Umar, the two who were most keenly aware of the true nature of Islam and most vividly impressed by the Prophet’s guidance. Indeed, Abū Bakr and `Umar surpassed everyone else in their love for the Prophet and determination to follow very closely in his footsteps.
Abū Bakr war sich über den Zweck wohl im Klaren, den der Prophet ﷺ damit verfolgt hatte, Usāmah den Oberbefehl zu übertragen. Seine erste Handlung nach seiner Amtsübernahme als Kalif bestand darin, das Heer, das der Prophet ﷺ aufgestellt und Usāmah unterstellt hatte, auf seinen ursprünglichen Auftrag zu schicken. Abū Bakr, der Kalif, begleitete das Heer bis an den Rand von Madinah, um sich zu verabschieden. Es war eine ungewöhnliche Szene: Usāmah saß auf seinem Pferd, während Abū Bakr zu Fuß ging. Usāmah, der junge Befehlshaber, empfand es als peinlich, dass er reiten sollte, während der Kalif, ein alter Mann, zu Fuß gehen musste. Er bat Abū Bakr inständig, ebenfalls zu reiten, andernfalls wolle er neben ihm zu Fuß gehen. Abū Bakr lehnte ab und sagte: „Du sollst nicht zu Fuß gehen, und ich werde nicht reiten. Mir wird es nicht schaden, eine Stunde lang zu Fuß zu gehen, wenn mein Gehen der Sache Gottes dient.“ Abū Bakr hielt es für nötig, dass ʿUmar ihm helfe, die Last der Regierung zu tragen. ʿUmar aber diente als Soldat in Usāmahs Heer, weshalb er Usāmahs Erlaubnis einholen musste, um ihn freizustellen. So sagte der Kalif, das Oberhaupt des Staates, zu seinem Heerführer: „Wenn du meinst, du kannst ʿUmar entbehren, um mir zu helfen, dann tu es bitte!“ Welch eine Bitte! Sie zeugt von höchster Großmut, die nur mit dem Willen Gottes und nur von Menschen erreicht werden kann, die vom Gesandten Gottes ﷺ gut unterwiesen wurden.
2 All diese waren Gelehrte von höchstem Rang, wobei die vier zuerst Genannten Gefährten des Propheten ﷺ waren. Die anderen gaben ihr Wissen an die nachfolgenden Generationen weiter. — Anmerkung des Herausgebers.
2 All these were scholars of the highest calibre, with the four mentioned first being Companions of the Prophet. The others passed on their scholarship to the succeeding generations. — Editor’s note.
3 Diese Angaben beruhen auf Informationen, die A.H. al-Guindi in seinem Buch „Abū Ĥanīfah", Kairo, gibt.
3 These details are based on information given by A.H. al-Guindi in his book Abū Ĥanīfah, Cairo.
4 Der Autor bezieht sich hier auf die ehemalige Sowjetunion, die zu seiner Zeit eine der beiden Supermächte war. — Anmerkung des Herausgebers.
4 The author is referring here to the former Soviet Union, which was one of the two superpowers in his own time. — Editor’s note.
Die arrogante Haltung des Menschen
Man’s Arrogant Attitude
Der zweite Teil der Sure verwundert sich über den Hochmut des Menschen, der sich vom wahren Glauben abwendet. Er wundert sich darüber, wie der Mensch seine demütige Herkunft vergisst und völlig unbekümmert bleibt gegenüber der Fürsorge, die Gott für ihn getragen hat, und gegenüber Seiner vollkommenen Macht über jede Stufe seines Daseins, sowohl in diesem Leben als auch im Jenseits. In seiner Undankbarkeit erfüllt der Mensch keine seiner Pflichten gegenüber seinem Herrn, der ihn erschaffen und erhalten hat und der ihn für seine Taten zur Rechenschaft ziehen wird: „Verflucht sei der Mensch! Wie undankbar er ist! Woraus hat Gott ihn erschaffen? Aus einem Tropfen Samen. Er hat ihn erschaffen und ihm sein Maß gegeben.“
The second part of the sūrah wonders at man’s conceit as he turns his back on the true faith. It wonders at how man forgets his humble origins, and how he remains totally oblivious of the care God has taken of him and His complete power over every stage of his existence, both in this life and in the hereafter. In his ingratitude man fulfils nothing of his duties towards his Lord, who has created and sustained him and who will hold him to account for his actions: “Perish man! How ungrateful he is! Of what did God create him? Of a drop of sperm. He created him and proportioned him.
Er ebnet ihm seinen Weg. Dann lässt Er ihn sterben und legt ihn in sein Grab. Gewiss wird Er ihn wieder lebendig machen, wann immer Er will. Doch keineswegs hat der Mensch Seinen Befehl erfüllt.“ (Verse 17–23)
He makes his path smooth for him. He then causes him to die and puts him in his grave. He will surely bring him back to life when He pleases. But by no means has man fulfilled His bidding.” (Verses 17-23)
„Verdammt sei der Mensch!“ Er verdient den Tod. Die gewählte Ausdrucksweise verstärkt zudem das Gefühl des Entsetzens, das diese abscheuliche Haltung hervorruft. „Wie undankbar er ist!“ Er leugnet mit Nachdruck die Ansprüche seiner Schöpfung. Hätte er diese Ansprüche bedacht, so wäre er seinem Herrn, der ihn erschaffen hat, demütig dankbar gewesen. Er hätte nicht eine solche Eitelkeit gezeigt, und er hätte an das Ende gedacht, dem er sicher entgegengeht.
“Perish man!” He deserves to die. The mode of expression employed also adds to the sense of horror excited by this abominable attitude. “How ungrateful he is!” He strongly denies the claims of his creation. Had he been mindful of these claims he would have been humbly grateful to his Lord who created him. He would not have shown such conceit and he would have remembered the end he is certain to meet.
Tatsächlich, wie kann der Mensch so überheblich und eingebildet sein? Was sind seine Ursprünge: „Aus welchem Stoff hat Gott ihn erschaffen?“ (Vers 18) Seine Herkunft ist sehr niedrig, in der Tat wertlos, außer durch die Gnade Gottes. „Aus einem Tropfen Samen. Er erschuf ihn und bemaß ihn.“ (Vers 19) Ein unbedeutender Tropfen Samen; das ist der Anfang des Menschen. Gott, der Schöpfer, hat ihn dann bemessen. Das arabische Verb, das hier qaddara verwendet wird, bezeichnet ein genaues und sorgfältiges Bemessen. Es bedeutet auch, Gewicht und Wert zu verleihen. So wurde der Mensch erschaffen, geehrt und aus seinen niedrigen Ursprüngen zu einer hohen Stellung erhoben, in der ihm die ganze Welt zur Verfügung gestellt wurde.
Nützliche Betrachtung
Useful Reflection
Als Nächstes lädt die Sūrah den Menschen ein, über seine Nahrung und die seines Viehs nachzudenken, was zu den zahllosen Dingen gehört, die Gott ihm bereitgestellt hat: „Der Mensch möge über die Nahrung nachdenken, die er zu sich nimmt: wie Wir den Regen in Strömen herabgießen und die Erde in Spalten aufbrechen; wie Wir das Korn, die Trauben und das frische Grün hervorbringen, den Olivenbaum und die Dattelpalme, die dichtbelaubten Gärten, die Obstbäume und die grünen Weiden – für euch und euer Vieh zum Genuss.“ (Verse 24–32)
Next, the sūrah invites man to reflect upon his food and that of his cattle, which is one of the great many things God has provided for him: “Let man reflect on the food he eats: how We pour down the rain in torrents, and cleave the earth in fissures; how We bring forth the corn, the grapes, and the fresh vegetation, the olive and the palm, the dense-treed gardens, the fruit trees and the green pastures, for you and your cattle to delight in.” (Verses 24-32)
Dies ist die vollständige Geschichte der Nahrung des Menschen, hier Stufe für Stufe dargelegt. Der Mensch möge darüber nachdenken:
This is the full story of man’s food, related here stage by stage. Let man reflect:
Spielt er darin eine bedeutende Rolle? Kann er deren Verlauf bestimmen oder verändern?
does he play any significant role in it? Can he determine or change its course?
Gewiss, dieselbe Hand, die ihn ins Leben gerufen hat, hat auch die Nahrung hervorgebracht, die ihn am Leben erhält.
Indeed, the same hand which has brought him to life has brought forth the food which sustains him.
„Der Mensch möge über die Nahrung nachdenken, die er isst.“ (Vers 24) Nahrung, die erste Notwendigkeit des menschlichen Lebens, verdient ein paar Gedanken. Sie steht Tag für Tag bereit. Doch dahinter verbirgt sich eine einfache und wunderbare Geschichte. Gerade diese Einfachheit lässt den Menschen jedoch vergessen, wie wunderbar sie ist. Dennoch ist sie ebenso wundersam wie die Erschaffung des Menschen selbst. Jeder Schritt wird vom Höchsten Willen bestimmt, der den Menschen erschafft.
“Let man reflect on the food he eats.” (Verse 24) Food, the first necessity of human life, deserves a few thoughts. It is made readily available day after day. But behind all this is a simple and wonderful story. Yet such simplicity makes man forget its wonder. Nevertheless, it is as miraculous as man’s own creation. Every step is determined by the Supreme Will that creates man.
„Wie Wir den Regen in Strömen herabgießen.“ (Vers 25) Der strömende Regen ist eine Tatsache, die jedem Menschen bekannt ist, wo immer er lebt und unabhängig von seinem Erfahrungs- oder Wissensstand. Er wird daher in dieser Ansprache an alle Menschen aufgegriffen. Mit dem Wachstum des menschlichen Wissens ist er nun in der Lage, die Bedeutung dieses Verses vollständiger zu würdigen. Er weiß, dass sich etwas ereignet hat, lange bevor sich das tägliche Phänomen des Regens etabliert hat. Vielleicht kommt die der Wahrheit am nächsten kommende Theorie über die Entstehung der Ozeane, deren Wasser verdunstet und dann als Regen zurückkehrt, zu dem Schluss, dass sie irgendwo über der Erde entstanden und dann in Strömen herabgegossen wurden. Ein zeitgenössischer Wissenschaftler sagt zu diesem Thema:
5 A. Cressy Morrison, Man Does Not Stand Alone, London, 1962, S. 25–26.
5 A. Cressy Morrison, Man Does Not Stand Alone, London, 1962, pp. 25-26.
Ein Zeichen für die Auferstehung
A Signal For Resurrection
Doch wenn der betäubende Schall ertönt, an jenem Tag wird jeder seinen Bruder, seine Mutter und seinen Vater, seine Gattin und seine Kinder verlassen; denn jeder von ihnen wird an jenem Tag genug eigene Sorgen haben. Manche Gesichter werden an jenem Tag strahlen, lächelnd und freudig. Andere Gesichter werden an jenem Tag mit Staub bedeckt sein, verhüllt von Finsternis. Dies werden die Gesichter der Ungläubigen sein, der Verstockten in der Sünde.
But when the stunning blast is sounded, on that day everyone will forsake his brother, his mother and his father, his wife and his children: for each one of them will on that day have enough preoccupations of his own. Some faces on that day shall be beaming, smiling and joyful. Some other faces on that day shall be covered with dust, veiled with darkness. These shall be the faces of the unbelievers, the hardened in sin. (Verses 33-42)
Dies ist das Ende aller Freude und jeglichen Genusses. Es passt vollkommen zur Planung und Gestaltung, die jede Stufe der menschlichen Entwicklung umfasste. Das hier dargestellte Ende fügt sich vollkommen in die Szene am Anfang der Sūrah ein, die einen Menschen zeigt, der mit Eifer und mit Furcht im Herzen herbeikommt, und einen anderen, der sich selbst für genügsam hält und sich von der göttlichen Führung abwendet. Hier haben wir eine Darlegung ihrer Stellung in Gottes Sicht.
This is the end of all delight and enjoyment. It fits perfectly with the planning and designing which included every stage of man’s development. The end portrayed here fits perfectly with the scene at the beginning of the sūrah which shows someone coming forward with zeal and with a feeling of fear in his heart, and another considers himself self-sufficient and turns away from divine guidance. Here we have an exposition of their standing in God’s view.
„Der überwältigende Schall“ ist die nächstliegende Übersetzung eines arabischen Begriffs, aṣ-ṣākhkha, der einen sehr scharfen Klang hat; er durchdringt beinahe die Ohren. Diese Wirkung bereitet uns lediglich auf die folgende Szene vor, in der wir sehen: „an jenem Tag wird jeder vor seinem Bruder fliehen, vor seiner Mutter und seinem Vater, vor seiner Gefährtin und seinen Söhnen.“ (Verse 34-36) Solche Bande zwischen einem Menschen und seinen nächsten Angehörigen können im normalen Lauf der Dinge nicht durchtrennt werden. Doch der überwältigende Schall zerstört gerade diese Verbindungen und wirbelt sie in die Luft.
‘The stunning blast’ is the nearest translation of an Arabic term, al-şākhkhah, which carries a very sharp tone; it almost pierces the ears. This effect simply prepares us for the following scene in which we see “everyone will forsake his brother, his mother and his father, his wife and his children.” (Verses 34-36) Such ties between a person and his nearest relations cannot be severed in the normal course of events. Yet the stunning blast destroys these very links and throws them up into the air.