Die Sure befasst sich dann mit einigen allgemeinen Behauptungen von Juden und Christen, wonach nur sie die Rechtschaffenen seien, denen im Jenseits der Einzug ins Paradies gewiss sei. Zugleich fahren sie fort, einander zu verurteilen und einander Vorwürfe zu machen. Anschließend folgt das endgültige Wort Gottes zu dieser Frage. „Sie sagen: ‚Niemand wird ins Paradies eingehen, außer er ist ein Jude oder ein Christ.‘ Das sind ihre Wunschvorstellungen. Sprich: ‚Bringt euren Beweis, wenn ihr die Wahrheit sagt.‘ Wahrlich, wer sich Gott hingibt und dabei Gutes tut, dem wird sein Lohn bei seinem Herrn zuteil; sie werden weder Furcht zu leiden haben noch werden sie traurig sein.“ „Die Juden sagen, die Christen hätten keine Grundlage für ihren Glauben, und die Christen sagen, die Juden hätten keine Grundlage für ihren Glauben. Dabei rezitieren doch beide die Schrift. Ebenso sagen jene, die kein Wissen besitzen, dasselbe. Doch am Tag des Gerichts wird Gott zwischen ihnen richten über all ihre Streitigkeiten.“ (Verse 111–113)
The sūrah then deals with some general claims made by Jews and Christians, to the effect that they are the only righteous people who are assured of being admitted to heaven in the life to come. At the same time they continue to denounce and throw charges at each other. It then goes on to give God’s final word on the matter. “They declare, ‘None shall enter Paradise unless he is a Jew or a Christian.’ Such are their wishful fancies. Say, ‘Produce your proof, if what you say is true.’ Indeed, whoever surrender themselves to God, while doing good works, shall have their reward with their Lord; they shall have nothing to fear nor shall they grieve. The Jews say the Christians have no basis for their faith and the Christians say the Jews have no basis for their faith. Yet they both recite the Scriptures. Those devoid of knowledge say likewise, and on the Day of Judgement God shall judge between them on all their disputes.” (Verses 111-113)
Obwohl zur Zeit der Offenbarung des Qur’ān in Madinah keine starke christliche Präsenz bestand, verglichen mit der der Juden, bezieht sich der Text auf beide Gruppen ebenso wie auf die Polytheisten, weist ihre Behauptungen als haltlos zurück und fordert sie heraus, Beweise für ihre Argumentation vorzulegen. „Sie sagen: Niemand wird ins Paradies eingehen, außer er ist ein Jude oder ein Christ.“ Dies ist eine zweifache Wiedergabe dessen, was beide Gruppen vorbrachten.
Although, when the Qur’ān was being revealed, there was no strong Christian presence in Madinah, as compared to that of the Jews, the text refers to both groups as well as to the polytheists, dismissing their claims as baseless and challenging them to provide evidence to support their argument. “They declare: None shall enter Paradise unless he is a Jew or a Christian.” This is a dual report of what both groups argued.
Andernfalls pflegten die Juden zu behaupten, nur sie seien für den Himmel bestimmt, und die Christen behaupteten dasselbe für sich selbst. Beide Aussagen sind prahlerisch und ohne stichhaltigen Beweis. Daher weist Gott den Propheten ﷺ an, ihre Behauptungen herauszufordern:
Otherwise, the Jews used to claim that only they were destined for heaven, and the Christians claimed that for themselves. Both statements are boastful, without supporting evidence. Hence, God instructs the Prophet to challenge their claims:
„Sprich: ‚Bringt euren Beweis, wenn ihr wahrhaftig seid.‘“ (Vers 111)
“Say: ‘Produce your proof if what you say is true.’“ (Verse 111)
Die Sure stellt sodann einen weiteren grundlegenden islamischen Grundsatz auf: dass der Lohn dem Werk entspricht, ohne dass ein Volk, eine Gruppe oder ein Einzelner einem anderen vorgezogen wird. Glaube und Hingabe an Gott, nicht Titel, Abstammung oder Name, sind in dieser Hinsicht das entscheidende Kriterium, und „wer sich Gott hingibt und dabei Gutes tut, der wird seinen Lohn bei seinem Herrn haben; sie werden keine Furcht zu haben brauchen und auch nicht traurig sein.“ (Vers 112)
The sūrah then establishes another fundamental Islamic principle: that reward is commensurate with deed, without any preference for one nation, group or individual over another. Faith and submission to God, rather than title, ancestry or name, is the determining factor in this regard, and “whoever surrender themselves to God, while doing good works, shall have their reward with their Lord; they shall have nothing to fear nor shall they grieve.” (Verse 112)
Dies ergänzt den früheren Grundsatz hinsichtlich der Strafe, als sie behaupteten, das Feuer der Hölle werde sie nur für eine sehr kurze Zeit berühren. Ihnen wurde gesagt: „Diejenigen, die Böses verdienen und von ihrer Sünde umfangen werden, sind dem Feuer bestimmt, darin werden sie verweilen.“ (Vers 81) Damit ergibt sich das vollständige islamische Konzept von Lohn und Strafe.
This complements the earlier principle concerning punishment, when they claimed that the fire of hell would only touch them for a very brief period. They were told: “Those who earn evil and become engulfed by their sin are destined for the fire, where they shall abide.” (Verse 81) Thus, the complete Islamic concept of reward and punishment emerges.
Hier finden wir wieder das wichtigste Merkmal des islamischen Glaubens: die völlige, bedingungslose, geistige und körperliche Hingabe an Gott. Es ist jedoch eine Hingabe, die sich in einer praktischen Form zeigen muss, ausgedrückt in dem Vers im Vorbehalt: „und dabei Gutes tut“, denn der Islam stellt eine unmittelbare, funktionale Verbindung zwischen abstraktem Glauben und alltäglichem Verhalten her, zwischen Glaube und Handeln, inneren Überzeugungen und äußeren Taten. Auf diese Weise wird der religiöse Glaube zu einer vollständigen Lebensweise, und der Charakter und die Handlungen des Menschen verschmelzen zu einer einzigen Einheit – daher auch die großzügige Belohnung, die Gott der Allmächtige den Gläubigen ohne Unterschied oder Bevorzugung einer Gruppe gegenüber einer anderen gewährt. Diejenigen, die sich Gott willentlich und vollständig hingeben, „haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; sie haben nichts zu fürchten, noch werden sie trauern.“ (Vers 112)
Here again we find the most important feature of the Islamic faith: total, unconditional, mental and physical surrender to God. It is, however, a surrender that must be manifested in a practical form, expressed in the verse in the proviso, ‘while doing good works,’ because Islam makes a direct functional link between abstract belief and everyday behaviour, between faith and action, inner convictions and outward deeds. In this way, religious faith becomes a complete way of life, and man’s character and actions merge into a single entity — hence the generous reward granted by God Almighty to believers without discrimination or preference of one group over another. Those who willingly and completely surrender themselves to God “shall have their reward with their Lord; they shall have nothing to fear no shall they grieve.” (Verse 112)
Während die Juden und die Christen diese übertriebenen und selbstgerechten Ansprüche erhoben, warfen sie einander vor, dass ihre jeweiligen Glaubensüberzeugungen keine Grundlage hätten. Dies veranlasste die „unwissenden“ Araber, beide zurückzuweisen und ihnen beiden denselben Vorwurf zurückzugeben.
While the Jews and the Christians were making those inflated and self-righteous claims, they were accusing each other of having no basis for their respective beliefs, which caused the Arabs “devoid of knowledge” to refuse both of them and throw the same charge back at them both.
Dieser letzte Satz bezieht sich eindeutig auf die analphabetischen Götzendiener Arabiens, die mit Verwunderung die polemischen religiösen Auseinandersetzungen und das unablässige Trommelfeuer von Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen verfolgten, die Juden und Christen einander entgegenschleuderten.
This last phrase clearly refers to the illiterate idolaters of Arabia, who observed with bewilderment the polemical religious arguments and the incessant barrage of accusations and counter-accusations hurled at each other by Jews and Christians.
Sie betrachteten beide religiösen Gruppen mit Verachtung, nicht zuletzt wegen der Mythen und Aberglauben, die sich in die jüdische und christliche Theologie eingeschlichen hatten und sich nicht stark von den eigenen polytheistischen Glaubensvorstellungen der Araber unterschieden, etwa der Zuschreibung von Nachkommen an Gott. Dementsprechend hatten weder das Judentum noch das Christentum große Anziehungskraft auf die Menschen Arabiens.
They viewed both religious groups with disdain, not least because of the myths and superstitions that had crept into Jewish and Christian theology, which did not greatly differ from the Arabs’ own polytheistic beliefs, such as ascribing offspring to God. Accordingly, neither Judaism nor Christianity had much appeal for the people of Arabia.
Die Sure erwähnt diese Anschuldigungen und Streitigkeiten, überlässt das endgültige Urteil jedoch Gott, der „am Tag des Gerichts zwischen ihnen richten wird in all ihren Streitigkeiten". Ihm werden letztlich alle Angelegenheiten übergeben. Dies ist der gerechteste und befriedigendste Umgang mit diesen unvernünftigen und nichtigen Streitereien, die von Menschen vorgebracht wurden, deren alleiniger Anspruch auf Rettung und Rechtleitung bereits widerlegt ist.
The sūrah notes those accusations and controversies but leaves the final judgement to God, who “on the Day of Judgement shall judge between them on all their disputes”. It is to Him that all matters are ultimately referred. This is the fairest and most satisfactory way of dealing with these irrational and futile arguments, which were made by people whose exclusive claim to salvation and guidance has already been refuted.
Es folgen weitere Verurteilungen der Versuche der Juden und Christen, in den Gemütern der Muslime Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Lehren und Anweisungen des Propheten ﷺ zu säen, insbesondere jener, die die Änderung der Gebetsrichtung, also der Qibla, betreffen. Diese Versuche gelten als gleichbedeutend mit der Behinderung von Gebetsstätten und dem Fernhalten der Menschen von ihnen, ja sogar mit dem Bestreben, sie zu zerstören. „Wer ist ungerechter als jener, der verwehrt, dass in Seinen Gebetsstätten der Name Gottes genannt wird, und der sie zu zerstören trachtet? Solche Menschen haben kein Recht, sie anders als in Furcht zu betreten. In dieser Welt wird ihnen Schmach zuteil, und im Jenseits erwartet sie eine furchtbare Strafe. Gott gehören der Osten und der Westen: Wohin ihr euch auch wendet, dort ist das Antlitz Gottes.“
There follow further denunciations of the Jews’ and Christians’ attempts to raise doubts in Muslim minds about the veracity of the Prophet’s teachings and instructions, especially those concerned with the change of the direction of prayer, or the qiblah. These attempts are considered tantamount to obstructing places of worship and keeping people out of them, or even seeking to destroy them. “Who is more unjust than he who forbids God’s name to be mentioned in His places of worship, and seeks to destroy them? Such people have no right to enter them except with fear in their hearts. They shall suffer ignominy in this world and awesome suffering awaits them in the life to come. To God belong the east and the west: wherever you turn there will be the face of God.
Wahrlich, Gott ist unbegrenzt in Seiner Güte, und Er weiß alles.“ (Verse 114-115)
Truly, God is limitless in His bounty and He knows all.” (Verses 114-115)
Der unmittelbare Eindruck, den man von diesen beiden Versen gewinnt, ist, dass sie sich auf die Frage der Qibla beziehen und auf die Bemühungen der Juden, die Muslime davon abzubringen, sich im Gebet der Ka'ba in Makkah zuzuwenden. Andere Berichte jedoch sprechen von anderen Umständen ihrer Offenbarung.
The immediate impression one gets from these two verses is that they relate to the qiblah issue and to Jewish efforts to dissuade the Muslims from turning in prayer towards the Ka`bah, in Makkah. Other accounts, however, speak of different circumstances for their revelation.
Die Verse sind in allgemeinen Worten gehalten und können daher auch allgemein ausgelegt werden. Dasselbe gilt für die Folgen, wenn man die Nutzung der Gebetsstätten Gottes behindert oder sie zerstört. Wer solche Taten begeht, verdient es, ununterbrochen verfolgt und unerbittlich bedrängt zu werden, es sei denn, er sucht Zuflucht im Schutzbereich der Gebetsstätten. In diesem Sinne verkündete der Prophet Muhammad ﷺ am Tag, an dem die Muslime im August 630 n. Chr. Makkah eroberten, eine allgemeine Amnestie, wonach jeder sicher sein sollte, der die heilige Moschee betritt. Viele der arabischen Feinde des Islam taten genau das. Dies waren eben jene Menschen, die den Propheten ﷺ und seine Anhänger daran hinderten, die heilige Moschee in Makkah zu betreten, und die deutlich machten, dass sie notfalls Krieg führen würden, um die Muslime am Betreten zu hindern. Außerdem wird ihnen nun eine doppelte Strafe angekündigt: „Sie werden in dieser Welt der Schmach anheimfallen, und im Jenseits erwartet sie eine furchtbare Qual." (Vers 114)
The verses are phrased in general terms and may therefore be interpreted generally. The same applies to the consequences of hindering the use of God’s places of worship or destroying them. Those who perpetrate such acts deserve to be unceasingly pursued and relentlessly harassed, unless they seek refuge in the sanctuary of places of worship. It was in this spirit that on the day the Muslims conquered Makkah in August 630 CE, the Prophet Muĥammad ordered a general amnesty declaring that anyone who entered the sacred mosque would be safe. Many of the Arab enemies of Islam did exactly that. These were the very people who prevented the Prophet and his followers from entering the sacred mosque in Makkah, making it clear that they would go to war, if necessary, to stop the Muslims from entering. Furthermore, they are now warned of a double punishment: “They shall suffer ignominy in this world and awesome suffering awaits them in the life to come.” (Verse 114)
Eine andere Auslegung der Aussage „Solche Menschen haben kein Recht, sie anders zu betreten als in Furcht in ihren Herzen“ betont jedoch, dass diejenigen, die die Nutzung von Gebetsstätten behindern oder erschweren, selbst nur in Gottesfurcht und in völliger Unterwerfung unter Ihn solche Stätten betreten sollten. Dies wäre die angemessenste Art für sie, den Respekt vor diesen Stätten zu zeigen und die Macht und Herrlichkeit Gottes anzuerkennen.
However, another interpretation of the statement “Such people have no right to enter them except with fear in their hearts” emphasizes the fact that those who hinder or impede the use of places of worship should themselves only enter such places in fear of God and in total submission to Him. That would be the most appropriate way for them to show respect for these places and to acknowledge God’s power and glory.
Was uns jedoch zu der Ansicht neigen lässt, dass die beiden Verse im Zusammenhang mit der Frage der Qibla offenbart wurden, ist der unmittelbar folgende Vers, der lautet: „Gott gehören der Osten und der Westen; wohin ihr euch auch wendet, dort ist das Antlitz Gottes. Wahrlich, Gott ist allumfassend in Seiner Güte und weiß alles.“ (Vers 115) Dieser Vers kommt offensichtlich als Antwort auf die jüdischen Lügen und falschen Behauptungen, wonach die Gebete der Muslime, die sich nach Jerusalem wandten, wertlos und vergeblich seien. Er besagt, dass das Gebet letztlich gültig ist, gleichgültig in welche Richtung der Betende sich wendet, denn das Antlitz Gottes ist dort. Die Festlegung einer bestimmten Richtung ist nicht mehr als eine Frage der Disziplin.
But what makes us favour the view that the two verses were revealed in connection with the qiblah issue is the verse that comes immediately after them, stating: “To God belong the east and the west; wherever you turn there will be the face of God. Truly, God is limitless in His bounty, and He knows all.” (Verse 115) Clearly this verse comes as a response to Jewish lies and false contentions that prayers offered by Muslims facing Jerusalem were worthless and in vain. It is saying that in the final analysis prayer is valid whatever direction a worshipper faces, because God’s face will be there. To specify a particular direction is no more than a matter of discipline.
Das bedeutet nicht, dass sich das Angesicht Gottes in der einen Richtung befindet und nicht in einer anderen. Gott möchte den Menschen schließlich keine Schwierigkeiten bereiten, und Er wollte ihnen auch nicht ihren Lohn nehmen oder ihn entwerten: „Wahrlich, Gott ist unermesslich in Seiner Huld, und Er weiß alles.“ (Vers 1 15)
It does not mean that God’s face is found in one direction rather than another. After all, God does not wish to make things difficult for people, nor would He want to take away their reward or devalue it: “Truly, God is limitless in His bounty and He knows all.” (Verse 1 15)