AL-AHQAF Sanddünen (Zwei Arten von Nachkommen) 15-20
AL'AHQAF Sand Dunes (Two Types of Offspring) 15-20
Wir haben dem Menschen geboten, gut zu seinen Eltern zu sein: Unter Beschwerden trug sie ihn, unter Beschwerden gebar sie ihn. Seine Tragzeit und Entwöhnung dauert dreißig Monate. Und wenn er seine volle Kraft erreicht und das Alter von vierzig Jahren erlangt, betet er: „Mein Herr! Gewähre mir, dass ich für die Gnade dankbar bin, mit der Du mich und meine Eltern begnadet hast, und dass ich gute Werke tue, die Dir wohlgefällig sind.“
We have enjoined upon man to show kindness to his parents: in pain did his mother bear him, and in pain did she give him birth. His bearing and weaning takes thirty months. And so, when he attains to full manhood and reaches the age of forty, he prays: ‘My Lord! Grant me that I may be grateful for the blessings with which You have graced me and my parents, and that I may do good work that will meet with Your goodly acceptance.
„Herr, gewähre mir gute Nachkommen. Zu Dir kehre ich reumütig zurück. Ich gehöre wahrlich zu denen, die sich Dir ergeben.“ (15)
Grant me good descendants. To You I turn in repentance. I am indeed one of those who submit themselves to You.’ (15)
Von diesen Menschen werden Wir das Beste, was sie je getan haben, annehmen, und über ihre schlechten Taten werden Wir hinwegsehen. [Sie gehören] zu den Bewohnern des Paradieses. Wahr ist das Versprechen, das ihnen gegeben wurde. (16)
It is from such people that We shall accept the best that they ever did, and whose bad deeds We shall overlook. [They shall be] among the people destined for paradise. True is the promise that has been given them. (16)
Doch es gibt einen, der zu seinen Eltern sagt: „Pfui euch beiden! Versprecht ihr mir, dass ich auferweckt werde, obwohl Generationen vor mir dahingegangen sind?“ Und während die beiden Gott um Hilfe anflehen [und zu ihm sagen]: „Wehe dir! Glaube! Das Versprechen Gottes trifft immer ein“, antwortet er:
But there is one who says to his parents: ‘Fie on you both! Do you promise me that I shall be resurrected, when generations have passed away before me?’ And while they both implore God for help, [and say to him]: ‘Alas for you! Believe! God’s promise always comes true,’ he answers:
„Das ist alles nichts als Fabeln der Vorzeit.“ (17)
‘All this is nothing but fables of ancient times.’ (17)
Auf sie trifft das Urteil zu, zusammen mit anderen Gemeinschaften von Dschinn und Menschen, die vor ihnen dahingegangen sind. Sie werden vollends verloren sein. (18)
Such are the ones upon whom the verdict is passed, together with other communities of jinn and humans that have passed away before their time. They will be utterly lost. (18)
Alle werden nach Maßgabe ihrer Taten Rangstufen haben; und so wird Er ihnen ihre Werke in vollem Umfang vergelten, und niemandem wird Unrecht getan. (19)
They all shall have their grades in accordance with their deeds; and so, He will repay them in full for their doings, and none shall be wronged. (19)
Am Tag, an dem die Ungläubigen vor das Feuer gebracht werden, wird ihnen gesagt: „Ihr habt euren Anteil an den guten Dingen in eurem diesseitigen Leben aufgebraucht und habt euch an den Genüssen gesättigt. Heute also sollt ihr mit der Qual der Erniedrigung vergolten werden, dafür, dass ihr auf der Erde ohne jedes Recht hochmütig wart und für all eure Übertretung.“ (20)
On the Day when the unbelievers will be brought before the fire, they will be told: ‘You have exhausted your share of good things in your worldly life and took your fill of pleasure. So, today you shall be requited with the suffering of humiliation for having been arrogant on earth without any right, and for all your transgression.’ (20)
Übersicht
Overview
In diesem Teil spricht die Sure über die menschliche Natur, wenn sie auf dem rechten Weg bleibt, und wenn sie davon abweicht, und darüber, an welches Ende sie in beiden Fällen gelangt. Sie beginnt damit, den Menschen zur Pflichterfüllung gegenüber seinen Eltern aufzufordern. Diese Anweisung findet sich im Qur'an häufig, nachdem von Glauben die Rede war, oder in Verbindung mit solchen Ausführungen. Der Grund dafür ist, dass die Bindung zwischen Kindern und Eltern nach der Bindung des Glaubens die stärkste und wichtigste ist. Sie ist diejenige, die es verdient, geehrt zu werden.
In this part the surah speaks of human nature when it sticks to the right track and when it deviates, and at what end it arrives in either case. It begins by urging man to remain dutiful to his parents. This instruction often comes in the Qur’an after it speaks about faith or in conjunction with such discourses. The reason for this is that the bond between children and parents is the strongest and most important after the bond of faith. It is the one that deserves to be honoured.
Darüber hinaus macht die Verbindung dieser beiden Bindungen im Qur'an deutlich, dass die Bindung des Glaubens im menschlichen Leben Vorrang hat. Darauf folgt jedoch die Familienbindung in ihrer engsten Form.
Furthermore, grouping the two bonds together in this way in the Qur’an makes it clear that the bond of faith takes precedence in human life. It is followed though by the family bond in its closest form.
Dieser Abschnitt der Sure zeichnet ein Bild von zwei Arten menschlicher Natur. Im ersten Fall wirken die beiden Bindungen des Glaubens und die Bindung zwischen Eltern und Kind in dieselbe Richtung zusammen und suchen das Wohlgefallen Gottes. Im zweiten Fall trennen sich die beiden Bindungen und haben keinen gemeinsamen Berührungspunkt. Im ersten Fall erhalten die betreffenden Kinder die frohe Botschaft, in das Paradies eingehen zu dürfen, während sie im zweiten Fall dazu bestimmt sind, in der Hölle zu leiden. Es wird ein Bild der Strafe gegeben, die in der Hölle verhängt wird, und es wird das Ende beschrieben, das die Hochmütigen erleiden, die sich des Frevels schuldig gemacht haben.
This part of the surah gives us a scene portraying two types of human nature. In the first, the two bonds of faith and the one between parent and offspring work together in the same direction, seeking God’s acceptance. In the second, the two bonds separate and have no meeting point. In the first case, the children concerned are given the good news of being admitted into heaven, while in the second, they are destined to suffer in hell. An image of the punishment meted out in hell is given, describing the end suffered by the arrogant who are guilty of transgression.
Pflicht gegenüber den Eltern
Dutiful to Parents
„Wir haben dem Menschen aufgetragen, gut zu seinen Eltern zu sein.“ (Vers 15) Dies ist ein Gebot, das an die gesamte Menschheit gerichtet ist, allein aufgrund der Tatsache, dass sie Menschen sind, ohne dass es einer weiteren Bedingung bedarf. Alle sind angehalten, Güte im absoluten, uneingeschränkten Sinne zu erweisen.
“ We have enjoined upon man to show kindness to his parents.” (Verse 15) This is an order given to all mankind, based on the very fact of their being human with no need for any further qualification. They are all enjoined to show kindness in its absolute, unrestricted sense.
Die bloße Elternschaft verlangt eine so absolute Güte. Dieser Befehl stammt vom Schöpfer des Menschen, und er scheint besonders für die Menschheit zu gelten. Bei Vögeln, Tieren oder Insekten ist es unbekannt, dass die Jungen für die Alten sorgen. Deutlich zu beobachten ist bei diesen Geschöpfen, dass die Alten von Natur aus für die Jungen sorgen. Dies gilt jedoch nur für einige Arten. Daher scheint sich der göttliche Befehl nur auf den Menschen zu beziehen.
Mere parenthood requires such absolute kindness. This order comes from the Creator of man, and it appears to apply to the human race in particular. It is unknown among birds, animals or insects for the young to take care of the old. What is clearly observed among these creatures is that by nature the old take care of the young. Nevertheless, this applies only to some species. Hence, the Divine order seems to apply only to man.
Diese Anweisung, gut zu seinen Eltern zu sein, wird im Qur'an und in den Aussprüchen des Propheten ﷺ mehrfach wiederholt. Dagegen kommt Güte seitens der Eltern gegenüber den Kindern nur selten vor und bezieht sich auf bestimmte Situationen. Die menschliche Natur selbst sorgt dafür, dass Eltern gut für ihre Kinder sorgen, ohne dass es dafür einer weiteren Motivation bedarf. Eltern zeigen oft eine bemerkenswerte Bereitschaft, alles, was sie besitzen, für ihre Kinder zu opfern, bis hin zur Bereitschaft, für sie zu sterben. Bei alldem zögern sie nicht, suchen keine Vergeltung, erheben keinen Anspruch auf Gegenleistung und erwarten keinen Dank. Die neue Generation jedoch wendet sich selten wieder der älteren zu, um für sie zu sorgen, die so große Opfer gebracht hat.
This instruction to be kind to one’s parents is repeated several times in the Qur’an and in the Prophet’s pronouncements. By contrast, kindness by parents to children occurs only rarely, addressing particular situations. Human nature itself ensures that parents take good care of their children, without the need for any other motivation. Parents often show a remarkable readiness to sacrifice whatever they have for their children, to the point of being willing to die for them. They show no hesitation in all this, seek no recompense, press no favour and expect no thanks. The new generation, however, rarely turns back to take care of the older one who had made such great sacrifices.
Zum anderen Ort
To the Other Place
Das Gegenteil davon ist Irrtum und Übertretung:
The converse of all this is error and transgression:
Doch da ist einer, der zu seinen Eltern sagt: „Pfui euch beiden! Versprecht ihr mir, dass ich auferweckt werde, obwohl Generationen vor mir dahingegangen sind?" Und während die beiden Gott um Hilfe anflehen [und zu ihm sagen]: „Wehe dir! Glaube! Gottes Versprechen ist stets wahr", antwortet er: „Das ist nichts als Fabeln aus alten Zeiten." – Diese sind es, über die das Urteil gefällt wurde, zusammen mit anderen Gemeinschaften von Dschinn und Menschen, die vor ihrer Zeit dahingegangen sind. Sie werden gänzlich verloren sein. (Verse 17-18)
But there is one who says to his parents: Tie on you both! Do you promise me that I shall be resurrected, when generations have passed away before me? And while they both implore God for help, [and say to him]: Alas for you! Believe! God's promise always comes true,' he answers: All this is nothing but fables of ancient times. 'Such are the ones upon whom the verdict is passed, together with other communities of jinn and humans that have passed away before their time. They will be utterly lost. (Verses 17-18)
Die Eltern sind gläubig, doch das Kind ist ungehorsam. Sein erstes Merkmal ist, dass es seinen Eltern gegenüber nicht pflichtbewusst ist: Es spricht sie mit Überheblichkeit und Frechheit an und verletzt ihre Gefühle: „Pfui auf euch beide.“ Dann leugnet es die Auferstehung und führt dabei das hohle Argument an, dass niemand aus den vergangenen Generationen jemals ins Leben zurückgekehrt sei: „Versprecht ihr mir, dass ich auferweckt werde, obwohl Generationen vor mir dahingegangen sind?“ (Vers 17) Der Zeitpunkt der Auferstehung wird von Gott bestimmt, wenn alle zur gleichen Zeit auferweckt werden, nachdem diese gegenwärtige Welt ihre Frist vollendet hat. Niemand hat jemals gesagt, dass die Auferstehung in Etappen stattfinden werde, sodass eine Generation während der Lebenszeit einer späteren Generation auferweckt werde. Es ist kein Spiel; vielmehr ist es die Ablegung der endgültigen Rechenschaft, sobald die Reise an ihr letztes Ziel gelangt ist.
The parents are believers, but the child is disobedient. His first characteristic is that of being undutiful to them, addressing them with arrogance and insolence, hurting their feelings: “Fie on you both." He then denies the resurrection, citing the hollow argument that no one from past generations has ever come back to life: “Do you promise me that I shall be resurrected, when generations have passed away before (Verse 17) The time of resurrection is determined by God, when all will be resurrected at the same time after this present world has completed its term. No one has ever said that resurrection will take place in instalments, with one generation resurrected during the lifetime of a later one. It is not a game; rather, it is a submitting of final accounts once the journey has come to its final destination.
Die Einreichung des Abschlussberichts
Submitting The Final Account
Die Sure stellt den Ungläubigen dann ihr eigenes Schicksal vor Augen, wenn sie am Tag der Auferstehung vor der Abrechnung stehen, die sie zu leugnen pflegten:
The surah then puts before the unbelievers their own fate as they face the reckoning on the Day of Resurrection which they were wont to deny:
Am Tag, an dem die Ungläubigen dem Feuer vorgeführt werden, wird ihnen gesagt werden: „Ihr habt euren Anteil an den guten Dingen in eurem diesseitigen Leben verbraucht und euch an den Genüssen gütlich getan. Heute sollt ihr daher mit der Qual der Erniedrigung vergolten werden, dafür, dass ihr auf der Erde ohne jedes Recht hochmütig wart, und für all euren Frevel.“ (Vers 20)
On the Day when the unbelievers will be brought before the fire, they will be told: 'You have exhausted your share of good things in your worldly life and took your fill of pleasure. So, today you shall be requited with the suffering of humiliation for having been arrogant on earth without any right, and for all your transgression] (Verse 20)
Diese Szene verläuft rasch, hat jedoch eine tiefgreifende, aufschlussreiche Wirkung. Die Szene führt sie vor das Feuer, doch kurz bevor sie hineingetrieben werden, erfahren sie die Gründe, die ihr Schicksal auf diese Weise bestimmt haben:
This is a fast moving scene, yet it has a profound, telling effect. The scene brings them before the fire, but just before they are driven into it, they are told the reasons which determined their fate in this way:
„Du hast deinen Anteil an den guten Dingen in deinem irdischen Leben aufgebraucht und dich an den Genüssen sattgegessen.“ Sie hatten ihren Anteil an den guten Dingen, doch sie verbrauchten alles im Leben dieser Welt und behielten nichts für ihr künftiges Leben zurück. Tatsächlich rechneten sie nicht einmal damit, dass es ein künftiges Leben geben würde. Deshalb genossen sie diese guten Dinge in vollem Maße, ohne dafür dankbar zu sein und ohne Gott für deren Gewährung zu danken. Sie scheuten sich nicht, Verbotenes zu begehen, um solche Freuden zu genießen. Daher hatten sie ihren vollen Anteil an den guten Dingen in dieser Welt und ließen sich im kommenden Leben nichts übrig. Sie tauschten das endlose Leben des Jenseits gegen die kurze Spanne des Lebens auf Erden ein. „Heute sollst du mit der Pein der Erniedrigung vergolten werden, dafür, dass ihr auf der Erde ohne jedes Recht hochmütig wart, und dafür, dass ihr frevelhaft gehandelt habt.“ (Vers 20) Jeder, der sich auf der Erde hochmütig verhält, tut dies ohne jedes Recht. Aller Stolz gebührt allein Gott; keinem Geschöpf gebührt er, gleich welche Stellung es innehat. Erniedrigt zu werden ist daher ein gerechter Lohn für Überheblichkeit und für das Abweichen von dem Weg, den Gott vorgezeichnet hat.