Die Sure geht zum zweiten Abschnitt der Geschichte Abrahams über. Nachdem er aus dem Feuer gerettet worden war, schloss er jenes Kapitel seines Lebens ab, um eine neue Phase zu beginnen: „Und Abraham sprach: Ich will zu meinem Herrn gehen; Er wird mich gewiss leiten.“ (Vers 99) Seine Worte deuten darauf hin, dass er auswanderte, und zwar sowohl im geistigen als auch im körperlichen Sinn. Er ließ alles hinter sich: seinen Vater, seine Familie, sein Zuhause, sein Volk und sein Land, und er ging zu seinem Herrn, frei von allen Sorgen. Damit übergab er sich seinem Herrn, gewiss, dass Dieser ihm Rechtleitung und Fürsorge schenken und ihn auf den rechten Weg führen würde. Es ist eine Auswanderung von einem Zustand in einen anderen, bei der alle Bindungen und Verbindungen zugunsten einer einzigen Bindung aufgegeben werden, die rein und stark bleibt. Seine Worte drücken vollkommenen Glauben und uneingeschränkte Hingabe aus.
The sūrah moves on to the second episode it relates of Abraham’s history. After he was saved from the fire, he closed that chapter of his life to begin a new phase: “And Abraham said I will go to my Lord: He is sure to guide me.” (Verse 99) His words indicate that he was migrating, this in both a mental and physical sense. He was abandoning everything: his father, family, home, people and land, leaving them all behind and going to his Lord, free of all concerns. He thus surrendered himself to his Lord, assured that He would give him guidance and care, setting him on the right path. It is a migration from one state to another, abandoning all ties and bonds in favour of one bond that remains pure and strong. His words express complete faith and unqualified surrender.
Bis zu diesem Moment war Abraham kinderlos. Er hatte seine Verwandten, seine Freunde und alles, was ihm vertraut war, zurückgelassen. Es versteht sich von selbst, dass sein Verhältnis zu denen, die ihn ins Feuer geworfen hatten, endgültig zerbrochen war. Daher ging er zu seinem Herrn und betete zu Ihm, ihm gläubige Nachkommen zu schenken: „Mein Herr! Schenke mir einen rechtschaffenen Sohn.“ (Vers 100) Und Gott erhörte das Gebet Seines wahren Dieners: „Wir verkündeten ihm die frohe Botschaft, dass er einen nachsichtigen Sohn haben werde.“ (Vers 101) Bei diesem Sohn handelte es sich höchstwahrscheinlich um Ismael, wie sich sowohl aus seiner Lebensgeschichte als auch aus der Sure selbst klar erschließen lässt. Tatsächlich können wir die Spur seiner Nachsicht bereits in seiner Jugend erkennen. Wir können uns auch die Freude vorstellen, die Abraham an seinem neuen Wohnort, wo er ein Fremder war, bei der Geburt dieses Sohnes empfand, den Gott als einen „nachsichtigen Sohn“ beschreibt. Es ist nun an der Zeit, die vorbildliche Haltung zu betrachten, die die Lebensgeschichte Abrahams verkörpert, und daraus eine inspirierende Lehre zu ziehen, wie Gott, der Allmächtige, sie der muslimischen Gemeinschaft vorgelegt hat.
Until that moment, Abraham was without children. He had left behind his relations, friends and all that was familiar to him. Needless to say, his relations with those who threw him in the fire suffered a final breakdown. Therefore, he went to his Lord, praying to Him to grant him believing offspring: “Lord! Grant me a righteous son.” (Verse 100) And God answered his true servant’s prayer: “We gave him the happy news that he will have a forbearing son.” (Verse 101) The son was most probably Ishmael, as clearly inferred from his life story and from the sūrah itself. Indeed, we can see the mark of his forbearance in his youth. We can also imagine the delight experienced by Abraham in his new abode, where he was a stranger, at the birth of this son described by God as a ‘forbearing son.’ It is time for us now to look at the glorious attitude that Abraham’s life story represents, drawing from it an inspiring lesson as presented by God Almighty to the Muslim community.
Als der Knabe alt genug war, um mit seinem Vater zu arbeiten, sprach Abraham: „Mein Sohn! Ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfern muss. Sag mir also, was du denkst.“ [Ismael] sprach: „Mein Vater! Tu, was dir befohlen wird, und, so Gott will, wirst du mich als geduldig in der Prüfung finden.“ (Vers 102)
When the boy was old enough to work with his father, Abraham said: My son! I have seen in a dream that I must sacrifice you. Tell me, then, what you think.’ [ashmael ] said My father.! Do as you are bidden, and, God willing, you will find me to be patient in adversity.’ (Verse 102)
Welche Wirkung wird der Glaube nicht hervorbringen? Wir sehen hier Abraham in seinem hohen Alter, abgeschnitten in einem fremden Land, nachdem er seine Heimat und sein Volk verlassen hat, dem ein Kind geschenkt wird.
What effect will faith not produce? We see here Abraham in his old age, cut off in a foreign land, having deserted his homeland and his people, being given a child.
Der Junge erweist sich als vorbildlicher Sohn, dessen Langmut von Gott Selbst bestätigt wird. Kaum hatte Abraham die Gesellschaft seines Sohnes genossen und seine Jugend aufblühen sehen, sodass sie ihm zum Gefährten und Helfer wurde, da sieht er in seinem Traum, dass er ihn schlachten soll. Er versteht, dass es ein Zeichen von Gott ist, das ein Opfer verlangt. Wie ist nun seine Haltung? Er zögert keinen Augenblick. Der Gedanke an Ungehorsam kommt ihm nicht einmal in den Sinn. Er denkt nur an Unterwerfung. Zwar war der Traum nur ein Zeichen und kein klarer, unmittelbarer Befehl, der durch Offenbarung erging. Doch es war ein Zeichen seines Herrn, und das genügte Abraham, um ihm nachzukommen, nicht zu zögern und nicht einmal nach dem Warum zu fragen.
The child turns out to be a model son, with his forbearance confirmed by God Himself. Hardly had Abraham enjoyed his son’s company and seen his youth blooming so as to become his companion and assistant, when he sees in his dream that he should slaughter him. He understands that it is a sign from God requiring sacrifice. What is his attitude now? He does not hesitate for a moment. The thought of disobedience does not even occur to him. He thinks only of submission. It is true that the dream was only a signal, not a clear and direct order issued through revelation. It was a signal by his Lord though, and that was enough for Abraham to comply, not to delay, and not even to ask why.
Außerdem zeigte sein Gehorsam keinerlei Anzeichen von Not, Entsetzen oder Panik; er war von ruhiger Ergebenheit und Zuversicht geprägt, wie sich in seinen Worten zeigt, mit denen er diese überaus schwere Angelegenheit seinem Sohn darlegte: „Mein Sohn! Ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfern muss. Sag mir also, was du meinst.“ (Vers 102) Dies sind die Worte eines Mannes, der sich selbst und seine Gefühle voll unter Kontrolle hat, der weiß, dass er nur seine Pflicht tut, und der darauf vertraut, dass es ihm geziemt, dem Befehl nachzukommen. Wir sehen kein Element von Panik, das einen Menschen dazu treibt, selbst das zu tun, was ihm zuwider ist, nur um es hinter sich zu bringen.
Moreover, his compliance did not betray any feeling of distress, horror or panic; it was marked by calm acceptance and reassurance, reflected in his words as he put this most grave matter to his son: “My son! I have seen in a dream that I must sacrifice you. Tell me, then, what you think.” (Verse 102) These are the words of a man in full control of himself and his feelings, knowing that he is only doing his duty and trusting that it behoves him to comply. We do not see any element of panic driving a person to do even what he feels to be repugnant, in order to get it done and finished with.
Dass es für Abraham schwer war, steht außer Zweifel. Man verlangte von ihm nicht, seinen einzigen Sohn in den Krieg zu schicken, auch nicht, ihm eine Aufgabe zu übertragen, die mit seinem Tod enden würde. Nichts dergleichen. Vielmehr wurde von ihm verlangt, die Aufgabe selbst, mit eigener Hand, zu übernehmen. Und welche Aufgabe war das? Er sollte seinen eigenen Sohn als Opfer schlachten. Dies war der Befehl, den er gelassen empfing, derjenige, den er seinem Sohn vorlegte und den er ihn sorgfältig zu bedenken bat. Er überraschte seinen Sohn nicht und tat, was ihm geboten war. Vielmehr stellt er ihm die Frage, als wäre sie etwas Normales und Vertrautes. Für Abraham war die Frage eine Frage des Gehorsams. Da sein Herr etwas wollte, sollte es geschehen, ohne Zögern. Auch sein Sohn sollte es wissen und es freudig annehmen, in Hingabe, damit auch er den Lohn erwürbe, Gott zu gehorchen, und die Freude an der Unterwerfung unter Ihn erführe. Er selbst hatte diese Freude gekannt und wünschte nun, dass sein Sohn sie als reine Güte empfinde, die alles übertrifft, was das Leben sonst zu bieten hat.
That it was hard for Abraham is beyond doubt. He was not required to send his only son to war, nor to put him to a task that would end in his death. Nothing of the sort. Instead he was required to undertake the task himself, by his own hand. And what task was that? It was to slaughter his own son by way of sacrifice. This was the order he received calmly, the one that he put to his son and asked him to consider carefully. He did not take his son by surprise and do what was bidden. Rather, he puts the question to him as if it were both normal and familiar. To Abraham, the question was one of obedience. Since his Lord wanted something, so be it, without hesitation. His son should also know and accept it willingly, with submission so that he too would earn the reward of obeying God and experience the pleasure of submission to Him. He himself had known that pleasure and now wants his son to feel it as the pure goodness that surpasses all else that life can offer.
Was sagt der Sohn, als sein Vater vorschlägt, ihn in Erfüllung dessen, was er im Traum gesehen hat, zu schlachten? Auch der Sohn erhebt sich zu der erhabenen Haltung, die sein Vater zuvor erreicht hatte: „Er sprach: O mein Vater! Tu, was dir befohlen wird. Gott-so-Er-will, wirst du mich als standhaft finden.“ (Vers 102)
Dies ist keine Antwort bloßen Gehorsams und Ergebenheit. Es ist eine Antwort, die von Annahme und Gewissheit geprägt ist. Seine Erwiderung beginnt mit „O mein Vater!“ Die Aussicht auf seinen Tod lässt ihn weder in Panik geraten noch seine Höflichkeit und Liebe zu seinem Vater vergessen. „Tu, was dir befohlen wird.“ Auch er empfindet wie sein Vater und nimmt den Traum als Zeichen, was einem Befehl gleichkommt. Dies genügt, um ihn bereit zu machen, ihn ohne Zögern auszuführen.
What does the son say as his father proposes to slaughter him in fulfilment of what he saw in a dream? The son also rises to the sublime standard his father had earlier attained: “He said: My father! Do as you are bidden, and, God willing, you will find me to be patient in adversity.” (Verse 102) This is not a response of mere obedience and resignation. It is a response marked with acceptance and certainty. His reply begins with, ‘My father!’ The prospect of his death does not cause him to panic or to forget his manners and love of his father. “Do as you are bidden.” He also feels the same as his father, taking the dream as a signal, which means an order. This is sufficient to make him willing to carry it out without hesitation.
Ferner sehen wir in der Antwort Ismaels die richtigen Umgangsformen mit seinem Herrn und die Anerkennung der Grenzen seiner eigenen Fähigkeiten angesichts der Prüfung. Deshalb bittet er seinen Herrn um Hilfe, um seine Schwäche zu überwinden. Er schreibt Gott die Gnade zu, ihm zu helfen, zu gehorchen und das Opfer zu bringen: „So Gott will, wirst du mich als geduldig im Leid finden." (Vers 102) Er stellt die Sache nicht als eine heldenhafte Tat seinerseits dar. Er beschreibt sie auch nicht so, als trotze er der Gefahr und kümmere sich wenig um die Folgen. Er schreibt sich in dieser Angelegenheit keinerlei Verdienst zu; er führt alles einfach auf Gott zurück, der ihm geholfen hat, Seine Befehle geduldig im Leid auszuführen. Dies ist ein Beispiel für vollkommene Demut vor Gott, Vertrauen in Ihn, verbunden mit vollständigem Gehorsam und vollständiger Unterwerfung unter Seinen Willen.
Furthermore, we see in Ishmael’s response proper manners with his Lord, and recognition of the limits of his ability in the face of hardship. Therefore, he seeks his Lord’s help to overcome his weakness. He attributes to God the grace of helping him to obey and make the sacrifice: “God willing, you will find me to be patient in adversity.” (Verse 102) He does not press the matter as a heroic act on his part. Nor does he describe it as facing the danger and caring little for the consequences. He does not give himself any credit in the matter; he simply attributes it all to God who has helped him in carrying out His orders with patience in adversity. This is an example of perfect humility before God, trust in Him, combined with complete obedience and submission to His will.
Die Szene geht weiter und zeigt uns die Ausführung des Befehls: „Als die beiden sich Gottes Willen ergeben hatten und Abraham ihn auf seine Stirn niederlegte.“ (Vers 103) Wiederum erheben sich Gehorsam, Glaube und die Annahme des göttlichen Willens zu einem weit edleren Maßstab, als er der Menschheit je bekannt war. Der Vater legt seinen Sohn vor sich auf die Stirn nieder, und der Sohn fügt sich und leistet keinerlei Widerstand. All dies geschieht in der Wirklichkeit. So ist die Selbsthingabe, die das Wesen des Islam ausmacht: vollkommenes Vertrauen, Gehorsam, Gewissheit, Annahme, Unterwerfung und Handeln. Vater und Sohn erleben nichts anderes als reinen Glauben.
The scene moves further to show us the order being carried out: “When the two of them had surrendered themselves to the will of God, and Abraham laid him prostrate on his forehead.” (Verse 103) Once more, obedience, faith and acceptance of God’s will rise to a far nobler standard than anything known to humanity. The father puts his son prostrate before him and the son submits and shows no resistance. All this takes place in reality. Such is self surrender, which is the essence of Islam: complete trust, obedience, certainty, acceptance, submission and action. Both father and son experience nothing other than pure faith.
Hier geht es nicht um Tapferkeit, Mut, Begeisterung oder heldenhafte Tat, wie sie ein Krieger in der Schlacht empfinden mag. Ein überzeugter Kämpfer mag eine Aufgabe übernehmen, obwohl er weiß, dass seine Überlebenschance verschwindend gering ist. Doch das ist etwas völlig anderes als das, was Abraham und Ismael taten: Bei ihnen gibt es keine aufgeheizte Lage, keinen Überschwang der Begeisterung, der zu voreiligem Handeln drängt, bevor Schwäche oder Zögern sich einschleichen können.
The point here is not one of bravery, courage, enthusiasm or heroic action which a warrior might feel in battle. A committed fighter may undertake a task knowing that his chance of survival is negligible. However, this is totally different from what Abraham and Ishmael were doing: for them, there is no boiling situation, no rush of enthusiasm prompting hasty action before weakness or hesitation can creep in.
Ihre Hingabe ist eine vernunftgeleitete Selbstaufgabe, mit vollem Wissen darüber, was sie wollen, und mit vollkommener Gewissheit darüber, was geschehen wird. Mehr noch: Sie schätzen mit kühlem Verstand die Freude, den Befehlen Gottes zu gehorchen.
Theirs is a rational self surrender, with full knowledge of what they want, and complete reassurance about what will take place. More than that, they coolly appreciate the pleasure of obeying God’s orders.
Zu diesem Zeitpunkt haben Abraham und Ismael alles getan, was von ihnen verlangt wurde. Sie haben sich unterworfen und den Befehl ausgeführt. Es blieb nur noch das eigentliche Vergießen von Ismaels Blut und sein Tod, was in Gottes Waage wenig zählte im Vergleich zu der Energie, den Gefühlen und der Entschlossenheit, die Vater und Sohn in das legten, was ihnen aufgetragen worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Prüfung ihren Höhepunkt erreicht, ihre Ergebnisse standen fest und ihre Ziele waren erfüllt. Was blieb, waren körperlicher Schmerz und ein llebloser Körper, doch Gott will nicht, dass Seine Diener Leid ertragen. Er verlangt nicht von ihnen, sich selbst zu quälen oder zu töten. Haben sie sich einmal unterworfen und ihre wahre Bereitschaft gezeigt, zu tun, was Er gebietet, dann haben sie das Geforderte erfüllt und die Prüfung erfolgreich bestanden.
At this stage, Abraham and Ishmael have done all that is required of them. They have submitted themselves and carried out the order. All that remained was the actual shedding of Ishmael’s blood and his death, which, in God’s scales, counted for little, compared with the energy, feelings and determination both father and son put into what was bidden of them. By this time, the test had reached its climax, its results were known and its objectives fulfilled. What remained was physical pain and a dead body, but God does not want His servants to endure suffering. He does not require them to torment or kill themselves. Once they have submitted themselves and shown their true willingness to do what He bids, then they have fulfilled what is required and passed the test successfully.