Jeder Muslim rezitiert diese kurze Sure aus sieben Versen mindestens siebzehnmal am Tag. Ein authentisches Ḥadīth des Propheten Muḥammad ﷺ sagt: „Ein Gebet dessen, der die Fātiḥah nicht liest, ist ungültig.“ Diese kurze Sure enthält sehr viele der zentralen Grundgedanken des Islam, seiner Glaubenslehren und Konzepte. Sie skizziert viele seiner wesentlichen Vorstellungen und Haltungen. All dies macht deutlich, warum sie für häufige Rezitation ausgewählt wurde und warum sie für die Gültigkeit des Gebets unerlässlich ist.
Every Muslim recites this short sūrah of seven verses at least seventeen times a day. An authentic ĥadīth of the Prophet Muĥammad (peace be upon him), says: “A prayer by one who does not read the Fātiĥah is invalid.” This short sūrah contains a great deal of the central basic ideas of Islam, its beliefs and concepts. It outlines many of its essential perceptions and attitudes. All this makes it clear why it is chosen for frequent recitation and why it is essential for the validity of prayer.
Die Sure beginnt mit dem Satz:
The sūrah opens with the phrase:
Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers. (Vers 1)
In the name of God, the Compassionate, the Merciful. (Verse 1)
Dies wird von der Mehrheit der Gelehrten als eigenständiger Vers der Sure anerkannt, der ihre Verse auf sieben vervollständigt. Hinsichtlich aller übrigen Suren des Korans, in denen dieselben Worte als Eröffnungsformel vorkommen, besteht jedoch eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob dies ebenso zutrifft. Einige Gelehrte vertreten die Auffassung, dass sich die folgende Aussage des Korans auf die Fātiĥah bezieht: „Wir haben dir sieben oft wiederholte Verse und diesen erhabenen Koran gegeben.“ (15: 87)
This is recognized by the majority of scholars as a verse of the sūrah, in its own right, completing its verses into seven. There is, however, a difference of opinion over whether this is so with respect to all other sūrahs of the Qur’ān in which the same words appear as the opening phrase. Some scholars maintain that it is to the Fātiĥah that the following Qur’ānic statement refers: “We have given you seven oft- repeated verses and this sublime Qur’ān.” (15: 87)
Die allerersten Verse des Qur'ān, die dem Propheten Muĥammad ﷺ offenbart wurden und mit den Worten beginnen: „Lies im Namen deines Herrn …“ (96:1), begründen die islamische Etikette, zu Beginn jeder Handlung den Namen Gottes anzurufen. Dies steht auch im Einklang mit dem grundlegenden islamischen Prinzip, dass Gott „der Erste und der Letzte, der Äußere und der Innere“ ist (57:3). Er ist in der Tat das wahrhaft Seiende, der Ursprung und der Daseinsgrund alles Bestehenden. In Seinem Namen wird daher jede Bewegung und Handlung vollzogen, und in Seinem Namen beginnt alles.
The very first verses of the Qur’ān revealed to Prophet Muĥammad, which begin with: “Read in the name of your Lord...” (96: 1) establish the Islamic etiquette of invoking the name of God at the beginning of every action. This is also in line with the fundamental Islamic principle that God is “the first and the last, the outward and the inward.” (57: 3) He is indeed the real being, the origin and the raison d’être of all that exists. In His name, therefore, every movement and action is made, and in His name everything begins.
Die göttlichen Eigenschaften des Barmherzigen, ar-Raḥmān, und des Gnädigen, ar-Raḥīm, umfassen alle Aspekte und Bedeutungen der Barmherzigkeit und können nur gemeinsam in Bezug auf Gott, den Allmächtigen, verwendet werden. Es wäre angemessen, die Eigenschaft ar-Raḥīm auf einen Menschen zu beziehen, doch der islamische Glaube verlangt, dass die Verwendung von ar-Raḥmān ausschließlich Gott vorbehalten ist. Welches der beiden Adjektive die weitere Bedeutung von Barmherzigkeit und Mitgefühl bezeichnet, ist hier für uns nicht von Belang. Wir können jedoch festhalten, dass beide zusammen alle Aspekte und Dimensionen der Barmherzigkeit umfassen.
The divine attributes of the Compassionate, al-Raĥmān, and the Merciful, al-Raĥīm, encompass all aspects and meaning of mercy, and can only be used together with respect to God Almighty. It would be appropriate to use the attribute of al-Raĥīm in reference to a human being, but the Islamic faith requires that use of al-Raĥmān is exclusive to God. As for the debate over which of the two adjectives denotes the wider meaning of mercy and compassion, it does not concern us here. We can conclude, however, that when combined, they encompass all aspects and dimensions of mercy.
Da das Anrufen des Namens Gottes zu Beginn jeder Handlung das erste Grundprinzip des muslimischen Glaubens darstellt, bildet die Beschränkung der Verwendung von al-Raĥmān und al-Raĥīm auf Gott allein das zweite Prinzip und bestimmt das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Nachdem man den Namen Gottes angerufen und Seine unendliche Barmherzigkeit anerkannt hat, wird man angewiesen, Gott zu preisen und Seine absolute Herrschaft über alle Wesen anzuerkennen:
As the invocation of God’s name at the beginning of every action constitutes the first fundamental principle of the Muslim faith, the restriction of the use of al-Raĥmān and al-Raĥīm to God alone constitutes the second principle and defines the relationship between God and man. Having invoked God’s name and acknowledged His infinite mercy, one is directed to praise God and recognize His absolute sovereignty over all beings:
Preis sei Gott, dem Herrn der Welten. (Vers 2)
Praise be to God, the Lord of all the worlds. (Verse 2)
Das Lob Gottes ist das erste Gefühl, das im Herzen eines Gläubigen beim Erwähnen Gottes erwacht. Denn das eigene Dasein des Menschen ist ein Ausdruck der unendlichen Gnade Gottes, die Dankbarkeit und Ehrfurcht gegenüber Gott hervorbringt. Die Zeichen der Freigebigkeit und Großzügigkeit Gottes gegenüber dem Menschen und den anderen Geschöpfen sind überall zahlreich vorhanden und in jedem Augenblick zu sehen. Gott zu loben am Anfang und am Ende jeder Handlung ist ein weiterer grundlegender Grundsatz des islamischen Glaubens. Der Qur'an sagt: „Er ist Gott; es gibt keine Gottheit außer Ihm. Ihm gebührt das Lob am Anfang und am Ende ...“ (28:70)
Praise of God is the first feeling aroused in a believer’s heart at the mention of God. For man’s own existence is an aspect of God’s infinite grace, which engenders gratitude and reverence towards God. The manifestations of God’s munificence and generosity to man and other creatures abound everywhere and can be seen at every moment. To praise God at the beginning and at the end of every action is another fundamental principle of the Islamic faith. The Qur’ān says: “He is God; there is no deity but He. To Him belongs praise in the first and in the last...” (28: 70)
Dennoch ist Gottes Gnade so groß, dass, wenn ein Gläubiger sagt: „Lob sei Gott“, dies ihm als eine gute Tat angerechnet wird, die alles übertrifft. ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb, ein Gefährte des Propheten ﷺ, berichtet, dass der Prophet ﷺ erzählte, wie ein Mann einmal sagte: „Herr, ich preise Dich, wie es der Majestät Deines Angesichts und der Größe Deiner Macht gebührt.“ Die beiden Engel, die diesen Mann begleiteten, konnten die Bemerkung nicht bewerten und wandten sich an Gott den Erhabenen, der ihnen befahl: „Schreibt es in seine Aufzeichnung so, wie er es gesagt hat, und ich werde ihm, wenn er zu Mir zurückkehrt, so lohnen, wie es ihm gebührt.“
Der letzte Teil dieses Verses, „Herr der Welten“, drückt den Glauben an die absolute universelle Gottheit aus, die im Innersten des islamischen Gottesbegriffs steht. Gott ist der alleinige, absolute und letztgültige Eigentümer mit voller, eigenständiger Autorität, im gesamten Kosmos zu handeln. Er ist der übergeordnete oberste Herr, der die Welt erschaffen hat und sie weiterhin beobachtet, für sie sorgt und ihren Bestand und ihr Wohlergehen gewährleistet. Diese lebendige und dynamische Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem Geschaffenen ist die immerwährende Quelle des Lebens für die gesamte Schöpfung. Gott hat die Welt nicht erschaffen und sich dann selbst überlassen. Er bleibt eine aktive, lebendige Instanz über Seine Schöpfung und gibt ihr, was sie für ihr fortdauerndes und sinnvolles Leben benötigt. Dies gilt für die gesamte Schöpfung Gottes.
Nevertheless, God’s grace is such that when a believer says, ‘praise be to God,’ it is recorded for him as a good deed outweighing everything. `Umar ibn al-Khaţţāb, the Prophet’s Companion, relates that the Prophet (peace be upon him) told how a man once said, “Lord, I praise You as befits the majesty of Your face and the greatness of Your power.” The two angels accompanying that man could not evaluate the remark and referred to God Almighty, who commanded them: “Register it in his record as he said it, and I shall reward him as he deserves when he returns to Me.” The last part of this verse, “Lord of all the worlds”, expresses the belief in absolute universal Godhead which is at the very core of the Islamic concept of God. God is the sole, absolute and ultimate owner with full independent authority to act in the whole cosmos. He is the overall supreme master who has created the world and continues to watch over it, take care of it, and ensure its stability and well-being. This living and dynamic relationship between the Creator and the created is the perpetual fountain of life for all creation. God has not created the world and abandoned it to its own devices. He continues to be an active living authority over His creation, giving it what it needs for its continued and meaningful life. This applies to all God’s creation.
Die Anerkennung der absoluten Herrschaft Gottes macht den entscheidenden Unterschied zwischen Klarheit und Verwirrung in Bezug auf die absolute Einheit Gottes. Menschen verbanden ihr Bekenntnis zu Gott als dem alleinigen Schöpfer oft mit dem Glauben, dass mehrere Gottheiten Autorität in ihrem Leben besäßen. Es mag absurd erscheinen, dass Menschen jemals eine solche Überzeugung vertreten haben, doch dies war in der Vergangenheit so und ist auch heute noch so. Der Koran spricht von denjenigen, die behaupten: „Wir verehren sie [untergeordnete Götter] nur, damit sie uns näher zu Gott bringen.“ (39:3) Er erwähnt auch, dass einige jüdische und christliche Gruppen „ihre Rabbiner und Priester neben Gott zu Göttern genommen haben“ (9:31). Der Polytheismus, also die Verehrung mehrerer Gottheiten oder Halbgötter neben der als höchst angesehenen „Großen Gottheit“, war weit verbreitet, als der Islam im 7. Jahrhundert in Arabien entstand.
Acknowledging God’s absolute Lordship makes all the difference between clarity and confusion with regard to God’s absolute oneness. People often combined their acknowledgement of God as the sole creator with belief in multiple deities having authority in their life. It may seem absurd that people should ever hold such a belief, but this was true in the past and is still true today. The Qur’ān speaks of those who claim that they “only worship them [minor gods] so that they may bring us nearer to God.“ (39: 3) It also mentions that some Jewish and Christian groups who “have taken their rabbis and priests as gods alongside God.” (9: 31) Polytheism, or the worship of several deities or demigods besides the perceived ‘Grand Deity’, was widespread when Islam emerged in the 7th century in Arabia.
Die Bekräftigung der absoluten Souveränität und der aktiven Herrschaft des einen Gottes.
The affirmation of the absolute sovereignty and active authority of the One God.
…über die gesamte Schöpfung war notwendig, um die Vernunft des Menschen und seine Seelenruhe zu sichern und ihn von der grausamen Verwirrung des Polytheismus zu befreien. Der Mensch muss darauf vertrauen können, dass ein wachsamer und fürsorglicher Gott diese Welt lenkt und sie niemals verlassen oder im Stich lassen wird.
over all creation was necessary to ensure man’s rationality and peace of mind, and to relieve him from the cruel bewilderment of polytheism. Man must be reassured that a vigilant and caring God is in charge of this world and will never abandon or forsake it.
Mit dem Aufkommen des Islam war die Welt voll von irrigen Glaubensvorstellungen und Philosophien sowie von falschen Religionen, die auf Aberglauben, Legenden und Mythologie gründeten. Nur sehr wenig davon war wahr oder auch nur vernünftig. Was den Begriff Gottes und sein Verhältnis zum Menschen und zur Welt betraf, herrschte reichlich elende Verwirrung. Diese wiederum führte zu Verwirrung im Verständnis des Menschen von der Welt und von seiner eigenen Stellung und Rolle innerhalb von ihr.
At the advent of Islam, the world was full of erroneous beliefs and philosophies, and of false religions based on superstition, legend and mythology. Very little of it was true or even rational. As far as the concept of God and His relationship with man and the world was concerned, there was plenty of miserable confusion. This in turn led to confusion in man’s understanding of the world and of his own position and role within it.
Das Bedürfnis nach einem vernünftigen, klaren und in sich stimmigen System von Glaubensvorstellungen wird erst dann deutlich, wenn wir jene dunklen Epochen der Menschheitsgeschichte betrachten, in denen es kein solches System gab. Dann erkennen wir, wie schwer solche großen Mythen und falschen Glaubensvorstellungen auf dem Menschen lasten. Hierzu wird noch mehr zu sagen sein, wenn wir einzelne Beispiele im Qur'ān untersuchen.
The need for a rational, clear and consistent system of beliefs only becomes apparent when we study those dark periods of human history when there was no such system. We then realize how heavily such great myth and false beliefs weigh on man. There will be more on this when we come to study specific instances in the Qur’ān.
Vor diesem Hintergrund des Bedürfnisses hat der Islam große Sorgfalt darauf verwandt, die Glaubensvorstellungen des Menschen zu berichtigen und den Begriff und das Wesen Gottes sowie Seine Eigenschaften und das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung sehr klar zu bestimmen.
It is in the light of such need that Islam has taken great care to correct man’s beliefs and define very clearly the concept and nature of God and His attributes, and the relationship between Creator and creation.
Dies wird im islamischen Begriff der Einheit Gottes verkörpert, dem Wesen und dem grundlegendsten Prinzip des Islam. Große Sorgfalt wurde darauf verwandt, die Bejahung festzustellen und zu erläutern, dass Gott der Eine, absolute und transzendente Herr und Herrscher über alles ist, was existiert. Der andere Aspekt dieses Begriffs, dem der Islam die größte Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist die Bestimmung der Eigenschaften Gottes, was im Laufe der Zeit die Ursache für viel Verwirrung, Verschleierung und wirres religiöses und philosophisches Denken war.
This is embodied in the Islamic concept of God’s oneness, the essence and most fundamental principle of Islam. Much care has been devoted to establishing and elucidating the affirmation that God is the One, absolute and transcendent Lord and Master of all that exists. The other aspect of this concept to which Islam has given its greatest attention is the definition of God’s attributes, which has been the cause of much confusion, obfuscation and muddled religious and philosophical thinking through the ages.
Die Intensität, der Nachdruck und die Ausführlichkeit, mit denen der Islam den Gedanken der Einheit Gottes und alle damit zusammenhängenden Themen behandelt, lassen sich nur vor dem Hintergrund der großen Masse irriger Vorstellungen und verworrener Theologien ermessen, die sich im Laufe der Geschichte angehäuft hatten. Aus dieser Perspektive kann der Islam ohne Weiteres als ein tiefgreifender und zeitgerechter Akt göttlicher Barmherzigkeit gelten, die der Menschheit zuteilwurde – eine Barmherzigkeit, die mit Schönheit, Schlichtheit, Klarheit, Harmonie und vollkommener Übereinstimmung mit der menschlichen Natur gegeben ist.
The intensity, emphasis and detail with which Islam has dealt with the concept of God’s oneness, and all subjects related to it, can only be appreciated against the background of the great mass of erroneous beliefs and confused theologies that had accumulated in the course of history. From this perspective, Islam can readily be seen as a profound and timely act of divine mercy bestowed on humanity — mercy that is given with beauty, simplicity, clarity, harmony and full accordance with human nature.
Der Barmherzige, der Gnädige. (Vers 3)
The Compassionate, the Merciful. (Verse 3)
Dies sind zwei Eigenschaften, die alle Bedeutungen und Aspekte von Barmherzigkeit und Mitgefühl umfassen und die Barmherzigkeit als Eigenschaft Gottes des Allmächtigen in höchstem Maße verkörpern. Diese beiden Eigenschaften bestimmen die Verbindung zwischen dem Herrn als Schöpfer und Seiner Schöpfung. Es ist eine Verbindung, die ganz auf Liebe, Frieden, Zuversicht und Fürsorge beruht und im Menschen ein spontanes Gefühl der Dankbarkeit und des Lobpreises gegenüber Gott hervorruft.
These are two attributes that encompass all meanings and aspects of mercy and compassion, and epitomize mercy as a property of God Almighty. These two attributes define the link between the Lord as Creator and His creation. It is a link based entirely on love, peace, reassurance and care, and which inspires within man a spontaneous feeling of gratitude and praise towards God.
Anders als die griechische Mythologie oder das Alte Testament (Genesis, 4: 11–12) stellt der Islam Gott nicht als einen Feind dar, der den Menschen mit unerbittlicher Rache verfolgt oder seine Schöpfung mit Boshaftigkeit und Rachsucht belauert und ihr nachstellt.
Unlike Greek mythology or the Old Testament (Genesis, 4: 1112), Islam does not depict God as an enemy who pursues man with relentless vengeance, or plots and schemes against His creation with spite and vindictiveness.
Herr des Tages des Gerichts. (Vers 4)
Master of the Day of Judgement. (Verse 4)
Diese Verse stellen einen grundlegenden islamischen Glaubenssatz dar, der einen überaus tiefgreifenden Einfluss auf das menschliche Leben hat: den Glauben an das Jenseits. Der Koran kommentiert die merkwürdige Tatsache, dass Menschen oft an Gott als Schöpfer geglaubt, aber nicht an einen Tag des Gerichts, an ein Leben im Jenseits geglaubt haben, an dem Lohn und Strafe zugeteilt werden, um das Gleichgewicht der Gerechtigkeit wiederherzustellen. Auf diese bezieht sich der Koran, wenn er sagt: „Und wenn du sie fragst: ‚Wer hat die Himmel und die Erde erschaffen?‘, werden sie gewiss antworten: ‚Gott.‘“ (31:25) An anderer Stelle sagt der Koran über solche Menschen: „Sie halten es für seltsam, dass ein Warner aus ihrer eigenen Mitte zu ihnen gekommen ist. So sagen die Ungläubigen: ‚Das ist eine seltsame Sache! [Sollen wir auferweckt werden,] nachdem wir gestorben und zu bloßem Staub geworden sind? Eine solche Rückkehr erscheint in der Tat weit hergeholt!‘“ (50:2–3)
This verse states a fundamental Islamic principle that has a most profound influence on human life: belief in the hereafter. The Qur’ān comments on the curious fact that people have often believed in God as Creator but have failed to believe in a Day of Judgement, in a life to come, when reward and punishment are meted out to restore the balance of justice. It is in reference to these that the Qur’ān says: “If you ask them, ‘Who is it that created the heavens and the earth?’ they will surely answer, ‘God’” (31: 25) Elsewhere the Qur’ān says of such people: “They deem it strange that a warner should have come to them from their own midst. Thus, the unbelievers say, A strange thing is this! [Are we to be resurrected] after we have died and become mere dust? Such a return seems far-fetched indeed!’“ (50: 2-3)
Der Glaube an das Jenseits ist unverzichtbar, denn er spricht Seele und Verstand des Menschen an und lenkt seine Aufmerksamkeit auf eine zukünftige Existenz. Dies hilft wiederum, seine Fixierung auf das gegenwärtige Leben zu zügeln und seine unmittelbaren irdischen Begierden zu überwinden. Er ist nicht länger darauf bedacht, alle seine Belohnungen hier und jetzt zu ernten; er kann seinen Egoismus überwinden und altruistische Gefühle und Interessen entwickeln. Der Mensch vermag es, durch das Leben zu gehen als ein motiviertes, tolerantes, selbstbewusstes und optimistisches Wesen.
Belief in the hereafter is essential because it engages the human soul and mind and concentrates man’s attention on a future existence. This in turn helps to rein in man’s obsession with the present life, and to transcend his immediate earthly desires. He is no longer anxious to reap all his rewards here and now; he can conquer his selfishness and develop altruistic feelings and interests. Man is able to go through life as a motivated, tolerant, confident and optimistic being.
Diese zentrale islamische Glaubensüberzeugung unterscheidet klar zwischen dem Streben nach der moralischen und geistigen Freiheit, die der Mensch braucht und verdient, und der Kapitulation vor weltlichen und selbstsüchtigen Begierden und Vergnügungen. Sie markiert den Unterschied zwischen einer ausgewogenen und gewissenhaften Menschheit und einer egoistischen, auf den eigenen Vorteil bedachten.
This central Islamic belief distinguishes clearly between aspiring to gain the moral and intellectual freedom that man needs and deserves, and capitulation to worldly and selfish desires and pleasures. It marks the difference between a well-balanced and conscientious humanity and an egotistic, self-seeking one.
Das menschliche Leben kann niemals ausgewogen und gerecht sein, solange die Menschen nicht glauben, dass das, was sie in diesem vergänglichen Leben erwerben, nicht das Letzte und Endgültige ist. Der Mensch braucht den Ansporn einer festen Überzeugung, dass ihn ein anderes Leben erwartet, das des Ringens, der Opfer und der Mühen wert ist, die er in diesem kurzen Leben auf sich nehmen muss. Dieser Glaube bewirkt einen grundlegenden Unterschied in den Gefühlen, der Haltung und dem Verhalten derer, die ihn vertreten.
Human life can never be balanced and equitable until people believe that what they earn in this transient life is not the be-all and the end- all. Man needs to have the incentive of a confident belief that another life awaits him, which is worth the struggle and the sacrifices and the effort he may have to make here in this short one. This belief brings a fundamental difference in the feelings, attitudes and behaviour of those who uphold it.
Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe. (Vers 5)
You alone do we worship and to You alone do we turn for help. (Verse 5)
Dieser Vers drückt ein weiteres grundlegendes Prinzip aus, das logisch aus den vorangehenden folgt. Es ist außerdem ein entscheidendes und maßgebliches Prinzip, das eine Grenze zieht zwischen der Freiheit, die der Mensch in der Unterwerfung unter Gott erlangt, und dem Missbrauch und der Erniedrigung, die in der Knechtschaft des Menschen gegenüber dem Menschen liegen.
This verse expresses another fundamental principle that follows logically from the preceding ones. It is also a decisive and crucial principle that draws a line between the freedom man gains in submitting to God and the abuse and debasement implicit in man’s servitude to man.
Sobald der Mensch sich Gott unterworfen und Hilfe und Rechtleitung allein bei Ihm gesucht hat, hat er die vollständige Befreiung von der Tyrannei aller religiösen, intellektuellen, moralischen und politischen Mächte erlangt.
Once man has submitted himself to God and sought help and guidance from Him alone, he has achieved total liberation from the tyranny of all religious, intellectual, moral and political powers.
Dem Gläubigen im Islam gliedert sich menschliche Macht in zwei Kategorien: eine rechtgeleitete Macht, die Gott anerkennt und sich nach Seinen Weisungen richtet, und eine hochmütige, rebellische Macht, die Gottes Herrschaft und Autorität nicht anerkennt. Ein Muslim ist verpflichtet, die erstere zu unterstützen und zu billigen, wie schwach oder benachteiligt sie auch sein mag, und die letztere abzulehnen und ihr entgegenzutreten, gleichgültig wie stark oder dominant sie ist. Der Qur'ān sagt: „Wie manche kleine Schar hat mit Gottes Gnade eine große Schar besiegt.“ (2: 249) Ein solcher Sieg der scheinbar schwächeren Gruppe könne nur dann errungen werden, wenn sie sich auf Gott verlässt, die Quelle aller Macht.
To the believer in Islam, human power falls into two categories: a rightly-guided power that recognizes God and abides by His directions, and an arrogant, rebellious one that does not admit to God’s sovereignty and authority. A Muslim is required to support and endorse the former, no matter how weak or disadvantaged it may be, and to reject and oppose the latter, regardless of its strength or dominance. The Qur’ān says: “Many a small band, by the grace of God, has vanquished a large one.” (2: 249) Such victory of the apparently weaker host could only be achieved when it relies on God, the source of all power.
Gegenüber den Naturkräften ist die Haltung eines Muslims von Neugier und Freundlichkeit geprägt und nicht von Furcht oder Feindseligkeit. Die Kräfte des Menschen und die Kräfte der Natur werden als Nebenerzeugnisse der eigenen Macht Gottes angesehen und unterliegen Seinem Willen. Sie sind daher vollkommen komplementär und voneinander abhängig.
Towards natural forces, a Muslim’s attitude is one of curiosity and friendliness rather than fear or hostility. The powers of man and the powers of nature are perceived as by-products of God’s own power, and subject to His will. They are, therefore, perfectly complementary and interdependent.
Der Islam lehrt, dass Gott die physische Welt und all ihre Kräfte zum Nutzen und Vorteil des Menschen erschaffen hat. Der Mensch wird ausdrücklich dazu angehalten und angeleitet, die Welt um sich herum zu studieren, ihr Potenzial zu entdecken und seine gesamte Umgebung zu seinem eigenen Wohl und zum Wohl seiner Mitmenschen zu nutzen. Jeder Schaden, den der Mensch durch die Natur erleidet, ist allein die Folge seiner Unwissenheit oder seines mangelnden Verständnisses von ihr und den sie beherrschenden Gesetzen. Je mehr der Mensch über die Natur lernt, desto friedlicher und harmonischer wird sein Verhältnis zur Natur und zu seiner Umwelt.
Islam teaches that God has created the physical world and all its forces for man’s own use and benefit. Man is specifically taught and directed to study the world around him, discover its potential and utilize all his environment for his own good and the good of his fellow humans. Any harm that man suffers at the hands of nature is a result only of his ignorance or lack of understanding of it and of the laws governing it. The more man learns about nature, the more peaceful and harmonious his relationship with nature and the environment.
Daher lässt sich die Vorstellung von der „Eroberung der Natur“ leicht als zynisch und negativ begreifen. Sie ist den islamischen Auffassungen fremd und verrät eine schamlose Unkenntnis des Geistes, in dem die Welt erschaffen wurde, sowie der göttlichen Weisheit, die ihr zugrunde liegt.
Hence the notion of “conquering nature” can readily be seen as cynical and negative. It is alien to Islamic perceptions and betrays a shameless ignorance of the spirit in which the world has been created and the divine wisdom that underlies it.
Da Muslime sich stets bewusst sind, dass Gott die Welt gestaltet und lenkt, haben sie eine positive, freundliche und konstruktive Sicht auf das Verhältnis des Menschen zur Natur. Einfach gesagt erkennt diese Sicht Gott als den Ursprung und Schöpfer all dieser Kräfte an, auf der Grundlage desselben Satzes von Axiomen und Gesetzen. Sie sind so gestaltet, dass sie zusammen, für einen gemeinsamen Zweck, in Harmonie, Verträglichkeit und gegenseitiger Unterstützung wirken. Die Kräfte der Natur sind dem Menschen im Wesentlichen untergeordnet; dieser ist geistig und körperlich befähigt, sie zu erkennen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln, die sie beherrschenden Gesetze zu begreifen und sie daraufhin zu nutzen, um die Lebensqualität auf der Erde zu verbessern. Der Qur'ān erklärt: „Er hat alles, was auf der Erde ist, euch dienstbar gemacht." (45: 13)
Being always aware of God’s hand and role in shaping and running the world, Muslims have a positive, friendly and constructive outlook on man’s relationship with nature. Simply stated, it acknowledges God as the origin and Creator of all these forces, on the basis of the same set of axioms and laws. They are designed to function together, for a common purpose, in harmony, compatibility and mutual support. The forces of nature are essentially subservient to man, who is mentally and physically equipped to discern them, unravel their secrets, comprehend the laws governing them and, subsequently, to harness them to improve the quality of life on earth. The Qur’ān asserts: “He has all that is on the earth subservient to you.” (45: 13)
Eine solche Sichtweise beseitigt jede Spur von Furcht oder Isolation und ermöglicht stattdessen ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit, in dem der Mensch nicht nur als integraler Bestandteil des Gesamtentwurfs der Welt gesehen wird, sondern auch als ein wesentlich wirksamer und einflussreicher. So wird seine Welt zu einer freundlichen. Dies hat der Prophet ﷺ am besten zum Ausdruck gebracht, als er einst vor dem Berg Uĥud stand, dem Schauplatz einer bitteren Niederlage der Muslime, und sprach: „Wie sehr wir diesen Berg lieben, und wie sehr er uns liebt!“ Darin drückt sich in aller Kürze die Verbundenheit aus, die der Prophet ﷺ gegenüber der Natur empfand, selbst in ihren rauesten Formen.
Such an outlook eliminates all traces of fear or isolation and allows, instead, a profound sense of belonging in which man is seen not only as an integral part of the overall design of the world, but also an essentially effective and influential one. Thus, his world becomes a friendly one. This is best expressed by the Prophet when he once faced Mount Uĥud, the scene of a bitter defeat for Muslims, and said, “How we love this mountain, and how it loves us!” This expresses in a nutshell the affinity the Prophet felt towards nature even in its most rugged forms.
Nachdem diese grundlegenden Prinzipien festgelegt sind, weist die Sure auf bestimmte praktische Mittel hin, ihnen zu begegnen, an erster Stelle unter denen das Gebet steht:
Having established these fundamental principles, the sūrah points the way to certain practical means of responding to them, foremost among which is prayer:
Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Deine Gnade erwiesen hast, nicht derer, die Deinen Zorn erregt haben, noch derer, die irregehen. (Verse 6-7)
Guide us on the straight path; the path of those on whom You have bestowed Your favours, not those who have incurred Your wrath, nor those who have gone astray. (Verses 6-7)
Mit diesen Worten bittet der Gläubige darum, auf den rechten Weg geführt und auf ihm unterstützt zu werden, was ohne die Führung, Fürsorge und Barmherzigkeit Gottes nicht zu erreichen ist. Dies anzuerkennen ist bereits ein Bekenntnis zur Souveränität und Herrschaft Gottes über alle Dinge und Ereignisse.
With these words a believer pleads to be shown the Right Way and to be helped along it, which cannot be achieved without God’s guidance, care and mercy. To acknowledge that is in itself a recognition of God’s sovereignty and dominance over all things and events.
Die Anleitung zum rechten Lebensweg garantiert dem Menschen Glück in dieser Welt und im Jenseits. Sie wirkt im Grunde dadurch, dass sie die menschliche Natur sowie die Instinkte, Neigungen und Eingebungen des Menschen auf die Erkenntnis und das Verständnis des göttlichen Willens lenkt und so das menschliche Handeln mit der natürlichen Ordnung und der physischen Welt in Einklang bringt.
Guidance to the right way of life guarantees man’s happiness in this world and in the hereafter. It comes about, in effect, by guiding human nature and man’s instincts, desires and inspirations towards the recognition and comprehension of the divine will, so bringing human activity into rhythm with the natural order and the physical world.
Die Sure offenbart, dass der „gerade Weg“ der Weg derer ist, denen Gott Seine Gunst erwiesen hat, nicht der Weg derer, die durch ihr Abweichen von der Wahrheit Seinen Unmut auf sich gezogen haben, noch der Weg der Achtlosen, die keine Kenntnis von der Wahrheit besitzen. Es ist der Pfad des Glücks und der Rettung.
The sūrah reveals the nature of the “straight path” as being one taken by those whom God has favoured, not the way of those who have earned His displeasure by their deviation from the Truth, nor that of the heedless who have no knowledge of the truth. It is the path of happiness and salvation.
Dies ist nun al-Fātiĥah, die Sūrah, die für das tägliche häufige Rezitieren ausgewählt wurde, ohne die islamische Gebete ungültig sind. Trotz ihrer Kürze enthält sie einige der grundlegendsten Prinzipien des islamischen Glaubens und bestimmte Erkenntnisse, die sich aus ihnen ergeben.
This, then, is al-Fātiĥah, the sūrah selected for frequent daily recitation, without which Islamic prayers are invalid. Despite its brevity, it contains some of the most fundamental principles of the Islamic faith and certain insights that arise from them.
Der Prophet Muhammad ﷺ hat, wie zuverlässig überliefert ist, Gott mit den Worten zitiert, dass die Früchte des Gebets zwischen Mir und Meinem Diener geteilt werden, und Mein Diener erhält, was er erbittet. Wenn der Gläubige [im Gebet] rezitiert: „Lob sei Gott, dem Herrn der Welten“, wird Gott sagen: „Mein Diener hat Mich gepriesen.“ Wenn er rezitiert: „Der Barmherzige, der Gnädige“, wird Gott sagen: „Mein Diener hat Mir gedankt.“ Wenn er rezitiert: „Herrscher am Tag des Gerichts“, wird Gott sagen: „Mein Diener hat Mich verherrlicht.“ Und wenn er sagt: „Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe“, wird Gott sagen: „Dies liegt zwischen Mir und Meinem Diener, und Mein Diener wird erhalten, was er erbittet.“ Und wenn er sagt: „Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Deine Gunst erwiesen hast, nicht derer, die Deinen Zorn erregt haben, noch derer, die irregehen“, wird Gott sagen: „Dies ist für Meinen Diener, und ihm wird sein Wunsch gewährt.“
Dieser Ḥadīth erschließt einige der Bedeutungen von al-Fātiḥah. Der Leser wird vielleicht hilfreich finden, zu verstehen, warum Gott diese Sūrah ausgewählt hat, damit Muslime sie mindestens siebzehnmal am Tag rezitieren, wenn sie zu ihren Pflichtgebeten aufstehen, verteilt über Nacht und Tag, und noch häufiger, wann immer sie freiwillige Gebete verrichten.
The Prophet Muĥammad is reliably reported to have quoted God as saying that the fruits of prayer are shared equally between Me and My servant, and My servant will be granted what he asks for. As the worshipper recites [in Prayer]: “Praise be to God, the Lord of all the worlds,” God will say: ‘My servant has praised Me.’ As he recites: “The Compassionate, the Merciful,” God will say: ‘My servant has thanked Me.’ As he recites: “Master of the Day of Judgement,” God will say: “My servant has glorified Me.” As he says: “You alone do we worship, and to You alone do we turn for help,” God will say: ‘This is between Me and My servant, and My servant will receive what he asks for.’ And, as he says: “Guide us on the straight path, the path of those on whom You have bestowed Your favours, not those who have incurred Your wrath, nor those who have gone astray,” God will say: ‘This is for My servant, and he will be granted his wish.’“ This ĥadīth explores some of the meanings of al-Fātiĥah. The reader will perhaps find it helpful in understanding why God has chosen this sūrah for recitation by Muslims at least seventeen times a day, as they stand up for their obligatory prayers, spread over the night and day, and even more frequently, whenever they offer voluntary prayers.