Ich habe mich recht ausführlich mit dem vorläufigen Charakter der Regel befasst, die in diesem Vers dargelegt wird und nach der der Prophet und die Muslime jede Neigung der Ungläubigen zum Frieden erwidern müssen. Mein Ziel ist es, einen bestimmten Aspekt der Verwirrung zu klären, die aus der geistigen und intellektuellen Mutlosigkeit entsteht, die sich im Werk vieler Autoren widerspiegelt, die über den islamischen Dschihād schreiben. Solche Menschen spüren den Druck der modernen Werte, die in den internationalen Beziehungen vorherrschen. Da sie das wahre Wesen des Islam, so wie er ist, nicht klar begreifen, fällt es ihnen zu schwer zu glauben, dass der göttliche Glaube einen einzigen und dauerhaften Ansatz gegenüber der gesamten Menschheit verfolgt und allen Menschen eine Wahl zwischen drei Möglichkeiten lässt: die Annahme des Islam, die Zahlung der Dschizya oder den Krieg mit dem Islam.
I have dwelt rather extensively on the provisional nature of the rule outlined in this verse, which requires the Prophet and the Muslims to reciprocate any inclination to peace by the unbelievers. My aim is to clarify a certain aspect of confusion that arises from the spiritual and intellectual defeatism reflected in the work of many of those who write about Islamic jihād. Such people feel the pressure of modern values that prevail in international relations. Lacking a clear understanding of the true nature of Islam as they are, they find it too much for the divine faith to adopt a single and permanent approach towards all humanity, giving all people a choice between three alternatives: acceptance of Islam, payment of jizyah or being at war with Islam.
Sie erkennen, dass alle Kräfte der Dschāhiliyya gegen den Islam und seine Anhänger mobilisiert sind, während diejenigen, die sich als Muslime bekennen, ohne den wahren Charakter des Islam vollständig zu verstehen oder ernsthaft zu würdigen, zu schwach sind, um den vereinten Kräften anderer Glaubensrichtungen und Religionen standzuhalten. Sie empfinden außerdem, dass diejenigen, die an vorderster Front für den Islam eintreten, zu wenige an Zahl sind und kaum Macht besitzen, mit der man rechnen müsste.
They realize that all forces of jāhiliyyah are mobilized against Islam and its followers, while those who profess to be Muslims, without fully understanding or seriously appreciating the true nature of Islam, are too weak to stand up to the combined forces of other creeds and religions. They also feel that those at the forefront of Islamic advocacy are too small in number and have little power to reckon with.
Daher versuchen solche Autoren, den Aussagen des Qur'ān und den Aḥādīth eine andere Auslegung aufzuzwingen, damit sie als im Einklang mit der Lage unserer heutigen Welt mit all ihrem Druck auf die heutigen Muslime erscheinen. Der einheitliche Ansatz des Islam und die drei Wahlmöglichkeiten, die er bietet, fällt ihnen zu schwer zu schlucken.
Hence, such writers try to impose a different interpretation on Qur’ānic statements and aĥadīth so that they can be seen to be in line with the situation in our present world with all its pressures on contemporary Muslims. They find the single approach of Islam and the three choices it offers too hard to swallow.
Solche Autoren deuten Aussagen, die einen vorläufigen Charakter haben oder nur auf bestimmte Umstände anwendbar sind, als endgültig, dauerhaft und von allgemeiner, universeller Geltung. Wenn sie die endgültigen Aussagen behandeln, interpretieren sie diese im Lichte jener vorläufigen, denen sie eine endgültige Bedeutung beigemessen haben. So kommen sie zu der Vorstellung, der islamische Dschihād sei lediglich eine Verteidigungsmaßnahme zum Schutz der muslimischen Menschen und ihres Landes, wenn sie angegriffen werden, und der Islam werde jedes Friedensangebot stets annehmen. Für sie ist Frieden lediglich ein Zustand der Nichtkriegführung, was praktisch bedeutet, dass das andere Lager das Land des Islam nicht angreift. Nach ihrem Verständnis soll sich der Islam jederzeit innerhalb seiner Grenzen zurückziehen. Er habe kein Recht, andere aufzufordern, seine Botschaft anzunehmen oder sich dem Gesetz Gottes zu unterwerfen, es sei denn, ein solcher Aufruf erfolgt in Form einer Rede, Erklärung oder Veröffentlichung. Was materielle Kräfte betrifft, so habe der Islam kein Recht, die herrschenden Kräfte in Gesellschaften der Ǧāhilīyya anzugreifen, es sei denn, er selbst werde zuerst angegriffen; in diesem Fall sei es richtig, dass sich der Islam verteidigt.
Such writers often interpret statements that have a provisional nature or qualified application as final, permanent and having general and universal application. When they tackle the final statements they interpret these in the light of those provisional ones to which they have applied a final import. Thus, they come up with the idea that Islamic jihād is merely a defensive operation to protect Muslim people and their land when they are attacked, and that Islam will always accept any offer of peace. To them, peace is merely a state of non- belligerence which, in practical terms, means that the other camp will not attack the land of Islam. According to their understanding, Islam should shrink inside its borders at all times. It has no right to call on others to accept its message or to submit to God’s law, unless such a call takes the form of a speech, statement or bulletin. When it comes to material forces, Islam has no right to attack the ruling forces in jāhiliyyah societies unless it first comes under attack, in which case Islam is right to defend itself.
Hätten jene geistig und intellektuell defätistischen Menschen in den Regeln und Gesetzen ihres Glaubens nach Elementen gesucht, die eine Situation wie die gegenwärtige behandeln können, ohne irgendeiner Aussage eine willkürliche Auslegung aufzuzwingen, so hätten sie verstehen können, wie der Islam einer Lage begegnet ist, die der heutigen nicht unähnlich ist. Sie hätten dann sagen können, dass der Islam in ähnlichen Situationen diese oder jene Politik verfolgt hat, dies aber keine endgültige oder dauerhafte islamische Haltung darstellt. Es handelte sich lediglich um eine Reihe vorübergehender Maßnahmen, die in einer besonderen Lage oder in einem Notfall notwendig waren. Im selben Zusammenhang ist es nützlich, Beispiele von Entscheidungen und Praktiken übergangsweisen Charakters zu betrachten, die zur Bewältigung von Notlagen getroffen wurden.
Had those spiritually and intellectually defeatist people wanted to find in the rules and laws of their faith elements which can deal with a situation like the present one, without imposing any arbitrary interpretation on any statement, they would have been able to understand how Islam faced a situation that is not dissimilar to what we face today. They would then have been able to say that in similar situations Islam adopted such and such policy, but that does not constitute the final or the permanent Islamic attitude. It was merely a set of temporary measures that were necessary in a special situation or in an emergency. Within the same context, it is useful to look at examples of rulings and practices of a transitional nature, undertaken to meet emergencies.
In den frühen Tagen nach seiner Niederlassung in Madinah schloss der Prophet ﷺ einen Friedens- und Verteidigungsvertrag mit den Juden und den Ungläubigen in und um Madinah. Der Vertrag stellte klar, dass die oberste Autorität in Madinah dem Propheten ﷺ zustand, und verpflichtete die übrigen Gruppen, die Stadt gegen die Quraisch zu verteidigen. Die Unterzeichner vereinbarten, dass sie keinem Angreifer Unterstützung gewähren würden, der Madinah angreift. Keiner sollte ohne die vorherige Zustimmung des Propheten ﷺ einen Bund mit den Ungläubigen schließen, die den Muslimen feindlich gesinnt waren. Zugleich wies Gott den Propheten ﷺ an, jeder Gruppe, die dem Frieden zugeneigt war, auch wenn sie keinen Vertrag mit ihm geschlossen hatte, friedliche und freundliche Behandlung zuteilwerden zu lassen. Diese friedliche Lage sollte er so lange aufrechterhalten, wie jene sich dem Frieden verpflichtet fühlten. All dies änderte sich später, wie bereits erläutert.
• In the early days after his settlement in Madinah, the Prophet concluded a peace and defence treaty with the Jews and the unbelievers in and around Madinah. The treaty made it clear that the supreme authority in Madinah belonged to the Prophet, and committed the other groups to defend the city against the Quraysh. The signatories agreed that they would not extend any support to any aggressor who attacked Madinah. None would make any pact with the unbelievers who were hostile to the Muslims without the prior agreement of the Prophet. At the same time, God instructed the Prophet to extend peaceful and friendly treatment to any group who were inclined towards peace, even though they did not sign a treaty with him. He was to maintain that peaceful situation as long as they were committed to peace. All this changed later, as already explained.
Als sich die Ereignisse ereigneten, die als Grabenschlacht bekannt sind, als die arabischen Ungläubigen große Streitkräfte mobilisierten und Madinah umzingelten, brach der Stamm der Qurayẓah-Juden seinen Vertrag mit dem muslimischen Staat. Der Prophet ﷺ war besorgt, dass die Muslime infolge eines geplanten Zangenangriffs in sehr ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnten. Um die Lage zu entschärfen, bot der Prophet ﷺ den Anführern der zweitgrößten Streitmacht an, nämlich dem Stamm der Ghaṭafān, eine Vereinbarung zu treffen, wonach sie ihre gesamten Streitkräfte abziehen würden, im Gegenzug für ein Drittel der Ernte Madinahs. Diese Übereinkunft hätte die Quraysch in der Angriffsposition allein gelassen, und die Muslime hätten gegen sie höchstwahrscheinlich einen schnellen Sieg erringen können. Dies war jedoch nur ein Angebot, und es wurde kein Abkommen unterzeichnet.
• When the events known as the Expedition of the Moat took place, with the Arab unbelievers mobilizing large forces and surrounding Madinah, the Qurayżah Jews violated their treaty with the Muslim state. The Prophet was worried that the Muslims might be in very serious trouble as a result of a planned pincer attack. To ease the situation the Prophet offered to make a deal with the chiefs of the second largest force, namely the Ghaţafān tribe, which would have them withdrawing all their forces in return for having one-third of Madinah’s harvest. That agreement would have left the Quraysh alone in the position of attack and the Muslims would most probably have been able to gain a quick victory against them. This was only an offer and no agreement was signed.
• Bevor der Vertrag unterzeichnet und bezeugt wurde, beriet sich der Prophet ﷺ mit den beiden Führern der Anṣār, Saʿd ibn Muʿādh und Saʿd ibn ʿUbādah. Sie fragten ihn: „Ist das etwas, was du von uns willst?
• Before having the agreement signed and witnessed, the Prophet consulted the two leaders of the Anşār, Sa`d ibn Mu`ādh and Sa`d ibn `Ubādah. They asked him: “Is this something you would like us to do?
„Also werden wir es Ihretwegen annehmen. Oder ist es etwas, das Gott angeordnet hat und das wir annehmen müssen? Oder tust du es unseretwegen?“ Der Prophet ﷺ antwortete: „Ich tue es euretwegen, weil ich gesehen habe, wie sich alle Araber gegen euch verbündet haben.“ Er fügte hinzu, dass er für den Augenblick lediglich die Einheit ihrer Feinde aufbrechen wolle.
In this case, we will accept it for your sake. Or is it something God has ordered and we have to accept it? Or is it something you are doing for our sake?” The Prophet answered: “I am doing it for you, having seen all the Arabs joining forces against you.” He added that all he wanted was to break up the unity of their enemies for the present.
Sa'd ibn Mu'ādh sagte:
Sa`d ibn Mu`ādh said:
„Gesandter Gottes, als wir wie diese Leute Götzenanbeter waren, die keine andere Religion kannten als die Verehrung von Götzen, hofften sie nicht, auch nur eine einzige Frucht aus Madinah zu bekommen, außer als Geschenk von uns oder wenn wir sie ihnen verkauften. Nun, da Gott uns mit dem Islam geehrt und uns zu ihm geleitet hat und uns die Ehre und Stärke geschenkt hat, dich in unserer Mitte zu haben ﷺ, sollten wir ihnen da etwa freiwillig unsere Güter geben? Wir haben keinen Bedarf an diesem Abkommen. Wir werden ihnen nichts geben als das Schwert, bis Gott zwischen uns Sein Urteil fällt.“
Messenger of God, when we were, like these people, idolaters, unaware of any religion other than the worship of idols, they did not hope to get a single fruit from Madinah except as a present from us or if we sold it to them. Now that God has honoured us with Islam and guided us to it and has given us the honour and strength of having you in our midst, would we willingly give them our goods? We have no need for this agreement. We will give them nothing but the sword until God makes His judgement between us.
Der Prophet war mit dieser Antwort zufrieden und sagte: „Tut, was ihr wollt.“ Dann wandte er sich an die Häuptlinge der Ghaṭafān und sagte: „Ihr könnt nun gehen, denn wir haben euch nichts anderes anzubieten als das Schwert.“ Was der Prophet bei dieser Gelegenheit zu tun erwog, war lediglich eine vorübergehende Maßnahme in einer Notlage.
The Prophet was pleased with this reply and said: “You do what you wish.” Turning to the Ghaţafān chiefs, he said: “You may go now, for we have nothing to offer you except the sword.” What the Prophet thought of doing on this occasion was merely a temporary measure in an emergency situation.
Es war keineswegs ein Hinweis auf eine endgültige Regel.
It was by no means indicative of a final rule.
Der Prophet ﷺ schloss auch den Friedensvertrag von al-Ḥudaybiyah mit den Quraisch, als diese noch Gott Teilhaber beigesellten.
• The Prophet also concluded the peace agreement at al-Ĥudaybiyah with the Quraysh when they were still associating partners with God.
Die Bedingungen des Vertrags waren für viele Muslime alles andere als zufriedenstellend. Der Vertrag sah vor, dass keine der beiden Parteien zehn Jahre lang gegen die andere Krieg führen würde. Die Menschen würden in Frieden und Sicherheit leben. Der Prophet ﷺ und seine Gefährten sollten umkehren, ohne Makkah zu betreten, und im darauffolgenden Jahr wiederkommen, wobei ihnen der Zutritt zur Stadt nur für drei Tage gestattet wäre und sie außer Schwertern in ihren Schilden keine Waffen bei sich haben dürften. Sollte ein Ungläubiger sich den Muslimen anschließen wollen, würden sie ihn zurückweisen; wollte jedoch ein Muslim sich zu den Ungläubigen gesellen, müssten sie ihn nicht zurückschicken. Auf Gottes Anweisung hin nahm der Prophet ﷺ diese scheinbar ungerechten Bedingungen um eines bestimmten Zwecks willen an, der nur Ihm bekannt war. Unter ähnlichen Umständen könnten die Führer der muslimischen Gemeinschaft auf vergleichbarer Grundlage handeln.
The terms of the agreement were far from satisfactory to many Muslims. The agreement stipulated that neither party would go to war against the other for ten years. People would live in peace and security. The Prophet and his companions would go back without entering Makkah, to return in a year’s time when they would be allowed in the city for three days only, having no armament other than swords in their shields. If an unbeliever should seek to join the Muslims, they would turn him back, but if a Muslim sought to join the unbelievers, they would not have to send him back. Acting on God’s instruction, the Prophet accepted those seemingly unfair conditions for a definite purpose known to Him. In similar circumstances the leaders of the Muslim community could take action on a similar basis.
Die praktische Natur des islamischen Glaubens macht es notwendig, jeder Situation mit angemessenen Mitteln zu begegnen. Der Islam verfolgt einen praktischen und flexiblen Ansatz, der zugleich klar und fest gegründet ist. Wenn wir in den islamischen Lehren eine Grundlage für positives Handeln suchen, um jeder praktischen Situation zu begegnen, müssen wir die Aussagen des Qur'ān und der Ḥadīthe nicht verdrehen oder willkürlich auslegen. Notwendig ist es, Gott zu fürchten und davon abzusehen, Seinen Glauben den bösen und unwissenden Wirklichkeiten dienstbar zu machen. Wir müssen uns außerdem davor hüten, eine defätistische Haltung anzunehmen, die den Islam in die Defensive drängt, obwohl er ein Glaube ist, der das Leben der Menschen lenken und regeln soll. Aus einer Position der Stärke heraus befriedigt er alle Bedürfnisse des praktischen Lebens.
The practical nature of the Islamic faith makes it necessary to face up to any situation with adequate means. Islam takes a practical and flexible approach which is at the same time clear and firmly based. If we seek in Islamic teachings a basis for positive action to deal with any practical situation, we will not need to twist Qur’ānic or aĥadīth statements, or give them arbitrary interpretations. What is needed is to fear God and to refrain from any attempt to make His faith subservient to evil and ignorant realities. We must also guard against adopting a defeatist attitude which puts Islam on the defensive when it is a faith that is meant to govern and regulate people’s lives. It satisfies, from a position of strength, all the needs of practical life.
Lob sei Gott, dass Er uns zu Seinem Glauben geleitet hat.
Praise be to God for having guided us to His faith.